{"id":12732,"date":"2008-06-29T01:00:00","date_gmt":"2008-06-29T01:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12732"},"modified":"2008-06-29T01:00:00","modified_gmt":"2008-06-29T01:00:00","slug":"12732","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/06\/12732\/","title":{"rendered":"Burkina Faso: Brutales Vorgehen gegen streikende Studierende"},"content":{"rendered":"<p>  Nach monatelangen Protesten sind die Studierenden am 17. Juni in Streik   getreten um ihre Forderungen durchzusetzen. Sie k&#228;mpfen unter anderem   f&#252;r mehr Unterrichtsr&#228;ume, h&#246;here Stipendien und niedrigere   Studiengeb&#252;hren. Tats&#228;chlich sind die Studienbedingungen fatal, so teilt   sich z.B. das gesamte Germanistikinstitut der Universit&#228;t Ouagadougou   zwei W&#246;rterb&#252;cher und zwei Computer. In den letzten Tagen kam noch eine   neue Forderung dazu: der sofortige und bedingungslose Abzug der Polizei   vom Gel&#228;nde der Universit&#228;t.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b><i>von Tinette Schnatterer, Stuttgart<\/i><\/b><\/p>\n<h4>  Polizei schie&#223;t auf Studierende<\/h4>\n<p>  Am 17. Juni hatte die gr&#246;&#223;te Gewerkschaft der Studierenden ANEB zu einer   Demo und einem Sit-in vor dem Rektoramt der Universit&#228;t aufgerufen.   Damit sollte die Uni-Leitung, die bis dahin versuchte die Forderungen zu   ignorieren, gezwungen werden zu reagieren. Statt mit den   Studierendenvertretern zu verhandeln veranla&#223;te diese jedoch einen   brutalen Polizeieinsatz. Die Polizei setzte scharfe Munition gegen die   bis dahin friedliche Demonstration ein. 62 Studierende wurden verhaftet   und viele verletzt. Ein Student berichtet: &#8222;Ein Student wurde ins Bein   geschossen. Ah, wir haben uns in Darfur geglaubt.&#8220; Seitdem ist der   Campus von der Polizei belagert, obwohl dieser gesetzlich der Zugang zur   Universit&#228;t verboten ist.<\/p>\n<p>  Ein Teil der Verhafteten musste zwischenzeitlich wegen Mangel an   Beweisen wieder freigelassen werden, vier Studierende wurden in einem 48   Stunden dauernden Prozess auf 6 Monate auf Bew&#228;hrung und einer   Geldstrafe von 5000 Franc CFA verurteilt. Ihnen wurde Sachbesch&#228;digung   w&#228;hrend der Demonstration vorgeworfen. Entgegen dem in den Medien   verbreiteten Bild, die Studierenden seien bewaffnet gewesen, hatten   Studierende erst begonnen sich zu wehren als die Polizei Schu&#223;waffen   gegen ihren Protest einsetzte.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend des gesamten Prozesses harrten hunderte Studierende in dem   &#252;berf&#252;llten Gerichtssaal und vor dem Geb&#228;ude aus, um ihre Solidarit&#228;t   mit den KomilitonnInnen zu bekunden. So erkl&#228;rt sich auch, dass die   Urteile schlie&#223;lich weit unter den von der Staatsanwaltschaft   geforderten blieben.<\/p>\n<h4>  Rektor schlie&#223;t Universit&#228;t<\/h4>\n<p>  Um deutlich zu machen, dass sie sich nicht einsch&#252;chtern lassen, sondern   bis zur Erf&#252;llung ihrer Forderungen weiter streiken werden, wurde f&#252;r   der 26. Juni eine weitere Demonstration geplant.<\/p>\n<p>  Die Unileitung reagierte umgehend und setze f&#252;r diesen Tag den gesamten   Universit&#228;tsbetrieb aus. &#8222;Wir haben im Moment die sozialen   Dienstleistungen eingestellt, vor allem die Wohnheime, Kantinen und   Gesundheitsstationen f&#252;r die Studierenden bleiben geschlossen&#8220;, so Bibia   Robert Sangar&#233;, Vorsitzender des nationalen Zentrums universit&#228;rer   Einrichtungen.<\/p>\n<p>  Dies f&#252;hrt zu enormen Problemen f&#252;r die streikenden Studierenden, die   meist von ausw&#228;rts kommen, sich zu mehreren ein kleines Zimmer im   Studentenwohnheim teilen und keinerlei finanziellen Spielraum haben. Die   Leitung der Universit&#228;t versucht nun, neben massiver Einsch&#252;chterung die   Streikenden im warsten Sinne des Wortes auszuhungern. Gleichzeitig   berichtet ein Student: &#8222; Der Uni-Vorsitzende droht mit einer Annulierung   unsres Semester.dh sie wollen unsere Noten boikotieren und wir werden   das akademische Jahr wierderholen&#8220;.<\/p>\n<h4>  Protest geht weiter<\/h4>\n<p>  Trotzdem planen die Studierenden weitere Proteste f&#252;r die n&#228;chsten Tage.   &#8222;Derr Campus ist umzingelt. Wir haben &#252;berhaupt keine M&#246;glichkeit mit   unserer Basis in Kontakt zu kommen. Aber Montag werden wir eine gro&#223;e   Versammlung der Studierenden auf dem Campus durchf&#252;hren&#8220;, so Adama   Baguiyan, Vorsitzender des Allgemeinen Verbands der Studierenden in   Burkina Faso (UGEB), Dachorganisation des ANEB.<\/p>\n<h4>  Wachsende Wut &#252;ber neoliberale Politik<\/h4>\n<p>  In den letzten Monaten hat es in Burkina Faso, wie in der gesamten   Region zunehmend Proteste gegen die Auswirkungen neoliberaler Politik   gegeben. Gro&#223;e Demonstrationen und Streiks gegen steigenden   Lebensmittelpreise und gegen das EPA- Abkommen mit der EU haben das Land   ersch&#252;ttert. Das brutale Vorgehen der Polizei gegen die Studierenden   zeigt auch wie sehr die Regierung Angst vor diesen Protesten hat.   Zeitgleich zu den Studentenprotesten sind auch die Besch&#228;ftigten des   Gesundheitswesens dem Aufruf der Gewerkschaft Synsha zu einem   dreit&#228;gigen Streik gefolgt. Um diese verbreitete Wut in effektiven   Widerstand umzuwandeln sind die Gewerkschaften gefordert einen   landesweiten Generalstreik der Studierenden und Besch&#228;ftigten zu   organisieren. N&#246;tig ist aber auch eine politische Interessensvertretung,   die den Schulterschlu&#223; nicht mit den westlichen Banken und Konzernen   sucht, sondern den Widerstand gegen kapitalistische Globalisierung   international vernetzt. Der Kapitalismus zeigt jeden Tag, dass ihm die   Profite von Gro&#223;konzernen wichtiger sind als Nahrung und Bildung f&#252;r   Millionen.<\/p>\n<p>  <i>&#8222;Nicht schie&#223;en, Ideen lassen sich nicht t&#246;ten&#8220;, so der ehemalige   Staatschef Sankara eine Woche vor seiner Ermordung durch das Milit&#228;r   1987.<\/i><\/p>\n<p>  Die wachsende Begeisterung, vor allem unter jungen Leuten, f&#252;r den   ehemaligen Pr&#228;sidenten Thomas Sankara ist der Ausdruck einer Suche nach   Alternativen. Trotz massiven Repressionen beteiligten sich im letzten   Jahr tausende an den Protesten am Jahrestag seiner Ermodrung. Leider hat   Sankara gezeigt, dass, trotz enormer Fortschritte f&#252;r die Massen, eine   sozialistische Planwirtschaft nicht von oben und nicht durch einen   Regierungschef eingef&#252;hrt werden kann. Nur eine revolution&#228;re Bewegung   der Besch&#228;ftigten, Jugend und Bauern (in Burkina Faso arbieten 80% der   Bev&#246;lkerung in der Landwirtschaft) wird in der Lage sein die Diktatur   des Profits durch eine Gesellschaft zu ersetzen in der demokratische   Komitees dar&#252;ber entscheiden was und wie produziert wird. Und nicht   zuletzt das Beispiel Venezuela zeigt wie aktuell diese Debatten auch   heute sind.<\/p>\n<p>  <b><i>Solidarit&#228;tserkl&#228;rungen leiten wir direkt an die streikenden   Studierenden weiter: Bitte an <a href=\"mailto:info@sozialismus.info\">info@sozialismus.info<\/a>   schicken.<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nach monatelangen Protesten sind die Studierenden am 17. Juni in Streik<br \/>\n      getreten um ihre Forderungen durchzusetzen. Sie k&#228;mpfen unter anderem<br \/>\n      f&#252;r mehr Unterrichtsr&#228;ume, h&#246;here Stipendien und niedrigere<br \/>\n      Studiengeb&#252;hren. 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