{"id":12742,"date":"2008-08-02T00:00:00","date_gmt":"2008-08-02T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12742"},"modified":"2008-08-02T00:00:00","modified_gmt":"2008-08-02T00:00:00","slug":"12742","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/08\/12742\/","title":{"rendered":"Irland: Vertreter der Socialist Party befragt deutsche Kanzlerin zum \r\n      Vertrag von Lissabon"},"content":{"rendered":"<p>  Der im Folgenden abgedruckte Austausch zwischen dem ehemaligen   Parlamentsabgeordneten der Socialist Party, Joe Higgins, und der   deutschen Kanzlerin Merkel &#252;ber das Lissabon-Abkommen, &#252;ber das in   Irland eine Volksabstimmung bekannterma&#223;en negativ entschieden hat, fand   am 14. April w&#228;hrend eines Besuchs der Kanzlerin in Dublin statt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>Die Redaktion von Socialistworld.net, 22. Mai 2008<\/i><\/h4>\n<p>  &#8222;Der Vertrag von Lissabon fordert h&#246;here Investitionen im Bereich der   R&#252;stungsindustrie und er intensiviert die Militarisierung der   Europ&#228;ischen Union&#8221;.<\/p>\n<h4>  &#8216;Europa-Forum&#8217;<\/h4>\n<p>  92. Plenarsitzung des nationalen Europa-Forums, St Patrick&quot;s Hall,   Dublin Castle<\/p>\n<p>  <i>Die Plenarsitzung wurde am Montag, dem 14. April 2008, wie folgt   eingeleitet:<\/i><\/p>\n<h4>  Vorsitzender:<\/h4>\n<p>  &#187;Well a ch&#225;irde, t&#225; s&#233; in am d&#250;inn t&#250;s do chur leis an dara cruinni&#250; is   n&#243;cha den bhF&#243;ram N&#225;isi&#250;nta um an Eoraip.&#171;<\/p>\n<p>  Herzlich willkommen zum 92. ordentlichen Plenartreffen des Nationalen   Europa-Forums. Wir f&#252;hlen uns wahrhaft geehrt, heute die Kanzlerin der   Bundesrepublik Deutschland, Angela Merkel, zu unserem Forum und auf   Dublin Castle begr&#252;&#223;en zu d&#252;rfen. Ich m&#246;chte in ihre Richtung erg&#228;nzen:   C&#233;ad mile failte oder, in ihrer eigenen Sprache, herzlich willkommen.   (Applaus)<\/p>\n<p>  Besonders dankbar sind wir, dass die Kanzlerin die Zeit gefunden hat, um   w&#228;hrend ihres kurzen Irlandaufenthaltes auch zu uns zu sprechen. Und   wenn meine Willkommensgr&#252;&#223;e kurz bleiben, Kanzlerin, so liegt das   ausschlie&#223;lich daran, dass ich unsere Diskussionen nicht verz&#246;gern   m&#246;chte.<\/p>\n<h4>  Angela Merkel spricht f&#252;r 20 Minuten<\/h4>\n<p>  Der irische Premierminister und andere richten ihre Reden an das Forum.<\/p>\n<h4>  Vorsitzender:<\/h4>\n<p>  Danke sehr. Mr. Joe Higgins, bitte.<\/p>\n<h4>  Mr Higgins:<\/h4>\n<p>  Go raibh maith agat, Cathaoirleach. Kanzlerin Merkel, ich darf zu Beginn   der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass die Fine Gael party   (christdemokratische Regierungspartei; Anm. d. &#220;bers.), Ihr Gastgeber   dieses Wochenende und &#8211; wie ich vermute &#8211; auch Ihr ideologischer   Seelenbruder, Sie mit dem geb&#252;hrenden Respekt und Wohlwollen empfangen   hat. Und ich sage dies, weil deren Vorsitzender, Herr Kenny, j&#252;ngst in   unserem Parlament gesagt hat, dass im Zuge der Kampagne f&#252;r den Vertrag   von Lissabon, Zitat, jeder Jasager in Europa nach Irland kommen wird.   Ich m&#246;chte klarstellen, dass er damit nur diejenigen unter uns   beleidigen wollte, die gegen diesen Vertrag sind.<\/p>\n<p>  Nun m&#246;chte ich vier kurze Fragen stellen, Kanzlerin.<\/p>\n<p>  Erstens: Uns wurde erz&#228;hlt, dass der Vertrag von Lissabon auf   Rechtsgrundlage der Grundrechtecharta stehe. Uns wurde erz&#228;hlt, dass das   Urteil des Europ&#228;ischen Gerichtshofes zu Laval, das eine   Niedriglohn-Wirtschaft billigt und legitimiert, was wir race to the   bottom (Absenkungs-Wettlauf; Anm. d. &#220;bers.) nennen, nicht mehr m&#246;glich   sein wird, wenn der Vertrag von Lissabon angenommen w&#252;rde. Kanzlerin,   welche Erkl&#228;rung haben Sie? Und ich frage Sie das, weil Ihre Regierung   gegen einen nationalen Mindestlohn f&#252;r deutsche Arbeiter eintritt und   damit die deutschen Arbeitgeber unterst&#252;tzt. Ich frage Sie das, weil   eine Kollegin von mir in Berlin, Lucy Redler von der Sozialistischen   Alternative &#8211; Sie haben vielleicht schon einmal von ihr geh&#246;rt &#8211; mir   k&#252;rzlich einen Bericht der Gewerkschaft VERDI weiterleitete, indem   beschrieben wird, dass es vollends Recht und Gesetz entspricht, wenn im   Ritz Carlton Hotel in Berlin, wo eine Suite 3.000 Euro die Nacht kostet,   Putzkr&#228;fte v&#246;llig legal 60 Cent pro Zimmer erhalten und f&#252;r ein   gereinigtes Zimmer unfassbare 2,80 Euro Stundenlohn erhalten. Nun,   Kanzlerin, wird die Grundrechtecharta diese deutschen Besch&#228;ftigten von   solcherart Sklavenl&#246;hnen befreien oder sind deutsche Arbeiter wie Ihre   Lokf&#252;hrer in deren j&#252;ngsten Streiks tats&#228;chlich auf ihre eigene   Mobilisierungsf&#228;higkeit angewiesen?<\/p>\n<p>  Zweitens: 71 Prozent der Deutschen sind gegen die Privatisierung der   Deutschen Bahn. Ihre Regierung aber besteht auf der Privatisierung.   Warum sollten wir, die arbeitenden Menschen Europas, bei der   Privatisierung des &#246;ffentlichen Dienstes helfen, der im Vertrag von   Lissabon eindeutig gef&#246;rdert und ins Auge gefasst wird, wenn Regierungen   wie die Ihrige die Ansichten der Mehrheit der eigenen Bev&#246;lkerung   ignorieren und sich wieder auf die Seite der Unternehmen stellen?<\/p>\n<p>  Drittens: Der Vertrag von Lissabon fordert h&#246;here Investitionen im   Bereich der R&#252;stungsindustrie und er intensiviert die Militarisierung   der Europ&#228;ischen Union. Nun, Kanzlerin, Zweidrittel der Menschen in   Deutschland sind gegen den Einsatz deutscher Truppen in Afghanistan. Sie   selbst haben, wie die irische Regierung, wie unser Taoiseach Bertie   Ahern, die kriminelle Invasion des Irak durch die Vereinigten Staaten   und Britannien unterst&#252;tzt, was ein vollkommenes Desaster f&#252;r die   Menschen im Irak darstellt. Sie unterst&#252;tzen den sogenannten Krieg gegen   Terror, der die Ausw&#252;chse von Guantanamo beinhaltet, die &#252;bergeordnete   Rechtsprechung. Eine gro&#223;e Mehrheit der Deutschen aber ist gegen diese   Politik. Warum sollten wir f&#252;r Lissabon stimmen, wenn das der   Militarisierung der Au&#223;enpolitik einen weiteren Auftrieb gibt, was sich   zuk&#252;nftig negativ auf andere L&#228;nder auswirken kann &#8211; gerade so, wie es   das Beispiel USA zeigt?<\/p>\n<p>  Und abschlie&#223;end, Cathaoirleach und Kanzlerin, letzten Oktober forderten   76 Prozent der Deutschen in einer Meinungsumfrage ein Referendum in   Deutschland &#252;ber den Vertrag von Lissabon. Nun, Sie haben in Ihrer Rede   heute viel zu Demokratie und demokratischen Rechten gesagt. Warum haben   Sie nicht und warum werden Sie den Menschen in Deutschland nicht das   demokratische Recht geben, um &#252;ber den Vertrag von Lissabon abzustimmen?   Go raibh maith agat.<\/p>\n<h4>  Kanzlerin Merkel:<\/h4>\n<p>  Zuerst vielen Dank f&#252;r all die Diskussionsbeitr&#228;ge. Ich denke, sie geben   einen guten &#220;berblick &#252;ber die Breite der Ansichten. Aufgrund des   beschr&#228;nkten Zeitrahmens kann ich nat&#252;rlich nicht detailliert auf jeden   einzelnen eingehen, aber erlauben Sie mir, die Hauptbelange aufzugreifen.<\/p>\n<p>  Warum f&#252;hrt Deutschland kein Referendum durch? Das ist nichts, was in   unserem politischen System vorgesehen ist. Auf Bundesebene gibt es in   Deutschland keine Volksabstimmungen. Und daf&#252;r gibt es eine ganz   praktische Erkl&#228;rung. etc etc etc<\/p>\n<p>  Nun zur sozialen Dimension: Lassen Sie mich Ihnen sagen, dass ich mir   die Grundrechtecharta angesehen und sie mit der deutschen Verfassung   verglichen habe. Sie beinhaltet viele Dinge, viele soziale Rechte. Mit   meiner Partei-Perspektive betrachtet wird darin zu vielen Kompromissen   aufgerufen. Dennoch sollten die Gewerkschaften anerkennen, dass ihre   Belange auf faire Art und Weise versucht wurden aufzugreifen. Ich denke,   es ist ein fairer Kompromiss erreicht worden, der auch Europa dazu   bef&#228;higt, die globale Herausforderung anzunehmen.<\/p>\n<p>  Nun zum Mindestlohn: In Deutschland haben wir eine Situation, in der   beide Seiten der Industrie, die Sozialpartner, Rechte genie&#223;en, die   durch unsere Gesetze gesch&#252;tzt sind, um Lohnvereinbarungen zu schlie&#223;en.   Wenige andere europ&#228;ische Staaten genie&#223;en dieses Recht. Das beinhaltet   auch einige Pflichten f&#252;r die Sozialpartner. Und meine Partei denkt   dar&#252;ber, dass die Sozialpartner sich der Verantwortung stellen sollten,   wenn Billigl&#246;hne von au&#223;en eine Gefahr darstelle. Wir haben die   Einrichtung des Entsendegesetzes und andere Schutzmechanismen in unserer   Sozialgesetzgebung und im Arbeitsrecht festgeschrieben, um unsere   Arbeitnehmer zu sch&#252;tzen. Etc., etc.<\/p>\n<p>  <i>F&#252;r die Reden in Gesamtl&#228;nge etc.: <a href=\"http:\/\/www.forumoneurope.ie\">www.forumoneurope.ie<\/a><\/i><\/p>\n<p>  <i>Text im Original unter: <a href=\"http:\/\/socialistworld.net\/z\/bin\/kw.cgi\/show?id=3192\">http:\/\/socialistworld.net\/z\/bin\/kw.cgi\/show?id=3192<\/a>   <\/i><\/p>\n<p>  <i>Homepage der Socialist Party (Schwesterorganisation der SAV und   Sektion des CWI in der Republik Irland: <a href=\"http:\/\/www.socialistparty.net\">www.socialistparty.net<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der im Folgenden abgedruckte Austausch zwischen dem ehemaligen<br \/>\n      Parlamentsabgeordneten der Socialist Party, Joe Higgins, und der<br \/>\n      deutschen Kanzlerin Merkel &#252;ber das Lissabon-Abkommen, &#252;ber das in<br \/>\n      Irland eine Volksabstimmung bekannterma&#223;en negativ entschieden hat, fand<br \/>\n      am 14. 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