{"id":12748,"date":"2008-07-20T00:00:00","date_gmt":"2008-07-19T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12748"},"modified":"2013-06-05T10:49:39","modified_gmt":"2013-06-05T08:49:39","slug":"12748","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/07\/12748\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfbritanniens \u00f6ffentlicher Dienst streikt f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne"},"content":{"rendered":"<p>Am 16. und 17. Juli fand in Gro\u00dfbritannien der seit langem gr\u00f6\u00dfte Streik im kommunalen \u00f6ffentlichen Dienst statt. Hunderttausende von Besch\u00e4ftigten in England, Wales und Nordirland fordern eine gerechtere Bezahlung.<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<h4><em>von Anne Engelhardt, London<\/em><\/h4>\n<p>In London beteiligen sich am ersten Streiktag seit den fr\u00fchen Morgenstunden tausende Besch\u00e4ftigte aus Kinderg\u00e4rten, Sozial\u00e4mtern, Stra\u00dfenreinigungen und B\u00fcrger\u00e4mtern und anderen an den Streikaktionen.<\/p>\n<p>Schon seit 10 Jahren liegt der Lohnausgleich deutlich unter der Inflationsrate. In diesem Jahr wird diese nach offiziellen Angaben mit \u00fcber 4% beziffert. Die Besch\u00e4ftigten fordern daher eine Lohnerh\u00f6hung von 6%. Den bisherigen Vorschlag von 2,45 % seitens der Arbeitgeber lehnen die Besch\u00e4ftigten aus den Gewerkschaften UNISON und UNITE ab. \u00dcber eine Viertelmillion aller Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst verdienen unter 6,50 Pfund in der Stunde. \u201eDie kennen den Preis der Arbeit, aber nicht den Wert!\u201c, meinen streikende Sozialarbeiter in London \/ Hackney.<\/p>\n<p>In einigen Bezirken wurden Kundgebungen mit mehreren hundert Teilnehmern vor den Rath\u00e4usern abgehalten. H\u00f6hepunkt der Proteste war eine Demonstration durch die Innenstadt mit etwa 2.000 Teilnehmern. Mit k\u00e4mpferischen Parolen und wehenden Gewerkschaftsfahnen zog diese in einen Kundgebungssaal Nahe Euston zur Abschlusskundgebung ein. Gewerkschaftstransparente wurden ausgerollt und immer wieder riefen Sprechch\u00f6re: \u201eWas wollen wir? &#8211; Gerechte Bezahlung!\u201c<\/p>\n<h4>Inflation<\/h4>\n<p>Durch die weltweite Wirtschaftskrise sind die Preise f\u00fcr Grundnahrungsmittel wie Milch und Brot als auch f\u00fcr Kraftstoffe deutlich angestiegen. Auch in Gro\u00dfbritannien bekommen das die Menschen deutlich zu sp\u00fcren. Laut der Gewerkschaft UNISON stiegen die Milchpreise bisher um 17 %, Brot um 9 % und Benzin um 22%.<\/p>\n<p>Premierminister Gordon Brown stellte jedoch fest, dass daf\u00fcr die Preise f\u00fcr technische Ger\u00e4te wie I-Pods gesunken w\u00e4ren. Bei der Abschlusskundgebung bemerkte dazu ein solidarisches Mitglied der Lehrergewerkschaft NUT (National Teachers Union): \u201eGordon Brown! Wir k\u00f6nnen uns nicht von I-Pods ern\u00e4hren!\u201c<\/p>\n<p>Erst Ende April war auch s\u00e4mtliches Lehrpersonal f\u00fcr einen Tag in den Streik getreten und hatte ebenfalls f\u00fcr eine Lohnerh\u00f6hung demonstriert. Die Tatsache, dass Lehrer schon seit 20 Jahren nicht mehr gestreikt hatten, zeigt, dass sich die Stimmung in Gro\u00dfbritannien \u00e4ndert.<\/p>\n<p>Das Argument seitens der Herrschenden &#8211; Lohnerh\u00f6hungen w\u00fcrden die Inflationsrate erh\u00f6hen &#8211; wird nicht mehr hingenommen, da \u00fcber 70 % aller Besch\u00e4ftigten, die bisher Tarifverhandlungen abgeschlossen hatten, Lohnerh\u00f6hungen weit unter der Inflationsrate erhielten.<\/p>\n<h4>Brecht die Verbindung zu NewLabour!<\/h4>\n<p>Trotz der k\u00e4mpferischen Stimmung war vielen bewusst: UNISON und UNITE h\u00e4tten wesentlich st\u00e4rker f\u00fcr diesen Streik mobilisieren k\u00f6nnen. Viele Mitglieder erfuhren erst zwei bis drei Tage vorher von dem Streik. Besonders die teilweise frustrierte Stimmung bei den Streikposten zeugte davon, dass wesentlich mehr drin gewesen w\u00e4re, da viele Besch\u00e4ftigte trotz des Streiks weiterhin zur Arbeit gingen.<\/p>\n<p>Doch warum weigert sich die Gewerkschaftsf\u00fchrung der beiden gr\u00f6\u00dften britischen Gewerkschaften auf eine gr\u00f6\u00dfere Mobilisierung ihrer Mitglieder zu setzen?<\/p>\n<p>Die Anwort ist ein offenes Geheimnis. Das zeigte sich besonders bei den spontanen Sprechch\u00f6ren, die bei der Rede des Vorstandschefs von UNITE ausbrachen: \u201eBreak the LINK!\u201c (Brecht die Verbindung). Damit ist die regierungs- und unternehmerfreundliche Politik der Gewerkschaftsf\u00fchrung gemeint, die noch immer Gelder an Gordon Browns New Labor Party zahlen. Diese nimmt mit der einen Hand das Geld und k\u00fcrzt mit der anderen im \u00f6ffentlichen Dienst, um Privatunternehmen den Weg zu \u00f6ffentlichen Mitteln zu ebnen.<\/p>\n<p>Die Schlie\u00dfung hunderter Post\u00e4mter, drastische K\u00fcrzungen am Gesundheitssystem, Stellenabbau und Lohnk\u00fcrzungen sind das Resultat von 11 Jahre New Labour in der Regierung und dem Co-Management der Gewerkschaftsspitzen, die die K\u00e4mpfe der Besch\u00e4ftigen immer wieder ausverkauft haben.<\/p>\n<p>Bei der aktuellen Tarifauseinandersetzung wird das Geld f\u00fcr die Lohnerh\u00f6hungen nicht von der Regierung sondern von den Kommunen gefordert, die Immerhin 6 Milliarden Pfund an Ersparnissen erwirtschaftet haben. Doch die Labourregierung, die mit ihrer unternehmerfreundlichen Politik f\u00fcr die K\u00fcrzungen verantwortlich ist, wird von der Gewerkschaftsspitze nicht zur Kasse gebeten. Die guten Beziehungen von UNITE, UNISON und der New Labour Partei sollen verschont bleiben.<\/p>\n<h4>Weitere Streikaktionen im Herbst geplant<\/h4>\n<p>F\u00fcr September wurden weitere Streikaktionen von UNISON angek\u00fcndigt. Es ist durchaus m\u00f6glich, dass zur selben Zeit auch die Krankenhausbesch\u00e4ftigten in erneute Lohnverhandlungen eintreten. Deren letzter Vertrag enthielt eine \u00d6ffnungsklausel, nach der nachverhandelt werden kann, wenn die Inflation eine bestimmte Grenze \u00fcberschreitet.<\/p>\n<p>Als letzter Redner der Abschlusskundgebung dr\u00fcckte Mark Serwotka von der Gewerkschaft der Landesbesch\u00e4ftigten (PCS) seine Solidarit\u00e4t mit den Streikenden aus. Dessen Gewerkschaft hatte mit als erste die Finanzierung der Labour Partei eingestellt und gilt als sehr k\u00e4mpferisch. Serwotkas Appell and UNISON und UNITE, dass nur ein vereinter Kampf aller Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst Erfolg haben kann, und die Ank\u00fcndigung, dass die PCS im September ebenfalls Streikaktionen plant, erntete anhaltenden Applaus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 16. und 17. 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