{"id":12690,"date":"2008-06-16T00:00:00","date_gmt":"2008-06-15T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12690"},"modified":"2012-07-18T14:41:25","modified_gmt":"2012-07-18T12:41:25","slug":"12690","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/06\/12690\/","title":{"rendered":"Fu&#223;ball im Eurojahr"},"content":{"rendered":"<p>  Wir dokumentieren einen Artikel von Harald Mahrer, f&#252;r die <a href=\"http:\/\/www.slp.at\">Sozialistische   LinksPartei<\/a>, der &#246;sterreichischen Schwesterorganisation der SAV.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Unser Spiel &#8211; H&#228;nde weg!<\/h4>\n<p>  Im Windschatten der Euro versuchen Konzerne ihre Profite in die H&#246;he zu   treiben, Innenminister den Polizeistaat auszubauen und RassistInnen am   Stammtisch billige Punkte einzufahren.<\/p>\n<p>  Seit Wochen schon trommeln die bekannten &#8220;Sportartikelhersteller&#8221;   Kellys, G&#246;sser und McDonalds, dass echtes Euro-Fieber nur mit ihren   Produkten aufkommen k&#246;nnte. Fu&#223;ball ist in den letzten 20 Jahren ein   Megagesch&#228;ft geworden, der Weltverband FIFA macht mehr Umsatz als die   gr&#246;&#223;ten Konzerne der Welt.<\/p>\n<p>  In &#214;sterreich versuchen die Handelskonzerne, die Sonntags&#246;ffnung im   Namen der Euro 2008 durchzupeitschen. Die Gewerkschaft argumentiert zwar   dagegen, unternimmt aber letztlich nichts Wirkungsvolles.<\/p>\n<h4>  Mitsprache der Fans?<\/h4>\n<p>  Wenn die Fans, Mitsprache bei ihren Vereinen einf&#246;rdern, werden sie von   den Managern bestenfalls verh&#246;hnt. Uli Hoene&#223;, mehrfacher Manager des   Jahres in der deutschen Bundesliga, lie&#223; mit den ber&#252;hmten Worten &#8220;Was   glauben wir eigentlich, wer wir sind&#8221; die Bayern-Fans wissen, dass sie   nicht allzu viel z&#228;hlen. In England kostet ein Matchbesuch f&#252;r eine   vierk&#246;pfige Familie mittlerweile EUR 250,&#8211;; mehr als sechs mal so viel   wie ein Kinobesuch. Vor 20 Jahren war Fu&#223;ball noch g&#252;nstiger als Kino   (siehe auch Interview mit John Reid). In Deutschland werden gerade die   Beginnzeiten &#8220;fernsehfreundlich&#8221; &#8211; wegen der Werbeeinnahmen &#8211; neu   festgesetzt. Zweitligaspiele sollen nun sonntags um 12.30 Uhr Mittag   angepfiffen werden. Ein Affront f&#252;r jene Fans, die ihre Mannschaften im   Stadion anfeuern wollen. Bei der Euro wird den Fans verboten, Stadien   mit Trikots, die Werbeaufschriften von Konkurrenten der offiziellen   Sponsoren tragen, zu betreten.<\/p>\n<h4>  Fu&#223;ball: Ein Spiel f&#252;r Reiche?<\/h4>\n<p>  Traditionell ist Fu&#223;ball ein Sport der ArbeiterInnenklasse, in England   wird er auch als &#8220;Ballett der ArbeiterInnenklasse&#8221; bezeichnet. Die   SpielerInnen kommen auch noch immer vor allem aus diesem Millieu, bei   den StadienbesucherInnen ist jedoch ein Wandel feststellbar. &#8220;Wenn ich   den Rasen betrete, sehe ich auf der Trib&#252;ne Typen in schwarzen Anz&#252;gen,   als ob sie zur Beerdigung kommen.&#8221;, meinte der franz&#246;sische Star Didier   Deschamps anl&#228;sslich eines Gro&#223;ereignisses. Er hat nicht ganz unrecht.   Bei diesen Eintrittspreisen k&#246;nnen sich nur Besserverdiener die Karten   leisten, dem &#8220;gemeinen Volk&#8221; bleibt zunehmend nur der Fernsehschirm. In   den offiziellen Fanzonen werden die Fans abgezockt und dem Konzernterror   ausgesetzt. Hier k&#246;nnte eine ArbeiterInnen-Fanzone &#8211; organisiert von den   Gewerkschaften &#8211; mit normalen Getr&#228;nke- und Essenspreisen, die f&#252;r Fans   aller Nationalit&#228;ten offen ist, f&#252;r Abhilfe sorgen.<\/p>\n<h4>  Fest der V&#246;lker oder dumpfer Rassismus<\/h4>\n<p>  Fu&#223;ball ist internationaler geworden, in vielen Ligen spielen Stars aus   den verschiedensten L&#228;ndern. Auch in den Nationalteams finden sich   zunehmend Spieler, deren Eltern Einwanderer waren. Diese Entwicklung   d&#228;mpft den offenen Rassismus in vielen Stadien, dennoch gibt es im   Windschatten des Fu&#223;ball auch immer wieder negative Beispiele. Der   Brigittenauer Bezirksvorsteher-Stellvertreter Gerhard Haslinger (FP&#214;)   schreibt allen Ernstes in der Bezirkszeitung: &#8220;Gelebter Patriotismus ist   gefordert und wer nicht mit 100 Prozent zu seiner Nationalmannschaft   steht, kann schon aus dem eigenen Volk mit Konsequenzen rechnen. &#8230;   Eine herrliche Zeit! Man darf ungestraft zeigen, dass man auf seine   Nation stolz ist und man darf &#246;ffentlich sein Land lieben. &#8230; Die   gepredigte Vielfalt weicht der Nation, das Miteinander zerf&#228;llt zu   Gegnern.&#8221; So viel Stumpfsinn richtet sich wohl von selbst. Die   &#252;berwiegende Mehrheit der Fu&#223;ballinteressierten freut sich auf spannende   Spiele, tolle Tricks und geniale Tore. Ohne Hass auf vermeintliche   Gegner l&#228;sst es sich auch gleich viel besser jubeln. Allein schon   deshalb sollten Fu&#223;ballfans selbst daf&#252;r sorgen, dass rassistische   Provokateure aus ihren Kurven geworfen werden.<\/p>\n<h4>  Gewalt gegen Frauen<\/h4>\n<p>  Im Zuge von Welt- und Europameisterschaften im M&#228;nnerfu&#223;ball konnte in   einer Studie in England nachgewiesen werden, dass zu diesen Zeiten, die   Gewalt an Frauen um 30% zunimmt. Zwar versucht die &#246;sterreichische   Bundesregierung mit ihrer Kampagne gegen M&#228;nner-Gewalt da   gegenzusteuern. Mehr F&#246;rdergelder &#8211; oder blo&#223; die H&#246;he derF&#246;rdergelder   aus der Vor-Blau-Schwarz-&#196;ra &#8211; f&#252;r Fraueninitiativen, Frauenh&#228;user oder   Selbsthilfegruppen gibt es aber nat&#252;rlich nicht. Und die Polizei ist   sowieso mit was ganz anderem besch&#228;ftigt.<\/p>\n<h4>  Polizeistaat gegen Hooligans<\/h4>\n<p>  Eine kleine Minderheit von Fans dominieren mit gewaltt&#228;tigen   Auseinandersetzungen oder rassistischen Aktionen die   Medienberichterstattung. Dies wird von den Innenministern in allen   L&#228;ndern dazu missbraucht, immer sch&#228;rfere Polizeistaatsmethoden auf den   Fu&#223;ballpl&#228;tzen anzuwenden. Video&#252;berwachung, namentlich ausgestellte   Eintrittskarten, Pr&#228;ventivhaft, Grenzkontrollen trotz Schengen-Abkommen,   Hooligan-Dateien, &#8230; all das f&#252;hrt zum gl&#228;sernen Fu&#223;ballfan. Im Fu&#223;ball   ist heute vieles m&#246;glich, was unter &#8220;normalen Umst&#228;nden&#8221; niemals   geduldet w&#252;rde. In Deutschland, Italien und England werden diese   Ma&#223;nahmen aber bereits gegen Linke eingesetzt, die mit Fu&#223;ball gar   nichts zu tun haben. Hier droht die Einf&#252;hrung des &#220;berwachungsstaates   durch die Hintert&#252;re. Die polizeiliche Repression und nicht selten   Provokation f&#246;rdert letztlich die Gewalt, wie beim Wiener Derby im   Fr&#252;hjahr 2007 gut zu sehen war. Martialische Robo-Cops marschierten in   die Rapid-Kurve, worauf dort die B&#228;nke aus der Verankerung gerissen   wurden und den Polizisten um die Ohren flogen.<\/p>\n<h4>  Die SLP fordert:<\/h4>\n<p>  * F&#252;r eine vereins&#252;bergreifende, bundesweite Faninitiative, die die   Fan-Interessen gegen die Gesch&#228;ftermacher im Fu&#223;ball vertritt.<\/p>\n<p>  * EUR 10,&#8211; Eintritt sind genug.<\/p>\n<p>  * Nein zur Polizeirepression in und um die Stadien. Nein zu   Hooligan-Dateien, Pr&#228;ventivhaft und &#228;hnlichen Ma&#223;nahmen.<\/p>\n<p>  * Selbstverwaltete Fan-OrdnerInnen-Dienste, die gegen Gewalt und   rassistische Provokation in den Fankurven vorgehen. Nur die Fanklubs   selbst k&#246;nnen Stadionverbote aussprechen und auch durchsetzen.<\/p>\n<p>  * Eine Intiative von Fu&#223;ballspielerInnen und Fans aus unterschiedlichen   Herkunftsl&#228;ndern, die an Schulen und Berufsschulen eine antirassistische   Kampagne durchf&#252;hren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wir dokumentieren einen Artikel von Harald Mahrer, f&#252;r die <a href=\"http:\/\/www.slp.at\">Sozialistische<br \/>\n      LinksPartei<\/a>, der &#246;sterreichischen Schwesterorganisation der SAV.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[69],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12690"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12690"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12690\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12690"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12690"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12690"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}