{"id":12766,"date":"2008-08-13T00:00:00","date_gmt":"2008-08-12T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12766"},"modified":"2012-05-25T15:26:26","modified_gmt":"2012-05-25T13:26:26","slug":"12766","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/08\/12766\/","title":{"rendered":"Italien: Bahnbrechender Kongress der Rifondazione Comunista erteilt       alter F&#252;hrung eine Absage"},"content":{"rendered":"<p>  Es besteht die Chance, die PRC als k&#228;mpferische Arbeiterpartei neu   aufzustellen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>CWI (Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale, dessen Sektion in   Deutschland die SAV ist), 31. Juli 2008, <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\">socialistworld.net<\/a><\/i><\/h4>\n<p>  Nach einer harten Phase interner Debatten und Diskussionen und   angesichts des heraufziehenden Orkans in der italienischen Wirtschaft   scheint sich die Rifondazione Comunista gerade noch vor der Zerst&#246;rung   zu retten. Die Delegierten des siebten Landeskongresses der Partito   della Rifondazione Comunista (Partei der Kommunistischen Wiedergr&#252;ndung,   PRC) haben f&#252;r eine &#8222;Linkswende&#8220; gestimmt, die m&#246;glicherweise die   Grundlage f&#252;r den Beginn einer k&#228;mpferischen antikapitalistischen   Arbeiterpartei in Italien bilden k&#246;nnte. Auf dem vermutlich   verbittertsten und polarisierendsten Kongress in der 17j&#228;hrigen   Geschichte der Partei wurde Paolo Ferrero zum neuen Landesvorsitzenden,   der damit Nichi Vendola, den vom ehemaligen Parteichef Fausto Bertinotti   gew&#252;nschten Erben und F&#252;hrer des rechten Fl&#252;gels der Partei, knapp   schlagen konnte.<\/p>\n<p>  Der Kongress fand nach der vernichtenden Niederlage der PRC bei den   Parlamentswahlen im April dieses Jahres statt. Dabei erlangte die Partei   als Sinistra Arcobaleno (Linker Regenbogen) zusammen mit drei kleineren   Parteien lediglich drei Prozent der Stimmen und wurde flog komplett aus   Senat und Abgeordnetenkammer. Das war die bittere Ernte der zwei Jahre   w&#228;hrenden Teilnahme an der kapitalistischen Regierung unter der F&#252;hrung   von Romano Prodi und der Demokratischen Partei (PD), die eine   neoliberale Politik betrieb und Millionen von ArbeiterInnen und jungen   Menschen desillusionierte.<\/p>\n<p>  Bei dem Kongress stand die komplette Existenz der Partei auf dem Spiel.   Ein Sieg f&#252;r Vendola h&#228;tte das Ende der PRC als kommunistische Partei   und eine Fortsetzung der bisherigen fehlgeschlagenen Politik der   Sinistra Arcobaleno und der Regierungsallianzen mit der kapitalistischen   PD bedeutet.<\/p>\n<h4>  Jubel &#252;ber Niederlage der Parteirechten<\/h4>\n<p>  Vendolas Kongressantrag (Dokument 2) unterst&#252;tzte die Aufl&#246;sung der   Rifondazione in einen &#8222;linken Bestandteil&#8220; &#8211; namentlich der &#8222;Sinistra   Arcobaleno Teil 2&#8220;. (Vgl. fr&#252;here Artikel auf <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\">www.socialistworld.net<\/a>;   Anm. D. &#220;bers.). Darin w&#228;re (in den Worten Bertinottis) Kommunismus nur   eine &#8222;kulturelle Richtung&#8220; unter vielen. Auf Orts- und   Regionalkongressen der Partei, die im Vorfeld des Landeskongresses   stattgefunden hatten, erreichte keines der f&#252;nf vorgelegten   Strategiepapiere eine breite Mehrheit. Dokument 2 erreichte den h&#246;chsten   prozentualen Anteil der Stimmen: 47 Prozent im Vergleich zu den 40   Prozent f&#252;r den Antrag Ferreros (Dokument 1). Dies geschah allerdings   vor dem Hintergrund zweifelhafter Abl&#228;ufe und Abstimmungspraktiken. In   einer Region im S&#252;den des Landes, in der Vendola gewann, stimmten zum   Beispiel mehr Menschen beim &#246;rtlichen PRC-Kongress ab als insgesamt   Stimmen f&#252;r den Sinistra Arcobaleno bei den Parlamentswahlen gez&#228;hlt   wurden!<\/p>\n<p>  Da sie die meisten Stimmen (und somit die meisten Delegierten) bekam,   erwartete die Parteirechte eine knappe Mehrheit beim Landeskongress und   einen Sieg f&#252;r Vendola als Parteivorsitzendem. Ihre Strategie war es,   die Unterst&#252;tzerInnen des Dokuments 1 durch eine breite Mehrheit zu   spalten. Doch damit scheiterten sie trotz einer st&#252;rmischen und   scheinbar vers&#246;hnlichen Rede Bertinottis. Das endg&#252;ltige Ergebnis stand   bis zum Schluss auf Messers Schneide als die Unterst&#252;tzerInnen der   Dokumente 1, 3, 4 und 5 sich vereint hinter einem gemeinsamen Antrag   sammelten, der mit 342 zu 304 die Mehrheit bekam.<\/p>\n<p>  Die Delegierten feierten die Niederlage der Parteirechten und den   Fortbestand der Rifondazione als kommunistische Partei durch das   Anstimmen der Internationale, Bandiera Rossa und Bella Ciao, w&#228;hrend   Vendola und seine Anh&#228;ngerInnen w&#252;tend, verbittert und demoralisiert den   Saal verlie&#223;en. Bertinotti beschrieb die Ges&#228;nge und die geballten   F&#228;uste, die nach Ferreros Rede erhoben wurden, als &#8222;abscheuliche   Szenerie&#8220;, die er nie zuvor in der Geschichte der Partei erlebt habe.<\/p>\n<p>  Vendola sagt, dass es nicht zu einer Spaltung der Partei kommen werde.   Aber es ist eindeutig, dass das der Weg ist, den er gehen wird. Er hat   seine eigene Gruppe Rifondazione per la sinistra gegr&#252;ndet, die zu einer   eigenen landesweiten Demonstration im September aufruft. Er hat den   Kongress als &#8222;das Ende der Geschichte der Rifondazione Comunista&#8220;   beschrieben und seine Anh&#228;ngerInnen lehnen eine Mitarbeit in den   landesweiten Institutionen der Partei ab. Eine endg&#252;ltige Spaltung ist   f&#252;r die Zeit vor den Europawahlen &#8211; wenn nicht schon vorher &#8211;   wahrscheinlich.<\/p>\n<h4>  Zuk&#252;nftige K&#228;mpfe<\/h4>\n<p>  Das abschlie&#223;ende Kongressdokument besagt, dass die Phase der   Zusammenarbeit mit der PD in der Regierung auf Landesebene nun vor&#252;ber   ist. Es weist den Ansatz der Aufl&#246;sung der PRC in einen &#8222;linken   Bestandteil&#8220; vollends zur&#252;ck und ruft zur Wiederbelebung der   Rifondazione auf der Grundlage von sozialen und Arbeitsk&#228;mpfen gegen die   Regierung Berlusconi auf. Es sagt aus, dass die PRC bei den Europawahlen   n&#228;chstes Jahr unter ihrem eigenen Symbol aus Hammer und Sichel antreten   und dabei versuchen soll, Verabredungen mit anderen   antikapitalistischen, kommunistischen und linken Kr&#228;ften zu treffen.<\/p>\n<p>  Dies stellt m&#246;glicherweise eine Plattform zur Wiederbelebung der PRC und   ein Sprungbrett daf&#252;r dar, um andere Kr&#228;fte (KommunistInnen,   GewerkschafterInnen, soziale und Community-Bewegungen, Jugendliche usw.)   einzubeziehen und eine antikapitalistische Partei mit Wurzeln am   Arbeitsplatz und in den Communities und mit einem k&#228;mpferischen Programm   f&#252;r die revolution&#228;re Transformation der Gesellschaft zu schmieden. In   einer &#246;konomischen Krise, die die t&#228;glichen und brutalen Angriffe der   Berlusconi-Regierung auf die Bedingungen der ArbeiterInnen und   ImmigrantInnen sowie auf die demokratischen Rechte allgemein   verschlimmert, kommt es zwangsl&#228;ufig zu Arbeiter- und sozialen   Bewegungen. Die Presse spricht bereits von einem &#8222;hei&#223;en Herbst&#8220; mit den   Besch&#228;ftgiten des &#246;ffentlichen Dienstes an der Spitze. Vor diesem   Hintergrund kann eine k&#228;mpferische, antikapitalistische Partei mit einem   korrekten Programm m&#246;glicherweise eine Massenbasis entwickeln und rasch   wachsen.<\/p>\n<p>  Dennoch ist eine solche Entwicklung lange noch nicht sicher.   Rifondazione hat viel von ihrer Glaubw&#252;rdigkeit und die meisten ihrer   Verbindungen zu ArbeiterInnen und den radikalisierteren Teilen der   Gesellschaft verspielt. Es wird nicht einfach f&#252;r die PRC sein, sich von   ihrer momentanen demoralisierten und geschlagenen Situation zu erholen   und es k&#246;nnte sich sogar als unm&#246;glich erweisen. Sollte sich die   Parteirechte abspalten &#8211; was am wahrscheinlichsten ist -, wird das von   der herrschenden Klasse und den Medien genutzt werden, um zu versuchen,   die Partei weiter zu diskreditieren und sie f&#252;r tot zu erkl&#228;ren. Wenn   die Rechte sich aber dazu entscheidet zu bleiben und den Kampf   aufzunehmen, dann k&#246;nnte das die Lage innerhalb der Partei extrem bitter   und schwierig werden lassen und zu einer gesteigerten Demoralisierung   sowie einem weiteren Abwandern der Mitglieder und der Anh&#228;ngerschaft   f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Ferrero selbst war Teil der Mehrheit in der Parteif&#252;hrung, die die   Teilnahme an der Regierung Prodi unterst&#252;tzten. Er wurde Sozialminister.   W&#228;hrend er dieser Erfahrung im Nachhinein kritisch gegen&#252;ber steht,   bleibt er in der Frage des Verh&#228;ltnisses der Partei zur PD unklar. Er   spricht von der Unm&#246;glichkeit, dass die PRC sich mit &#8222;dieser&#8220; PD   zusammenschlie&#223;t, was impliziert, dass eine Allianz in Zukunft m&#246;glich   sein kann. Nach dem Kongress bleibt die Positionierung der Partei   hinsichtlich regionaler Koalitionen mit der PD durch eine Resolution   unklar, die besagt, dass von Fall zu Fall einzeln und im Einklang mit   der auf dem Kongress angenommenen allgemeinen politischen Ausrichtung   entschieden werden muss. Eine Partei, die in Stadt- und Gemeinder&#228;ten,   die bei Bildung, Gesundheit und anderen Dienstleistungen privatisieren   und k&#252;rzen, weiterhin partizipiert, wird es schwer haben, neue   Unterst&#252;tzung zu erlangen. Um die Basis f&#252;r eine Arbeiterpartei der   Massen zu schaffen, ist ein klarer Bruch mit der Vergangenheit n&#246;tig und   eine Kampagne notwendig, in der alle wichtigen Arbeitsst&#228;tten aufgesucht   werden, um ArbeiterInnen in den Aufbau einer k&#228;mpferischen Kraft gegen   den Kapitalismus einzubeziehen, die eine Mehrheit in der Gesellschaft   gewinnen kann, unabh&#228;ngig von allen arbeitnehmerfeindlichen Parteien.   Die direkte Beteiligung an aufkommenden K&#228;mpfen kann eine wiederbelebte   PRC vollends ausf&#252;llen.<\/p>\n<p>  Die momentane Mehrheit ist zerbrechlich und schwach, und sie weist   erhebliche Differenzen nicht nur zwischen den Fraktionen, die die f&#252;nf   urspr&#252;nglichen Kongressdokumente unterst&#252;tzten, sondern auch innerhalb   der vielen Gruppierungen selbst auf. Ein ernsthafter politischer Kampf   wird innerhalb und au&#223;erhalb der Partei gef&#252;hrt werden m&#252;ssen, um   sicherzustellen, dass eine k&#228;mpferische antikapitalistische Partei mit   einem revolution&#228;r-sozialistischen Programm aufgebaut wird, welches   nicht nur auf dem Papier besteht, sondern f&#252;r das auch inmitten der   Arbeiterklasse gek&#228;mpft wird. Mit unseren bisher noch kleinen Kr&#228;ften   werden die CWI-Mitglieder in Italien zusammen mit anderen an diesen   K&#228;mpfen teilnehmen. Das Ergebnis des Kongresses unterstreicht die   falsche Taktik von Gruppen wie Sinistra Critica und der PCL   (Kommunistische Arbeiterpartei, ehemals Progetto Comunista), die   voreilig mit der PRC gebrochen haben statt zu bleiben und den Kampf bis   zu Ende durchzuziehen.<\/p>\n<p>  Es gibt nat&#252;rlich keine Garantie daf&#252;r, dass der Kampf letzten Endes   auch gewonnen wird. Doch dieser Kongress k&#246;nnte einen entscheidenden   Wendepunkt markieren. Ein Sieg der Parteirechten w&#252;rde einen weiteren   R&#252;ckschlag beim Aufbau einer wirklichen Massenpartei der ArbeiterInnen   in Italien darstellen. Die Niederlage der Rechten er&#246;ffnet dennoch   zumindest die M&#246;glichkeit daf&#252;r, dass die PRC in Zukunft zu einem   Katalysator oder der Keimzelle f&#252;r den Aufbau einer solchen Partei wird.<\/p>\n<h4>  <i>Homepage von Lotta per il Socialismo: <a href=\"http:\/\/www.lottacwi.net\">www.lottacwi.net<\/a><\/i><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Es besteht die Chance, die PRC als k&#228;mpferische Arbeiterpartei neu<br \/>\n      aufzustellen.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[28,44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12766"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12766"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12766\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}