{"id":12660,"date":"2008-05-21T00:00:00","date_gmt":"2008-05-21T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12660"},"modified":"2012-08-21T12:00:31","modified_gmt":"2012-08-21T10:00:31","slug":"12660","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/05\/12660\/","title":{"rendered":"Bahn: Hansen \u2013 vom Agenten zum offenen Vertreter des Kapitals"},"content":{"rendered":"<p>Offensichtlicher geht es sicher nicht mehr. Norbert Hansen, Ex-Transnet-Chef hat in punkto Privatisierung der Bahn ganze Arbeit geleistet hat. Jetzt \u00fcberschl\u00e4gt er sich vor Freude \u00fcber seine \u201eBelohnung\u201c &#8211; n\u00e4mlich seinem neuen Posten als Arbeitsdirektor bei der DB AG &#8211; auch schon mit Vorschl\u00e4gen, wie die Besch\u00e4ftigten daf\u00fcr bluten sollen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p><strong>Rationalisierung sei notwendig, ohne Stellenabbau ginge es nicht, K\u00fcndigungen sind nicht ausgeschlossen, private Bahnunternehmen zeigen den Weg \u2013 da kann ein Zugf\u00fchrer auch mal alle anderen Arbeiten gleich mit erledigen, um Personal einzusparen. Hansen freut sich auch \u00fcber die Gr\u00fcndung von drei\u00dfig Tochterunternehmen, deren erkl\u00e4rter Zweck neben dem Stellenabbau auch noch Lohndumping ist.<\/strong><em> <\/em><\/p>\n<p><em>von Angelika Teweleit, Berlin<\/em><\/p>\n<p>Hansen ging mit seiner plumpen Art sogar so weit, dass Mehdorn ihn zur\u00fcck pfeifen musste und die Financial Times ihm \u201eopportunistischen Dilettantismus\u201c bescheinigte. Hartmut Mehdorn war nat\u00fcrlich nur besorgt, dass Hansen zu platt ausplauderte, was tats\u00e4chlich in Planung ist. Es ist auch widersinnig, wenn die Verkehrsexperten von FDP, Gr\u00fcnen und SPD, allesamt f\u00fcr die Privatisierung, in der BILD zitiert werden, und sich dar\u00fcber aufregen, dass Hansen offensichtlich f\u00fcr seine Unterst\u00fctzung der Privatisierung belohnt wurde.<\/p>\n<h4>Privatisierung nicht ohne Hansens Hilfe<\/h4>\n<p>Ohne die aktive Mitarbeit der Transnet-F\u00fchrung beim Ausverkauf der Bahn h\u00e4tte die Privatisierung verhindert werden k\u00f6nnen. Es gab zuletzt bei den Besch\u00e4ftigten wie auch in der Bev\u00f6lkerung eine Mehrheit gegen die Privatisierung. Doch diese Ablehnung konnte keinen Ausdruck in breitem Widerstand finden, solange die Transnet-F\u00fchrung alles tat, um die Privatisierung mit umzusetzen \u2013 wie diese Woche mit der Zustimmung der Transnet und GDBA-VertreterInnen im Aufsichtsrat. Proteste durch Organisationen wie \u201eBahn f\u00fcr alle\u201c, die wachsende Stimmung gegen Privatisierung und der Streik der Lokf\u00fchrerInnen hatten das Projekt zeitweilig ins Wanken gebracht. Mithilfe von Hansen konnte der Zug aber wieder aufs Gleis gebracht werden \u2013 indem ein Modell vereinbart wurde, bei dem noch nicht einmal eine Gesetzes\u00e4nderung im Bundestag notwendig ist.<\/p>\n<h4>Gemeinsamer Kampf gegen Privatisierung<\/h4>\n<p>Der neu gew\u00e4hlte GDL-Vorsitzende Weselsky k\u00fcndigt an, dass es mit der GDL keine Dumping-L\u00f6hne in den bis zu drei\u00dfig Tochterunternehmen geben werde. Das ist eine gute Absicht, aber viele werden fragen, inwieweit es m\u00f6glich sein wird, das zu verhindern. Die Zersplitterung in verschiedene kleine Unternehmen wird einen enormen Verlust der Kampfkraft bedeuten. Das alles wurde bei der Telekom bereits vor-exerziert, das Lohnniveau wurde um bis zu 30% abgesenkt.<\/p>\n<p>Es zeigt sich an dieser Stelle deutlich, dass der Kampf f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne mit dem Kampf gegen Privatisierung verbunden werden muss. Notwendig hierf\u00fcr ist der gemeinsame Kampf aller Bahnbesch\u00e4ftigten. Bereits beim Lokf\u00fchrerstreik bestand die Gelegenheit, den Streik auszuweiten. H\u00e4tte die GDL F\u00fchrung die Transnet- und GDBA-F\u00fchrung \u00f6ffentlich dazu aufgefordert, gemeinsam f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne und gegen die geplante Privatisierung mobil zu machen, h\u00e4tte es an der Basis dieser Gewerkschaften Zustimmung gegeben. Doch die GDL-F\u00fchrung sprach sich zwar gegen die Privatisierung aus, tat aber so, als sei es f\u00fcr eine Gewerkschaft nicht m\u00f6glich, einen politischen Kampf dagegen zu organisieren. Die gleiche Argumentation verwendete die ver.di-F\u00fchrung beim Telekom-Streik 2007, als es um die Ausgr\u00fcndung einer Servicegesellschaft ging.<\/p>\n<p>Ein Kampf gegen Privatisierung ist f\u00fcr Gewerkschaften nicht nur m\u00f6glich, sondern sie spielen sogar eine zentrale Rolle, wenn der Kampf erfolgreich sein soll. Mit Streik und Arbeitskampfma\u00dfnahmen k\u00f6nnten Privatisierungsvorhaben gestoppt werden. Zudem muss die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Proteste und Demonstrationen mobilisiert werden.<\/p>\n<h4>Schluss mit Ausverkauf &#8211; f\u00fcr k\u00e4mpferische Gewerkschaften<\/h4>\n<p>Hansen ist ein extrem offensichtlicher Fall eines korrupten Gewerkschaftsbosses, der die Interessen der Belegschaft komplett ausverkauft, um dann offen die Seiten zu wechseln. Doch er ist auch nicht der einzige, der eine solche Laufbahn hinter sich hat. Auch bei den anderen Gewerkschaften, wie bei ver.di und der IG Metall sind solche Beispiele vielf\u00e4ltig. Durch ihre abgehobene Stellung, indem sie mit einem Vielfachen des Gehalts eines durchschnittlichen Arbeitnehmers nach Hause gehen, \u201evergessen\u201c Spitzenfunktion\u00e4re, wie das \u201enormale\u201c Leben so ist. Den erreichten Wohlstand wollen sie nicht hergeben. Im Gegenteil: Beim Wechsel der Seiten lockt die Aussicht auf noch mehr Luxus.<\/p>\n<p>Aber die Ursache f\u00fcr die Korruptheit von f\u00fchrenden Gewerkschaftsfunktion\u00e4ren liegt nicht alleine in der materiellen Abgehobenheit. Gerade jetzt, in Zeiten einer herannahenden \u00f6konomischen Krise, wird die Unf\u00e4higkeit des Kapitalismus immer offensichtlicher. Immer mehr Menschen stellen den Neoliberalismus in Frage, eine gro\u00dfe Mehrheit lehnt Privatisierungen ab. Doch die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit der jetzigen Gewerkschaftsf\u00fchrer stellt das kapitalistische System nicht in Frage. Im Gegenteil, sie haben vor der neoliberalen Offensive in den 90iger Jahren kapituliert, indem sie die Idee einer Gesellschaftsalternative als utopisch verwarfen. Das kapitalistische System ist aber an einen Punkt angelangt, wo allenfalls unter dem riesigen Druck von Massenbewegungen noch kurzfristig Reformen erreicht werden k\u00f6nnen. Diese stehen aber dann gleich wieder zur Disposition. Wer den Kapitalismus als Gesellschaftssystem verteidigt, landet unter heutigen Bedingungen bei den sogenannten Sachzw\u00e4ngen, dem Zwang zum Sparen. Die Folge davon ist Co-Management und Ausverkauf der Belegschaftsinteressen oder Kapitulation. In einigen F\u00e4llen, wie aktuell bei Hansen ist der n\u00e4chste Schritt dann der vollst\u00e4ndige und offene Wechsel auf die Kapitalseite.<\/p>\n<p>Abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte k\u00f6nnen sich weiteren Ausverkauf und abgehobene Gewerkschaftsf\u00fchrer nicht mehr leisten. Von der Basis der Gewerkschaften muss daher an den Aufbau einer k\u00e4mpferischen Opposition gegangen werden, um f\u00fcr die kommenden Auseinandersetzungen gewappnet zu sein. Zentrale Forderungen sind hierbei die jederzeitige W\u00e4hl- und Abw\u00e4hlbarkeit aller Gewerkschaftsfunktion\u00e4re, ein durchschnittlicher Facharbeiterlohn f\u00fcr alle Funktion\u00e4re und Abf\u00fchrung aller Aufsichtsratsgelder an die Gewerkschaftsbewegung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Offensichtlicher geht es sicher nicht mehr. 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