{"id":12702,"date":"2008-07-15T00:00:00","date_gmt":"2008-07-15T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12702"},"modified":"2008-07-15T00:00:00","modified_gmt":"2008-07-15T00:00:00","slug":"12702","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/07\/12702\/","title":{"rendered":"Gro&#223;e Koalition: Von der P- und der K-Frage"},"content":{"rendered":"<p>  Streit um Pr&#228;sidentschafts- und Kanzlerkandidaten widerspiegelt Debatte   der Herrschenden um k&#252;nftige Regierung<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die Gro&#223;e Koalition steckt in einer Dauerkrise. Grund genug f&#252;r SPD   und Union, sich nach Alternativen umzusehen. Zentrale Frage f&#252;r das   Establishment ist der Umgang mit der Linkspartei. Oskar Lafontaine wurde   von der Financial Times schon als &#8222;heimlicher Kanzler&#8220; bezeichnet, weil   die wachsende Unterst&#252;tzung f&#252;r DIE LINKE stabile Regierungsb&#252;ndnisse   erschwert und die Fortsetzung neoliberaler Politik immer schwieriger   macht.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Aron Amm, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck steht mittlerweile als totaler Versager   da. Dabei hat sich Beck in letzter Zeit gar nicht ver&#228;ndert. Genauso   wenig wie seine Partei. Neu ist nur, dass mit der Linkspartei eine   relevante politische Kraft entstanden ist, die die Folgen der   SPD-Politik thematisiert.<\/p>\n<p>  Eine dieser Folgen ist die wachsende Verarmung: Laut drittem Armuts- und   Reichtumsbericht leben heute 13 Prozent in Armut. Und das, obwohl das   Arbeitsministerium die Datenbasis ausgetauscht hat. Geht man von der   alten Datenbasis aus, liegt die Armutsquote sogar bei 18 Prozent (2000   waren es noch 11,8 Prozent). Obwohl der Bericht 413 Seiten lang ist,   enth&#228;lt er keine Angaben &#252;ber die Verm&#246;gen. Diese finden sich erst im   Anhang. Aber auch nur sp&#228;rlich. Danach belief sich das Nettoverm&#246;gen der   privaten Haushalte 2002 auf rund 7,8 Billionen Euro. Die oberen zehn   Prozent nennen allerdings 56 Prozent des Gesamtverm&#246;gens ihr Eigen, die   unteren 50 Prozent dagegen nur zwei Prozent. Ein Armutszeugnis.<\/p>\n<p>  Im Bericht hei&#223;t es: &#8222;Werden die Unterschiede zwischen Arm und Reich als   zu gro&#223; und schwer &#252;berwindbar wahrgenommen, kann dies die Akzeptanz der   sozialen Marktwirtschaft und der Demokratie in Frage stellen.&#8220; Trotz   gesch&#246;nter Zahlen haben laut Allensbach schon jetzt nur noch 31 Prozent   eine gute Meinung von der Marktwirtschaft, 38 Prozent sehen sie negativ.   Und das im Aufschwung!<\/p>\n<h4>  Vor der Krise<\/h4>\n<p>  Die B&#252;rgerlichen k&#246;nnen nicht mehr leugnen, dass sich gro&#223;e Teile der   USA in der Rezession befinden. Angeblich l&#228;sst sich der Krisenherd aber   auf Nordamerika und einige andere &#214;konomien begrenzen. Dabei l&#246;ste die   globale Kreditkrise auch in Deutschland B&#246;rsen- und Bankenturbulenzen   aus. Die Beinahe-Pleite der s&#228;chsischen Landesbank lie&#223; mit Georg   Milbradt (CDU) schon einen Ministerp&#228;sidenten &#252;ber die Klippe springen.<\/p>\n<p>  Alles weist darauf hin, dass der Abschwung sich verst&#228;rkt und die   Bundesrepublik mit voller Wucht trifft. Schlie&#223;lich hat sich die   Exportquote seit 2000 von 33 auf 47 Prozent erh&#246;ht. Da die Kaufkraft der   Lohnabh&#228;ngigen jahrelang zur&#252;ckging &#8211; nach Berechnungen der Dresdner   Bank um 8,3 Prozent zwischen 1991 und 2007 &#8211; wird der Konsummotor nicht   anspringen. Dazu kommt jetzt der h&#246;chste Preisanstieg seit 14 Jahren.<\/p>\n<p>  Eine Wirtschaftskrise kann erst mal l&#228;hmend wirken und dazu f&#252;hren, dass   Widerstand ausbleibt. Das muss aber nicht so sein. Wichtig ist, mit   welcher Einstellung die arbeitende Bev&#246;lkerung in die Krise geht. Und   seit der von unten initiierten bundesweiten Demonstration gegen die   Agenda 2010 am 1. November 2003 kam es zu einer &#8211; wenn auch nicht   geradlinig &#8211; aufsteigenden Linie von Protesten. Gerade der Streik der   Lokf&#252;hrer hat der Arbeiterklasse neues Selbstvertrauen gegeben.<\/p>\n<p>  Vor diesem Hintergrund treibt das Kapital und seine politischen   Handlanger die Frage um, mit welcher Bundesregierung sie den sozialen   Kahlschlag forcieren und Gegenwehr in Schach halten k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Becks &#8222;Schwanengesang&#8220;?<\/h4>\n<p>  Vor zw&#246;lf Monaten unterst&#252;tzten noch 30 Prozent die SPD. Das wurde   damals als historisches Tief verbucht. Heute sind es 20 Prozent! Das ist   das Ergebnis von zehn Jahren Regierungspolitik im Bund. Aber auch der   R&#252;ckhalt f&#252;r die Union br&#246;ckelt. Aktuell bangt die CSU um ihre absolute   Mehrheit in Bayern.<\/p>\n<p>  Unzufrieden mit der Bundesregierung sind auch die Unternehmer. In ihren   Augen gab es seit dem Antritt der Merkel-Regierung mit der &#8222;Rente mit   67&#8220; nur einen gro&#223;en Wurf. Aber was soll auf die Gro&#223;e Koalition folgen?<\/p>\n<p>  Die Wahl von Gustav Heinemann (SPD) mit den Stimmen von SPD und FDP zum   Bundespr&#228;sidenten l&#228;utete Ende der sechziger Jahre das Ende der   damaligen Gro&#223;en Koalition und den Beginn der sozial-liberalen &#196;ra ein.   Der Einzug von Horst K&#246;hler (CDU) ins Schloss Bellevue 2004 mit Hilfe   von Union und FDP sollte Schwarz-Gelb im Bund vorbereiten. Allerdings   machten die W&#228;hlerInnen den Kapitalbesitzern 2005 einen Strich durch die   Rechnung. Seitdem hat DIE LINKE von 8,7 auf (in Umfragen) 15 Prozent   zugelegt. Damit schwimmen auch Rot-Gr&#252;n als Regierungsoption die Felle   davon.<\/p>\n<p>  Nun schickt die SPD erneut Gesine Schwan ins Rennen um den   Bundespr&#228;sidenten, der im Mai 2009 &#8211; ein halbes Jahr vor der kommenden   Bundestagswahl &#8211; gew&#228;hlt wird. Eine Chance hat Schwan nur, wenn sich   auch Gr&#252;ne und Linkspartei f&#252;r sie entscheiden sollten. Deshalb stellt   sich die Frage, ob die SPD die Weichen auf Rot-Rot-Gr&#252;n stellen will.   SPD-Chef Kurt Beck war lange nicht besonders angetan von der   Schwan-Kandidatur. Von den Parteirechten ganz zu schweigen. Hinter den   Kulissen ist von einem &#8222;sanften Putsch&#8220; (SPIEGEL ONLINE) die Rede. Die   stellvertretende Vorsitzende Andrea Nahles soll gemeinsam mit anderen   Beck unter Druck gesetzt haben, bis es ihm ging, wie Goethes &#8222;Fischer&#8220;:   &#8222;Halb zog sie ihn, halb sank er hin.&#8220; M&#246;glich, dass Becks Entscheidung   f&#252;r Schwan ihm zum Verh&#228;ngnis, seine Lobrede f&#252;r sie noch zu seinem   &#8222;Schwanengesang&#8220; wird.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die Partei-Vizen Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbr&#252;ck   diese Entscheidung z&#228;hneknirschend hinnahmen, rief das Becks   Vorvorg&#228;nger Franz M&#252;ntefering sowie Wolfgang Clement, den   Wirtschaftsminister unter Becks Vorvorvorg&#228;nger Gerhard Schr&#246;der, auf   den Plan. Clement erkl&#228;rte in der Welt am Sonntag: Wer die Wahl von   Gesine Schwan will, &#8222;der oder die setzt ein politisches Signal, und zwar   f&#252;r ein rot-rot-gr&#252;nes B&#252;ndnis&#8220;. In jedem Fall geht es bei der   Kanzlerfrage f&#252;r die SPD in den n&#228;chsten Monaten nicht nur um die   Unpopularit&#228;t von Beck, sondern um die weitere Ausrichtung der Partei &#8211;   die noch nicht entschieden ist.<\/p>\n<h4>  Zukunft der LINKEN<\/h4>\n<p>  Zentral ist, was die B&#252;rgerlichen wollen. Hier ist es nicht   auszuschlie&#223;en, dass diese im Zuge gewaltiger gesellschaftlicher   Ersch&#252;tterungen darauf setzen k&#246;nnten, die Linkspartei in eine   Bundesregierung einzubinden. Zum jetzigen Zeitpunkt kommt das f&#252;r den   gr&#246;&#223;ten Teil der Kapitalisten nicht in Frage. Positionen wie die   Ablehnung von Auslandseins&#228;tzen der Bundeswehr sind f&#252;r die   Konzernherren zudem untragbar.<\/p>\n<p>  Sollte sich DIE LINKE &#8211; nach Rot-Rot in Berlin &#8211; an weiteren Regierungen   mit Sozialabbau-Parteien beteiligen, droht eine tiefe Krise &#8211; wie in   Italien nach dem Eintritt der Rifondazione Comunista in die   pro-kapitalistische Prodi-Regierung. Eine Radikalisierung unter   ArbeiterInnen und Jugendlichen k&#246;nnte aber auch die linken und   sozialistischen Kr&#228;fte st&#228;rken. Und das ist dringend n&#246;tig.<\/p>\n<p>  <i><b>Aron Amm ist Mitglied der SAV-Bundesleitung<\/b><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Streit um Pr&#228;sidentschafts- und Kanzlerkandidaten widerspiegelt Debatte<br \/>\n      der Herrschenden um k&#252;nftige Regierung\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[206],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12702"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12702"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12702\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12702"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12702"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12702"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}