{"id":12682,"date":"2008-06-05T00:00:00","date_gmt":"2008-06-05T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12682"},"modified":"2008-06-05T00:00:00","modified_gmt":"2008-06-05T00:00:00","slug":"12682","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/06\/12682\/","title":{"rendered":"Manfred Engelhardt &#8211; Deutschlands dienst&#228;ltester \r\n      Personalratsvorsitzender geht in Rente"},"content":{"rendered":"<p>  Gaetan Kayitare, Netzwerk-Unterst&#252;tzer aus Aachen bilanzierte mit Manni   Engelhardt seine Arbeit als Personalrat, Gewerkschafter und Sozialist.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#220;ber drei Jahrzehnte Kampf f&#252;r Arbeitnehmerinteressen scheinen wenig   Spuren an Manni Engelhardt hinterlassen zu haben. Kampf- und   angriffslustig ist er immer noch, genauso wie vor 33 Jahre als er zum   ersten Mal mit 24 Jahren zum Personalratsvorsitzender des Studentenwerks   Aachen und zum Vorsitzenden der &quot;Arbeitsgemeinschaft der Personalr&#228;te   der NRW-Studentenwerke&quot; (ARGE) gew&#228;hlt wurde. 246 Prozesse (davon 50   Strafverfahren, die er allesamt gewonnen hat), unz&#228;hlige Abmahnungen und   acht K&#252;ndigungen haben ihn nicht gef&#252;gig machen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  &#8222;Als ich 1975 zum Personalratsvorsitzenden wurde, habe ich erst   erfahren, welchem Druck man als Arbeitnehmervertreter ausgesetzt ist.   Entweder du k&#228;mpfst oder du knickst ein, dann aber f&#252;r immer.   Erfolgreich kannst du nur sein, wenn du die richtige Einstellung und die   volle Unterst&#252;tzung der KollegInnen hast.&#8220; Beides hat Manni gehabt. Die   KollegInnen w&#228;hlten ihn ohne Unterbrechung seit 1975 mit 80-90 % der   Stimmen zum Personalrat und einstimmig zum Vorsitzenden der ARGE .<\/p>\n<p>  Manni hat neben dem Studentenwerk verschiedene Funktionen in der   organisierten Arbeiterbewegung bekleidet, beispielsweise als Delegierter   der &#214;TV (Vorl&#228;ufer von Ver.di) auf Landes-und Bundesebene. Er hatte als   einer der ersten die Idee zum Aufbau einer organisierten   innergewerkschaftlichen Opposition, war Mitbegr&#252;nder der Gruppe   oppositioneller GewerkschafterInnen in der &#214;TV (GrOG) und Autor des   Gr&#252;ndungsaufrufs, des so genannten Niedersfelder Manifests. Diese   oppositionelle Gruppierung war eine Vorl&#228;ufergruppe des &#8222;Netzwerks f&#252;r   eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di&#8220;, das 1996 mit Beteiligung   von Manni Engelhardt gegr&#252;ndet wurde. 1996 hatte Manni Engelhardt den   Mut, beim &#214;TV-Kongress gegen den damaligen Vorsitzenden Herbert Mai zu   kandidieren und erhielt mit 5% der Stimmen einen Achtungserfolg. Er hat   federf&#252;hrend daran gearbeitet, dass sich Personalr&#228;te der Studentenwerke   auch in anderen Bundesl&#228;nder zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschlossen.<\/p>\n<p>  Im Jahr 2000 deckte Manni Engelhardt auf, dass die &#214;TV-F&#252;hrung seit 1997   mit den Gesch&#228;ftsf&#252;hrern der Studentenwerke Geheimverhandlungen &#252;ber die   Herausnahme der Studentenwerke aus dem Fl&#228;chentarifvertrag BAT und &#252;ber   einen Absenkungstarifvertrag mit weitgehenden Verschlechterungen gef&#252;hrt   hatte. Manni Engelhardt war entsetzt: &#8222;In 26 Jahren   Personalratst&#228;tigkeit ist mir soviel Mauschelei nie begegnet. Jetzt   m&#252;ssen wir nicht nur gegen die Arbeitgeber, sondern auch gegen die   eigene F&#252;hrung k&#228;mpfen&#8220; &#228;u&#223;erte er sich damals. Manni machte die   Geheimverhandlungen &#252;ber eine Pressekonferenz publik und drohte dem   &#214;TV-Hauptvorstand in Stuttgart, von Aachen nach Stuttgart zu laufen und   unterwegs und vor der &#214;TV-Zentrale Protestdemonstrationen abzuhalten.   Als die Medien gierig die Idee aufgriffen, wurde Manni daraufhin vom   &#214;TV-Vorsitzenden Herbert Mai eingeladen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Bei diesem Treffen verpflichtete Manni den &#214;TV-Hauptvorstand, eine   &#246;ffentliche Erkl&#228;rung zu unterschreiben. In dieser wurde festgelegt,   dass es keinen Ausstieg der Studentenwerke aus dem BAT geben werde.   Allerdings wurde f&#252;nf Jahre sp&#228;ter mit dem TV&#246;D f&#252;r alle Besch&#228;ftigten   der BAT abgeschafft und viele Verschlechterungen, die fr&#252;her schon f&#252;r   die Studentenwerke von der &#214;TV verhandelt wurden, f&#252;r alle zum Standard.<\/p>\n<h4>  Sozialistische &#220;berzeugung hilft<\/h4>\n<p>  Fr&#252;her war es einfacher, zur richtigen Einstellung zu gelangen. Als   junger Lehrling wurde Manni von der Jugendbewegung der 68er politisiert   und bei den Jusos in der SPD aktiv. F&#252;r die SPD war er eine Zeit lang im   Stadtrat. Wegen des NATO-Doppelbeschlusses (Stationierung von atomaren   US-Raketen in Westdeutschland) trat er 1981 aus der SPD aus und war bis   zu seinem Eintritt in DIE LINKE vor kurzem parteilos.<\/p>\n<p>  &#8220; Wenn du erkannt hast, dass du als Arbeiter nichts als deine Ketten zu   verlieren hast, k&#228;mpft es sich leichter und entschlossener. Wenn du   verstehst, dass die Befreiung der Menschheit ein steiniger und bisweilen   gef&#228;hrlicher Weg sein kann, hilft es der Ausdauer. Du wei&#223;t auch, dass   du keine Ruhe hast bis das ganz gro&#223;e Ziel erreicht ist. Wir tragen   daher unsere Abmahnungen wie andere ihre Bundesverdienstkreuze. In   dieser Gesellschaft musst du Amboss oder Hammer sein. Ich will lieber   Hammer sein! Auch wenn ich den Kapitalismus nicht mit einem Schlag   beseitigen kann, bin ich auf jeden Fall der Stachel im Fleisch&#8230; Der   Kapitalismus versucht ja immer die objektive Interessenlage derMassen   auszublenden und sch&#252;rt eher den Kampf Rasse gegen Rasse um den Kampf   Klasse gegen Klasse zu verhindern. Wir haben in den 80ern jahrelang im   Studentenwerk Schulungsreihen f&#252;r Vertrauensleute und Personalr&#228;te zum   Beispiel &#252;ber die Geschichte der Arbeiterbewegung oder &#252;ber die   politische &#214;konomie durchgezogen. Politisches Wissen ist ein gutes   Fundament und Anleitung zum Handeln.&#8220;<\/p>\n<h4>  Altersteilzeit &#8211; Trotz Abzug am Ende besser dran<\/h4>\n<p>  45 Arbeitsjahre sind sicher mehr als genug. Aber letzten Endes lie&#223; die   Rentenreform Manni keine andere Wahl als sich &#252;ber die Altersteilzeit   fr&#252;her zur&#252;ckzuziehen, um noch gr&#246;&#223;ere Einbu&#223;en bei der Rente zu   vermeiden. Die Einsch&#228;tzung seiner Rentenaussichten fiel von Jahr zu   Jahr niedriger aus: 2003 wurde seine Rente auf 2010 Euro berechnet und   2004 bereits auf nur 1760 Euro. &#8222;Mir wurde klar dass meine Rente   niedriger ausfallen w&#252;rde, je l&#228;nger ich weiterhin im Arbeitsleben   stehe. Ich trat 2005 die Altersteilzeit an. Eine Anfrage 2006 ergab   bereits eine Rentenerwartung von nur 1480 Euro, bei sinkender Tendenz.   Und gab mir damit recht: trotz eines 10% Abzugs fahre ich damit besser.   F&#252;r mich beginnt aber keine ruhige Zeit. Das Gegenteil wird der Fall   sein. Ich habe nicht vor, mich von gewerkschaftlicher oder betrieblicher   Arbeit zur&#252;ckzuziehen. Ich werde aber mehr Zeit f&#252;r politisches   Engagement haben und bin bereit, mich in die Linke einzubringen und   Verantwortung zu &#252;bernehmen. Ich wei&#223;, dass auch dort nicht nur   Revolution&#228;re sitzen und dass man auch dort gegen einige neoliberale   Einstellungen k&#228;mpfen muss. Mich &#228;rgert sehr, dass ausgerechnet der   Berliner Senat mit der Stimme der LINKEN &#8211; &#228;hnlich der   R&#252;ttigers-Regierung in NRW &#8211; das Personalvertretungsgesetz zur Makulatur   macht und die Rechte der Personalr&#228;te massiv beschneidet.&#8220;<\/p>\n<h4>  Mitbestimmung statt Selbstbestimmung<\/h4>\n<p>  &#8222;Nicht viele KollegInnen wissen, dass unsere Betriebsverfassung heute   ein Nebenprodukt der Novemberrevolution von 1918 ist. Die Herrschenden   lie&#223;en 1920 die Partizipation, die Mitbestimmung zu, um den Arbeitern   ein Mitspracherecht vorzugaukeln, mit dem Ziel, die revolution&#228;ren R&#228;te   zu behindern und die Betriebe der Kapitalisten zu bewahren. Im   Kapitalismus gibt es keine Partizipation der Arbeiterklasse; denn ohne   Selbstbestimmung bleiben die Arbeiter fremdbestimmt. Erst die Enteignung   der &#8220;Couponschneider&#8220;, der Kapitalisten, und die &#220;bernahme der   Produktion in Arbeiterhand kann die Selbstbestimmung sicherstellen. Nach   dem Zweiten Weltkrieg ging die allgemeine Stimmung in diese Richtung.   Das stand im Vordergrund f&#252;r die Arbeiterbewegung als 1944 der FDGB in   Aachen gegr&#252;ndet wurde. Dies war aber den Alliierten zu viel, die massiv   die Gr&#252;ndung des DGB als einen sozialpartnerschaftlichen Dachverband   favorisierten.<\/p>\n<p>  Die Gewerkschaften haben sich leider nicht zum Besseren ver&#228;ndert.   Niemand erwartet vom DGB revolution&#228;r zu sein, aber als   Interessenvertretung &#252;ber Religionen und Nationalit&#228;ten hinweg sollte er   verhindern, dass Arbeitnehmer gegeneinander ausgespielt werden. Die   Sozialpartnerschaft geht heute leider soweit, dass der DGB Krieg gegen   die GDL f&#252;hrt und nicht gegen Hansen, der rechten Hand von Mehdorn. Das   macht den heutigen AktivistInnen das Leben nicht leichter. Es ist   schwieriger geworden, sich gegen die neoliberale Politik in Gesellschaft   und Gewerkschaft zu wehren. Ich erinnere mich dran, dass zum Beispiel   ein Sparerlass in den NRW-Studentenwerken einen Tag nach einer Gro&#223;demo   im Mai 1981 sofort zur&#252;ckgezogen wurde. Heute wird einiges ausgesessen.&#8220;<\/p>\n<h4>  Wer k&#228;mpft kann gewinnen&#8230;<\/h4>\n<p>  Manni und seine Kollegen in den NRW-Studentenwerken sind aber ein   Beispiel daf&#252;r, dass man nach wie vor K&#228;mpfe f&#252;hren und gewinnen kann.   Sie haben sich mehr als zwei Jahrzehnte erfolgreich gegen Privatisierung   und Stellenabbau gewehrt und dabei einige Gesch&#228;ftsf&#252;hrer auf der   Strecke gelassen. Streiks und Demonstrationen waren die Waffen. Dabei   hat Manni &#246;fters sein Talent als Marathonl&#228;ufer eingesetzt. Er lief zum   Beispiel die Strecke M&#252;nster-Aachen &#252;ber das Ruhrgebiet. In allen   Studentenwerken entlang des Weges wurde mit gro&#223;er Medienaufmerksamkeit   gestreikt und demonstriert.<\/p>\n<p>  Es passt zu Manni, wenn er meint mit seinem Engagement bei der Linken   erst jetzt richtig aufzudrehen. Man nimmt ihm auch gerne sein   Lieblingszitat von Bertolt Brecht ab:<\/p>\n<p>  &quot;Die Schwachen k&#228;mpfen nicht. Die St&#228;rkeren k&#228;mpfen vielleicht eine   Stunde lang. Die noch st&#228;rker sind k&#228;mpfen viele Jahr. Aber die   St&#228;rksten k&#228;mpfen ihr Leben lang. Diese sind unentbehrlich.&quot;<\/p>\n<p>  <i>Das Niedersfelder Manifest gibt es unter <a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/diskussion\/gewerkschaft\/niedersf.htm\">www.labournet.de\/diskussion\/gewerkschaft\/niedersf.htm<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gaetan Kayitare, Netzwerk-Unterst&#252;tzer aus Aachen bilanzierte mit Manni<br \/>\n      Engelhardt seine Arbeit als Personalrat, Gewerkschafter und Sozialist.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12682"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12682"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12682\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12682"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12682"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}