{"id":12684,"date":"2008-06-06T01:00:00","date_gmt":"2008-06-06T01:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12684"},"modified":"2008-06-06T01:00:00","modified_gmt":"2008-06-06T01:00:00","slug":"12684","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/06\/12684\/","title":{"rendered":"Milchpreis: Bauern und Konsumenten brauchen mehr Geld"},"content":{"rendered":"<p>  Nicht nur in Deutschland, auch in &#214;sterreich, Belgien, Niederlanden,   Frankreich k&#228;mpften Bauern in diesen Tagen mit Lieferstopp und Blockaden   f&#252;r einen h&#246;heren Milchpreis.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Von den franz&#246;sischen Landwirten ist man radikale Proteste gewohnt.   Dass auch die deutschen Bauern Blockaden vor Molkereien durchf&#252;hrten,   zeigt wie verzweifelt ihre Lage ist. <\/b>    <\/p>\n<p>  <b>Es gibt deshalb viel Verst&#228;ndnis f&#252;r ihre Forderung nach h&#246;heren   Preisen f&#252;r ihre Milch. Gleichzeitig k&#246;nnen sich viele Menschen schon   jetzt keine Butter mehr leisten. Auch wenn der Boykott wohl vorerst   beendet ist, stellt sich die Frage: Wie k&#246;nnte ein L&#246;sung aussehen, die   sowohl die Interessen der Bauern als auch der Konsumenten ber&#252;cksichtigt?<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Georg K&#252;mmel, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  Der Gegensatz zwischen der Lage eines durchschnittlichen Milchbauern und   dem Leben der Besitzer der gro&#223;en Handelskonzerne k&#246;nnte nicht krasser   sein. Die meisten Milchbauern arbeiten als Familienbetriebe. Da die K&#252;he   jeden Tag gef&#252;ttert und gemolken werden m&#252;ssen, gibt es f&#252;r diese Bauern   keinen freien Tag in der Woche und im ganzen Berufsleben keinen Urlaub   mit der Familie.<\/p>\n<p>  Auf der anderen Seite stehen die gro&#223;en Handelskonzerne. Eine ganze   Reihe ist im Besitz weniger Familien. Diese verf&#252;gen &#252;ber einen   Reichtum, der jede Vorstellungskraft &#252;bersteigt. Das Verm&#246;gen der   Aldi-Br&#252;der wird auf &#252;ber 32 Milliarden Euro gesch&#228;tzt. Auch die   Eigent&#252;mer weitere Konzerne, die einen Gro&#223;teil ihres Geldes mit   Lebensmitteln verdienen, z&#228;hlen zu den reichsten Menschen in   Deutschland. Das Verm&#246;gen von Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland) Familie   Haub, (Kaisers, Plus), Otto Beisheim, Franz Haniel und   Schmidt-Ruthenbeck (Metro-Real) wird auf jeweils mehrere Milliarden Euro   gesch&#228;tzt.<\/p>\n<p>  Die gro&#223;en Einzelhandelskonzerne vereinigen in ihren H&#228;nden eine   ungeheure Marktmacht. Dass die Bauern sie &#252;berhaupt zu Zugest&#228;ndnissen   zwingen konnten, ist ein beachtlicher Erfolg. Doch egal welche   Vereinbarung jetzt getroffen wurde, an der grundlegenden Misere wird   sich nichts &#228;ndern: weitere Bauern werden ihre H&#246;fe aufgeben m&#252;ssen und   viele Konsumenten werden sich keine Butter leisten k&#246;nnen. Derzeit gibt   es noch ca. 100.000 Milchbauern in Deutschland. Ihre Zahl ist von 1984   bis 2005 um 70 Prozent gesunken. &#220;brigens ist auch die Zahl der   Milchk&#252;he im selben Zeitraum um 46 Prozent zur&#252;ck gegangen. Die   Milchleistung pro Kuh wurde dagegen gesteigert.<\/p>\n<p>  Wenn wir gesunde und bezahlbare Lebensmittel haben wollen, m&#252;ssen die   gro&#223;en Handelskonzerne in Gemeineigentum &#252;berf&#252;hrt werden. Statt mit   jedem Kauf noch mehr Geld auf deren Konten zu bef&#246;rdern, k&#246;nnten sowohl   die Interessen der Bauern als auch die der Konsumenten ber&#252;cksichtigt   werden. Allerdings ist Bauer nicht gleich Bauer. Da gibt es den   Familienbetrieb, der am Rande des Ruins balanciert und da gibt es auch   den Gro&#223;grundbesitzer, der die Landwirtschaft im industriellen Ma&#223;stab   betreibt. Die Agrar-Subventionen werden heute aber nicht nach   Bed&#252;rftigkeit vergeben, sondern nach Besitz. Wer das Vielfache an Fl&#228;che   hat, bekommt auch das Vielfache an Subventionen. Und die   Lebensmittelindustrie erh&#228;lt ebenfalls hohe Subventionen aus den   EU-T&#246;pfen.<\/p>\n<p>  Eine Landwirtschaft die die Interessen von Mensch, Tier und Umwelt   ber&#252;cksichtigt, setzt eine v&#246;llige Umw&#228;lzung der bestehenden   Verh&#228;ltnisse voraus.<\/p>\n<p>  Dabei ist weder ein Zur&#252;ck zum Kleinbetrieb die L&#246;sung noch eine   Kollektivierung der Landwirtschaft nach der b&#252;rokratisch-diktatorischen   Art, wie sie in der DDR durchgef&#252;hrt wurde. Stattdessen k&#246;nnte der   freiwillige Zusammenschluss zu einer Form von Genossenschaften staatlich   gef&#246;rdert werden und kostendeckende Preise staatlich garantiert werden.   Auf diesem Weg k&#246;nnte erreicht werden, dass soviel produziert wird, wie   tats&#228;chlich gebraucht wird und gleichzeitig bei den Produktionsmethoden   in der Landwirtschaft R&#252;cksicht auf Mensch, Tier und Umwelt genommen   wird.<\/p>\n<p>  In der &#246;ffentlichen Debatte um den Milchpreis ist die prek&#228;re Lage   vieler Konsumenten kaum Thema. Doch auch die breite Masse der   Verbraucher braucht mehr Geld, um sich Milch, Sahne, Butter, K&#228;se und   andere Lebensmittel leisten zu k&#246;nnen.<\/p>\n<h5>  Forderungen im Interesse der Mehrzahl der Bauern und der Konsumenten   sind:<\/h5>\n<p>  <i><b>Sofortige Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel <\/b><\/i>    <\/p>\n<p>  <i><b>Automatische Anpassung von L&#246;hnen, Arbeitslosengeld,   Azubi-Verg&#252;tungen, Renten und Kindergeld an die Inflation <\/b><\/i>    <\/p>\n<p>  <i><b>Mindestlohn von 10 Euro als erster Schritt zu einem Mindestlohn   von 12 Euro pro Stunde <\/b><\/i>    <\/p>\n<p>  <i><b>Weg mit Hartz I-IV, Mindesteinkommen von 750 Euro plus Warmmiete <\/b><\/i>    <\/p>\n<p>  <i><b>Agrarsubventionen nur noch nach Bed&#252;rftigkeit statt nach Besitz <\/b><\/i>    <\/p>\n<p>  <i><b>&#220;berf&#252;hrung der Lebensmittelkonzerne in Gemeineigentum <\/b><\/i>    <\/p>\n<p>  <i><b>Demokratische Kontrolle und Verwaltung durch Besch&#228;ftigte und   Verbraucher<\/b><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nicht nur in Deutschland, auch in &#214;sterreich, Belgien, Niederlanden,<br \/>\n      Frankreich k&#228;mpften Bauern in diesen Tagen mit Lieferstopp und Blockaden<br \/>\n      f&#252;r einen h&#246;heren Milchpreis.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12684"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12684"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12684\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12684"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12684"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12684"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}