{"id":12755,"date":"2008-07-26T12:56:38","date_gmt":"2008-07-26T12:56:38","guid":{"rendered":".\/?p=12755"},"modified":"2008-07-26T12:56:38","modified_gmt":"2008-07-26T12:56:38","slug":"12755","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/07\/12755\/","title":{"rendered":"50.000 Telekom-Besch&#228;ftigte schlie&#223;en sich landesweitem Streik an"},"content":{"rendered":"<p>  16 Arbeiter bei Zusammenst&#246;&#223;en mit paramilit&#228;rischen Kr&#228;ften verletzt<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Azad Qadri und Aazam Janjua, TURCP Islamabad (Kampagne f&#252;r   gewerkschaftliche Rechte in Pakistan)<\/i><\/p>\n<p>  Tausende bei der PTCL besch&#228;ftigte ArbeiterInnen der Telekom sind im   Streik. PTCL ist das gr&#246;&#223;te Telekommunikationsunternehmen in Pakistan.   Die meisten Telekom-B&#252;ros und Fernsprech&#228;mter haben geschlossen und sind   von streikenden ArbeiterInnen dicht gemacht. Die Zentrale der Telekom   blieb drei Tage lang zu, weil streikende ArbeiterInnen Streikposten am   Haupteingang organisiert hatten. Alle Eing&#228;nge des Geb&#228;udes waren mit   Vorh&#228;ngeschl&#246;ssern abgeriegelt und blieben verschlossen.<\/p>\n<p>  16 Arbeiter wurden dann verletzt als paramilit&#228;rische Kr&#228;fte gewaltsam   versuchten die T&#252;ren zu &#246;ffnen und die Streikposten zu durchbrechen. Sie   setzten Tr&#228;nengas und Gummikn&#252;ppel ein, um die ArbeiterInnen auseinander   zutreiben. Sie feuerten auch mit scharfer Munition in die Luft, um die   streikenden ArbeiterInnen einzusch&#252;chtern zu versuchen. Doch als Indiz   f&#252;r den Kampfgeist der beteiligten ArbeiterInnen schlug der Einsatz   solch brutaler Kr&#228;fte fehl, um den Streik zu brechen oder die   Zerstreuung der beteiligten ArbeiterInnen zu bewirken. Das ist die   gr&#246;&#223;te Protestbewegung und Streikhandlung seit der Privatisierung der   PTCL 2005.<\/p>\n<p>  Die Protest- und Streikbewegung der Telekom-Besch&#228;ftigten h&#228;lt jetzt den   vierten Tag in Folge an. Jedoch findet ein l&#252;ckenloser Streik nur in den   Gro&#223;st&#228;dten Lahore, Islamabad und Karatschi statt. Im Rest des Landes   kommt es zu teilweisen Arbeitsniederlegungen. Diese Streik- und   Protestbewegung wurde gegen die neue Lohntabelle namens Unified Pay   Scale (UPS; vereinheitlichte Lohntabelle; Anm. d. &#220;bers.) ins Leben   gerufen, die von der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung der PTCL eingef&#252;hrt wurde. Sie   versucht, etliche Zugest&#228;ndnisse, die in vorherigen K&#228;mpfen errungen   wurden, umzukehren.<\/p>\n<p>  Die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung hat sich auch geweigert, die Besch&#228;ftigung der   Leiharbeiter zu regeln, von denen viele bereits seit vielen Jahren dort   besch&#228;ftigt sind. Es gab weit verbreitete Wut unter den ArbeiterInnen   gegen die arbeitnehmerfeindliche Politik der Gesch&#228;ftsleitung. Das   jetzige Management &#252;bernahm die Gesch&#228;fte des ehemals staatlichen   Unternehmens nach der Privatisierung im August 2005. Die neue   Gesch&#228;ftsf&#252;hrung, die aus Dubai kommt, interessiert sich nicht f&#252;r die   Probleme der TelekomarbeiterInnen.<\/p>\n<p>  Das Management des in Dubai ans&#228;ssigen Telekomunternehmens Etisila   versucht nun, die ArbeiterInnen daf&#252;r zu bestrafen, dass sie 2005 einen   einmonatigen Streik und eine Protestbewegung gegen die Privatisierung   organisiert hat. Da das Management darin versagte, die Absprachen   umzusetzen, baute sich unter den Besch&#228;ftigten einige Zeit lang Wut auf.   Die Frage der neuen Lohntabelle UPS und der Leiharbeiter (NPCG) f&#252;hrte   letztlich zum &#220;berkochen der Wut und die ArbeiterInnen entschieden sich   daf&#252;r Ma&#223;nahmen zu ergreifen.<\/p>\n<p>  <b>Spontane Aktion von unten<\/b><\/p>\n<p>  Sowohl f&#252;r die Gesch&#228;ftsleitung als auch f&#252;r die Gewerkschaftsf&#252;hrung   kam der jetzige Streik und Protest sehr &#252;berraschend. Die Wut der   ArbeiterInnen dr&#252;ckte sich im Ausbruch dieser Bewegung seitens der   Belegschaft aus, die die F&#252;hrung dazu n&#246;tigte sich an dem Kampf zu   beteiligen. Die wichtigste F&#252;hrung der Telekom-Gewerkschaften zeigte   drei Jahre lang kein Interesse an der Auseinandersetzung. Sie waren zu   Zuschauern geworden.<\/p>\n<p>  Die ArbeiterInnen und GewerkschaftsaktivistInnen waren wegen des Verrats   am Antiprivatisierungs-Streik 2005 von der F&#252;hrung entt&#228;uscht. Sowohl   die Gewerkschaftsf&#252;hrung als auch das Management nutzten diese   Entt&#228;uschung und die Gleichg&#252;ltigkeit, um ihre arbeitnehmerfeindliche   Politik zu rechtfertigen. Die Gewerkschaftsf&#252;hrung argumentierte, dass   die ArbeiterInnen kein Interesse h&#228;tten zu k&#228;mpfen und dass sie deshalb   keinen Widerstand und keine Opposition gegen die Angriffe auf   Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmerrechte organisieren w&#252;rden. Die   ArbeiterInnen selber organisierten gegen die Angriffe in verschiedenen   St&#228;dten einige spontane Arbeitsniederlegungen und Proteste auf lokaler   Ebene. Das war jedoch noch nicht der Beginn f&#252;r Massenk&#228;mpfe auf   nationaler Ebene.<\/p>\n<p>  Die jetzige Auseinandersetzung fing an als LeiharbeiterInnen (NPCG)   damit begannen, ihre Bewegung zur Regelung ihrer Vertr&#228;ge aufzubauen.   Sie organisierten ein Aktionskomitee und begannen mit Protesten. Am   Anfang war keine Gewerkschaft wirklich beteiligt und nur Mitglieder der   Trade Union Rights Campaign of Pakistan (TURCP) unterst&#252;tzten sie.<\/p>\n<p>  Dennoch weigerte sich das Management zu verhandeln und entlie&#223; 260   LeiharbeiterInnen. Die LeiharbeiterInnen traten daraufhin f&#252;r   unbestimmte Zeit vor der Zentrale des Unternehmens in einen   Hungerstreik. Gewerkschaftsaktivisten begannen dann, sich den   Besch&#228;ftigten anzuschlie&#223;en und einige politische Parteien fingen   ebenfalls an sich einzuschalten. Die K&#252;ndigungen und die neue   Lohntabelle provozierte die ArbeiterInnen und legte die Basis f&#252;r den   jetzigen Streik und die Proteste. Die &#252;berzeugende spontane Aktion der   ArbeiterInnen zwang dann die Gewerkschaften sich dem Kampf anzuschlie&#223;en.<\/p>\n<p>  <b>Eingreifen der PPP<\/b><\/p>\n<p>  Der &#8222;Arbeitnehmerfl&#252;gel&#8220; der regierenden Pakistan Peoples Party (Peoples   Labour Bureau) griff &#252;ber einige Gewerkschaftsf&#252;hrer und Leiharbeiter   ein. Der Verantwortliche des PPP-Arbeitnehmerfl&#252;gels und Landesekret&#228;r   ist der ehemalige PPP-Abgeordnete Manzoor Ahmad (er ist Mitglied von   Class Struggle der pakistanischen Sektion der International Marxist   Tendency unter der F&#252;hrung von Alan Woods; deren Sektion in Deutschland   ist Der Funke; Anm. d. &#220;bers.). Nachdem er seinen Parlamentssitz verlor,   wurde Manzoor Ahmad leitendes Mitglied der PPP, und er mischte sich in   die Proteste der Vertragsarbeiter ein. Er versicherte ihnen, dass sie   wieder eingestellt w&#252;rden. Doch das Management verweigerte die   Wiedereinstellung der gek&#252;ndigten ArbeiterInnen. Er organisierte dann   verschieden Treffen zwischen ArbeiterInnen und Staatsministern, was die   Hoffnungen einiger ArbeiterInnen erh&#246;hte und sie begannen ihm zu   vertrauen.<\/p>\n<p>  Sobald die gr&#246;&#223;ten Gewerkschaften sich dem Kampf und anschlossen und die   Bewegung sich zu entwickeln begann und vergr&#246;&#223;erte fing der   Arbeitnehmerfl&#252;gel der PPP jedoch an, die Kontrolle &#252;ber die Bewegung zu   verlieren. Am 15. Juli entschieden sich einige Gewerkschaftsf&#252;hrer mit   Unterst&#252;tzung des Arbeitnehmerfl&#252;gels der PPP und ohne andere   Gewerkschaftsf&#252;hrer zu konsultieren dazu, die Haupteing&#228;nge der   Telekom-Zentrale zu blockieren. Am n&#228;chsten Tag aber k&#252;ndigte der F&#252;hrer   des Arbeitnehmerfl&#252;gels Manzoor Ahmad unter dem Druck der PPP-F&#252;hrung   das Ende des Streiks und der Blockade an. Doch die ArbeiterInnen und die   Gewerkschaftsf&#252;hrung weigerten sich den Streik zu beenden, und sie   k&#252;ndigten ihrerseits einen unbefristeten Streik und weitere Proteste an.<\/p>\n<p>  Jetzt greift die von der PPP gef&#252;hrte Regierung auf alle m&#246;glichen   schmutzigen Tricks zur&#252;ck, die schon vom Musharaf-Regime w&#228;hrend des   Antiprivatisierungs-Streiks angewendet wurden. Die PPP, der sogenannte   &#8222;Vork&#228;mpfer f&#252;r Arbeitnehmerrechte&#8220;, entpuppt sich nun als Verteidiger   einer kapitalistischen und arbeitnehmerfeindlichen Politik. Auf der   einen Seite versucht die PPP-Regierung das Bild zu vermitteln, sie sei   eine arbeitnehmerfreundliche Regierung, aber andererseits setzt sie die   neoliberale Wirtschaftspolitik mit Privatisierungen und freier   Marktwirtschaft fort.<\/p>\n<p>  Die PPP-Regierung f&#252;hrt auch die Tradition des Musharaf-Regimes fort,   &#252;ber das Innenministerium und die Polizei mit den Streiks und   Arbeiterprotesten umzugehen. In der Vergangenheit wurde das   Arbeitsministerium herangezogen, um mit f&#252;r Arbeitsfrieden zu sorgen.   Nun ist es das Innenministerium, das Bedrohung durch Repression und   zunehmende &#196;ngste bedeutet. Die PPP-Regierung hat das Innenministerium   bei diesem Konflikt eingeschaltet. Sie versuchen die F&#252;hrung und die   AktivistInnen unter Druck zu setzen, um das Regierungsangebot anzunehmen   oder andernfalls die Suppe auszul&#246;ffeln.<\/p>\n<p>  Die PPP-F&#252;hrung griff in die Bewegung ein nicht nur um die ArbeiterInnen   zu unterst&#252;tzen, sondern auch um Druck auf die Gesch&#228;ftsleitung   auszu&#252;ben, damit diese bestimmte Forderungen der Regierung akzeptiert.   Die Regierung nutzt diesen Streik und die Proteste f&#252;r ihre eigenen   Interessen.<\/p>\n<p>  Die ArbeiterInnen haben es abgelehnt, den PPP-F&#252;hrern zuzuh&#246;ren, und sie   setzen den Streik und die Proteste weiterhin fort.<\/p>\n<p>  <b>Rolle der TURCP<\/b><\/p>\n<p>  TURCP-Mitglieder, die auch Landesvorst&#228;nde der Telekom-Gewerkschaften   sind, nehmen aktiv an den Protesten und Streiks teil. TURCP-Mitglieder   nehmen nicht nur aktiv an der Bewegung teil, sondern sie arbeiten auch   f&#252;r Einheit unter den ArbeiterInnen. Die TURCP versucht auch die   verschiedenen Gewerkschaften in einer Plattform zusammenzubringen, um   den Streik zu st&#228;rken. Die TURCP unterst&#252;tzt diese Bewegung vollkommen   und organisiert aktiv Solidarit&#228;t f&#252;r die streikenden ArbeiterInnen. Der   erfolgreiche Streik im Telekombereich wird andere Besch&#228;ftigte   inspirieren, um Aktionen zu starten. Diese Bewegung kann die Basis f&#252;r   eine neue Welle von Klassenk&#228;mpfen legen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      16 Arbeiter bei Zusammenst&#246;&#223;en mit paramilit&#228;rischen Kr&#228;ften verletzt\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12755"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12755"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12755\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}