{"id":12725,"date":"2008-07-23T00:00:00","date_gmt":"2008-07-23T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12725"},"modified":"2008-07-23T00:00:00","modified_gmt":"2008-07-23T00:00:00","slug":"12725","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/07\/12725\/","title":{"rendered":"S&#252;d-Afrika: Fremdenfeindliche Pogrome &#8211; eine Warnung f&#252;r die \r\n      Arbeiterbewegung"},"content":{"rendered":"<p>  In S&#252;dafrika m&#252;ssen klassenk&#228;mpferische und sozialistische Traditionen   wiederbelebt werden<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am 10. Mai begann in Alexandra, einem Township von Johannesburg, eine   Welle fremdenfeindlicher &#220;bergriffe, die das Land f&#252;r mehr als zwei   Wochen ersch&#252;ttern sollten. Ein gewaltt&#228;tiger Mob machte bewaffnet Jagd   auf MigrantInnen aus anderen afrikanischen L&#228;ndern.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Ianka Pigors, Hamburg<\/i><\/h4>\n<p>  Die &#220;bergriffe weiteten sich schnell aus. Die Zeitung Sowetan berichtete   am 5. Juni von insgesamt 62 Toten. Die Opfer wurden erschlagen,   erstochen und in einem entsetzlichen Fall mit einem benzingetr&#228;nkten   Autoreifen um den Hals verbrannt. Diese Hinrichtungsmethode war fr&#252;her   in Einzelf&#228;llen benutzt worden, um Renegaten, die den Widerstand an die   folternde Apartheids-Polizei verraten hatten, zu bestrafen. Nun traf es   einen unschuldigen Einwanderer aus Malawi. Babys und Kranke starben,   nachdem Wellblechsiedlungen niedergebrannt wurden, an den Folgen der   Obdachlosigkeit. Hunderte wurden verletzt, vergewaltigt und ausgeraubt.<\/p>\n<p>  Die Ausschreitungen schockierten die s&#252;dafrikanische Bev&#246;lkerung. In den   Arbeitervierteln geh&#246;rt der Stolz auf den Widerstand gegen die   Apartheid, das wei&#223;e Minderheiten-Regime, das bis 1994 herrschte, noch   immer zum Selbstverst&#228;ndnis. Viele AktivistInnen waren selbst lange   Jahre in der Immigration in afrikanischen Nachbarstaaten. Die Gewalt   gegen die etwa drei Millionen Fl&#252;chtlinge, unter anderem aus dem   krisengesch&#252;ttelten Simbabwe, stie&#223; die Allermeisten der &#252;ber 40   Millionen S&#252;dafrikanerInnen ab. Trotzdem konnte der Mob oft ungest&#246;rt   w&#252;ten. Wie war das m&#246;glich?<\/p>\n<h4>  Neoliberale ANC-Regierung<\/h4>\n<p>  In den vergangenen Jahren entwickelte sich der ANC von einer   Massenorganisation gegen eine rassistische Diktatur zu einem korrupten   Regierungsapparat. In einem B&#252;ndnis mit dem gewerkschaftlichen   Dachverband Cosatu und der Kommunistischen Partei (KP) setzt der ANC   heute knallhart neoliberale Politik durch. Unter dem Motto &#8222;black   empowerment&#8220; (schwarzer Machtgewinn) bereichert sich eine kleine,   schwarze Elite, w&#228;hrend der Reichtum von Teilen der Wei&#223;en ebenso wenig   angetastet wird, wie das zunehmende Elend der schwarzen Mehrheit.<\/p>\n<h4>  Klassenk&#228;mpfe<\/h4>\n<p>  Die Allianz der Gewerkschaften mit dem ANC erschwert den Kampf der   Arbeiterklasse gegen Ausbeutung und Privatisierung. Seit die   Cosatu-F&#252;hrung den scheinradikalen Jacob Zuma gegen Thabo Mbeki als   ANC-Pr&#228;sidentschaftskandidaten durchgesetzt hat, zeigt sie sich noch   regierungsfreundlicher als vorher.<\/p>\n<p>  Mehr und mehr ArbeiterInnen wenden sich inzwischen vom ANC und den   Cosatu-Oberen ab. Letztes Jahr kam es zum gr&#246;&#223;ten und l&#228;ngsten Streik im   &#214;ffentlichen Dienst in der Geschichte S&#252;dafrikas. Dieser wurde gegen die   Gewerkschaftsb&#252;rokratie durchgesetzt. Auch als sich die   Transportarbeiter weigerten, Schiffe mit chinesischen Waffen f&#252;r das   Regime in Simbabwe zu entladen, war das ein Streik in Opposition zum   B&#252;ndnis von Cosatu, ANC und KP. Und ein Ausdruck von Solidarit&#228;t mit den   unterdr&#252;ckten Massen Simbabwes.<\/p>\n<h4>  Wie konnte es zu den Pogromen kommen?<\/h4>\n<p>  Die j&#252;ngsten Arbeitsniederlegungen zeigen das Potenzial f&#252;r eine   Massenbewegung gegen die Herrschenden &#8211; in der reaktion&#228;re Ideen an den   Rand gedr&#228;ngt werden. Allerdings sch&#252;rt der ANC Vorurteile, um von   seiner Politik abzulenken. MigrantInnen werden f&#252;r die 40 prozentige   Arbeitslosenquote im Land, f&#252;r sinkende L&#246;hne und die explodierende   Kriminalit&#228;t verantwortlich gemacht. Staatlicher Rassismus, zum Beispiel   die Errichtung des von privaten Investoren gef&#252;hrten Abschiebungslagers   Lindelani, in dem Fl&#252;chtlinge unter erb&#228;rmlichen Bedingungen   eingepfercht werden, bereitet den Boden f&#252;r rechte, nationalistische   Ideologien. Nach den Pogromen sahen sich die Herrschenden gezwungen, die   Schl&#228;ger verbal zu verurteilen. Zu der von Cosatu eilends angek&#252;ndigten   Gegendemonstration wurde jedoch kaum mobilisiert.<\/p>\n<p>  Nur wenn es gelingt, den Kampf gegen die Armut trotz der Blockade der   heutigen Gewerkschaftsb&#252;rokratie zu organisieren, mit dem ANC komplett   zu brechen und eine neue Arbeiterpartei mit sozialistischem Programm   aufzubauen, gibt es eine Perspektive f&#252;r die verelendeten Massen in den   Townships. Nur so kann verhindert werden, dass verzweifelte Menschen auf   fremdenfeindliche Ideologien hereinfallen und sich die Verlierer der   neoliberalen Politik gegenseitig zerfleischen, statt gemeinsam f&#252;r eine   Verbesserung ihrer Lage zu k&#228;mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      In S&#252;dafrika m&#252;ssen klassenk&#228;mpferische und sozialistische Traditionen<br \/>\n      wiederbelebt werden\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12725"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12725"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12725\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12725"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12725"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12725"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}