{"id":12691,"date":"2008-06-13T00:00:00","date_gmt":"2008-06-13T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12691"},"modified":"2008-06-13T00:00:00","modified_gmt":"2008-06-13T00:00:00","slug":"12691","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/06\/12691\/","title":{"rendered":"S&#252;dafrika: Pogrome decken barbarische Kehrseite des Kapitalismus auf"},"content":{"rendered":"<p>  Ausl&#228;nderfeindliche &#220;bergriffe &#8211; eine Warnung f&#252;r die Arbeiterklasse<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Anmerkung der Redaktion: Auch wenn die &#220;bergriffe gegen   EinwanderInnen in S&#252;dafrika wieder zur&#252;ck gegangen und aus den   Massenmedien verschwuden sind, ver&#246;ffentlichen wir hier die &#220;bersetzung   eines Artikels eines s&#252;dafrikanischen Marxisten, der zum Zeitpunkt der   Pogrome Ende Mai verfasst wurde. <\/b><\/p>\n<p>  <i>von Weizmann Hamilton, Democratic Socialist Movement   (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in S&#252;dafrika), 22.   Mai 2008 <\/i><\/p>\n<p>  Die Welle menschenverachtender Pogrome, die in den letzten zehn Tagen   &#252;ber die Elendsquartiere in direkter Nachbarschaft zu den   Arbeitervierteln in der Provinz Gauteng, S&#252;dafrika, hereingebrochen ist,   hat, soweit &#252;berschaubar, mehr als 30 Menschenleben gekostet und &#252;ber   10.000 Menschen obdachlos werden lassen. Sie suchen unter unmenschlichen   Umst&#228;nden Unterschlupf in Polizeistationen, Kirchen und H&#228;usern von mit   ihnen sympathisierenden Menschen in den Vororten. Simbabwer haben Busse   organisiert, um die Leute von dieser H&#246;lle in jene zur&#252;ckzubringen, aus   der sie einst gekommen sind: Eine schier ausweglose Situation zwischen   dem Todeskampf im wirtschaftlichen Niedergang und der Gewalt eines   Mugabe-Regimes, das entschlossen ist, sich an die Macht zu klammern.   Sonderz&#252;ge fahren, um MigrantInnen zur&#252;ck nach Simbabwe und Mosambik zu   bringen.<\/p>\n<p>  Die T&#228;ter haben sich schwarz-afrikanische ImmigrantInnen, Simbabwer,   Mosambikaner, Somalier, Malawier, Sambier und Nigerianer ausgesucht. Sie   greifen ihre Opfer in einem barbarischen Flut aus Wut und Hass mit   Pangas (Macheten), Messern, H&#228;mmern und Schusswaffen an. Beim   schrecklichsten aller bisherigen Vorf&#228;lle wurde ein Malawier das Opfer   der gef&#252;rchteten Halsband-Methode. Dabei werden Menschen bei lebendigem   Leibe verbrannt. &#8211; Eine Reminiszenz an die Exzesse des Anti-Apartheid   Kampfes, als der Kollaboration mit dem wei&#223;en Minderheiten-Regime   Beschuldigte so gerichtet wurden. In &#252;ber einem Dutzend Townships und   Elendsvierteln wurden H&#228;user und &#8222;spaza&#8220;-Shops (Einrichtungen in   schlecht gebauten H&#252;tten, um mit informellen Gesch&#228;ften das &#220;berleben zu   sichern) zerst&#246;rt. Als arme Afrikaner sich gegen arme Afrikaner   gerichtet haben, verloren ImmigrantInnen ihre Unterk&#252;nfte, ihre   pers&#246;nliche Habe und die kleinen Ersparnisse, die sie bei Seite zu legen   in der Lage waren.<\/p>\n<p>  Die Mehrheit der schwarzen Arbeiterklasse teilt nicht die   fremdenfeindliche Haltung, die diese Welle der Reaktion angeheizt hat.   Selbst die Minderheit, die dar&#252;ber ver&#228;rgert ist, dass es besser   ausgebildete Konkurrenten am unteren Ende des Arbeitsmarktes gibt, w&#252;rde   nicht auf Grundlage dieser Missgunst handeln. In Wirklichkeit herrscht   ein unendliches Horrorgef&#252;hl und Abscheu innerhalb der Arbeiterklasse   und der Mittelschicht gegen&#252;ber den schrecklichen Ereignissen. Die   Wahrheit ist bis dato aber auch, dass kein organisierter Widerstand,   keine Gegendemonstration und keine organisierte Verteidigung der   Immigranten stattgefunden hat.<\/p>\n<h4>  Tempo der Gewalt<\/h4>\n<p>  Das h&#228;ngt teilweise auch mit dem Schock dar&#252;ber zusammen, mit welcher   Pl&#246;tzlichkeit die Gewalt ausgebrochen ist, in welcher Geschwindigkeit   sie sich ausgebreitet hat und mit den zunehmenden Anzeichen f&#252;r einen   gewissen Grad an Organisiertheit, mit der die Reaktion Kreise zieht. Es   muss aber auch einger&#228;umt werden, dass unter den unterdr&#252;ckten,   verzweifelten und entfremdeten Schichten der Arbeiterklasse eine   brodelnde Unzufriedenheit herrscht, die sich in Menschenfeindlichkeit   ausdr&#252;ckt. Dieses Gef&#252;hl, das aus der Armut, dem Elend und der   Erniedrigung resultiert, hat die explosiven Zutaten bereitet, die die   Townships mit fremdenfeindlichem Hass entz&#252;ndet haben. Zur Explosion kam   es durch bewusst handelnde politische Opportunisten. Diese nutzten   entschlossen und r&#252;cksichtslos die M&#246;glichkeiten, um sich selbst als   Warlords zu etablieren. Selbst politische Parteien, die von   Amts&#252;bernahmen profitieren wollen und auch kriminelle Elemenete agierten   in dieser Art und Weise &#8211; mit Pl&#252;nderung, Vergewaltigung und Diebstahl.<\/p>\n<p>  Doch die Grundlage f&#252;r all dies liefert eine beinahe v&#246;llige   Demobilisierung der Arbeiterklasse au&#223;erhalb des Arbeitsplatzes &#8211; vor   allem in den Townships -, das allgemein sinkende Bewusstsein, der   scharfe ideologische Rechtsruck des ANC und die moralische und   politische Degeneration der politischen und wirtschaftlichen Eliten. Die   Kampforgane, bekannt als &#8220;Locals&#8221;, zu denen auch die   Township-Verwaltungen und die Jugendorganisationen geh&#246;ren, welche von   der COSATU (Congress of South African Trade Unions; Dachverband der   s&#252;dafrikan. Gewerkschaften; Anm. d. &#220;bers.) im Kampf gegen das   Apartheidregime und die Bosse der 1980er Jahre gegr&#252;ndet wurden, sind   seit langem verk&#252;mmert. Viele ehemalige AktivistInnen sind aufgesogen   worden in Regierungspositionen, auf halbstaatlichen Posten (z.B. in   halb- oder komplett staatlichen Firmen) und von der Kommerzwelt.   Innerhalb der ANC-Strukturen sind echte Arbeiterklasse-AktivistInnen von   Karrieristen, Opportunisten und L&#252;ckenf&#252;llern aus den Funktionen   gedr&#228;ngt worden. Konflikte in den ANC-Strukturen, in Stadtverb&#228;nden,   Bezirken und der Jugendorganisation machen sich in letzter Zeit an   St&#246;raktionen bei Zusammenk&#252;nften fest, die von Fraktionen durchgef&#252;hrt   werden. Beim Kongress der ANC-Jugend vergangenen Monat in der North West   Province wurden unrinbef&#252;llte Flaschen geschleudert und den Vorsitzenden   auf dem Podium nackte Hintern gezeigt. In Limpopo (nord-&#246;stlichstes   Bundesland S&#252;dafrikas mit &#252;ber 5 Mio. Einwohnern; Anm. d. &#220;bers.) kam es   beim Begr&#228;bnis eines korrupten ANC-F&#252;hrers zu Handgreiflichkeiten. Es   gab sogar einen Mordfall aufgrund des Wettstreits um einen   Regierungsposten in einem Township.<\/p>\n<p>  Die Regierung reagierte darauf mit einem Meisterst&#252;ck an Unf&#228;higkeit,   Verwirrtheit und Ignoranz bez&#252;glich dem, was diesen Ereignissen zugrunde   lag. Die Justizministerin, Nosiviwe Mapisa-Nqacula (Ehefrau des   ehemaligen Vorsitzenden der s&#252;dafrikanischen Kommunistischen Partei und   amtierenden Sicherheitsministers Charles Nqacula) reagierte zuerst   damit, ImmigrantInnen bei der R&#252;ckkehr in ihre Heimatl&#228;nder zu   unterst&#252;tzen. Innerhalb weniger Tage versprach sie dann allen   ImmigrantInnen, in Alexandra bleiben zu k&#246;nnen und dass sie vor Ablauf   einer Woche wieder in ihre H&#228;user zur&#252;ckkehren k&#246;nnten. Dabei gelobte   sie, allen &#8211; ob mit oder ohne legalen Status &#8211; humanit&#228;re Hilfe zukommen   zu lassen.<\/p>\n<p>  Das Innenministerium, das gemeinhin als unf&#228;higstes   Regierungsministerium angesehen wird, spielte neben der Polizei eine   wichtige Rolle dabei, eine Atmosph&#228;re der Abneigung gegen ImmigrantInnen   zu schaffen. Eine Regierung, die das Ziel ausgegeben hat, den Kontinent   unter der F&#252;hrung des Philosophen-Pr&#228;sidenten Mbeki in eine sogenannte   &#8220;Renaissance&#8221; und ein &#8220;Afrikanisches Jahrhundert&#8221; zu leiten, hat an den   Gesetzesb&#252;chern zur &#8220;Kontrollierung von Fremden&#8221; von 1991 festgehalten.   &#8220;The Post&#8221; (Tageszeitung in Sambia; Anm. d. &#220;bers.) nannte dies in ihrer   Ausgabe vom 21 Mai 2008 &#8220;ein archaisches &#220;berbleibsel der   Apartheid-Gesetzgebung, das mit internationalen Menschenrechten und der   s&#252;dafrikanischen Verfassung nicht in Einklang steht&#8221;.<\/p>\n<h4>  Offizielle Gleichg&#252;ltigkeit und Dementis<\/h4>\n<p>  Die Botschaft an ImmigrantInnen, nicht willkommen zu sein, ist fest   verwurzelt. Dies spiegelt sich im Desinteresse und der Verweigerung der   Amts- und W&#252;rdentr&#228;ger wider, die die systematischen &#220;bergriffe gegen   ImmigrantInnen in der Provinz Western Cape (mit der Landeshauptstadt   Kapstadt; Anm. d. &#220;bers.) im vergangenen Jahr und in Townships von   Pretoria zu Beginn diesen Jahres leugneten. Offen zu Tage tritt dies,   wenn Feindseligkeit gegen politische Asylbewerber, vor allem aus   Simbabwe, formuliert wird. Wenn die k&#252;nstliche Unterscheidung zwischen   politischen Fl&#252;chtlingen und sogenannten Wirtschaftsfl&#252;chtlingen   vorgenommen wird, &#252;berm&#228;&#223;ig lange Antragsverfahren die Regel sind und   ein Gesetz auf den Weg gebracht wird, das es der Polizei erm&#246;glicht,   jede Person ausfindig und dingfest machen zu k&#246;nnen, um sie als   Immigranten aktenkundig zu machen.<\/p>\n<p>  Besagtes Gesetz, das im Nachhinein wieder zur&#252;ckgezogen wurde, hatte zur   Folge, dass die Polizei einer dunkelh&#228;utigen Mehrheitsregierung es in   verabscheuensw&#252;rdiger Weise anwendete und Menschen willk&#252;rlich   festgenommen wurden, nur, weil sie noch etwas dunkelh&#228;utiger waren und   deshalb ImmigrantInnen sein k&#246;nnten. Damit nicht genug, reagierten wei&#223;e   Gro&#223;grundbesitzer (im Original: &#8220;Afrikaner farmers&#8221;; Anm.- d. &#220;bers.),   die ihre Farmen nahe der Grenze zu Simbabwe haben, auf die zunehmende   Anzahl von Fl&#252;chtlingen aus dem Nachbarland damit, den makabren Sport   der Migranten-Jagd auszu&#252;ben. ImmigrantInnen, die Grenzkontrollen   umgehen wollten und den Grenzzaun &#252;berquerten, wurden wie wilde Tiere   gejagt.<\/p>\n<p>  Die kaltschn&#228;uzige Abgestumpftheit gegen&#252;ber der Notlage der Massen   Simbabwes, die sich in Mbekis Au&#223;enpolitik widerspiegelt, hat ihm   weitl&#228;ufig Hohn und Spott eingebracht und gleichzeitig die Vorurteile   und die Brutalit&#228;t der Anf&#252;hrer dieser fremdenfeindlichen Reaktion   best&#228;rkt.<\/p>\n<p>  Die politische Mission der ANC-Elite &#8211; und dies gilt sowohl f&#252;r die   Mbeki- als auch die Zuma-Fraktion &#8211; ist begrenzt worden auf die   j&#228;mmerliche und zwanghafte Hauptbesch&#228;ftigung, der Selbstbereicherung.   Die Entschlossenheit, mittels eines sogenannten Abkommens mit den   Gro&#223;unternehmen zu &#8220;schwarzem wirtschaftlichen Machtgewinn&#8221; (w&#246;rtlich:   &#8220;black economic empowerment deal-making&#8221;; Anm. d. &#220;bers.) um jeden Preis   ihr Ziel der Selbstbereicherung zu erf&#252;llen, durchdringt nahezu das   komplette Spektrum &#246;ffentlicher Daseinvorsorge und jeden Teil des   politischen und wirtschaftlichen Lebens. Das hat auch die letzten Reste   an politischer und moralischer Autorit&#228;t der ANC-F&#252;hrung weggesp&#252;lt.<\/p>\n<p>  Nichts ist mehr heilig: Von den aufgrund einer AIDS-Politik der   Regierung, die mit 1000 Opfern t&#228;glich Ausma&#223;e eines V&#246;lkermords   annimmt, wie Pilze aus dem Boden schie&#223;enden Beerdigungsinstituten bis   zum privat betriebenen Aufnahmelager &#8220;Lindelani&#8221; f&#252;r &#8220;illegale&#8221;   ImmigrantInnen, von denen Zehntausende jedes Jahr abgeschoben werden,   nachdem sie sich zuvor in einer f&#252;r ihre unmenschlichen Bedingungen und   die Polizeibrutalit&#228;t ber&#252;chtigten Anlage aufhalten mussten. Einen   betr&#228;chtlichen Profit stellt &#8220;Lindelani&#8221; f&#252;r die Firmen des &#8220;schwarzen   wirtschaftlichen Machtgewinns&#8221; sicher, die das Lager leiten. Sie   schlie&#223;en auch Einzelpersonen aus am Kampf gegen die Apartheid   ma&#223;geblich beteiligten Familien ein, die jahrelang als angesehene G&#228;ste   in den L&#228;ndern, die w&#228;hrend des Anti-Apartheid-Kampfes als   &#8220;Frontstaaten&#8221; bezeichnet wurden, lebten. Diese Nutznie&#223;er des   &#8220;schwarzen Machtgewinns&#8221; profitieren daraufhin von den armen B&#252;rgerInnen   der benachbarten Staaten und jetzt werden die ImmigrantInnen &#252;bel   behandelt und abgeschoben. Die ANC-F&#252;hrung hat das Gedenken entehrt an   die Zehntausenden, die f&#252;r das Ende der Apartheid sowohl in S&#252;dafrika   als auch in den Nachbarstaaten (viele wurden Opfer der   grenz&#252;berschreitenden Angriffe des Apartheidregimes) gek&#228;mpft, sich   aufgeopfert und daf&#252;r mit ihrem Leben bezahlt haben.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die ANC-F&#252;hrung die j&#252;ngsten menschenfeindlichen Exzesse   verurteilt und von Panik befallene Aufrufe rausbringt, die Regierung f&#252;r   das Missfallen &#252;ber die mangelnde Daseinsvorsorge statt gleich   betroffene AfrikanerInnen verantwortlich zu machen, leugnet sie   gleichzeitig, dass die gewaltt&#228;tigen &#220;bergriffe irgend etwas mit Armut   und Arbeitslosigkeit zu tun h&#228;tten. Sie bestehen darauf, dass es sich um   blo&#223;e Kriminalit&#228;t handelt oder das Werk &#8220;rechter Populisten&#8221;. Sie holen   damit auch die moderne Legende einer &#8220;dritten Macht&#8221; wieder hervor, die   hinter der Gewalt stehe. Wie Bewohner einer fernen Galaxie   ver&#246;ffentlichen ANC-Strukturen Pamphlete, in denen die Errungenschaften   der Regierung im Wohnungsbau und die der Bereitstellung von Strom,   Wasser und sanit&#228;ren Anlagen f&#252;r die Menschen im Elend skizziert werden!<\/p>\n<h4>  Folgen neoliberaler ANC-Politik<\/h4>\n<p>  Die neoliberale, kapitalistische Wirtschaftspolitik des ANC hat zu 40   Prozent Arbeitslosigkeit, einem tiefen Graben zwischen arm und reich,   wachsender Schuldenlast in der Arbeiterklasse und vor allem einer   Verbitterung gef&#252;hrt, die zunimmt, weil eine winzige dunkelh&#228;utige Elite   &#8211; die sogenannten &#8220;schwarzen Diamanten&#8221; &#8211; in Freiheit schwelgt und   reicher wird als in ihren k&#252;hnsten Tr&#228;umen je ausgemalt; w&#228;hrend die   Mehrheit der Bev&#246;lkerung in Armut dahinsiecht. Sie protzen mit ihrem   Reichtum und verhalten sich den Massen gegen&#252;ber mit anma&#223;ender Distanz.   Diese hat es nach Ansicht der Reichen einfach noch nicht verstanden,   dass der Strom, auf dem die Luxusliner der Eliten segeln, die Boote   aller nach oben bringen wird. Die armen Massen m&#252;ssten nur Geduld haben!<\/p>\n<p>  Von der ANC-Regierung mag erwartet worden sein, dass sie auf die Flut   der Attacken auf Bahnh&#246;fe durch Pendler aus der Arbeiterklasse, die   durch die h&#228;ufigen Ausf&#228;lle, Versp&#228;tungen und Stromsperren frustriert   sind, durch die Sicherstellung eines anst&#228;ndigen &#246;ffentlichen   Nahverkehrs f&#252;r die Townships (wohin dunkelh&#228;utige Menschen vom   Apartheidregime abgeschoben wurden) in die Industriezentren und St&#228;dte   reagiert h&#228;tte. Stattdessen baut die Regierung einen speziellen   Bahnservice f&#252;r die Elite auf: den &#8220;Business Express&#8221; von Soweto nach   Johannesburg und Pretoria. Diesen Elite-Zug, in dem Wirtschaftszeitungen   kostenlos ausliegen, k&#246;nnen sich die Pendler aus der Arbeiterklasse   nicht leisten. Die prestigetr&#228;chtige und ph&#228;nomenal teure U-Bahn   &#8220;Gautrain&#8221; verbindet nicht die Townships mit den Innenst&#228;dten sondern   die Vororte mit dem Flughafen!<\/p>\n<p>  Auf die Stromausf&#228;lle und die ausufernden Lebensmittelpreise hat die   Regierung mit einer Gef&#252;hlsk&#228;lte &#225; la Marie-Antoinette reagiert. Der   Minister f&#252;r Energie und Rohstoffe hat den Menschen empfohlen, einfach   fr&#252;her ins Bett zu gehen, weil Schlaf kl&#252;ger machen w&#252;rde! Der   Finanzminister schlug vor, dass die Leute die Auswirkungen steigender   Lebensmittelpreise durch Gem&#252;seanbau im Vorgarten abmildern k&#246;nnten! Im   Teich der massenhaften Unzufriedenheit aufgrund solcherart   Regierungspolitik, fischen die reaktion&#228;ren Elemente, die die   menschenfeindlichen &#220;bergriffe anf&#252;hren.<\/p>\n<p>  Aber weil in dieser Krisensituation von der ANC-F&#252;hrung nicht erwartet   werden darf, dass sie eine f&#252;hrende Rolle einnimmt, ist das offenkundige   Unverm&#246;gen, diese fehlende F&#252;hrungsrolle durch die organisierte   Arbeiterklasse einzunehmen, ein eklatanter Punkt in dieser Situation &#8211;   besonders im Hinblick auf den COSATU. Der Gewerkschaftsbund rief zwar zu   einer Demonstration gegen die gegen ImmigrantInnen gerichteten Angriffe   in Johannesburg auf. Er mobilisierte aber nur halbherzig f&#252;r diese   Veranstaltung, und sie zog nur 300 Menschen an! COSATU verteilte   vorhersagbare Anklagen gegen Menschenfeindlichkeit und rief zu   &#8220;afrikanischer Einheit&#8221; auf. Als Arbeiterorganisation feuerte COSATU   auch die &#252;blichen Worttiraden gegen die Unternehmer ab, indem er die   Armen dazu aufrief, ihre Wut gegen die Kapitalisten zu richten. Die   Regierung wird nur schwach kritisiert, deren Rolle und Verantwortung f&#252;r   diese Krise allerdings zentral ist. Die COSATU-F&#252;hrung mobilisierte   nicht auf der Basis einer konkreten Darlegung der direkten und   offensichtlichen Verbindungen zwischen der Politik der Regierung und den   Aktionen der Gro&#223;konzerne. Die s&#252;dafrikanischen Kapitalisten haben es   selbstverst&#228;ndlich nicht gestattet, M&#246;glichkeiten auszulassen, die viel   billigeren und &#8211; in vielen F&#228;llen &#8211; besser ausgebildeten   ArbeitsmigrantInnen auszubeuten und damit hart erk&#228;mpfte   Errungenschaften der Arbeiterklasse zu unterlaufen. In diesem   Zusammenhang werden die Aufrufe vom COSATU als abstrakt und   bedeutungslos verstanden.<\/p>\n<h4>  Cosatu z&#246;gert mit Kritik am ANC<\/h4>\n<p>  Dieser Widerspruch liegt nat&#252;rlich in der Entschlossenheit der   COSATU-F&#252;hrung begr&#252;ndet, weiterhin dem politischen B&#252;ndnis, der   &#8220;Tripartite Alliance&#8221;, mit der s&#252;dafrikanischen Kommunistischen Partei   und dem ANC anzugeh&#246;ren. Wenn sie sich im Glanz ihrer f&#252;hrenden Rolle   bei der Niederlage Mbekis im Kampf um den ANC-Vorsitz auf der ANC   Konferenz in Limpopo aalen, wo ihr Wunschkandidat Zuma in den Sattel   gehievt wurde, so sind die COSATU-F&#252;hrer bei weitem zur&#252;ckhaltender,   wenn der ANC als solcher kritisiert geh&#246;rt. Ergebnis dieser Politik ist,   dass der COSATU unter seiner momentanen F&#252;hrung seine   Klassen-Unabh&#228;ngigkeit aufgibt. Die Gewerkschaftsf&#252;hrer arbeiten aktiv   daran mit, die Illusionen der ANC-Vorschl&#228;ge zur Beilegung der Krise zu   sch&#252;ren, indem sie z.B. mit kommunalen Einrichtungen und der Polizei   zusammen arbeiten, damit die R&#228;delsf&#252;hrer strafrechtlich verfolgt werden   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich w&#228;re es absurd, sich gegen die Ergreifung, Anklage und   Inhaftierung aller jener zu stellen, die sich des Raubes, der   K&#246;rperverletzung, der Vergewaltigung und des Mordes schuldig gemacht   haben. Wir sollten aber dennoch nicht Ursache mit Anlass verwechseln.   Wir haben es hier mit einem politischen und sozio-&#246;konomischen Problem   zu tun, das Kriminelle &#8211; ungeachtet des Grades an Organisiertheit, die   eine Untersuchung aufdecken k&#246;nnte &#8211; f&#252;r ihre Zwecke ausnutzen. Es   besteht die M&#246;glichkeit, die alte Tradition aus Kampf, Solidarit&#228;t und   Sozialismus wiederzubeleben. Trotz des ideologischen Zusammenbruchs, an   dem die COSATU-F&#252;hrung zu leiden scheint, bleibt die Arbeiterklasse die   potentiell st&#228;rkste Kraft in der Gesellschaft. Eine k&#228;mpferische F&#252;hrung   der Arbeiterklasse m&#252;sste ma&#223;geblichen Widerstand gegen die   ANC-Regierungspolitk und fremdenfeindliche &#220;bergriffe organisieren &#8211;   einschlie&#223;lich Gegendemonstrationen, organisierter Verteidigung von   ImmigrantInnen und Streikaktionen.<\/p>\n<p>  Die Bewegung muss aufbauen auf den gro&#223;artigen Demonstrationen der   internationalen Arbeiterklasse, bei der die   Transportarbeiter-Gewerkschaft ihre Solidarit&#228;t zeigte und sich   weigerte, Schiffladungen mit Waffen aus China f&#252;r Simbawe zu entladen.   Die Gewerkschaft handelte damit gegen die ANC-Regierung, die den   Transport der Waffenlieferung durch S&#252;dafrika schon mit dem Hinweis auf   &#8220;internationale Auflagen&#8221; genehmigt hatte. Der Sprecher der Kommune   Khutsong ist Malawier. Dieses Township behauptete sich f&#252;r &#252;ber zwei   Jahre als No-Go-Area f&#252;r den ANC &#8211; sogar unter Zumas Vorsitz. Abgesehen   von der politischen Unterst&#252;tzung, die S&#252;dafrikaner im Kampf gegen die   Apartheid genossen, wurde der Bergbau (die Basis der Wirtschaft) mit dem   Schwei&#223; und Blut der Arbeiter aus dem ganzen s&#252;dlichen Afrika aufgebaut,   die zusammen gegen Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung gek&#228;mpft hatten. Die   n&#246;tigen politischen Bildungs-Kampagnen f&#252;r die Massen, die die Aufgabe   haben m&#252;ssen, die Traditionen des Kampfes wiederzubeleben, m&#252;ssen diese   historischen Klassenfragen ganz oben auf die Tagesordnung setzen und sie   mit den heutigen K&#228;mfpen verbinden. Der Streik im &#246;ffentlichen Dienst   letztes Jahr war der gr&#246;&#223;te und l&#228;ngste in der Geschichte S&#252;dafrikas.   Dieses Kalenderjahr begann mit dem ersten jemals ausgerufenen   landesweiten Streik der Bergarbeitergewerkschaft f&#252;r mehr Sicherheit.<\/p>\n<h4>  Fremdenfeindliche &#220;bergriffe sind eine Warnung f&#252;r die Arbeiterklasse<\/h4>\n<p>  Die letzte Woche der reaktion&#228;ren, fremdenfeindlichen Gewalt ist eine   Warnung, dass es, solange das Vakuum auf der Linken nicht durch eine   Arbeiterpartei der Massen mit sozialistischem Programm gef&#252;llt wird, in   Zukunft wieder Versuche anderer Kr&#228;fte geben wird, die Unzufriedenheit &#8211;   besonders unter den &#196;rmsten &#8211; auszunutzen. Mit einer sich zuspitzenden   Krise der Weltwirtschaft, werden die objektiven Bedingungen den rechten   Populisten, Demagogen und Kriminellen M&#246;glichkeiten bieten, um eine   soziale Basis aufzubauen. Ganz so, wie es die Anti-Einwanderungspartei   bei den letzten Wahlen bereits versucht hat.<\/p>\n<p>  Bei den jetzigen fremdenfeindlichen &#220;bergriffen wurde SiPedi-sprechenden   S&#252;dafrikanern &#8220;Zur&#252;ck nach Limpopo&#8221; und Angeh&#246;rigen einer   s&#252;dafrikanisch-mosambikanischen Minderheit &#8220;T&#246;tet die Shangaaner&#8221;   entgegengerufen. Daher k&#246;nnten zuk&#252;nftige reaktion&#228;re Ausbr&#252;che eine   andere Form annehmen. Wenn sich die Spaltung innerhalb des ANC   verst&#228;rkt, k&#246;nnten die jetzigen Untert&#246;ne der stark stammes-bezogenen   &#8220;Xhosa nostra &#8220; (eine Clique innerhalb der &#246;konomischen und politischen   Elite, die wie Nelson Mandela und Thabo Mbeki der Volksgruppe der Xhosa   angeh&#246;rt; Anm. d. &#220;bers.) und des Zulu-Chauvinismus, die heute aus   Teilen der Lager kommen, die Mbeki bzw. Zuma unterst&#252;tzen, zur Basis f&#252;r   organisierte Auseinandersetzungen werden. Es wurde bereits berichtet,   dass die Angreifer der letzten Woche den Anti-Apartheid-Song skandiert   haben, den Zuma auch im Wahlkampf um den ANC-Vorsitz benutzte: &#8220;Awuleth&#8217;   mshiniwam&#8221; (&#8216;Bringt mir mein Maschinengewehr&#8217;).<\/p>\n<p>  F&#252;r kommenden Samstag ruft die soziale Bewegung Indaba (ein Gemisch aus   kleinb&#252;rgerlich gef&#252;hrten Ein-Punkt-Gruppen und B&#252;rgerinitiativen wie   etwa dem Antiprivatisierungsforum Soweto und dem Komitee gegen die   Stromkrise in Soweto [Soweto Electricity Crisis Committee]) zu einer   weiteren Demo auf. Bisher ist COSATU nicht dabei, obwohl der Versuch   unternommen wird, ihn mit einzubeziehen.<\/p>\n<p>  Die reaktion&#228;re Welle wird diesmal vorr&#252;bergehen. Aber zuk&#252;nftige   Ausbr&#252;che fremdenfeindlicher und menschenverachtender &#220;bergriffe sind   auf der Basis allgemeiner Not und Knappheit so zwangsl&#228;ufig wie   Spannungen und Konflikte zwischen einzelnen Volksgruppen. Der beste Weg,   um f&#252;r die Zukunft gewappnet zu sein, w&#228;re, wenn die Zusammenarbeit f&#252;r   den Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit als Plattform zum Aufbau einer   Arbeiterpartei mit sozialistischem Programm f&#252;r die Massen genutzt   werden w&#252;rde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ausl&#228;nderfeindliche &#220;bergriffe &#8211; eine Warnung f&#252;r die Arbeiterklasse\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12691"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12691"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12691\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12691"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12691"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12691"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}