{"id":12664,"date":"2008-05-22T00:00:00","date_gmt":"2008-05-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12664"},"modified":"2012-05-15T15:28:25","modified_gmt":"2012-05-15T13:28:25","slug":"12664","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/05\/12664\/","title":{"rendered":"Ein Jahr die Linke: Eine Zwischenbilanz"},"content":{"rendered":"<p>  DIE LINKE scheint eine Erfolgsgeschichte zu schreiben. Ein Jahr nach der   Fusion von WASG und Linkspartei.PDS zur Partei DIE LINKE kann sie nicht   nur auf den Einzug in vier westdeutsche Landesparlamente verweisen, sie   kann auch mit Fug und Recht behaupten, dass sie die politische Debatte   in der Bundesrepublik mehr beeinflusst, als jede andere Partei.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Viele ihrer zentralen politischen Positionen werden in einer   Meinungsumfrage nach der anderen von gro&#223;en Mehrheiten in der   Bev&#246;lkerung unterst&#252;tzt &#8211; ob die Einf&#252;hrung eines Mindestlohns, die   Ablehnung der Bahn-Privatisierung oder die Forderung nach einer   Beendigung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan. Lafontaine wird von   den b&#252;rgerlichen Medien abwechselnd als der einflussreichste oder   gef&#228;hrlichste Politiker des Landes bezeichnet. Mit kleinen Korrekturen   an Hartz IV, einer &#8211; wenn auch minimalen &#8211; Rentenerh&#246;hung &#8222;au&#223;er der   Reihe&#8220; und Modifikationen bei den Pl&#228;nen zur Bahnprivatisierung musste   die Gro&#223;e Koalition auf den Druck der LINKEN reagieren. Das wiederum hat   nichts am Absturz der SPD in Meinungsumfragen und dem Klettern der   Partei DIE LINKE auf bis zu 14 Prozent &#228;ndern k&#246;nnen.<\/b><\/p>\n<p>  <b>Doch ein genauerer Blick auf die Entwicklung der neuen linken Partei   f&#252;hrt zu einem weitaus komplexeren Bild.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Sascha Stanicic<\/i><\/p>\n<p>  Die gesellschaftliche Wirkung der Partei DIE LINKE ist riesig. Dies vor   allem, weil sie die Stimmung von Millionen abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten,   Erwerbslosen, Jugendlichen und RentnerInnen zum Ausdruck bringt. Diese   haben die Nase voll von neoliberalen Angriffen auf ihre L&#246;hne,   Sozialleistungen, Bildungschancen und Rechte. Gerade angesichts des   Wirtschaftswachstums in den letzten zwei Jahren, ist die Stimmung in der   Arbeiterklasse von dem Verlangen, einen gr&#246;&#223;eren Anteil am   gesellschaftlichen Reichtum abzubekommen, gepr&#228;gt. In diesem Sinne ist   DIE LINKE, wie vor ihr die WASG, Produkt von Bewusstseinsver&#228;nderungen   und vor allem auch von den vielen Protesten, Bewegungen und Streiks seit   November 2003. Aber gleichzeitig wirkt sie auf diese   Bewusstseinsver&#228;nderungen zur&#252;ck und verst&#228;rkt sie. Denn zum ersten Mal   seit zwei Jahrzehnten wird der Gedanke durchbrochen, es gebe keine   Alternative zum Neoliberalismus. Die Wahlerfolge der LINKEN geben   Zuversicht, dass Ver&#228;nderungen erreichbar sind und die oftmals radikalen   Aussagen von Oskar Lafontaine, die ein Millionenpublikum erreichen,   geben das Gef&#252;hl, dass man keiner marginalisierten Randgruppe angeh&#246;rt,   wenn man will, dass die Konzerne mehr zur Kasse gebeten werden. Dies hat   auch Auswirkungen auf den Klassenkampf, denn einerseits steigert es das   Selbstbewusstsein von ArbeiterInnen gegen das Kapital, andererseits   m&#252;ssen die Kapitalisten nun bef&#252;rchten, dass ihre Angriffe gegen die   Arbeiterklasse politische Folgen haben und DIE LINKE st&#228;rken.<\/p>\n<p>  Nicht zu untersch&#228;tzen ist auch die Wirkung, die die Existenz der Partei   DIE LINKE auf die Entwicklung des Rechtsextremismus hat. Zweifellos sind   die Faschisten der NPD und der freien Kameradschaften weiterhin ein   gro&#223;es und auch wachsendes Problem, genauso wie ausl&#228;nderfeindliche   Vorurteile weiterhin verbreitet sind und die Spaltung zwischen Deutschen   und Nicht-Deutschen weiter w&#228;chst. Aber die Entwicklung der   Nazi-Organisationen, vor allem auf der Ebene von Wahlen, wurde durch den   Aufstieg der LINKEN deutlich gehemmt. Angesichts der zunehmenden   gesellschaftlichen Polarisierung h&#228;tten rechtsextreme Parteien ganz   sicher bei den Wahlen der letzten Jahre weitaus besser abgeschnitten,   wenn es keine starke linke Alternative gegeben h&#228;tte, die das soziale   Thema besetzt hat. Eine Best&#228;tigung dieser These sieht man auch in den   Wahlerfolgen der NPD in solchen Bundesl&#228;ndern Ostdeutschlands, wo die   damalige PDS von vielen als Teil des Establishments und nicht als   Oppositionspartei gesehen wurde, wobei die bundesweite Wirkung der neuen   Partei auch in diesen Bundesl&#228;ndern bei Meinungsumfragen dazu gef&#252;hrt   hat, dass die NPD deutlich an Unterst&#252;tzung verloren hat.<\/p>\n<p>  DIE LINKE hat Themen und Forderungen auf die gesellschaftliche   Tagesordnung gebracht, die viele Jahre &#8211; auch von den Gewerkschaften &#8211;   nicht offensiv besetzt wurden: Mindestlohn, Generalstreik, staatliche   Investitionsprogramme, R&#252;ckf&#252;hrung privatisierter Bereiche in   &#246;ffentliches Eigentum und einige mehr. Das ist gut und hilft der   Arbeiterklasse dabei, wieder ein politisches Klassenbewusstsein zu   entwickeln. Millionen schauen mit Erwartungen und auch gewissen   Hoffnungen auf die Partei und sicher orientiert sich die gro&#223;e Mehrheit   der ArbeiterInnen und Jugendlichen, die mit dem Gedanken spielen, sich   politisch zu engagieren an der LINKEN. Aber gleichzeitig ist DIE LINKE   weit davon entfernt eine k&#228;mpferische Massenpartei zu sein, die   ArbeiterInnen und Jugendliche begeistert und aktiviert. Aber sie gibt   eine Vorstellung davon, was eine sozialistische Arbeiterpartei mit   Massenbasis und hunderttausenden Mitgliedern erreichen k&#246;nnte und mit   ihr stellt sich die Frage, wie eine solche Partei aufgebaut werden kann,   in aller Sch&#228;rfe.<\/p>\n<p>  Aber sie sch&#246;pft das gesellschaftliche Potenzial bei weitem nicht   aus.Und sie hat einen Kurs eingeschlagen, der ihren Erfolg gef&#228;hrdet.<\/p>\n<h4>  Bilanz der Wahlen<\/h4>\n<p>  Der Einzug in die Landesparlamente von Hessen, Hamburg und Niedersachsen   in diesem Jahr wird von der Parteif&#252;hrung als gro&#223;er Erfolg dargestellt.   Zweifellos ist es ein Erfolg, dass DIE LINKE in jedes westdeutsche   Landsparlament eingezogen ist, f&#252;r das sie kandidierte. Doch eine   genauere Betrachtung der Wahlergebnisse relativiert das Ausma&#223; dieses   Erfolges, vor allem in Hessen und Hamburg.<\/p>\n<p>  Erstens ist DIE LINKE offensichtlich nicht in der Lage den Trend zum   weiteren R&#252;ckgang in der Wahlbeteiligung aufzuhalten oder umzukehren.   Dabei m&#252;sste es gerade die Aufgabe einer linken Partei sein, diejenigen   zu erreichen, die in den letzten Jahren das Vertrauen in die etablierten   Parteien verloren haben und die Schlussfolgerung gezogen haben, dass es   keinen gro&#223;en Unterschied macht, ob man von rot-gr&#252;n, schwarz-gelb oder   schwarz-rot regiert wird. Dass DIE LINKE diese Menschen nicht bzw. kaum   erreicht deutet darauf hin, dass auch ihr von breiten Teilen in der   Arbeiterklasse Skepsis entgegen gebracht wird. Aus verschiedenen   Gr&#252;nden: aufgrund der stalinistischen Vergangenheit der PDS; aufgrund   der Erfahrungen mit Oskar Lafontaine als Ministerpr&#228;sident im Saarland   und als SPD-Vorsitzender zu einer Zeit, in der die SPD schon Sozialabbau   zustimmte; aufgrund der Regierungsbeteiligungen der LINKEN im Berliner   Senat und vielen ostdeutschen Kommunen, wo sie Sozialk&#252;rzungen und   Privatisierungen mit tr&#228;gt; aufgrund der Abgehobenheit von Politikern   wie Lafontaine und Gysi, die gerne heraush&#228;ngen lassen, dass sie zu den   Besserverdienern im Land geh&#246;ren, was es einfachen ArbeiterInnen sehr   schwer macht, sich mit ihnen zu identifizieren.<\/p>\n<p>  In Hamburg und Hessen hat sie nicht einmal all die W&#228;hlerInnen   mobilisieren k&#246;nnen, die bei der Bundestagwahl 2005 die Partei gew&#228;hlt   haben, in Hessen hat sie sogar prozentual verloren. Dies hing sicher   auch damit zusammen, dass es aus der Parteif&#252;hrung unterschiedliche   Aussagen hinsichtlich einer m&#246;glichen Tolerierung einer   Ypsilanti-Regierung gab, was dazu f&#252;hrte, dass die einen lieber direkt   die SPD w&#228;hlten und andere ganz zu Hause blieben, weil sie eben keinen   Steigb&#252;gelhalter f&#252;r eine rot-gr&#252;ne Landesregierung w&#228;hlen wollten. Vor   allem aber war DIE LINKE in Hessen aufgrund ihrer reformistischen   Beschr&#228;nktheit unf&#228;hig, sich von der linken Rethorik einer Andrea   Ypsilanti durch ein k&#228;mpferisches und sozialistisches Profil deutlich   abzuheben.<\/p>\n<p>  Die Wahlerfolge der LINKEN dr&#252;cken also bei weitem keine Stabilit&#228;t aus   und es gibt keine geradlinige Entwicklung einer stetigen Zunahme von   W&#228;hlerstimmen.<\/p>\n<h4>  Bilanz der Mitgliederentwicklung<\/h4>\n<p>  DIE LINKE ist die einzige Partei mit Mitgliederzuwachs. Auch das ist ein   Erfolg. Seit der Fusion von WASG und Linkspartei.PDS ist die neue Partei   um ca. 5.000 Mitglieder gewachsen, allein im ersten Quartal des Jahres   2008 traten 1.500 neue Mitglieder ein. Das zeigt, dass es eine Schicht   von Menschen gibt, die sich der LINKEN zuwenden und in ihr aktiv werden   oder sie zumindest praktisch unterst&#252;tzen wollen. Das sind teilweise   ArbeiterInnen und Erwerbslose, die zum ersten Mal in eine Partei   eintreten. Es sind wenig Jugendliche und mehr M&#228;nner als Frauen.   Darunter sind aber auch viele ehemalige SPD- oder Gr&#252;nen-Mitglieder und   Gewerkschaftsfunktion&#228;re.<\/p>\n<p>  Allerdings findet der Mitgliederzuwachs nur im Westen statt, im Osten   gibt es deutlich weniger Beitritte und sinkt die Mitgliederzahl aufgrund   des altersbedingten Versterbens vieler Mitglieder.<\/p>\n<p>  Vergleicht man das Mitgliederwachstum mit dem Zulauf, den andere linke   Parteien in der Vergangenheit hatten, so wird deutlich, dass die neue   Partei auch hier hinter ihren M&#246;glichkeiten zur&#252;ck bleibt.<\/p>\n<p>  Als es Anfang der 70er Jahre, auch als eine Folge der 68er-Bewegung, zu   einem Zulauf in die SPD kam, traten &#252;ber 250.000 neue Mitglieder ein,   vor allem Lohnabh&#228;ngige und Jugendliche. Nach der Amts&#252;bernahme Helmut   Kohls als Bundeskanzler 1982, traten 100.000 neue Mitglieder in die SPD   ein, viele mit dem Ziel die Partei in der Opposition nach links zu   dr&#252;cken und zu einem Zeitraum als ebenfalls zehntausende in die Gr&#252;nen   eintraten.<\/p>\n<p>  Die Mitgliedsentwicklung wirkt umso ern&#252;chternder wenn man bedenkt, dass   DIE LINKE im selben Zeitraum in Meinungsumfragen auf Bundesebene   deutlich zulegen konnte und es viele Streiks und Arbeiterproteste   gegeben hat, sich potenzielle Mitglieder also begonnen haben zur Wehr zu   setzen, was in der Regel auch Politisierungsprozesse anst&#246;&#223;t.<\/p>\n<p>  Warum sch&#246;pft DIE LINKE ihr Potenzial nicht aus? Es gibt sicher   objektive Gr&#252;nde, die in der Stimmung der Arbeiterklasse zu suchen sind.   Bei vielen Menschen gibt es noch eine Haltung der passiven Unterst&#252;tzung   &#8211; man findet gut, was die linken AktivistInnen machen, ist aber (noch)   nicht bereit, selber aktiv zu werden. Aber die Hauptgr&#252;nde sind im   Zustand, der praktischen Politik, der inneren Struktur und Ausstrahlung   der LINKEN zu finden.<\/p>\n<h4>  Parlamentsfixierung und B&#252;rokratismus<\/h4>\n<p>  &#8222;DIE LINKE wirkt qua existenz&#8220;, sagt Lothar Bisky. Doch sie wirkt bisher   vor allem in der politischen Debatte, bei Wahlen und in den Medien. Die   Lebensverh&#228;ltnisse der arbeitenden und erwerbslosen Bev&#246;lkerung haben   sich durch die Existenz der neuen Linkspartei nicht grundlegend   verbessert. Doch nur daran l&#228;sst sich der Erfolg einer sozialistischen   Partei messen.<\/p>\n<p>  Um dies zu erreichen wird eine Partei ben&#246;tig, die nicht nur deutlich   mehr Mitglieder und W&#228;hlerstimmen als DIE LINKE hat, sondern die vor   allem ein politisches Programm zur L&#246;sung der kapitalistischen   Widerspr&#252;che anbietet und in der Lage ist, dieses Programm in den   betrieblichen und gewerkschaftlichen K&#228;mpfen und in sozialen Bewegungen   zu einem mobilisierenden und vorw&#228;rtstreibenden Faktor zu machen.   Soziale Verbesserungen k&#246;nnen nur erreicht werden, wenn Massen auf die   Stra&#223;e und in den Streik mobilisiert werden. Dauerhafte   gesellschaftliche Ver&#228;nderungen sind nur m&#246;glich, wenn aus solchen   K&#228;mpfen heraus eine massenhafte politische Alternative ensteht, die ein   Konzept f&#252;r eine andere gesellschaftliche Organisierung vertritt. Ein   Beispiel f&#252;r den Aufbau einer sozialistischen Massenpartei ist, trotz   aller Schw&#228;chen und Anpassungstendenzen, die SPD des 19. Jahrhunderts,   nicht die SPD der 1970er Jahre!<\/p>\n<p>  Die strategische Orientierung der LINKEN ist ein Hindernis daf&#252;r, eine   solche sozialistische Massenpartei aufzubauen. Ihre Parlamentsfixierung   von der Kommune bis zum Bundestag nimmt der Partei Dynamik und f&#252;hrt zu   Anpassung an die kapitalistischen Institutionen. Innerparteiliche   Entpolitisierung und B&#252;rokratismus ersticken Initiative und k&#228;mpferische   Aktivit&#228;ten. Ein Blick auf den Landesverband Bremen unterstreicht das.   Hier zog DIE LINKE mit gro&#223;en Hoffnungen und Erwartungen vor einem Jahr   in das Landesparlament. Seitdem gab es kaum politische Initiativen,   keine aktive und mobilisierende Unterst&#252;zung f&#252;r den Widerstand gegen   Sozialabbau und das innerparteiliche Leben wurde so sehr erstickt, dass   zum letzten Landesparteitag nur noch 40 von 76 Delegierten erschienen.<\/p>\n<h4>  DIE LINKE und die Gewerkschaften<\/h4>\n<p>  Ein entscheidender Test f&#252;r eine Partei, die Arbeitnehmerinteressen   vertreten will, ist ihre Politik in betrieblichen und gewerkschaftlichen   Auseinandersetzungen. DIE LINKE tritt f&#252;r Lohnerh&#246;hungen,   Arbeitszeitverk&#252;rzung und gegen Stellenvernichtung ein. Doch den   Praxistext hat sie in vielerlei Hinsicht nicht bestanden.<\/p>\n<p>  Dem Kampf der Lokf&#252;hrer und ihrer Gewerkschaft GDL kam im letzten Jahr   eine Schl&#252;sselfunktion f&#252;r die gesamte Arbeiterklasse zu. Die Lokf&#252;hrer   wirkten wie Eisbrecher. Sie k&#228;mpften gegen eine breite Front aus   Bahnvorstand, Parteien, Medien und DGB-Gewerkschaften f&#252;r deutliche   Lohnerh&#246;hungen und eine Arbeitszeitverk&#252;rzung. Sie waren bereit, das   Land lahm zu legen, um ihre berechtigten Forderungen durchzusetzen. Mit   ihrer Offensivit&#228;t und Entschlossenheit gaben sie Besch&#228;ftigten anderer   Branchen Mut. Der GDL-Streik hatte unmittelbare Auswirkungen auf die   Tarifrunde im &#246;ffentlichen Dienst, f&#252;r die ver.di ihre Forderungen   hochschrauben musste, weil die eigene Basis sich mehr und mehr an dem   Kampf der Lokf&#252;hrer orientierte.<\/p>\n<p>  DIE LINKE brauchte ein halbes Jahr, bis sie sich entschloss den Streik   der GDL zu unterst&#252;tzen! Und dieser Vorstandsbeschluss kam auch nur   zustande, weil der Druck aus der Basis der Partei zunahm,   Parteimitglieder &#8211; darunter viele SAV-Mitglieder &#8211; eigenst&#228;ndige   Solidarit&#228;tsaktionen vor Ort durchf&#252;hrten und vor allem die gro&#223;e   Mehrheit der Bev&#246;lkerung solidarisch mit dem Streik war. Bis dahin war   die gr&#246;&#223;te Sorge der F&#252;hrung der LINKEN, den rechten F&#252;hrungen der   DGB-Gewerkschaften nicht auf die F&#252;&#223;e zu treten. Aber auch nach dem   Beschluss gab es keine praktische Kampagne zur Unterst&#252;tzung der   Lokf&#252;hrer, genauso wie es keine aktive Kampagne zur Unterst&#252;zung der   Besch&#228;ftigten des &#246;ffentlichen Dienstes in diesem Jahr gab. Wo waren die   Plakataktionen, Massenflugbl&#228;tter oder der Protest im Bundestag?<\/p>\n<p>  Die Glaubw&#252;rdigkeit vollends untergraben wird dadurch, dass DIE LINKE im   Berliner Senat gleichzeitig die Forderungen der Landesbesch&#228;ftigten der   Hauptstadt und der KollegInnen der Berliner Verkehrsbetriebe zur&#252;ck   weist und an ihrem Kurs der Haushaltskonsolidierung gegen die   Arbeiterklasse fest h&#228;lt. Und nicht nur dort: als die Rostocker   B&#252;rgerschaftsabgeordnete der SAV, Christine Lehnert, w&#228;hrend der   Tarifrunde einen Antrag einbrachte, der die Stadt Rostock aufforderte,   einseitig die Forderungen von ver.di umzusetzen, kam der lauteste   Protest von den Abgeordneten der LINKEN und der Antrag erhielt nur   Lehnerts Stimme.<\/p>\n<p>  Zwei Dinge sind entscheidend hinsichtlich der Politik einer linken   Partei gegen&#252;ber den Gewerkschaften. Erstens muss sie die K&#228;mpfe der   ArbeiterInnen unterst&#252;tzen und im Zweifelsfall auch gegen die rechte   Gewerkschaftsb&#252;rokratie, die K&#228;mpfe in der Regel zur&#252;ck h&#228;lt, Position   beziehen. Kritische und oppositionelle Kr&#228;fte in den DGB-Gewerkschaften   m&#252;ssen Unterst&#252;tzung durch DIE LINKE finden. Eine weiche Kritik an der   &#8222;Selbsteinbindung der Gewerkschaften in die sozialdemokratisch-gr&#252;ne   Regierungspolitik&#8220;, wie sie im aktuellen Leitantrag zum Bundesparteitag   der LINKEN formuliert wird, greift da zu kurz. Es ist die   marktwirtschaftliche Logik, die die Gewerkschaftsf&#252;hrungen &#252;bernommen   haben, die in Frage gestellt werden muss.<\/p>\n<p>  Zweitens muss sie aktiv und mit eigenen Forderungen und Vorschl&#228;gen in   die betrieblichen und gewerkschaftlichen K&#228;mpfe eingreifen. Beispiel   Schlie&#223;ung des NOKIA-Werks in Bochum: hier h&#228;tte DIE LINKE eine   offensive Kampagne f&#252;r die Verstaatlichung des Werks unter   Arbeiterkontrolle durchf&#252;hren sollen und h&#228;tte damit dem Widerstand der   Belegschaft eine Perspektive bieten k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Regierungsbeteiligungen<\/h4>\n<p>  Lafontaine m&#246;chte Ministerpr&#228;sident im Saarland werden, Ramelow in   Th&#252;ringen und auch in Sachsen orientiert DIE LINKE auf Neuwahlen mit dem   Ziel, eine Koalition mit der SPD zu bilden. Die Debatte um die Wahl von   Andrea Ypsilanti zur Ministerpr&#228;sidentin in Hessen hat die Frage von   Regierungsbeteiligungen auch im Westen schneller aufkommen lassen, als   viele das erwartet h&#228;tten. Dies bleibt eine zentrale Frage, die &#252;ber die   Zukunft der Partei entscheiden wird.<\/p>\n<p>  MarxistInnen sind grunds&#228;tzlich gegen die Beteiligung einer linken   Partei an kapitalistischen Koalitionsregierungen. Unter kapitalistischen   Verh&#228;ltnissen dient jede Regierung den Interessen der Banken und   Konzerne. Diese ziehen die Strippen, bestechen, drohen mit Abwanderung   und Investitionsboykott und setzen den Ton. Deshalb kann in Regierungen   mit pro-kapitalistischen Parteien, wie der SPD, keine Politik im   Interesse der Mehrheit der Bev&#246;lkerung gemacht werden. Das gilt umso   mehr in Zeiten wirtschaftlicher Krise. Eine Politik im Interesse der   Arbeiterklasse h&#228;tte zur Voraussetzung, diese gegen das Kapital zu   mobilisieren, um auf dieser Basis den Konflikt mit den Banken und   Konzernen einzugehen &#8211; als Ausgangspunkt den Kapitalismus abzuschaffen   und eine sozialistische Ver&#228;nderung der Gesellschaft einzuleiten.<\/p>\n<p>  Das bedeutet nicht, dass SozialistInnen immer in gesellschaftlicher   Opposition bleiben wollen &#8211; im Gegenteil. Ziel ist die grundlegende   Ver&#228;nderung der Machtverh&#228;ltnisse. Eine Regierungs&#252;bernahme kann aber   nur in Frage kommen, wenn eine solche Regierung die Interessen der   Arbeiterklasse vertritt und die Machtverh&#228;ltnisse &#228;ndert &#8211; also nicht   mit Parteien, die den Kapitalismus verteidigen.<\/p>\n<p>  Dabei geht es nicht um abstrakte oder ideologische &#220;berlegungen.   Regierungsbeteiligungen in pro-kapitalistischen Koalitionen, mit dem   Ziel einer &#8222;Politik des kleineren &#220;bels&#8220; f&#252;hren in die politische   Katastrophe f&#252;r linke Parteien, da sie darin gezwungen werden eine   Politik gegen die Arbeiterklasse durchzuf&#252;hren. Die Folge ist immer   Diskreditierung in den Augen der Massen, Stimmenverluste und Schw&#228;chung   nicht nur der Partei, sondern auch der Bewegungen und K&#228;mpfe der   Arbeiterklasse. Dies gilt, auch wenn es anfangs Unterst&#252;tzung in Teilen   der Arbeiterklasse f&#252;r solche Regierungsbildungen geben kann. Solche   Illusionen in das &#8222;kleinere &#220;bel&#8220; werden schnell zerschlagen, wenn diese   Regierungen sich an Sozialabbau und Angriffe gegen die Arbeiterklasse   begeben.<\/p>\n<p>  Die Erfahrungen in Berlin und in Italien zeigen das. Die Beteiligung am   Berliner Senat hat der LINKEN bei den letzten Abgeordnetenhauswahlen   (noch als Linkspartei.PDS) die H&#228;lfte ihrer Simmen gekostet.   Besch&#228;ftigte und GewerkschafterInnen (vor allem des &#246;ffentlichen   Dienstes), Erwerbslose, aktive Sch&#252;lerInnen und Studierende erfahren DIE   LINKE als Gegnerin und nicht als Partnerin in ihren K&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  In Italien sind die linken Parteien aus dem Parlament geflogen, weil sie   die neoliberale und pro-kapitalistische Prodi-Regierung mitgetragen   hatten, statt eindeutig und konsequent auf der Seite der abh&#228;ngig   Besch&#228;ftigten, der sozialen Bewegungen und der Anti-Kriegs-Proteste zu   stehen.<\/p>\n<p>  Das Problem Italiens war nicht, wie das Vorstandsmitglied der LINKEN   Helmut Scholz in einem Artikel schreibt, dass die Prodi-Regierung keine   Zeit und Kraft hatte, um ihre Vorhaben umzusetzen. Das Problem war, dass   das zentrale Vorhaben Prodis die Verteidigung der Interessen der   italienischen Kapitalistenklasse war und die radikale Linke sich an   dieser Regierung beteiligt hat, statt eine unabh&#228;ngige Alternative   aufzubauen. Die Quittung folgte bei den Wahlen und die italienische   Arbeiterklasse ist zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs ohne   kommunistische oder sozialistische Abgeordnete im Parlament!<\/p>\n<p>  Ein Gegenbeispiel ist die Entwicklung des Linksb&#252;ndnisses SIRIZA in   Griechenland. Diese Koalition, deren Kern die Partei SYNASPISMOS ist,   erhielt bei den letzten Wahlen im September 2007 &#252;ber f&#252;nf Prozent und   liegt in Meinungsumfragen mittlerweile bei bis zu 18 Prozent! 5.000 bis   10.000 neue Miglieder sind allein in diesem Jahr SYNASPISMOS   beigetreten. Was ist der Unterschied zur Rifondazione Comunista in   Italien?<\/p>\n<p>  SIRIZA und SYNASPISMOS haben in den letzten Jahren eine Linkswendung   durchgemacht und greifen offensiv die sozialen Fragen auf. Vor allem   aber stehen sie in deutlicher Opposition nicht nur gegen die Regierung   der konservativen Nea Demokratia, sondern auch gegen die   sozialdemokratische PASOK, die eine ebenso pro-kapitalistische Politik   betreibt, wie Prodi oder die SPD. SIRIZA hat Angebote der PASOK zur   Zusammenarbeit mit dem Ziel der Bildung einer gemeinsamen Regierung   richigerweise zur&#252;ck gewiesen und konnte so Vertrauen in wachsenden   Teilen der Bev&#246;lkerung gewinnen.<\/p>\n<h4>  Sozialismus oder Keynesianismus?<\/h4>\n<p>  Die wichtigste Frage, die allen anderen Erw&#228;gungen zu Grunde liegen   muss, ist aber die nach der politisch-programmatischen Ausrichtung der   Partei. Dies gilt umso mehr angesichts der sich entwickelnden gr&#246;&#223;ten   Weltwirtschaftskrise seit der Depression der 1920er und 1930er Jahre.   Mehr noch als in anderen Zeiten wirft diese Krise die Frage nach   &#246;konomischen und gesellschaftlichen Gegenkonzepten zum Kapitalismus auf.<\/p>\n<h4>  Die F&#252;hrung der LINKEN, insbesondere Lafontaine, agiert in dieser Frage   mit zwei Gesichtern.<\/h4>\n<p>  Einerseits benutzt er eine radikale und oftmals sozialistische Rethorik.   Erst k&#252;rzlich sprach er sich daf&#252;r aus, Zitate aus dem Kommunistischen   Manifest in das zuk&#252;nftige Programm der Partei DIE LINKE aufzunehmen, da   diese hochaktuell seien. Lafontaine hat verstanden, dass die Partei ein   radikales Image braucht, um weiter Unterst&#252;tzung zu gewinnen.<\/p>\n<p>  Doch seine Politik ist weit davon entfernt sozialistisch zu sein. Das   wird zum Beispiel in seiner Reaktion auf die Finanzkrise deutlich. In   einem Interview mit dem Deutschlandradion sprach er sich f&#252;r Solidarit&#228;t   mit dem Kapital aus, da dieses nicht mehr weiter wisse. Sein Programm   kann man mit &#8222;Rettung des Kapitalismus durch Regulierung der M&#228;rkte&#8220;   zusammen fassen. In diesem Interview und anderen aktuellen   Stellungnahmen sucht man vergeblich nach Aussagen &#252;ber die Notwendigkeit   den Kapitalismus zu &#252;berwinden und eine sozialistische Demokratie zu   errichten.<\/p>\n<p>  Schon die Debatte um die &#196;u&#223;erungen der nieders&#228;chsischen   Landtagsabgeordneten Christel Wegner zu DDR und Stasi wurden von Teilen   der F&#252;hrung der LINKEN zu anti-sozialistischen Statements genutzt. Dies   muss von der Parteilinken zur&#252;ck gewiesen werden. Wegner hat nicht den   Sozialismus, sondern seine stalinistische Karikatur in der DDR   verteidigt. Wirkliche SozialistInnen waren und sind sch&#228;rfste   GegnerInnen der b&#252;rokratischen Diktaturen, die in Osteuropa herrschten.   Dies muss offensiv vertreten werden, um den B&#252;rgerlichen und der   Partei-Rechten nicht die M&#246;glichkeit zu geben, sozialistische   Forderungen nach gesellschaftlichem Eigentum an den Produktionsmitteln   bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung zu diskreditieren.<\/p>\n<p>  In den n&#228;chsten Monaten wird die Debatte um das Wahlprogramm f&#252;r die   Bundestagswahl und dann auch um das Parteiprogramm stattfinden. Die   Parteif&#252;hrung wird ein Programm vorlegen, das keynesianistisch   argumentieren wird, der Kapitalismus m&#252;sse durch Regulierung und   Staatsintervention an die Kette gelegt werden. Sozialismus wird, wenn   &#252;berhaupt, als eine Aufgabe der fernen Zukunft beschrieben werden (wie   es auch die Stellungnahme des &#196;ltestenrats zur Programmdebatte macht).<\/p>\n<p>  So enth&#228;lt auch der Leitantrag zum Cottbusser Bundesparteitag viele   richtige Reformforderungen und spricht davon, dass der Kapitalismus   nicht das Ende der Geschichte sein wird. Aber &#8211; abgesehen davon, dass   der Leitantrag sich zu einer klaren Aussage um Regierungsbeteiligungen   mit der SPD herum dr&#252;ckt &#8211; vermittelt er den Eindruck, die aufgestellten   Forderungen k&#246;nnten im Rahmen des Kapitalismus dauerhaft erreicht werden.<\/p>\n<p>  Notwendig wird sein, in dieser Debatte zu erkl&#228;ren, dass der   Kapitalismus sich in einer Niedergangsphase befindet, in der keine   dauerhaften Verbesserungen im Interesse der Arbeiterklasse, keine   &#220;berwindung der Krisenhaftigkeit, kein Ende von Kriegen und   Umweltzerst&#246;rung m&#246;glich ist. Um solche zu erreichen, m&#252;ssen die Grenzen   der kapitalistischen Wirtschaftsweise &#252;berwunden werden. Der Kampf um   Tagesforderungen muss verbunden werden mit dem Kampf um   &#220;bergangsforderungen, die den Weg zu einer sozialistischen Ver&#228;nderung   der Gesellschaft weisen. Dies ist nicht voneinander zu trennen. Alles   andere ist die programmatische Rechtfertigung der Politik des kleineren   &#220;bels und von Regierungsbeteiligungen mit pro-kapitalistischen Parteien.<\/p>\n<h4>  Aussichten<\/h4>\n<p>  Es muss verhindert werden, dass DIE LINKE den Weg der Rifondazione   Comunista geht. Anstatt in weitere Koalitionen mit der SPD zu gehen,   muss DIE LINKE aus dem Berliner Senat austreten. Anstatt den   Kapitalismus vor seinen eigenen Krisen retten zu wollen, muss DIE LINKE   ein eindeutiges Programm zur sozialistischen Umgestaltung der Welt   vertreten. Anstatt sich auf Parlamentsarbeit zu konzentrieren, muss die   Partei vor allem den Kampf von Lohnabh&#228;ngigen, Erwerbslosen und   Jugendlichen auf der Stra&#223;e und in den Betrieben unterst&#252;tzen, voran   treiben und ihm eine politische Perspektive geben.<\/p>\n<p>  Diese Fragen werden in den n&#228;chsten ein, zwei Jahren im Mittelpunkt der   Auseinandersetzungen in der Partei stehen. Daran m&#252;ssen MarxistInnen   sich beteiligen. Ob der Weg der Partei in eine pro-kapitalistische   Bundesregierung mit der SPD verhindert werden kann, mag fraglich sein.   Aber in der Auseinandersetzung dagegen k&#246;nnen Kr&#228;fte gesammelt werden,   die den Aufbau einer sozialistischen Massenpartei in der Zukunft angehen   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Dies gilt umso mehr, da DIE LINKE zur Zeit der einzige politische   Bezugspunkt f&#252;r ArbeiterInnen und Jugendliche ist, die sich   politisieren. Die &#252;bergro&#223;e Mehrheit derjenigen, die &#252;berlegen,   politisch aktiv zu werden, schauen zur Zeit in Richtung LINKE. Wenn die   Partei sich unter den Bedingungen von Weltwirtschaftskrise und weiteren   Klassenk&#228;mpfen weiterhin links und oppositionell pr&#228;sentiert, kann dies   auch zum Eintritt von tausenden neuen Mitgliedern f&#252;hren. Das ist alles   andere als sicher, kann aber nicht ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>  Auch in Ostdeutschland ist DIE LINKE der einzige politische Bezugspunkt   f&#252;r die Abeiterklasse. Das gilt, obwohl die Partei hier eine reine   Fortsetzung der alten PDS ist und weiterhin im Berliner Senat sitzt und   in vielen Kommunen an Sozialabbau und Privatisierungen teilnimmt. Das   macht sie noch weniger attraktiv f&#252;r aktive Mitarbeit. Aber auch im   Osten wirkt der &#8222;Lafontaine-Effekt&#8220; und die Partei wird als die einzige   bundesweite Oppositionskraft gegen die Koalition der Hartz IV-Parteien   gesehen. Das dr&#252;ckt sich nicht zuletzt darin aus, dass DIE LINKE bei   Meinungsumfragen zu den Bundestagswahlen mittlerweile die st&#228;rkste Kraft   in Ostdeutschland ist. Und selbst in Berlin differenzieren viele   W&#228;hlerInnen: sie w&#252;rde bei Bundestagswahlen vier Prozentpunkte mehr   erhalten, als bei Berliner Abgeordnetenhauswahlen &#8211; 21 im Vergleich zu   17.<\/p>\n<p>  Dieser Trend wird sich im n&#228;chsten Jahr noch verst&#228;rken, da durch die   Bundestagswahlen und die dann eintretende Rezession bundesweite und   grundlegende Fragen im Mittelpunkt der gesellschaftlichen   Auseinandersetzungen stehen werden.<\/p>\n<p>  Und auch im Osten haben einige Kreisverb&#228;nde der LINKEN verstanden, dass   sie sich oppositionell aufstellen m&#252;ssen, um Unterst&#252;tzung zu   gewinnen.So hat DIE LINKE in Rostock und Leipzig B&#252;rgerbegehren gegen   weitere Privatisierungen &#246;ffentlicher Einrichtungen unterst&#252;tzt. In   Dresden hat sich die Ratsfraktion sogar gespalten, weil der rechte   Fl&#252;gel die Privatisierungen des &#246;ffentlichen Wohnraums mit beschlossen   hatte.<\/p>\n<p>  So kann das Jahr 2009 ein weiteres Erfolgsjahr f&#252;r DIE LINKE werden,   wenn sich der rechte Fl&#252;gel in der Parteispitze nicht durchsetzt und die   Wahlk&#228;mpfe auf Koalitionen mit der SPD und Haushaltskonsolidierung   ausrichtet. Wie weit rechts diese Kr&#228;fte, die haupts&#228;chlich in den   ostdeutschen Landesverb&#228;nden vertreten sind, stehen, wurde in der   Auseinandersetzung um die finanzpolitische Linie der Partei im Vorfeld   des Cottbusser Parteitags deutlich. Ostdeutsche Funktion&#228;re, wie die   finanzpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion in   Mecklenburg-Vorpommern, Angelika Gramkow, machten Front gegen einen   Antrag aus der Feder des, nun wahrhaftig nicht als radikalen Sozialisten   bekannten, Axel Troost, in dem ein Investitionsprogramm von 50   Milliarden Euro gefordert wurde. Daf&#252;r seien nach Ansicht von Gramkow   und anderen keine ausreichenden Einnahmequellen da. In einer solchen   Frage, m&#252;ssen MarxistInnen den Troostschen Ansatz kritisch gegen die   Parteirechte unterst&#252;tzen und gleichzeitig darauf hinweisen, dass eine   radikale Besteuerung der Banken und Konzerne von diesen nicht einfach   kampflos hingenommen werden wird und sich aus einer solchen, dann   anstehenden, Auseinandersetzung die Notwendigkeit der &#220;berf&#252;hrung von   Banken und Konzernen in &#246;ffentliches Eigentum ergibt.<\/p>\n<h4>  Aufgaben der Linken in der LINKEN<\/h4>\n<h4>  DIE LINKE braucht dringend einen starken, organisierten, sozialistischen   Fl&#252;gel. Bisherige Versuche einen solchen zu bilden sind nicht gegl&#252;ckt.<\/h4>\n<p>  Die Antikapitalistische Linke (AKL) ist nicht mehr als eine Pressure   Group von Funktion&#228;ren und Abgeordneten ohne den Anspruch   Basismitglieder zu organisieren. Sie unterscheidet sich programmatisch   nicht ausreichend vom Lafontaine-Fl&#252;gel, weil sie auf die Propagierung   eines sozialistischen &#220;bergangsprogramms verzichtet und verkl&#228;rt den   Charakter der DDR, weil sie auf eine klare Distanzierung vom Stalinismus   verzichtet. Die Kommunistische Plattform vertritt noch weniger ein   klares Programm und erscheint vor allem als Vereingung der   DDR-Nostalgiker.<\/p>\n<p>  Der Versuch mit Kr&#228;ften, die innerhalb und au&#223;erhalb der LINKEN agieren,   eine Sozialistische Koordination zu bilden, scheiterte an der Weigerung   der Mehrheit der an diesen Diskussionen beteiligten Personen, eine   solche Koordination auch als innerparteiliche Oppositionsstruktur zu   verstehen. Sie zogen einen unverbindlichen Debattiercharakter vor, was   dazu f&#252;hrte, dass die SAV sich aus diesem Projekt zur&#252;ckzog.<\/p>\n<p>  Leider f&#252;hrte das auch dazu, dass die BASG (Berliner Alternative f&#252;r   Solidarit&#228;t und Gegenwehr &#8211; Nachfolgeorganisation des Berliner   Landesverbandes der WASG, der sich nicht der Partei DIE LINKE   angeschlossen hatte) in keinen bundesweiten Rahmen integriert werden   konnte. Die BASG selber konnte nur einen relativ kleinen Teil der   fr&#252;heren WASG-Mitglieder sammeln. Sie ist in der Stadt zwar aktiv, vor   allem bei der Unterst&#252;tzung der Streiks im &#246;ffentlichen Dienst, konnte   aber bisher keine substanzielle politische Kraft aufbauen, die DIE LINKE   von au&#223;en wirksam unter Druck setzen und auch in die bundesweiten   Diskussionsprozesse in und um DIE LINKE eingreifen konnte.<\/p>\n<p>  Die Linksjugend[&#8218;solid] hat bei ihrem Bundeskongress zwar eine Reihe von   deutlich linken und pro-sozialistischen Positionen beschlossen, wirkt   aber auch noch nicht als ein organisierendes Zentrum f&#252;r eine   innerparteiliche sozialistische Opposition. SAV-Mitglieder haben ihr   Engagement in der Linksjugend[&#8218;solid] verst&#228;rkt, um einen Beitrag dazu   zu leisten, den Jugendverband zu einem starken, k&#228;mpferischen und   sozialistischen Fl&#252;gel in der Partei aufzubauen.<\/p>\n<p>  SAV-Miglieder haben sich vor diesem Hintergrund in den letzten Monaten   darauf konzentriert mit eigenen Vorschl&#228;gen in die Partei hinein zu   wirken, gleichzeitig selbst&#228;ndig Streiks und andere K&#228;mpfe zu   unterst&#252;tzen und die Kr&#228;fte des Marxismus zu st&#228;rken. Denn ohne eine   starke marxistische Kraft in der LINKEN wird der sich abzeichnende   Anpassungsprozess nicht zu bremsen oder gar zu stoppen sein.<\/p>\n<p>  <i><b>Sascha Stanicic ist Bundessprecher der SAV und verantwortlicher   Redakteur von sozialismus.info. Er lebt in Berlin.<\/b><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      DIE LINKE scheint eine Erfolgsgeschichte zu schreiben. 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