{"id":12714,"date":"2008-07-12T00:00:00","date_gmt":"2008-07-12T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12714"},"modified":"2008-07-12T00:00:00","modified_gmt":"2008-07-12T00:00:00","slug":"12714","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/07\/12714\/","title":{"rendered":"Kampf zur Rettung der Kliniken aufnehmen"},"content":{"rendered":"<p>  Die Frage der Refinanzierung der Lohnerh&#246;hung im &#214;ffentlichen Dienst hat   in aller Sch&#228;rfe die Frage der Krankenhausfinanzierung aufgeworfen. &#8222;Der   Deckel muss weg&#8220; fordert ver.di richtigerweise. Die entscheidende Frage   ist aber: Wie kann dieser Kampf erfolgreich gef&#252;hrt werden?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  F&#252;r den 25. September ist eine bundesweite Demonstration geplant. Alle   Fachbereiche in ver.di m&#252;ssen daf&#252;r mobilisiert werden. Dar&#252;ber hinaus   sollte der DGB insgesamt, der Marburger Bund,   Patientenselbsthilfeorganisationen, der Sozialverband VdK und DIE LINKE   f&#252;r diese Demonstration mobilisieren.<\/p>\n<p>  Doch wenn ver.di den Kampf auf eine gemeinsame Propaganda-Kampagne mit   den Krankenhaustr&#228;gern reduziert und sich den Gesundheitsb&#252;rgermeistern   und Politikern unterordnet, wird sich nichts verbessern. Denn die   Krankenhausmanager und ihre Freunde in der Politik schieben die   Interessen von Krankenhaus-Besch&#228;ftigten und PatientInnen vor, um einzig   und allein Spielr&#228;ume f&#252;r ihre eigenen Privilegien und Pfr&#252;nde zu   sichern.<\/p>\n<p>  Es geht aber vielmehr darum, wie viel Geld n&#246;tig ist, wof&#252;r es   eingesetzt werden soll und wo man es holt. Und hier gibt es einen   fundamentalen Interessensgegensatz zwischen den abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten   und dem Kapital, das die Krankenhausmanager und Politiker der   etablierten Parteien vertreten beziehungsweise dessen Teil sie sind.<\/p>\n<h4>  Wie soll ver.di die Kampagne f&#252;hren?<\/h4>\n<p>  Daher muss ver.di eine unabh&#228;ngige Kampagne mit klaren Zielen f&#252;hren.   Die Forderung nach sofortiger Neueinstellung von mindestens 100.000   Besch&#228;ftigten und einer tariflich abgesicherten Mindestbesetzung auf   allen Stationen sowie allen Bereichen der Krankenh&#228;user ist daf&#252;r   zentral. Nur mit einem bundesweitem Arbeitskampf der   Krankenhaus-Besch&#228;ftigten, mit Unterst&#252;tzung der arbeitenden   Bev&#246;lkerung, ist ein solches Ziel durchsetzbar.<\/p>\n<p>  Eine tarifliche Mindestbesetzung oder Personalbemessung und ein   Tarifvertrag, der dies regelt, ist ein wichtiger Schl&#252;ssel, um diesen   Kampf zu f&#252;hren. Damit w&#252;rde ver.di in die Offensive gelangen. Mit einer   Mobilisierung der Besch&#228;ftigten bis hin zu einem bundesweiten Streik   k&#246;nnte der n&#246;tige Druck aufgebaut werden. In allen ver.di-Gliederungen   und in Krankenh&#228;usern sollte die Forderung nach einem Tarifvertrag   Personalbemessung daher unmittelbar aufgeworfen und entsprechende   Antr&#228;ge in der Gewerkschaft gestellt werden.<\/p>\n<p>  Dass ein landesweiter Streik in Kliniken m&#246;glich ist, haben erst am 24.   Juni die Besch&#228;ftigten in Tschechien bewiesen. Dort streikten 30.000   Krankenhaus-Besch&#228;ftigte f&#252;r einen Tag gegen die Privatisierung von   Krankenh&#228;usern und Krankenkassen (mit der Unterst&#252;tzung von 40.000   &#196;rztInnen und weiteren KrankenpflegerInnen).<\/p>\n<p>  Jeder Angriff vor Ort, wie der Abbau von Stellen in Krankenh&#228;usern &#8211; was   f&#252;r die st&#228;dtischen Kliniken Bremen angek&#252;ndigt wurde &#8211;, muss mit   Widerstand beantwortet und mit der bundesweiten Kampagne verbunden   werden. Die anstehenden Verhandlungen f&#252;r eine neue Entgeltordnung   m&#252;ssen damit verkn&#252;pft und genutzt werden, um das Lohnniveau der   Krankenhaus-Besch&#228;ftigten deutlich anzuheben.<\/p>\n<p>  &#214;rtliche und regionale Krankenhauskonferenzen k&#246;nnten organisiert   werden, in denen &#252;ber inhaltliche Positionen, Forderungen und   Protestaktionen diskutiert und entschieden wird. Personal- und   Betriebsversammlungen k&#246;nnten genutzt werden, um die Kampagne in den   Krankenh&#228;usern und dar&#252;ber hinaus aufzubauen.<\/p>\n<p>  Bei der Demonstration im September muss ver.di deshalb weitere   Kampfschritte bis hin zur Vorbereitung eines Krankenhausstreiks   ank&#252;ndigen und daf&#252;r die Unterst&#252;tzung aller Gewerkschaften einfordern.   In Massenflugbl&#228;ttern gilt es, die unmenschlichen Zust&#228;nde in den   Krankenh&#228;usern anzuprangern und so die Forderungen nach dem Erhalt aller   Kliniken, nach mehr Personal und besserer Bezahlung popul&#228;r zu machen.<\/p>\n<h4>  DIE LINKE<\/h4>\n<p>  Um einen solchen Kampf zu gewinnen, ist auch die Partei DIE LINKE   gefordert, das Thema Pflegenotstand aufzugreifen und eine offensive   Kampagne gegen das kapitalistische Gesundheitswesen insgesamt zu f&#252;hren.   Die Linkspartei kann ins &#246;ffentliche Bewusstsein rufen, dass das Geld   f&#252;r Investitionen in Krankenh&#228;user, f&#252;r die Schaffung von mindestens   100.000 Stellen und f&#252;r eine bessere Bezahlung im &#220;berfluss vorhanden   ist.<\/p>\n<p>  Laut dem Deutschen Institut f&#252;r Wirtschaftsforschung betrug das private   Geldverm&#246;gen in Deutschland im Jahr 2006 insgesamt 5,4 Billionen Euro.   Wenn mit einer Reichensteuer das obere Drittel dieses Verm&#246;gens   abgesch&#246;pft w&#252;rde, w&#228;ren Bund, L&#228;nder und Kommunen auf einen Schlag   schuldenfrei. Dar&#252;ber hinaus w&#228;ren 300 Milliarden Euro &#252;brig. Zus&#228;tzlich   w&#252;rden 65 Milliarden Euro Zinsen, die die Banken j&#228;hrlich f&#252;r die   Staatsverschuldung einsacken, eingespart.<\/p>\n<h4>  Union und SPD unter Druck<\/h4>\n<p>  Die Angriffe der Kohl-Regierung auf das Gesundheitswesen haben im Juni   1996 zu einer Massendemonstration von 500.000 und zwei Jahre sp&#228;ter zur   Abwahl der Regierung gef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Auch die Merkel-Regierung steht heute unter enormem Druck &#8211; aufgrund der   &#246;ffentlichen Debatte &#252;ber den Pflegenotstand, aufgrund der Kampagne   gegen den Deckel, aufgrund der Existenz der LINKEN und aufgrund der   Bundestagswahl 2009. Das widerspiegelt sich im Ruf nach mehr Geld f&#252;r   Krankenh&#228;user von Politikern der etablierten Parteien, in der   Bundesratsinitiative von CDU-regierten L&#228;ndern gegen den   Krankenhausdeckel, im Gezerre um den Risikostrukturausgleich des   Gesundheitsfonds und in der Ank&#252;ndigung von Gesundheitsministerin Ulla   Schmidt (SPD), die Krankenkassen zu einem Sonderprogramm von &#8222;einigen   Hundert Millionen Euro&#8220; f&#252;r 21.000 zus&#228;tzliche Pflegekr&#228;fte zu   verpflichten. Das darf aber nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass die   Herrschenden ihre Absicht, das Gesundheitssystem auf Profitproduktion   umzustellen, weiterverfolgen. Eine entschlossene Kampagne zur Rettung   der Krankenh&#228;user w&#252;rde auch in Konflikt mit den aktuellen Pl&#228;nen der   Bundesregierung geraten. Dieser Konflikt muss ausgetragen werden.<\/p>\n<p>  Die geplanten Gesetzes&#228;nderungen und der Gesundheitsfonds m&#252;ssen   unmittelbar gekippt werden. Das kann aber nur der Anfang sein f&#252;r einen   erfolgreichen Kampf f&#252;r ein Gesundheitswesen, in dem der Mensch und   nicht der Profit z&#228;hlt. n<\/p>\n<p>  <b><i>Ursel Beck ist gewerkschaftspolitische Sprecherin der SAV<\/i><\/b><\/p>\n<h4>  Forderungen der SAV<\/h4>\n<p>  <i>Weg mit dem Budgetdeckel &#8211; f&#252;r eine bedarfsgerechte Finanzierung <\/i><\/p>\n<p>  <i>Deckung des unmittelbaren Milliardendefizits <\/i><\/p>\n<p>  <i>Keine Erh&#246;hung der Krankenkassenbeitr&#228;ge f&#252;r abh&#228;ngig Besch&#228;ftigte <\/i><\/p>\n<p>  <i>Finanzierung durch massive Besteuerung von Verm&#246;gen der Reichen und   von Profiten der Konzerne und Banken <\/i><\/p>\n<p>  <i>Zur Behebung des Investitionsstaus von 50 Milliarden Euro muss ein   F&#252;nf-Jahresprogramm von je zehn Milliarden aufgelegt werden. Dieses   Programm muss durch die L&#228;nder finanziert und kann &#252;ber eine   Verm&#246;genssteuer von ein Prozent auf Verm&#246;gen &#252;ber 500.000 Euro   aufgebracht werden <\/i><\/p>\n<p>  <i>Weg mit Fallpauschalen &#8211; Finanzierung nach Bedarf <\/i><\/p>\n<p>  <i>Nein zur Einf&#252;hrung des Gesundheitsfonds <\/i><\/p>\n<p>  <i>Mehr Personal, h&#246;here L&#246;hne, k&#252;rzere Arbeitszeiten <\/i><\/p>\n<p>  <i>F&#252;r ein von der Bundesregierung finanziertes Sofortprogramm von vier   Millliarden Euro zur Neueinstellung von 100.000   Krankenhaus-Besch&#228;ftigten als erster Schritt f&#252;r eine optimale   Patientenversorgung und gesunde Arbeitsbedingungen f&#252;r alle   Berufsgruppen <\/i><\/p>\n<p>  <i>Demos k&#246;nnen nur ein Anfang sein. Kampf f&#252;r mehr Stellen &#252;ber die   Organisierung von bundesweiten Streiks durch ver.di. Dies kann durch die   Forderung nach einer tarifvertraglich geregelten Personalbemessung   erm&#246;glicht werden <\/i><\/p>\n<p>  <i>Statt Arbeitszeitverl&#228;ngerung: 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und   Personalausgleich als erster Schritt zu weiterer Arbeitszeitverk&#252;rzung <\/i><\/p>\n<p>  <i>Eine Ausbildungsquote von zehn Prozent und garantierte &#220;bernahme   aller Azubis <\/i><\/p>\n<p>  <i>F&#252;r einen Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde als erster Schritt zu   zw&#246;lf Euro pro Stunde <\/i><\/p>\n<p>  <i>Keine weitere Absenkung des Lohnniveaus durch die neue   Entgeltordnung. Stattdessen Kampf f&#252;r eine Anhebung und Korrekturen am   TV&#214;D <\/i><\/p>\n<p>  <i>Nein zu Leiharbeit und Outsourcing <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#214;ffentliches Eigentum statt Profitwirtschaft <\/i><\/p>\n<p>  <i>Keine weiteren Privatisierungen. R&#252;ck&#252;berf&#252;hrung aller privatisierten   Krankenh&#228;user und medizinischen Einrichtungen in &#246;ffentliches Eigentum <\/i><\/p>\n<p>  <i>Profithaie stoppen: &#220;berf&#252;hrung der Pharma-, Bio- und   Gentechnik-Konzerne sowie der Medizinger&#228;teindustrie,   Krankenhauskonzerne und privaten Krankenversicherungen in &#246;ffentliches   Eigentum <\/i><\/p>\n<p>  <i>Demokratische Kontrolle und Verwaltung durch gew&#228;hlte VertreterInnen   der Besch&#228;ftigten und der arbeitenden Bev&#246;lkerung <\/i><\/p>\n<p>  <i>Nein zur Zweiklassenmedizin &#8211; Gesundheit f&#252;r alle <\/i><\/p>\n<p>  <i>Optimale und ganzheitliche Behandlung aller PatientInnen entsprechend   den medizinischen M&#246;glichkeiten <\/i><\/p>\n<p>  <i>Schaffung von integrierten staatlichen Gesundheitszentren   (Polikliniken) f&#252;r eine bessere medizinische Versorgung und die   Zusammenarbeit von &#196;rzten und Therapeuten <\/i><\/p>\n<p>  <i>Pr&#228;ventive Gesundheitsversorgung in allen Bereichen der Gesellschaft <\/i><\/p>\n<p>  <i>Schluss mit der Konkurrenz unter den Krankenkassen. Zusammenf&#252;hrung   aller Krankenkassen zu einer einzigen &#246;ffentlichen Krankenkasse bei   Arbeitsplatzgarantie f&#252;r alle Besch&#228;ftigten und unter demokratischer   Kontrolle und Verwaltung durch Belegschaftskomitees und von   VertreterInnen der arbeitenden Bev&#246;lkerung <\/i><\/p>\n<p>  <i>Keine &#252;berbezahlten und korrupten Manager in Krankenh&#228;usern,   Gesundheits&#228;mtern, Krankenkassen und sonstigen Gesundheitseinrichtungen.   Demokratische Wahl aller Personen mit Leitungsfunktionen durch   Besch&#228;ftigte und PatientInnen. Kontrollrecht und Recht zur jederzeitigen   Abwahl <\/i><\/p>\n<p>  <i>F&#252;r eine sozialistische Gesellschaft, in der nach den Bed&#252;rfnissen   von Mensch und Umwelt produziert wird, Krankheiten vermieden   beziehungsweise optimal geheilt werden<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Frage der Refinanzierung der Lohnerh&#246;hung im &#214;ffentlichen Dienst hat<br \/>\n      in aller Sch&#228;rfe die Frage der Krankenhausfinanzierung aufgeworfen. &#8222;Der<br \/>\n      Deckel muss weg&#8220; fordert ver.di richtigerweise. 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