{"id":12757,"date":"2008-08-03T00:00:00","date_gmt":"2008-08-02T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12757"},"modified":"2012-05-15T15:27:31","modified_gmt":"2012-05-15T13:27:31","slug":"12757","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/08\/12757\/","title":{"rendered":"Rot-rotes Tarifdiktat im Berliner &#214;ffentlichen Dienst"},"content":{"rendered":"<p>  LINKE-Senator Wolf in Erkl&#228;rungsnot<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b><i>von Michael Schilwa, Berlin<\/i><\/b><\/p>\n<p>  Am 17. Juli f&#252;hrte die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Betrieb und   Gewerkschaft im Berliner Abgeordnetenhaus eine Veranstaltung zum Thema   &#8222;Gewerkschaftliche K&#228;mpfe und Regierungspolitik&#8220; durch.<\/p>\n<p>  Angesichts der besch&#228;ftigtenfeindlichen Politik des SPD\/ LINKE-Senats   ein durchaus brisantes Thema, das aber kurzfristig noch weiter   aufgeheizt wurde, hatte der Senat doch just am Tag zuvor einseitig   Einmalzahlungen an die Besch&#228;ftigten des &#214;ffentlichen Dienstes in der   Hauptstadt beschlossen und die Tarifverhandlungen schlicht f&#252;r beendet   erkl&#228;rt &#8211; ein Tarif- und Lohndiktat &#224; la Roland Koch in Hessen !<\/p>\n<p>  Ein halbes Dutzend SAV-Mitglieder beteiligte sich an dieser   Veranstaltung und brachte gemeinsam mit ca. 50 GewerkschafterInnen den   Herrn Senator und einige LINKE-Funktion&#228;re geh&#246;rig in&#8217;s Schwitzen.<\/p>\n<p>  Wirtschaftssenator Wolf rechtfertigte das skandal&#246;se Vorgehen nicht nur   mit dem &#252;blichen Standardargument der &#8222;Sachzw&#228;nge&#8220;, sondern verwies auf   das &#8222;Spannungsverh&#228;ltnis&#8220;, in dem er und seine LINKE-Senatoren sich   bef&#228;nden:<\/p>\n<p>  Zwar st&#252;nde auch die Berliner LINKE in &#8222;der Tradition der   Arbeiterbewegung&#8220; und &#8222;habe Sympathie&#8220; f&#252;r gewerkschaftliche   Forderungen, aber in der Regierung &#8222;m&#252;sse&#8220; die LINKE nun mal auch als   &#8222;Arbeitgeber&#8220; agieren.<\/p>\n<p>  Verdi-Landeschefin Susanne Stumpenhusen bewies in ihrer Erwiderung   erstaunliche Langmut &#8211; einen Tag nachdem ihre Organisation quasi am   Nasenring durch die Manege gef&#252;hrt worden war, erkl&#228;rte sie &#8222;schlechte   Laune&#8220; zu haben, begn&#252;gte sich ansonsten aber mit der allgemeinen Klage,   dass bei der derzeit hohen Inflation den Leuten mit Einmalzahlungen   nicht geholfen sei.<\/p>\n<p>  Trotzdem wolle sie heute &#8222;keine Politikberatung f&#252;r die LINKE&#8220;   betreiben, sondern lieber &#8222;Gemeinsamkeiten ausloten&#8220;.<\/p>\n<p>  Die Frontfrau der &#8218;Berliner Alternative f&#252;r Solidarit&#228;t und Gegenwehr&#8217;   (BASG) Lucy Redler erwiderte, dass die Berliner Kolleginnen und Kollegen   nicht viel davon merken w&#252;rden, dass die LINKE Berlin in der Tradition   der Arbeiterbewegung stehe. Sie verwies neben dem rot-roten Tarifdiktat   auf die Aushebelung des Ladenschlussgesetzes, den Ausstieg des Landes   Berlins aus dem Kommunalen Arbeitgeberverband und den Abschluss bei der   BVG und forderte DIE LINKE auf, aus dem Senat auszutreten, und sich auf   die Seite der Kolleginnen und Kollegen zu stellen, statt mit der SPD   gegen sie Politik zu betreiben.<\/p>\n<p>  Das rief die Helfershelfer der Veranstaltungsregie auf den Plan, mit   solchen Beitr&#228;gen &#8222;vom extremen linken Rand&#8220; sei eine &#8222;konstruktive&#8220;   Diskussion nicht m&#246;glich.<\/p>\n<p>  Die Mehrheit der Anwesenden sah das anders. Besonderen Zorn rief die   Erkl&#228;rung der LINKE-Fraktionschefin im Abgeordnetenhaus Carola Bluhm   hervor, die Einmalzahlungen seien &#8222;ein Zeichen des guten Willens&#8220; des   Senats.<\/p>\n<p>  Daniel Behruzi, SAV-Mitglied und Redakteur der Tageszeitung Junge Welt,   belegte daraufhin, dass die vermeintlich linkeste Landesregierung   Deutschlands objektiv die besch&#228;ftigtenfeindlichste Politik betreibt.   Fanny Zeise von der LAG Betrieb und Gewerkschaft der Berliner LINKEN   warf der Landesregierung vor, im Tarifkonflikt bei den Verkehrsbetrieben   (BVG) Alt- und Neubesch&#228;ftigte gegeneinander ausgespielt zu haben.<\/p>\n<p>  Aber nicht nur die gewerkschaftsfeindliche Politik von Rot-Rot stand in   der Kritik, sondern auch ihre immergleiche Rechtfertigung mit dem   &#8222;Sachzwang der leeren Kassen&#8220;.<\/p>\n<p>  Die Verdi-Verhandlungsf&#252;hrerin f&#252;r den &#214;ffentlichen Dienst Berlin,   Astrid Westhoff, verwies darauf, dass bei einem prognostizierten   Haushalts&#252;berschuss von 518 Mio. Euro in diesem und 90 Mio. Euro im   n&#228;chsten Jahr (zu dem die Besch&#228;ftigten des &#214;ffentlichen Dienstes durch   jahrelangen Lohnverzicht nicht unerheblich beigetragen haben)   Einmalzahlungen von 60 Mio. in zwei Jahren wohl kaum die Behauptung   Wolfs rechtfertigen, hier w&#252;rden &#8222;Spielr&#228;ume genutzt&#8220;.<\/p>\n<p>  Mehrere RednerInnen kritisierten, dass die Sparwut des Senats sich in   erster Linie gegen die &#196;rmsten der Stadt richte, beim &#8222;gro&#223;en Geld&#8220;   hingegen der eherne Grundsatz des &#8222;Investorenschutzes&#8220; gelte.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend SPD-Finanzsenator Sarrazin einerseits zehntausende Hartz IV &#8211;   Empf&#228;nger mit seinen zynischen &#8222;Di&#228;t-Vorschl&#228;gen&#8220; verh&#246;hnte und   neuerdings eine originelle L&#246;sung f&#252;r die explodierenden Energiekosten   propagiert (einfach dickere Pullover anziehen !), ist der &#8222;Sparfuchs&#8220;   andererseits offensichtlich noch nicht auf die Idee gekommen, die   Schulden der landeseigenen Berliner Immobilien-Holding BIH (in der die   Schrott-Immobilien des Bankenskandals geb&#252;ndelt wurden ) bei der l&#228;ngst   verkauften Berliner Landesbank auf Kommunalkredite umzuschulden &#8211; damit   lie&#223;en sich ja auch &#8222;nur&#8220; bis zu 340 Mio. an Zinszahlungen pro Jahr   einsparen.<\/p>\n<p>  J&#252;ngstes Beispiel f&#252;r die offen pro-kapitalistische Politik dieses   Senats ist das &#8222;Rettungspaket&#8220; f&#252;r acht &#8218;Geschlossene Immobilien-Fonds&#8217;   des Baul&#246;wen Klaus Groth in Karow-Nord. Kostenpunkt: ca. 40 Mio. Euro.<\/p>\n<p>  Eine Pleite dieser Fonds muss nat&#252;rlich unbedingt vermieden werden, denn   leider hat die landeseigene Investitionsbank Berlin Vertr&#228;ge mit einer   &#8222;ungew&#246;hnlichen Rechtskonstruktion der Fonds als GmbH &amp; Co OHG&#8220;   (Berliner Morgenpost vom 31.7.08) akzeptiert, was dummerweise dazu   f&#252;hrt, dass ein &#8222;Durchgriffsrecht&#8220; auf die 1659 &#8222;verm&#246;genden&#8220;   Fonds-Zeichner &#8222;vorwiegend aus S&#252;ddeutschland&#8220; &#8222;nicht gegeben&#8220; sei.<\/p>\n<p>  Zumindest die Anw&#252;rfe bez&#252;glich der unn&#246;tig hohen Zinszahlungen der BIH   wollte Harald Wolf nicht auf sich sitzen lassen.<\/p>\n<p>  Zun&#228;chst erl&#228;uterte er dem erstaunten Publikum, dass es hier nicht um   &#8222;Reform oder Revolution&#8220; gehe, um sich dann ausf&#252;hrlich und souver&#228;n das   Thema verfehlend zur &#8222;Risikoabschirmung&#8220; der ehemaligen Landesbank zu   &#228;u&#223;ern.<\/p>\n<p>  In den allermeisten Redebeitr&#228;gen wurde gefordert, dass die Berliner   LINKE eine Diskussion dar&#252;ber beginnen muss, wo eigentlich die   &#8222;Schmerzgrenze&#8220; der eigenen Regierungsbeteiligung liegt.<\/p>\n<p>  Einige RednerInnen stellten klar, dass es nicht nur um Berlin ginge,   sondern die Politik der LINKE-Senatoren auch das bundesweite   LINKE-Projekt besch&#228;dige ( &#8222; Wie sollen wir Roland Koch attackieren,   wenn wir in Berlin dasselbe machen ?&#8220; ).<\/p>\n<p>  Dieser Grundtenor verfehlte seine Wirkung auch auf Ralf Kr&#228;mer nicht,   einen Vordenker der &#8222;Sozialistischen Linken&#8220; (einer Str&#246;mung innerhalb   der LINKEN, die bislang nicht durch &#252;bertriebene Konfliktfreudigkeit mit   der Parteif&#252;hrung aufgefallen ist).<\/p>\n<p>  Er konstatierte &#8222;Partei ist nicht gleich Regierung&#8220; und forderte   zumindest eine &#8222;Ausstiegsoption&#8220;, ohne die man ansonsten endlos   erpressbar werde.<\/p>\n<p>  Das alles schien bei Moderator Wolfgang Albers nicht angekommen zu sein.   In seinem Schlusswort stellte er kategorisch klar: &#8222;Die   Regierungsbeteiligung in Berlin steht nicht zur Disposition.&#8220;<\/p>\n<p>  Um dann noch einen draufzusetzen: &#8222;Rot-Rot ist eine bundesweite Option,   so, wie wir es hier in Berlin vormachen.&#8220;<\/p>\n<p>  Dazu darf es genau nicht kommen. Um zu verhindern, dass die LINKE den   desastr&#246;sen Weg von &#8218;Rifondazione Communista&#8217; in Italien geht, m&#252;ssen   marxistische Kr&#228;fte in der LINKEN den Druck massiv erh&#246;hen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      LINKE-Senator Wolf in Erkl&#228;rungsnot\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12757"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12757"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12757\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}