{"id":12671,"date":"2008-05-31T00:00:00","date_gmt":"2008-05-31T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12671"},"modified":"2008-05-31T00:00:00","modified_gmt":"2008-05-31T00:00:00","slug":"12671","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/05\/12671\/","title":{"rendered":"Gegen den Pflegenotstand"},"content":{"rendered":"<p>  Der Deckel muss weg!<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Seit den neunziger Jahren werden die Krankenhausbudgets immer mehr   beschnitten. Seit dem Gesundheitsreformgesetz vom Jahr 2000 d&#252;rfen sie   nur noch um die j&#228;hrliche Steigerung der Grundlohnsumme steigen (2008 um   0,64 Prozent). Zieht man noch den &#8222;Sanierungsbeitrag&#8220; von 0,5 Prozent   f&#252;r die Krankenkassen ab, bleiben 2008 0,14 Prozent mehr. Damit steht im   f&#252;nften Jahr in Folge bei der Steigerungsrate eine Null vor dem Komma.   Das reicht vorne und hinten nicht &#8211; weder f&#252;r Lohnerh&#246;hungen, noch f&#252;r   andere Kostensteigerungen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Dieter Jan&#223;en, ver.di-Vertrauensmann im Klinikum Stuttgart*<\/i><\/h4>\n<p>  Hinzu kommt, dass die Landesregierungen ihrer gesetzlichen Verpflichtung   nicht nachkommen, die Investitionen der Krankenh&#228;user zu finanzieren.   Dadurch gibt es einen Investitionsstau von 50 Milliarden Euro.<\/p>\n<h4>  Kliniken vor dem Aus<\/h4>\n<p>  Diese politisch bewusst herbei gef&#252;hrte Unterfinanzierung soll dazu   f&#252;hren, dass ein Drittel aller Krankenh&#228;user schlie&#223;en muss. Laut   Deutscher Krankenhausgesellschaft sind 2008 bereits 34 Prozent der &#252;ber   2.100 Kliniken von Insolvenz bedroht. Die Kommunen als Tr&#228;ger der   st&#228;dtischen Krankenh&#228;user sind nicht bereit, diese Unterfinanzierung   auszugleichen.<\/p>\n<p>  Wie alle Tr&#228;ger, geben sie den Druck einfach nach unten weiter. Die   Krankenh&#228;user steigern ihre Fallzahlen, verk&#252;rzen die Verweildauer und   k&#252;rzen beim Personal. In den letzten zehn Jahren sind 100.000   Arbeitspl&#228;tze vernichtet worden, davon 50.000 in der Pflege.   Gleichzeitig sank die Verweildauer der Patienten von 11,4 auf 8,6 Tage,   mehr und mehr Patienten werden krank nach Hause geschickt. Eine   Pflegekraft versorgt heute 25 Prozent mehr F&#228;lle als 1995 und das bei   deutlich h&#246;herem Schweregrad der Erkrankungen.<\/p>\n<h4>  Druck auf Besch&#228;ftigte<\/h4>\n<p>  Trotz der Absenkungen durch den TV&#214;D geht der Druck auf die L&#246;hne   weiter. Belegschaften werden erpresst. Es wird mit Konkurs oder   Privatisierung gedroht. Elf Prozent der Kliniken haben   Absenkungstarifvertr&#228;ge abgeschlossen, acht Prozent planen dies. F&#252;r die   bevorstehenden Verhandlungen &#252;ber eine neue Entgeltordnung ist mit   enormen Druck der Krankenhaus-Arbeitgeber zu Abgruppierungen f&#252;r   Krankenhaus-Besch&#228;ftigte zu rechnen.<\/p>\n<p>  Pflegekr&#228;fte sollen &#228;rztliche T&#228;tigkeiten &#252;bernehmen, pflegerische   Aufgaben von weniger ausgebildeten und schlechter bezahlten   Besch&#228;ftigten &#252;bernommen werden. In der Uniklinik Freiburg erledigen   Hotelfachkr&#228;fte einen Teil pflegerischer Arbeiten f&#252;r 17 Prozent weniger   Lohn.<\/p>\n<h4>  Zwei-Klassen-Medizin<\/h4>\n<p>  Gleichzeitig kommt der medizinische Fortschritt immer weniger   Versicherten zu Gute. Die Zwei-Klassen-Medizin wird ausgebaut. W&#228;hrend   die Stationen immer gr&#246;&#223;er werden, um Kosten und Personal einzusparen   (35, 40 und mehr Patienten), entstehen f&#252;r Reiche   &#8222;First-Class&#8220;-Privatstationen mit F&#252;nf-Sterne-Service. F&#252;r   Otto-Normal-Patient ohne dicken Geldbeutel sieht&#8217;s so aus:   &#8222;Blasenkatheter und Windeln werden eingesetzt, weil keine Schwester da   ist, um Patienten zur Toilette zu begleiten&#8220; (SWR-Sendung &#8222;Riskante   Pflege&#8220; vom 8. Juni 2007). Ein Pfleger auf SPIEGEL ONLINE vom 17. M&#228;rz:   &#8222;Sogar Selbstverst&#228;ndlichkeiten, etwa Patienten aufzurichten, so dass   sie im Sitzen essen k&#246;nnen, bleiben da auf der Strecke.&#8220; Der von den   Krankenhaustr&#228;gern angek&#252;ndigte zus&#228;tzliche massive Personalabbau, um   die Lohnerh&#246;hungen zu finanzieren, w&#252;rde die Situation weiter   verschlimmern.<\/p>\n<p>  Wir d&#252;rfen nicht zulassen, dass wir unsere Lohnerh&#246;hungen selbst   bezahlen m&#252;ssen, sei es &#252;ber Lohnk&#252;rzungen, weiteren Stellenabbau oder   andere Verschlechterungen.<\/p>\n<p>  S&#228;mtliche Kosten der Krankenh&#228;user &#8211; einschlie&#223;lich Lohnerh&#246;hungen &#8211;   m&#252;ssen gegenfinanziert werden. Das Geld daf&#252;r ist vorhanden, es muss   &#252;ber Steuern auf Profite und Verm&#246;gen organisiert werden.<\/p>\n<p>  <i>*Angabe der Funktion dient nur zur Kenntlichmachung der Person<\/i><\/p>\n<h4>  Forderungen der SAV<\/h4>\n<p>  <i>F&#252;r ein Sofortprogramm, um die schlimmsten Notst&#228;nde in den Kliniken   zu beseitigen: Deckung des unmittelbaren Milliardendefizits,   Finanzierung notwendiger Investitionen, Schaffung von mindestens 100.000   neuen Stellen als ersten Schritt zur Beseitigung des Personalnotstandes <\/i><\/p>\n<p>  <i>Finanziert durch eine drastische Besteuerung von Gewinnen und   Verm&#246;gen <\/i><\/p>\n<p>  <i>R&#252;cknahme aller Privatisierungen von und in Kliniken <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#220;berf&#252;hrung von Pharmaunternehmen, Medizinger&#228;teherstellern und   privaten Krankenhauskonzernen in &#246;ffentliches Eigentum bei   demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch die arbeitende Bev&#246;lkerung<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der Deckel muss weg!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[205],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12671"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12671"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12671\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12671"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12671"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12671"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}