{"id":12754,"date":"2008-07-26T10:52:43","date_gmt":"2008-07-26T10:52:43","guid":{"rendered":".\/?p=12754"},"modified":"2008-07-26T10:52:43","modified_gmt":"2008-07-26T10:52:43","slug":"12754","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/07\/12754\/","title":{"rendered":"50.000 ArbeiterInnen im Streik &#8211; Webereien in Faisalabad lahmgelegt"},"content":{"rendered":"<p>  Viert&#228;giger Streik zwingt Regierung und Fabrikanten, die Forderungen der   Besch&#228;ftigten anzunehmen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Khalid Bhatti, TURCP Faisalabad (Kampagne f&#252;r gewerkschaftliche   Rechte in Pakistan) <\/i><\/p>\n<p>  Vier Tage lang blieben mehr als 250.000 kleine Webereien in Pakistans   drittgr&#246;&#223;ter Stadt Faisalabad geschlossen, dem Zentrum der   Textilindustrie des Landes. Aus diesem Grund wird die Stadt auch das   Manchester Pakistans genannt.<\/p>\n<p>  Ursache f&#252;r den Stillstand war der gewaltige Streik der WeberInnen.   Tausende von ArbeiterInnen marschierten durch die   Haupt-Industriegebiete, um ihre Solidarit&#228;t mit den Streikenden   mitzuteilen. Mehr als 50.000 ArbeiterInnen waren in den Streik getreten   und Tausende andere entschieden sich, sich ihnen in Solidarit&#228;t   anzuschlie&#223;en.<\/p>\n<p>  Die Provinzregierung griff unverz&#252;glich ein. Sie akzeptierte, dass die   vorher gemachte &#220;bereinkunft in vollem Umfang umgesetzt wird, was bis zu   diesem Streik noch nicht geschehen war. Nach den Verhandlungen mit der   Regierung beendeten die ArbeiterInnen den vier Tage langen Streik und   die Massendemonstrationen.<\/p>\n<p>  Der Streik hatte begonnen, nachdem Eigent&#252;mer von Webereien eine   friedliche Demonstration von ArbeiterInnen angegriffen hatten. Diese war   organisiert worden, um die Fabrikanten zu dr&#228;ngen, ein vorheriges, von   Eigent&#252;mern und ArbeiterInnen unterzeichnetes Abkommen umzusetzen. Die   ArbeiterInnen organisierten friedliche Protestdemonstrationen in Sadhar,   einer industriellen Gegend in der N&#228;he des Flughafens von Faisalabad.   Sie entschieden sich, in Richtung der Fabrik des Hauptvertreters des   Verbandes der Weberei-Besitzer und Abgeordneten der PML-Q (Pakistan   Muslim League; zentristisch-konservative Partei; Anm. d. &#220;bers.), Aasif   Ajmal, zu ziehen. Er weigerte sich den Sprechern der ArbeiterInnen   zuzuh&#246;ren und er&#246;ffnete stattdessen das Feuer auf die ArbeiterInnen. Das   Ergebnis war, dass neun Kollegen schwer verletzt wurden.<\/p>\n<p>  Dieser b&#246;sartige Angriff brachte die ArbeiterInnen auf. Sie setzten die   Fabrik dieses Abgeordneten der PML-Q MP in Brand. In einem Wutausbruch   pl&#252;nderten ArbeiterInnen daraufhin einige andere Fabriken. Sowie sich   diese Nachricht in der Stadt verbreitete, begannen Tausende von   ArbeiterInnen damit zu friedlichen Protestdemonstrationen auf die Stra&#223;e   zu str&#246;men.<\/p>\n<p>  Die ArbeiterInnen k&#252;ndigten aus Protest gegen die Brutalit&#228;t der   Arbeitgeber einen unbefristeten Streik an. Das Aktionskomitee der   ArbeiterInnen gab den Streik &#252;ber einen unbefristeten Zeitraum bekannt.   &#220;ber drei Tage blieb der Streik stark und fest. In der ganzen Stadt   zogen Tausende von ArbeiterInnen in Protestdemonstrationen durch die   Stra&#223;en. Die Streiks und Massenproteste legten die Kommunalverwaltung   lahm.<\/p>\n<p>  Die ArbeiterInnen forderten die Verhaftung des Fabrikbesitzers, der   daran beteiligt war als das Feuer auf die ArbeiterInnen er&#246;ffnet wurde,   und die vollst&#228;ndige &#220;bernahme des Abkommens. Die Kraft der   Protestdemonstrationen und des best&#228;ndigen Streiks n&#246;tigten die Beh&#246;rden   dazu, den Beschuldigten zu verhaften und ihn einzusperren. Sie wurden   ebenfalls dazu gen&#246;tigt anzuk&#252;ndigen, dass das Abkommen vollends   umgesetzt wird.<\/p>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten der Webereien fordern soziale Sicherung in der   Industrie und Lohnerh&#246;hungen. Bei der Umsetzung des Abkommens benutzen   die Fabrikbesitzer eine Verz&#246;gerungstaktik. Diese Besch&#228;ftigten arbeiten   zu unmenschlichen Bedingungen und leiden an erdr&#252;ckender Armut. Sie   m&#252;ssen ihr ganzes Leben lang arbeiten bis sie sterben, weil f&#252;r sie   keine Rentenanspr&#252;che und andere Unterst&#252;tzungsmechanismen vorhanden   sind. Die Durchschnittsl&#246;hne liegen bei umgerechnet 32 bis 44 Euro im   Monat.<\/p>\n<p>  Diesen ArbeiterInnen wurde auch ihr Recht auf gewerkschaftliche   Organisation am Arbeitsplatz verwehrt. In den letzten Jahren haben sie   damit begonnen, sich unter dem Banner von Aktionskomitees in den   verschiedenen Industrieregionen selbst zu organisieren.<\/p>\n<p>  Nahezu eine Million ArbeiterInnen in mehr als 250.000 Webereien in der   Stadt besch&#228;ftigt. Dieser Streik hat einen tiefen Eindruck auf die   KollegInnen in den unterschiedlichen Industriezweigen und den   benachbarten Distrikten Faisalabads gemacht.<\/p>\n<p>  Dieser Streik hat die Wut und das Potenzial gezeigt, das in der   Arbeiterklasse besteht. Besch&#228;ftgite der Webereien haben schon seit   Jahren f&#252;r ihre Rechte gek&#228;mpft, doch in den vergangenen drei Jahren   wurden die K&#228;mpfe intensiviert. Das liegt daran, dass die ArbeiterInnen   besser organisiert und selbstbewusster geworden sind, um die   Fabrikbesitzer und Autorit&#228;ten herauszufordern.<\/p>\n<p>  Die Trade Union Rights Campaign of Pakistan (TURCP) griff aktiv bei dem   Streik und den Massenprotesten ein. Die TURCP stellte eigene Flugbl&#228;tter   her und verteilte Tausende davon an die streikenden ArbeiterInnen.   TURCP-Mitglieder nahmen aktiv an der Organisation des Streiks und der   Demonstrationen teil. Als Folge daraus und wegen weiterer Interventionen   baut die TURCP auf und steigert ihr Ansehen und ihre Autorit&#228;t als   k&#228;mpfende Arbeiterorganisation in dieser gr&#246;&#223;ten Industriestadt   Pakistans.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Viert&#228;giger Streik zwingt Regierung und Fabrikanten, die Forderungen der<br \/>\n      Besch&#228;ftigten anzunehmen.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12754"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12754"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12754\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12754"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12754"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12754"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}