{"id":12658,"date":"2008-05-20T00:00:00","date_gmt":"2008-05-20T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12658"},"modified":"2008-05-20T00:00:00","modified_gmt":"2008-05-20T00:00:00","slug":"12658","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/05\/12658\/","title":{"rendered":"Krankenh&#228;user: &#187;Unterfinanzierung hat fatale Auswirkungen&#171;"},"content":{"rendered":"<p>  Durch Geldmangel in den Kliniken werden medizinische M&#246;glichkeiten nicht   ausgesch&#246;pft. Ein Gespr&#228;ch mit Carsten Becker<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Carsten Becker ist Vorsitzender der ver.di-Betriebsgruppe am Berliner   Uniklinikum Charit&#233; <\/i><\/p>\n<p>  Das Interview f&#252;hrte Daniel Behruzi. Es wurde zuerst ver&#246;ffenticht in   der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2008\/05-17\/052.php\">jungen Welt,   17.5.08<\/a><\/p>\n<h4>  Ver.di beklagt die schlechte Finanzlage der &#246;ffentlichen Krankenh&#228;user.   Wie wirkt sich das in den Kliniken konkret aus?<\/h4>\n<p>  Die Unterfinanzierung hat auf allen Ebenen fatale Auswirkungen. Die   Besch&#228;ftigten sind mit massivem Personalabbau und Lohnk&#252;rzungen   konfrontiert. Zudem drohen allerorten Ausgr&#252;ndungen, Privatisierungen   oder gar die Schlie&#223;ung ganzer H&#228;user. Auch und vor allem die Patienten   bekommen die Folgen zu sp&#252;ren. Durch das System der Fallkostenpauschalen   &#8211; bei dem die Kassen nicht die tats&#228;chlich entstehenden   Behandlungskosten &#252;bernehmen, sondern f&#252;r bestimmte F&#228;lle pauschalierte   Betr&#228;ge zahlen &#8211; stehen die Kliniken unter dem Druck, die Patienten   m&#246;glichst fr&#252;h zu entlassen. Das f&#252;hrt zum Teil zu Verschiebebahnh&#246;fen:   Patienten werden vorzeitig entlassen und dann wegen Folgeerkrankungen   wieder aufgenommen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht rechnet sich das   &#8211; f&#252;r die Patien&#173;ten ganz und gar nicht. Auch sonst wird versucht, die   Kosten so gering wie m&#246;glich zu halten, was dazu f&#252;hrt, da&#223; die   medizinischen M&#246;glichkeiten oftmals nicht vollst&#228;ndig ausgesch&#246;pft   werden.<\/p>\n<p>  Ein weiteres Problem sind die Investitionskosten. Das ist nicht nur aus   Arbeitgebersicht entscheidend, denn wer m&#246;chte schon gerne mit   veralteten Ger&#228;ten in einem halbverfallenen Krankenhaus behandelt   werden? Die Gelder f&#252;r notwendige Modernisie&#173;rungen werden aber nicht   bereitgestellt &#8211; mit verheerenden Auswirkungen auf Besch&#228;ftigte und   Patienten.<\/p>\n<p>  Theoretisch sollen die Kassen die Krankenversorgung &#252;ber die   Fallkostenpauschalen abdecken. Die Investitionen sollen durch staatliche   Zusch&#252;sse finanziert werden. Warum funktioniert das nicht?<\/p>\n<p>  Es ist eine politische Entscheidung, den &#246;ffentlichen Krankenh&#228;usern   nicht ausreichend Investitionsmittel zur Verf&#252;gung zu stellen. Umgesetzt   wird das mit der erw&#228;hnten Deckelung der Budgets, deren Erh&#246;hung bei   weitem unter der Preissteigerungsrate liegt. Deshalb hat die   ver.di-Kampagne &#187;Der Deckel mu&#223; weg&#171; das Ziel, diese Budgetierung   aufzuheben.<\/p>\n<p>  Aber auch das Fallkostenpau&#173;schalensystem zieht eine systematische   Unterfinanzierung des Krankenhauswesens nach sich. Der notwendige   Personalbedarf wird mit den Pauschalen nicht abgedeckt. So werden zum   Beispiel Leasingkr&#228;fte, die im Pflegebereich wegen des eklatanten   Personal&#173;mangels eingesetzt werden, nicht ber&#252;cksichtigt. Noch   verheerender ist, da&#223; die Kliniken die Einsparungen, zu denen sie durch   die Fallkostenpau&#173;schalen gezwungen werden, wieder in das System   eingeben, so da&#223; die Pauschalen im folgenden Jahr noch niedriger   ausfallen. Dadurch wird eine Abw&#228;rtsspirale in Gang gesetzt, die sich   automatisch weiterdreht.<\/p>\n<h4>  Was ist die Alternative zum jetzigen Finanzierungssystem?<\/h4>\n<p>  Die finanzielle Ausstattung der Krankenh&#228;user mu&#223; sich nach den   medizinischen Bed&#252;rfnissen richten, auch wenn   Wirtschaftlichkeitskriterien nat&#252;rlich eine Rolle spielen sollten. Als   erstes m&#252;&#223;te man gucken, wie viele Krankenhausbetten in der jeweiligen   Region gebraucht werden. Man w&#252;rde zu dem Schlu&#223; kommen, da&#223; in vielen   Regionen bereits eine systematische Unterversorgung an station&#228;ren   Betten besteht. Vor allem aber mu&#223; der Personalmangel in den Kliniken   behoben werden, der zur &#220;berlastung der Besch&#228;ftigten f&#252;hrt und die   Patientenversorgung gef&#228;hrdet. Es kann nicht sein, da&#223; diejenigen, die   Kranke pflegen, durch ihre Arbeit selbst krank werden. Ein Mittel   dagegen ist eine deutliche Verk&#252;rzung der Arbeitszeiten.<\/p>\n<p>  Zudem mu&#223; ganz klar sein, da&#223; die Krankenversorgung eine &#246;ffentliche   Aufgabe ist. Wenn sich private Krankenhausbetreiber, die als   multinationale Konzerne fungieren, auf dem Gesundheitsmarkt die   profitablen Ro&#173;sinen herauspicken, l&#228;uft etwas falsch.<\/p>\n<p>  Ver.di hat eine gemeinsame Kampagne mit der Deutschen   Krankenhausgesellschaft f&#252;r eine bessere finanzielle Ausstattung der   Kliniken gestartet. Ist das erfolgversprechend?<\/p>\n<p>  Das h&#228;ngt im wesentlichen von der Kampfkraft der Gewerkschaft ab, nicht   so sehr von den Arbeitgebern. Da&#223; diese in der Frage der   Unterfinanzierung jetzt mit ver.di an einem Strang ziehen, zeigt, wie   prek&#228;r die Situation mittlerweile ist. Die Krankenhausbetreiber haben   die Personalkosten in den vergangenen Jahren so weit gesenkt, da&#223; sie   selbst wissen: An dieser Stellschraube kann nicht mehr viel   weitergedreht werden.<\/p>\n<p>  Dennoch laufen in vielen Kliniken Auseinandersetzungen zwischen   Besch&#228;ftigtenvertretungen und Gesch&#228;ftsleitungen &#252;ber Stellenabbau,   Privatisierungen, Ausgr&#252;ndungen oder Lohnk&#252;rzungen. Ist es vor diesem   Hintergrund nicht ein Problem, wenn ver.di gemeinsam mit den   Arbeitgebern zu Demonstrationen aufruft?<\/p>\n<p>  Zun&#228;chst einmal ist es nicht schlecht, gegen&#252;ber der Politik den   Schulterschlu&#223; mit den &#246;ffentlichen Betreibern zu suchen und gemeinsam   klarzumachen: Die Klinken brauchen mehr Geld. Wenn der Budetdeckel   weggesprengt w&#252;rde, m&#252;&#223;te man sich sicherlich noch dar&#252;ber streiten, wie   das Geld sinnvoll eingesetzt wird. Wichtig ist, da&#223; ver.di in dieser   Kampagne mit eigenen Positionen auftritt, zum Beispiel f&#252;r mehr Stellen   und bessere Bezahlung der Pflegekr&#228;fte und Arbeiter, gegen Ausgr&#252;ndungen   und f&#252;r eine deutliche Arbeitszeitverk&#252;rzung.<\/p>\n<p>  Es darf nicht nur noch um die betriebs&#173;wirtschaftliche Ebene gehen. Wenn   ver.di sich auf &#187;Zukunftssicherungs&#171;- oder sonstige   Absenkungstarifvertr&#228;ge einl&#228;&#223;t, um Investitionen auf Kosten der   Besch&#228;ftigten zu finanzieren, ist das fatal. Der Schwerpunkt mu&#223; f&#252;r die   Gewerkschaft ganz klar darauf liegen, vern&#252;nftige Arbeitsbedingungen und   eine angemessene Bezahlung in den Kliniken durchzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Durch Geldmangel in den Kliniken werden medizinische M&#246;glichkeiten nicht<br \/>\n      ausgesch&#246;pft. 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