{"id":12751,"date":"2008-07-19T11:40:12","date_gmt":"2008-07-19T11:40:12","guid":{"rendered":".\/?p=12751"},"modified":"2008-07-19T11:40:12","modified_gmt":"2008-07-19T11:40:12","slug":"12751","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/07\/12751\/","title":{"rendered":"Bericht vom G8-Gipfel in Japan"},"content":{"rendered":"<p>  Letzte Woche fand in Japan der G8-Gipfel statt. Er wurde weit abseits   auf einer Insel im See Toya auf Hokkaido abgehalten<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Mara Gr&#246;ner, zur Zeit Japan<\/i><\/p>\n<p>  Bereits im Vorfeld des Gipfels wurden die Sicherheitsvorkehrungen im   ganzen Land versch&#228;rft. Die Einreisenden wurden noch l&#228;nger und   eingehender befragt, Personenkontrollen erh&#246;ht und Hausdurchsuchungen   bei linken Gewerkschaftern durchgef&#252;hrt. Die Polizei war vor allem an   den Bahnh&#246;fen in gro&#223;en St&#228;dten wie Tokyo oder Osaka &#252;berpr&#228;sent und   rund um den See Toya wurden 21 000 Polizisten aus allen Provinzen   eingesetzt. Gleichzeitig wurden sie durch Schiffe und Flugzeuge der sog.   Selbstverteidigungskr&#228;fte, der offiziell nicht wirklich zum Einsatz   kommenden und existenten Armee, erg&#228;nzt. Offiziell wurden diese   Ma&#223;nahmen zur Vermeidung von Terroranschl&#228;gen ergriffen, dienten   allerdings tats&#228;chlich eher der Einsch&#252;chterung von AktivistInnen und   der Verunsicherung der Bev&#246;lkerung, was ein Misstrauen gegen die   GipfelgegnerInnen erzeugte.<\/p>\n<p>  Die gr&#246;&#223;te Demonstration mit 5000 TeilnehmerInnen fand in Sapporo, der   Provinzhauptstadt statt. Sie wurde auch von Teilen der Gewerkschaft   unterst&#252;tzt und griff unter anderem regionale Probleme mit auf. Hokkaido   ist eine der &#228;rmsten Regionen Japans und verf&#252;gt haupts&#228;chlich &#252;ber   landwirtschaftliche Produktion. Hinzukommt, dass die nationale   Minderheit der Ainu auf dieser n&#246;rdlichen Insel ans&#228;ssig ist. Kurz vor   dem Gipfel wurden die Ainu erstmals von offizieller Seite als Minderheit   bezeichnet wurde.<\/p>\n<p>  Die GipfelgegnerInnen sammelten sich in drei Camps rund um die 30km   umfassende Bannmeile. Auf Grund der schlechten Infrastruktur waren   Proteste kaum zu bemerken, musste teilweise bis zu vier Stunden Zeit   eingeplant werden um zum Demoort zu kommen und liefen die   DemonstrantInnen oft kilometerweit durch unbewohnte Landschaften.<\/p>\n<p>  Der Veranstaltungsort des G8-Gipfels war also aus Sicht der   Teilnehmenden denkbar gut gew&#228;hlt.<\/p>\n<p>  Mit Blick auf Japan forderten viele die Erh&#246;hung der Sozialhilfe und   gingen auf die immer weiter steigenden Lebensmittelpreise ein. Diese   sind weltweit gesehen allein in den letzten drei Jahren um 80 Prozent   gestiegen und haben damit 100 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze   gezwungen.. Steigende &#214;lpreise, die zunehmende Umweltproblematik sowie   die Finanzkrise, deuten auf einen wirtschaftlichen Niedergang des   Kapitalismus hin. Trotzdem war der diesj&#228;hrige G8-Gipfel der teuerste   Gipfel, der je abgehalten wurde. Die japanische Regierung gab 560   Millionen US$ daf&#252;r aus. Ein Sprecher vom Oxfam gab an, dass diese Summe   ausreichen w&#252;rde um 100 Millionen Moskitonetze als Schutz vor Malaria zu   kaufen oder die Behandlungskosten f&#252;r 4 Millionen HIV-Erkrankte ein Jahr   lang zu decken.<\/p>\n<p>  Die G8-Gipfel sind ein unverbindlicher Gespr&#228;chszirkel, bei dem nie   etwas Genaues beschlossen wird, oder was beschlossen wird nicht   eingehalten wird. Einige Deklarationen wurden auch diesmal verfasst und   stehen in guter alter Tradition.. Zusammen mit der G5 (aus Brasilien,   China, Indien, Mexiko und S&#252;dafrika) sowie weiteren L&#228;ndern (Australien,   Indonesien und S&#252;dkorea) gaben sie die Deklaration der F&#252;hrer der   wichtigsten &#214;konomien zu Energiesicherheit und Klimawandel heraus. Unter   anderm beschloss die G8 6 Milliarden US-Dollar f&#252;r die   Klimainvestitionsfonds, die bei der Weltbank eingerichtet werden sollen,   um &#8222;clean energy&#8220;-Projekte zu finanzieren, auszugeben. Diese Summe ist   nicht nur zu gering, das Geld muss nat&#252;rlich auch irgendwoher kommen und   die reichsten Industrienationen der Welt haben nichts zu verschenken.   Also wird es vom Entwicklungshilfeetat abgezweigt werden. Der   CO2-Aussto&#223; soll bis 2050 um die H&#228;lfte reduziert werden, wobei unklar   blieb wie.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig wurde erkl&#228;rt die &#214;ffentliche Entwicklungshilfe der G8 bis   2010 um 50 Mrd. Dollar pro Jahr erh&#246;hen zu wollen, wovon 25 Mrd. Dollar   nach Afrika flie&#223;en sollen. Gleichwohl gibt es keine Auskunft dar&#252;ber,   wie dies umgesetzt warden soll. Im Jahr 2007 ging die Entwicklungshilfe   der G8-L&#228;nder um 14,1% zur&#252;ck. Doch ist Entwicklungshilfe in   Wirklichkeit ein Kontrollmechanismus und eine Hilfe f&#252;r transnationale   Konzerne.<\/p>\n<p>  Im Angesicht des Unwillens der f&#252;hrenden kapitalistischen Statten die   Probleme der zunehmenden Ungleichheit anzugehen, muss ein anderer Weg   gefunden werden die globalen Schwierigkeiten zu l&#246;sen. Ein System wie   der Kapitalismus, dass auf Profitmaximierung und Ausdehnung der M&#228;rkte   basiert, kann allein auf Grund dieser Eigenschaften die Unterschiede   zwischen Entwicklungsl&#228;ndern und Industrienationen, bzw. zwischen arm   und reich, nicht abschaffen. Im Gegenteil es ben&#246;tigt sie und es ist aus   kapitalistischer Sicht also nur logisch sie weiter ausbauen um auf dem   Weltmarkt zu &#252;berleben. Weil Staaten ihre Konzerne und Energieressourcen   unterst&#252;tzen, ist auch die Umweltproblematik auf kapitalistischer Basis   nicht zu l&#246;sen. Das neu entflammte Umweltbewusstsein ist ausschlie&#223;lich   ein Interesse am vermarktbaren Aspekt der Thematik.<\/p>\n<p>  Die &#220;bernahme der Konzerne und Banken in &#246;ffentliches Eigentum unter   Kontrolle einer sozialistisch organisierten Gesellschaft ist insofern   die einzige M&#246;glichkeit die wirkliche Entwicklungshilfe zu leisten und   eine Wirtschaft im Sinne aller zu erschaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Letzte Woche fand in Japan der G8-Gipfel statt. 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