{"id":12763,"date":"2008-08-19T00:00:00","date_gmt":"2008-08-18T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12763"},"modified":"2012-05-25T15:26:45","modified_gmt":"2012-05-25T13:26:45","slug":"12763","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/08\/12763\/","title":{"rendered":"USA: Wird Obama gewinnen?"},"content":{"rendered":"<p>  Auf der &#8222;Linken&#8220; werben aber darauf vorbereitet sein, im Sinne der   Rechten zu regieren.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>&#220;bersetzung des Leitartikels aus The Socialist (Ausgabe 537, 11. Juni   2008), Wochenzeitung der Socialist Party (Schwesterorganisation der SAV   und Sektion des CWI in England und Wales).vom 11. Juni 2008<\/i><\/p>\n<p>  Nach den letzten Vorwahlen hat sich Barack Obama endg&#252;ltig die   Nominierung der Demokratischen Partei f&#252;r die Pr&#228;sidentschaftswahl im   November gesichert. Die Tatsache, dass dieser Wettbewerb zwischen einem   Afroamerikaner und einer Frau stattgefunden hat, steht symbolisch f&#252;r   die tiefen sozialen Ver&#228;nderungen in den Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p>  Dennoch sind die beiden Wahlk&#228;mpfe durchaus unterschiedlich gef&#252;hrt   worden. Hillary Clinton pr&#228;sentierte sich auf &#252;berhebliche Art und Weise   als die rechtm&#228;&#223;ige Erbin in der Dynastie der demokratischen   Pr&#228;sidentschaft und sie vertraute dabei ganz auf eine althergebrachte,   kopflastige Wahlmaschinerie. Obgleich Obama Senator ist, gab er sich als   rebellischer Au&#223;enseiter. Gewaltige Kundgebungen (wie z.B. mit 75.000   TeilnehmerInnen in Portland, Oregon) zeigten, dass er eine &#8222;Bewegung&#8220; in   Gang gebracht hat und mehr dunkelh&#228;utige und junge Menschen mobilisieren   konnte als je zuvor (sie machten 35 Prozent der W&#228;hlerInnen bei den   Vorwahlen im Vergleich zu 29 Prozent im Jahre 2004 aus). Viele seiner   Unterst&#252;tzerInnen w&#228;hlten zum ersten Mal.<\/p>\n<p>  Obamas vornehmliche Themen waren Optimismus und Ver&#228;nderung. Er   versprach &#8222;eine neue Art von Politik&#8220; betreiben zu wollen, &#8222;dieses Land   zu ver&#228;ndern&#8220; und ein &#8222;Himmelreich auf Erden&#8220; zu schaffen. Wird Obama   den gro&#223;en Erwartungen, die er geweckt hat, gerecht werden k&#246;nnen? F&#252;r   Millionen trat er auf, als ob er bessere Lebensbedingungen und eine   gl&#228;nzende Zukunft bringen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Es ist nicht witzig, die Tr&#228;ume der Menschen mit F&#252;&#223;en zu treten. Aber   Obamas eigene Aussagen zeigen, dass er dem Programm der Gro&#223;konzerne   verbunden ist. Wie schon Pr&#228;sidentschafskandidaten vor ihm   (einschlie&#223;lich Bill Clinton) f&#252;hrt er eine Kampagne auf der Linken,   bereitet sich aber auf eine Herrschaft im Sinne der Rechten vor. Die   Vorschl&#228;ge Obamas zur Krise auf dem Wohnungsmarkt zum Beispiel &#8211; mit bis   zu zwei Millionen Familien, die von Zwangsr&#228;umung betroffen sind,- sind   sogar noch bescheidener als die von Clinton.<\/p>\n<p>  Er pl&#228;diert daf&#252;r, dass Hausbesitzer Steuerkredite (von rund 500,-   US-Dollar) erhalten sollen. Ein Moratorium der Zwangsvollstreckungen,   das Einfrieren der Hypothekenzinsen und eine massive Unterst&#252;tzung der   Regierung f&#252;r verzweifelte Eigenheimk&#228;ufer lehnt er hingegen ab. Unter   dem Druck einer sich verschlimmernden Situation ist es m&#246;glich, dass er   als Pr&#228;sident dennoch dazu gezwungen sein wird, effektivere Notma&#223;nahmen   zu ergreifen, um die Auswirkungen der Kreditkrise abzumildern.<\/p>\n<p>  Zu Beginn seines Wahlkampfes betonte Obama seine Haltung zum Irakkrieg   (was ihn vor Clinton, die f&#252;r den Krieg gestimmt hatte, in F&#252;hrung   brachte). In j&#252;ngster Zeit hat er nun unterstrichen, dass er die   Interessen des US-Imperialismus verteidigen wird. Er verspricht, einen   harten Kurs gegen&#252;ber dem Iran zu fahren. Er pl&#228;diert f&#252;r weitere 30   Mrd. US-Dollar Staatshilfe f&#252;r Israel und bef&#252;rwortet die Annektierung   des arabischen Ost-Jerusalem. Die blockade Kubas, so sagt er, soll   weitergehen und er unterst&#252;tzt die US-Milit&#228;rhilfe f&#252;r das repressive   Regime Uribe in Kolumbien.<\/p>\n<p>  Obama r&#252;hmt sich damit, dass ein Gro&#223;teil seines Wahlkampffonds durch   kleine Einzelspenden (mit jeweils unter 200,- US-Dollar) zustande kam.   Er hat aber auch Millionen von Dollar von F&#252;hrungskr&#228;ften der Wall   Street und den K&#246;pfen der Gro&#223;konzerne erhalten. Vertreter dieser   einflussreichen B&#246;rsianer waren auf w&#246;chentlicher Basis in Obamas   Kampagneplanung einbezogen. W&#228;hrend die Basis f&#252;r die Stimmen sorgte,   lenkten die Vertreter der herrschenden Elite Obamas Politik.<\/p>\n<h4>  Kandidaten der Gro&#223;konzerne<\/h4>\n<p>  In Wahrheit wird die Pr&#228;sidentschaftswahl im November wieder einmal ein   Wettbewerb zwischen zwei Kandidaten der Gro&#223;konzerne sein:   Rivalisierende Vertreter der zwei Pole aus Demokratischer bzw.   Republikanischer Partei, die die US-Politik dominieren. Die H&#246;he der   gespendeten Gelder f&#252;r diesen Wahlkampf wird ph&#228;nomenal sein. W&#228;hrend   McCain bis Ende April 78,6 Mio. US-Dollar ausgegeben hat, legte Obama   225,5 Mio. US-Dollar auf den Tisch und Clinton 192 Mio. US-Dollar &#8211; und   bis zum November werden noch viele Millionen Dollar mehr ausgegeben.<\/p>\n<p>  Kann Obama John McCain im November schlagen? Im Vorwahlkampf hat Hillary   Clinton angedeutet, dass Obama ein Problem mit &#8222;m&#228;nnlichen wei&#223;en   Arbeitnehmern&#8220; hat &#8211; eine hemmungslos unterschwellige Reminiszenz an den   &#8222;race factor&#8220; (latent rassistische Anspielung auf Obamas Hautfarbe; Anm.   d. &#220;bers.). Bisher hat Obama nicht nur neun der zehn Bundesstaaten mit   dem h&#246;chsten Anteil dunkelh&#228;utiger Bev&#246;lkerung f&#252;r sich entscheiden   k&#246;nnen, er gewann auch in sieben der zehn Bundestaaten mit dem h&#246;chsten   Anteil hellh&#228;utiger Bev&#246;lkerung. Die &#8222;Rasse&#8220; mag auch im November eine   Rolle spielen. Aber wenn Obama &#246;konomische und soziale Aspekte aufgreift   &#8211; die f&#252;r ArbeitnehmerInnen von entscheidender Bedeutung sind &#8211; kann er   seine Unterst&#252;tzung unter hellh&#228;utigen Besch&#228;ftigten in besseren   Arbeitsverh&#228;ltnissen ausbauen.<\/p>\n<p>  F&#252;r einen Republikaner sollte es nach acht desastr&#246;sen Jahren unter Bush   unm&#246;glich sein, die Pr&#228;sidentschaft zu gewinnen. Bisher wurde McCain als   Rrivale Bushs betrachtet, als ein &#8222;Au&#223;enseiter&#8220; unter den Republikanern   mit liberalen Ansichten. Seit er aber die Wahlkmapfb&#252;hne betreten hat,   ist McCain dennoch nach rechts ger&#252;ckt und umwirbt seither schamlos die   extreme Rechte der Republikaner.<\/p>\n<p>  Den Ansatz, gegen das Finanzkapital aufzutreten hat er fallen lassen (so   z.B. die Begrenzung der Managergeh&#228;lter). Er steht f&#252;r die dauerhafte   Einf&#252;hrung von Bushs Steuerk&#252;rzungen f&#252;r Superreiche. Er unterst&#252;tzt mit   Begeisterung Bushs Vorsto&#223; im Irak und bef&#252;rwortet den &#8222;Kampf bis zum   Sieg&#8220;. Er hat sich rigoros gegen s&#228;mtliche Gesetzesvorschl&#228;ge zur   Unterst&#252;tzung der Hausbesitzer gestemmt, die als Ergebnis der   Kreditkrise und des Hypotheken-Betrugs von R&#228;umung bedroht sind.<\/p>\n<p>  Kurzum: McCain steht ziemlich genau f&#252;r dieselben Dinge wie Obama und   allem Anschein nach wird letzterer gewinnen.<\/p>\n<p>  Gibt es eine Alternative? Ralph Nader wird (mit Unterst&#252;tzung vieler   linker Gr&#252;nen) wie 2000 und 2004 als unabh&#228;ngiger Kandidat antreten.   Nader ist eher ein radikaler Populist als ein Sozialist, der eine   Kampagne gegen den Krieg, die Gro&#223;unternehmen und f&#252;r ArbeitnehmerInnen   f&#228;hrt. Seine gro&#223;e St&#228;rke liegt darin, dass er unerbittlich die Dominanz   des Zweigestirns aus Demokratischer und Republikanischer Partei angreift   und das f&#252;r die Demokraten ins Feld gef&#252;hrte Argument des &#8222;kleineren   &#220;bels&#8220; ablehnt. Er spricht eine betr&#228;chtliche Schicht sich   radikalisierender junger Menschen und ArbeiterInnen an, die eine echte   Alternative suchen.<\/p>\n<p>  Die Schw&#228;che Naders besteht jedoch darin, dass er nicht gewillt ist,   seine Kampagnen (2000 erzielte er 2,8 Millionen Stimmen und 2,7 Prozent)   als Startschuss zum Aufbau einer politischen Alternative zu nutzen.   Diesmal kann Naders Stimmergebnis aufgrund der Begeisterung f&#252;r Obama   noch niedriger ausfallen.<\/p>\n<h4>  Linke Massenpartei<\/h4>\n<p>  Dennoch geht seine Kampagne in die Richtung, die auch dringend   erforderlich ist: Eine linke Massenpartei gegr&#252;ndet auf Gewerkschaften,   B&#252;rgerinitiativen, Kampagnen der gesellschaftlichen Minderheiten etc.,   die der entrechteten Arbeiterklasse eine politische Stimme verleihen   kann. Aus diesem Grund ruft unsere Schwesterorganisation in den USA, die   Socialist Alternative, zur Wahl Naders auf.<\/p>\n<p>  Die November-Wahlen f&#252;r die Pr&#228;sidentschaft, den Kongress und die   Parlamente der Bundesstaaten werden sehr wahrscheinlich vor einer   allgemeinen Bewegung der US-Arbeiterklasse stattfinden. Dem 44.   Pr&#228;sidenten stehen aber st&#252;rmische Zeiten bevor. Die organische Krise   des US-amerikanischen wie internationalen Kapitalismus wird starke   Arbeiterbewegungen hervorrufen, die das demokratisch-republikanische   Zweigestirn ersch&#252;ttern und die US-Politik ver&#228;ndern werden. Auf welchem   Weg auch immer: Die US-Arbeiterklasse wird eine politische Hauptrolle   einnehmen.<\/p>\n<p>  In den letzten Jahren gab es schon einige wichtige Vorl&#228;ufer der   bevorstehenden K&#228;mpfe: die organisierten Streiks der Hausangestellten   und anderer Besch&#228;ftigter des Niedriglohnsektors; der New Yorker   Verkehrs-Streik (2005); die explosive Bewegung f&#252;r Migranten-Rechte (Mai   2006); oder die gewaltige antirassistische Kundgebung im September 2007   in Jena, Louisiana. Dar&#252;ber hinaus wurden beim diesj&#228;hrigen 1. Mai alle   der 29 H&#228;fen der Westk&#252;ste durch einen Streik der International   Longshore Workers&#8217; Union (internationale Hafenarbeiter-Gewerkschaft;   Anm. d. &#220;bers.) aus Protest gegen den Irakkrieg komplett dicht gemacht &#8211;   ein Vorgeschmack auf zuk&#252;nftige Entwicklungen.<\/p>\n<p>  <i><b>Homepage der Socialist Party: <a href=\"http:\/\/www.socialistparty.org.uk\">www.socialistparty.org.uk<\/a>   <\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i><b>Homepage von Socialist Alternative: <a href=\"http:\/\/www.socialistalternative.org\">www.socialistalternative.org<\/a><\/b><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Auf der &#8222;Linken&#8220; werben aber darauf vorbereitet sein, im Sinne der<br \/>\n      Rechten zu regieren.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[42],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12763"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12763"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12763\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}