{"id":12795,"date":"2008-09-12T00:00:00","date_gmt":"2008-09-12T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12795"},"modified":"2008-09-12T00:00:00","modified_gmt":"2008-09-12T00:00:00","slug":"12795","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/09\/12795\/","title":{"rendered":"Krieg im Kaukasus: Warum griffen Georgien und Russland zu den Waffen?"},"content":{"rendered":"<p>  Der Einmarsch georgischer Truppen in S&#252;dossetien in der Nacht vom 7. auf   den 8. August kostete &#252;ber tausend Menschen das Leben und zwang viele   weitere zur Flucht. Russland war daraufhin mit Panzern in S&#252;dossetien   einger&#252;ckt und hatte Luftangriffe nicht nur gegen Milit&#228;rst&#252;tzpunkte,   sondern auch gegen Hafenanlagen und Flugh&#228;fen geflogen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Au&#223;erdem waren russische Truppen in Georgien eingedrungen. Unter   anderem wurden die Stadt Gori und der Hafen Poti angegriffen.<\/b><\/p>\n<p>  <b>Auch wenn sich Georgien und Russland inzwischen auf einen   &#8222;Friedensplan&#8220; geeinigt haben, ist die Gefahr zuk&#252;nftiger weiterer   milit&#228;rischer Eskalationen in der Region keineswegs gebannt.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Tinette Schnatterer, Stuttgart<\/i><\/p>\n<p>  Der Konflikt um S&#252;dossetien ist nicht neu. Seit dem Krieg von 1990 bis   1992 &#8211; vor dem Hintergrund der Aufl&#246;sung der Sowjetunion &#8211; ist   S&#252;dossetien de facto von Georgien unabh&#228;ngig. 90 Prozent der 70.000   EinwohnerInnen S&#252;dossetiens haben einen russischen Pass. 1992 und 2006   stimmten sie in zwei Referenden mehrheitlich f&#252;r die Lostrennung von   Georgien. Eine gemischte &#8222;Friedenstruppe&#8220; unter russischer Beteiligung   ist seit dem Waffenstillstand 1992 im Land stationiert.<\/p>\n<p>  Wie kam es zur mili&#228;rischen Eskalation?<\/p>\n<p>  Seit L&#228;ngerem sah der georgische Pr&#228;sident Micheil Saakaschwili seine   Position gef&#228;hrdet. Ende letzten Jahres gelang es ihm nur mit M&#252;he,   Massenproteste gegen Korruption zu &#252;berstehen. Seit einiger Zeit   versucht Russland, die von Georgien abtr&#252;nnigen Regionen S&#252;dossetien und   Abchasien weiter unter Kontrolle zu bekommen.<\/p>\n<p>  Schon vor dem Angriff hatte Georgien verst&#228;rkt Truppen Richtung   S&#252;dossetien verschoben. Im Fr&#252;hsommer fand ein dreiw&#246;chiges   Milit&#228;rman&#246;ver unter der Beteiligung von 1.000 US-Soldaten statt. Zuvor   hatten die USA ihre Unterst&#252;tzung f&#252;r Georgiens Mitgliedschaft in der   NATO bekr&#228;ftigt. Als Saakaschwili, dadurch ermutigt, S&#252;dossetien erneut   Georgien einverleiben wollte, schlug Moskau zur&#252;ck und nutzte die   Situation, um gegen&#252;ber Georgien, aber auch als Warnung f&#252;r andere   Staaten in der Region, St&#228;rke zu demonstrieren.<\/p>\n<p>  Konflikt zwischen Washington und Moskau<\/p>\n<p>  Bei dem Konflikt geht es weder Georgien noch Russland um das Wohl der   Bev&#246;lkerung in S&#252;dossetien. Es sind vielmehr die konkurrierenden   Interessen der kapitalistischen M&#228;chte USA und Russland, die auf dem   R&#252;cken der dortigen Bev&#246;lkerung ausgetragen werden.<\/p>\n<p>  Saakaschwili ist ein Verb&#252;ndeter Washingtons, Georgien ein Br&#252;ckenkopf   der USA in der Region. 127 US-amerikanische Milit&#228;rausbilder befinden   sich beispielsweise zur Zeit in Georgien.<\/p>\n<p>  Einfluss und Vormacht in der energiereichen Region sind f&#252;r beide M&#228;chte   entscheidend. Georgien hat zwar selbst keine Gas- oder &#214;lvorkommen, ist   aber f&#252;r den Westen eine wichtige Transitroute.<\/p>\n<p>  Moskau ist darauf aus, die Region, die bis zum Ende der Sowjetunion fast   200 Jahre unter der Herrschaft Russlands stand, wieder unter ihre   Kontrolle zu bekommen. Demgegen&#252;ber streben die USA danach, den Einfluss   von Wladimir Putin und Co. in Osteuropa und Zentralasien zu schw&#228;chen.   Die Pr&#228;sidenten der den USA nahe stehenden EU-Staaten Polen, Estland,   Lettland und Litauen waren zusammen mit dem ukrainischen Staatschef am   12. August nach Tiflis gereist, um ihre Solidarit&#228;t mit Saakaschwili zu   demonstrieren. Das Abkommen zwischen den USA und Polen &#252;ber die   Einrichtung eines US-Raketenabwehrschildes &#8211; lange geplant, nun   pl&#246;tzlich &#252;ber Nacht realisiert &#8211; ist eine erste Antwort Washingtons auf   Russlands Intervention in Georgien.<\/p>\n<p>  EU und Deutschland<\/p>\n<p>  Im Gegensatz zu Polen oder Gro&#223;britannien nahmen die Regierungen anderer   EU-L&#228;nder wie vor allem Deutschland nicht die gleiche konfrontative   Haltung gegen&#252;ber Russland ein. In dieser Frage sind zwischen den USA   und wichtigen Teilen der EU sowie innerhalb der EU &#228;hnliche Konflikte   wie im Irak-Krieg aufgerissen.<\/p>\n<p>  Europa ist stark von russischem &#214;l und Gas abh&#228;ngig. Zudem intensiviert   sich der Handel. So wuchsen die deutschen Exporte nach Russland im   ersten Halbjahr 2008 um &#252;ber 50 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>  Dazu kommt, dass die Herrschenden in Deutschland aufr&#252;sten, Truppen ins   Ausland schicken und verst&#228;rkt eine eigenst&#228;ndigere Rolle international   spielen wollen. Allerdings gibt es Unterschiede, wie weit die gegen&#252;ber   den USA eigenst&#228;ndigere Rolle gehen soll &#8211; was sich auch in   unterschiedlichen Betonungen zwischen Angela Merkel (CDU) und f&#252;hrenden   SPD-Politikern zeigt.<\/p>\n<p>  Gegen Krieg, Nationalismus und Rassismus<\/p>\n<p>  Der Kreml wird den Konflikt f&#252;r eine rassistische Propagandaoffensive   gegen in Russland lebende Georgier nutzen. Die georgische Regierung wird   gleichzeitig versch&#228;rft gegen russische EinwohnerInnen hetzen. Damit   wird die Spaltung der arbeitenden Menschen entlang ethnischer Linien   vertieft. Mit nationalistischer Kriegspropaganda soll erreicht werden,   dass sich die Bev&#246;lkerung hinter die jeweilige Regierung stellt. Zudem   soll von den eigentlich Verantwortlichen f&#252;r die sozialen Probleme   abgelenkt werden. So lebt in Georgien jeder Zweite in Armut, w&#228;hrend die   Weltbank das Land als &#8222;Musterknaben&#8220; des Neoliberalismus lobt.<\/p>\n<p>  Statt auf Regierungen und &#8222;Friedenstruppen&#8220; zu vertrauen, die die   Interessen imperialistischer Kr&#228;fte und Konzerne vertreten, tritt die   russische Schwesterorganisation der SAV f&#252;r gemeinsame Aktivit&#228;ten der   arbeitenden Bev&#246;lkerung von Georgien, Russland und S&#252;dossetien ein, um   gegen Kriegspolitik und Sozialraub Widerstand zu leisten. CWI-Mitglieder   verteidigen gleichzeitig das Recht der Bev&#246;lkerung in S&#252;dossetien auf   Selbstbestimmung und treten daf&#252;r ein, dass allen unterdr&#252;ckten   Nationalit&#228;ten das Recht auf Selbstbestimmung zugestanden wird. Ziel ist   eine sozialistische Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft sowie   eine demokratische, sozialistische F&#246;deration des Kaukasus auf   freiwilliger Basis &#8211; damit der Reichtum der Region allen Menschen zu   Gute kommen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der Einmarsch georgischer Truppen in S&#252;dossetien in der Nacht vom 7. auf<br \/>\n      den 8. August kostete &#252;ber tausend Menschen das Leben und zwang viele<br \/>\n      weitere zur Flucht. 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