{"id":12786,"date":"2008-09-25T00:00:00","date_gmt":"2008-09-25T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12786"},"modified":"2008-09-25T00:00:00","modified_gmt":"2008-09-25T00:00:00","slug":"12786","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/09\/12786\/","title":{"rendered":"Keynesianismus oder Sozialismus?"},"content":{"rendered":"<p>  Aufgaben der LINKEN am Beginn der Rezession<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Ende August wurde das Bundesfinanzminsterium beauftragt, einen   Antikrisenplan auszuarbeiten. Wie dieser aussehen wird, k&#246;nnen wir uns   denken. Die Herrschenden wol-len die Krise auf Kosten der arbeitenden   Bev&#246;lkerung austragen. Neben den Gewerkschaften steht die Linkspartei   vor der Herausforderung, genau das zu verhindern.<\/p>\n<p>  Ein Beispiel f&#252;r b&#252;rgerliches Krisenmanagement bot der Fall der   Mittelstandsbank IKB. Erst wurde ihr mit 10,7 Milliarden Euro unter die   Arme gegriffen. 9,2 Milliarden davon trugen der Bund und die   staatseigene Kreditanstalt f&#252;r Wiederaufbau, also der Steuerzahler. Dann   wurde sie an das US-Unternehmen Lone Star (f&#252;r einen Betrag im unteren   dreistelligen Millionenbereich) de facto verschenkt. Daf&#252;r musste in   Deutschland jeder, vom Kleinkind bis zum Greis, 125 Euro aufbringen.   Verluste wurden sozialisiert, damit Bankiers ihren Kopf aus der Schlinge   ziehen und k&#252;nftig wieder Gewinne privatisieren k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Vorschl&#228;ge von Lafontaine<\/h4>\n<p>  Im Deutschland-Radio meinte der Parteivorsitzende der LINKEN, Oskar   Lafontaine, am 17. August, dass &#8222;die deutsche Wirtschaft ins Trudeln   kommt, weil wir [&#8230;] die Binnenkonjunktur vernachl&#228;ssigen.&#8220; Au&#223;erdem   bem&#228;ngelt er, dass &#8222;wir etwas vergessen haben, was zu Zeiten Karl   Schillers [&#8230;] noch selbstverst&#228;ndlich war, n&#228;mlich dass man ein   au&#223;enwirtschaftliches Gleichgewicht anstreben muss.&#8220; Damit untersch&#228;tzt   Lafontaine das Ausma&#223; der heutigen Krise und &#252;bersch&#228;tzt gleichzeitig   die M&#246;glichkeiten, diese &#8211; im kapitalistischen Rahmen &#8211; aufhalten zu   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Lafontaine beruft sich auf die keynesianische Politik von Schiller, der   von 1966-72 Bundeswirtschaftsminister war. Mit antizyklischen Ma&#223;nahmen   sollen Krisen beseitigt werden: Im Abschwung soll der Staat investieren,   um die Nachfrage zu steigern und die Wirtschaft anzukurbeln. Das hat   allerdings auch zu Schillers Zeiten nicht die Wirtschaftskrise 1973\/74   verhindern k&#246;nnen. Nicht mangelnde Nachfrage, sondern die Funktionsweise   des Kapitalismus ist die Ursache von Krisen.<\/p>\n<p>  Im Bundestagswahlkampf 2005 lobte Lafontaine das US-Wachstum. Ohne zu   erw&#228;hnen, dass die dortige Nachfragesteigerung ma&#223;geblich auf steigender   Verschuldung beruhte. Das verl&#228;ngerte den Aufschwung zwar, versch&#228;rft   aber nun die heutige Krise.<\/p>\n<p>  Wird &#8211; wie Lafontaine vorschl&#228;gt &#8211; versucht, die Binnenkonjunktur   anzukurbeln, zum Beispiel &#252;ber h&#246;here L&#246;hne, dann schm&#228;lert das die   Profite der einzelnen Unternehmer. Das wirft diese im Konkurrenzkampf   zur&#252;ck, kann zu Betriebsschlie&#223;ungen und Entlassungen f&#252;hren, und so den   Motor der Binnenkonjunktur abw&#252;rgen. Das spricht nat&#252;rlich nicht gegen   Lohnerh&#246;hungen. Es spricht nur gegen die Illusion, den Konflikt zwischen   Kapital und Arbeit auss&#246;hnen zu k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Eigentumsfrage<\/h4>\n<p>  BMW plant 7.500 Arbeitspl&#228;tze zu streichen. Bei Daimler und Bosch wird   in einzelnen Werken die Produktion gedrosselt. Mehrere Autozulieferer   haben Entlassungen angek&#252;ndigt. In der Autoindustrie (mit 30-prozentigen   &#220;berkapazit&#228;ten weltweit) wird es &#8211; wie auch in anderen Branchen &#8211; im   Zuge der Rezession krachen. Welche Aufgaben stellen sich dann?<\/p>\n<p>  Nachdem der Fahrzeugbauer Karmann in Osnabr&#252;ck bekannt gab, 870   Besch&#228;ftigte auf die Stra&#223;e zu werfen, startete die Fraktion der LINKEN   richtigerweise nicht nur eine Anfrage im nieders&#228;chsischen Landtag,   sondern tagte auch im Solidarit&#228;tszelt vor dem Betrieb. Dabei darf es   aber nicht bleiben. Konfrontiert mit Massenentlassungen oder   Betriebsschlie&#223;ungen bietet die Enteignung des Konzerns die einzige   Perspektive. Um zu verhindern, dass der Betrieb dann von oben herab   b&#252;rokratisch geleitet wird, muss DIE LINKE f&#252;r demokratische Kontrolle   und Verwaltung durch die arbeitende Bev&#246;lkerung eintreten. Da eine   &#8222;sozialistische Insel&#8220; in der kapitalistischen Wirtschaft keine Zukunft   h&#228;tte, stellt sich auch die Frage der &#220;berf&#252;hrung der gesamten Branche   in &#246;ffentliches Eigentum.<\/p>\n<h4>  Systemalternative<\/h4>\n<p>  DIE LINKE hat das Potenzial, eine Massenkraft zu werden. Voraussetzung   ist aber, dass sie in der beginnenden Krise alle Hebel in Bewegung   setzt, Belegschaften im Kampf aktiv zu unterst&#252;tzen. Die wichtigste   Unterst&#252;tzung muss politisch sein. Der LINKEN kommt die Aufgabe zu,   aufzuzeigen, dass der Kapitalismus sich im Niedergang befindet und dass   keine &#220;berwindung der Krisenhaftigkeit m&#246;glich ist. N&#246;tig ist es, ein   System von Forderungen, ein Antikrisenprogramm, zu entwickeln, das   darstellt, wie der Kampf gegen die Folgen der Krise mit dem Kampf f&#252;r   eine sozialistische Ver&#228;nderung verbunden werden kann.<\/p>\n<p>  Der fr&#252;here SPD-Kanzler Helmut Schmidt sagte einmal: &#8222;Wer Visionen hat,   sollte zum Arzt gehen.&#8220; Die Herrschenden verspotten Visionen,   Alternativen. Aus gutem Grund. Sie wissen, dass es den Widerstand   st&#228;rkt, wenn dieser eine nicht-kapitalistische Perspektive hat. Auch   deshalb ist es f&#252;r die Linkspartei in der beginnenden Rezession n&#246;tig,   offensiv f&#252;r eine sozialistische Alternative einzutreten.<\/p>\n<h5>  <i>Aron Amm ist Mitglied der SAV-Bundesleitung<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Aufgaben der LINKEN am Beginn der Rezession\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[207],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12786"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12786"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12786\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12786"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12786"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}