{"id":12655,"date":"2008-05-12T00:00:00","date_gmt":"2008-05-12T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12655"},"modified":"2008-05-12T00:00:00","modified_gmt":"2008-05-12T00:00:00","slug":"12655","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/05\/12655\/","title":{"rendered":"Boom der Privatschulen: Klassenbildung statt Bildung in Klassen"},"content":{"rendered":"<p>  In Deutschland bekomme ich nur gute Bildung, wenn meine Eltern das   entsprechende Geld haben. Das erkannte sogar die UN und spricht von   einem Versto&#223; gegen die Menschenrechte, da das Recht auf Bildung nicht   mehr gegeben sei.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von David Redelberger &amp; Hans-Christian Funke, Kassel<\/i><\/p>\n<p>  Im Bildungssystem ist bekannterma&#223;en Einiges im Argen: Schulklassen mit   mehr als 30 Sch&#252;lerInnen, immer mehr LehrerInnen sind &#252;berarbeitet und   &#252;berfordert, so dass immer weniger Zeit f&#252;r die eigentlichen   Unterrichtsinhalte bleibt. Eine unterschiedliche F&#246;rderung einzelner &#8211;   die f&#252;r Kinder aus &#8222;bildungsfernen Schichten&#8220; besonders wichtig w&#228;re &#8211;   ist in diesem System ausgeschlossen. Die Lernmittelfreiheit existiert   nur noch auf dem Papier: Immer &#246;fter m&#252;ssen wir Schulb&#252;cher selbst   kaufen, ganz abgesehen von denen, die sowieso zus&#228;tzlich gebraucht   werden (f&#252;r Klausurvorbereitungen etc.). Vor allem auf Druck   verschiedener Unternehmerverb&#228;nde wurden in ganz Deutschland die   Lehrpl&#228;ne stark verdichtet. Dies f&#252;hrt zu einer massiven Mehrbelastung   der Sch&#252;lerInnen. Um den Anforderungen einigerma&#223;en gerecht zu werden,   m&#252;ssen die Eltern private Nachhilfe bezahlen. Kurz gesagt: das deutsche   Bildungssystem ist ungerecht, marode und h&#228;lt viele Kinder und   Jugendliche mehr vom Lernen ab als es sie dazu anregt.<\/p>\n<h4>  Elite braucht Eliteschulen<\/h4>\n<p>  Es ist also nicht verwunderlich, wenn manche Eltern ihr Kind auf eine   Privatschule schicken &#8211; ist doch dort das Lernen viel angenehmer und   effektiver: Kleine Klassen, erstklassige Ausstattung mit LehrerInnen,   Medien, Geb&#228;uden usw.<\/p>\n<p>  Im Schuljahr 2005\/06 hatten bundesweit 4.637 Privatschulen ihre Pforten   ge&#246;ffnet, das ist gegen&#252;ber 1992 ein Zuwachs von 43,5 Prozent. Jeden Tag   wird zur Zeit eine neue Privatschule er&#246;ffnet.<\/p>\n<p>  Doch wer bezahlt diese Schulen? Ein gro&#223;er Teil des Budgets der   Privatschulen stammt aus der Staatskasse, wird also durch unsere Steuern   mitfinanziert. Au&#223;erdem erheben Privatschulen Schulgeld. So betr&#228;gt zum   Beispiel die Anmeldegeb&#252;hr der &#8222;International school hannover region&#8220;   2500 &#8364;. Wer sein Kind dort in Klasse 11 oder 12 schickt, zahlt 10.990 &#8364;   pro Jahr. W&#228;hrend man also f&#252;r (staatliche) Bildung schon viel Geld   aufwenden muss, braucht man f&#252;r private Schulbildung sehr viel Geld.<\/p>\n<p>  Daher ist es auch vor allem in entsprechend wohlhabenden Kreisen   angesagt, sein Kind auf eine Privatschule zu schicken, viele   Privatschulen richten sich auch besonders danach aus. So stehen in   Nordrhein-Westfalen zwei privaten Hauptschulen 95 private Gymnasien   gegen&#252;ber.<\/p>\n<p>  Das EU-Abkommen &#8220;General agreement of trade in services&#8221; (GATT)   erm&#246;glicht nun auch im Bildungssektor eine weitgehende Privatisierung   der bisher staatlichen Bildung. W&#228;hrend sich Privatschulen auf dem   Vormarsch befinden (in Bayern besuchen bereits 9,8 Prozent der   Sch&#252;lerInnen eine Privatschule), werden staatliche Schulen dicht   gemacht. So wurden zum Beispiel in Sachsen im Zeitraum von 2000 bis 2005   591 &#246;ffentliche Schulen geschlossen, die Zahl der Privatschulen stieg im   gleichen Zeitraum um 54.<\/p>\n<h4>  Bildung ist keine Ware!<\/h4>\n<p>  Das Recht auf allgemeine Schulbildung ist das Resultat langj&#228;hriger   revolution&#228;rer K&#228;mpfe im 19. und 20. Jahrhundert. Ein R&#252;ckfall in   Zeiten, in denen der Geldbeutel der Eltern f&#252;r die Bildung der Kinder   entscheidend war, darf nicht hingenommen werden! Einige der heutigen   Schulen (meist besonders gef&#246;rderte Projektschulen) zeigen Ans&#228;tze davon   auf, wie Bildung entsprechend den Bed&#252;rfnissen der Sch&#252;lerInnen aussehen   k&#246;nnte: Kleine Klassen mit maximal 15 Sch&#252;lerInnen, mehrere Lehrer pro   Klasse und Mitbestimmung der Sch&#252;ler.<\/p>\n<p>  Ein Bildungssystem, das nicht nach den Interessen der Profitwirtschaft   organisiert ist w&#252;rde weitere Aspekte beinhalten: Ein direkter Kontakt   zu Betrieben in der jeweiligen Region w&#252;rde eine breit angelegte,   praxisnahe und abwechslungsreiche Allgemeinbildung, unabh&#228;ngig vom   sp&#228;teren Beruf der Sch&#252;lerInnen, erm&#246;glichen. Das Ellenbogendenken in   der Schullaufbahn geh&#246;rte der Vergangenheit an. Alle, wirklich alle,   k&#246;nnten eine gute Bildung genie&#223;en und jedeR k&#246;nnte sich in seinen   Interessensgebieten weiter spezialisieren.<\/p>\n<p>  Als ersten Schritt in diese Richtung m&#252;ssen die Gewerkschaften, zusammen   mit au&#223;erparlamentarischen Oppositionsgruppen und der Linken den Kampf   f&#252;r eine bessere, eine sch&#252;lerorientierte, differenzierende und   kostenfreie Bildung aufnehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      In Deutschland bekomme ich nur gute Bildung, wenn meine Eltern das<br \/>\n      entsprechende Geld haben. 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