{"id":12649,"date":"2008-05-03T07:00:00","date_gmt":"2008-05-03T07:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12649"},"modified":"2008-05-03T07:00:00","modified_gmt":"2008-05-03T07:00:00","slug":"12649","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/05\/12649\/","title":{"rendered":"Gro&#223;demonstration in Hamburg stoppt Naziaufmarsch am 1. Mai"},"content":{"rendered":"<p>  Am 1. Mai gelang es in Hamburg mit einer Gro&#223;demonstration zu   verhindern, dass eine Demonstration von NPD und freien   Kameradschaften\/freien Nationalisten ihre angek&#252;ndigte Route durch das   Zentrum des Arbeiterstadtteils Barmbek durchf&#252;hren konnten. Durch   wochenlange Mobilisierung im Stadtteil konnten &#252;ber 10.000 Menschen   gegen den Naziaufmarsch auf die Stra&#223;e gebracht werden. Etwa 1000   Faschisten, besch&#252;tzt durch die Polizei, konnten nur auf einer   Alternativroute abseits des Stadtteilzentrums entlang einer Bahnstrecke   marschieren.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Menschen im Stadtteil, informiert vor allem durch die Arbeit von   Gewerkschaftsaktivisten, einer Stadtteilinitiative, Der Linken, Solid   und SAV, hatten antifaschistische Plakate an ihren H&#228;usern angebracht   und unterst&#252;tzten die demonstrierenden Antifaschisten mit Musik und   Wasser, wenn sie nicht selbst an der Demonstration teilnahmen.<\/p>\n<p>  <i>von Bastian und Andreas aus Hamburg <\/i><\/p>\n<p align=\"center\">  <img src=\"\/media\/m\/20080503084058antifa2.jpg\">  <\/p>\n<h4>  DGB-F&#252;hrung hat versagt<\/h4>\n<p>  Die F&#252;hrung des DGB hatte die Route des traditionellen 1. Mai Marsches   ge&#228;ndert, nachdem die Faschisten ihre Demonstration auf der eigentlichen   Route des DGB angemeldet hatten. Begr&#252;ndet wurde dies damit, dass man   sich von den Faschisten nicht die Themen des 1. Mai diktieren lassen   wolle und die 1. Mai Demonstration nicht zu einer antifaschistischen   Veranstaltung verkommen d&#252;rfe. Dies zeigt welch beschr&#228;nktes Verst&#228;ndnis   in der DGB Spitze von Faschismus aber auch von antifaschistischer Arbeit   besteht. Die Trennung von sozialen Forderungen der Arbeiterbewegung und   Kampf gegen Faschisten ist falsch. Nur wenn die sozialen Probleme und   ihre Ursachen benannt und bek&#228;mpft werden, kann den scheinbar sozialen   Parolen der Faschisten das Wasser abgegraben werden (sie marschierten   u.a. unter dem Motto &#8222;sozial geht nur national&#8220;). Eine Verkn&#252;pfung der   traditionellen Themen des 1. Mai und dem Kampf gegen den faschistischen   Aufmarsch w&#228;re also nicht nur m&#246;glich gewesen, sondern absolut   notwendig, um die Demagogie der Nazis zu entlarven. Anstatt sich von den   Nazis die traditionelle Route abnehmen zu lassen, w&#228;re es die Aufgabe   des DGB gewesen, ihre Route aufrecht zu erhalten und gemeinsam mit   anderen linken Gruppen und Organisationen den Faschisten jegliche   M&#246;glichkeit zu nehmen, &#252;berhaupt zu marschieren. Gl&#252;cklicherweise sahen   viele GewerkschaftsaktivistInnen das genauso und kamen lieber zur   antifaschistischen Demonstration und so hat die DGB F&#252;hrung ihre   Quittung bekommen. Lediglich 2000 Menschen kamen zu ihrer Demonstration.<\/p>\n<h4>  Ausschreitungen<\/h4>\n<p>  Im Verlauf der Demonstration kam es, abseits der Demonstration, zu   Ausschreitungen im Stadtteil, die nun im Zentrum aller Medienberichte   stehen. Hier ist es notwendig, genau hinzusehen, was in den Medien &#252;ber   einen Kamm geschert wird. Einige Aktionen waren durchaus erfolgreich um   die Nazis aufzuhalten und an vielen Stellen ging die Gewalt von der   Polizei aus. Es gab aber auch Aktionen, die f&#252;r die Sache &#228;u&#223;erst   sch&#228;dlich waren. Die hervorragende Mobilisierung und die gro&#223;e Sympathie   im Stadtteil wurde durch kopflose Aktionen einzelner torpediert. Der   effektivste Kampf gegen die Faschisten ist und bleibt eine breite   Mobilisierung in der Bev&#246;lkerung. Brennende M&#252;lleimer und Autos, weit ab   von den Nazis, helfen nicht, den Aufmarsch rechter Demagogen zu   verhindern. Sondern sie untergraben auch die in wochenlanger Arbeit   aufgebaute Solidarit&#228;t im Stadtteil. Zudem geben diese unn&#252;tzen Aktionen   der Presse die M&#246;glichkeit eine gro&#223;artige Gegendemonstration als   sinnlose Randale darzustellen und werden nun von b&#252;rgerlichen Politikern   ausgenutzt, um die Notwendigkeit von sch&#228;rferen Auflagen f&#252;r zuk&#252;nftige   Demonstrationen zu fordern.<\/p>\n<h4>  Die Rolle der Medien und der Polizei<\/h4>\n<p>  In den Medien sehen wir fast nur Bilder von brennenden Autos. Es wird   dar&#252;ber diskutiert wie hoch genau das Gewaltpotential war. Inhaltliche   Fragen &#8211; Fehlanzeige! Kein Wort dar&#252;ber warum sich Tausende den Nazis in   den Weg stellen. Der eigentliche lebendige und kreative Protest im   Herzen von Barmbek wird kaum eines Wortes gew&#252;rdigt. Diese Masche der   b&#252;rgerlichen Medien kennen wir schon von Heiligendamm und anderen   Massenprotesten. Wenn die Proteste nicht mehr ignoriert werden k&#246;nnen,   dann wird nur &#252;ber die Ausschreitungen am Rande berichtet. Auf diese   Weise sollen die Protestierenden als gest&#246;rte Chaoten schlecht gemacht   werden. Und es wird Angst gesch&#252;rt, so dass sich Menschen nicht mehr   trauen sich an den Protesten zu beteiligen. Bereits im Vorfeld hatten   einige Zeitungen Horrorszenarios an die Wand gemalt und die   Mobilisierung damit behindert. Das ist ein Grund mehr, sich nicht auf   die manipulierten Massenmedien von Springer, Bertelsmann &amp; Co zu   verlassen, sondern alternative Zeitungen, Websiten usw. aufzubauen.<\/p>\n<p>  Die eigentliche Frage wird bei der b&#252;rgerlichen Berichterstattung   &#252;bergangen: Wieso werden Tausende Polizisten und Wasserwerfer   eingesetzt, um gegen den Willen Tausender Menschen vor Ort einen   Naziaufmarsch durchzusetzen? &quot;Die Aggression und nackte Gewalt ging von   rechter Seite aus&quot;, gibt der Einsatzleiter der Polizei Peter Born   bekannt. Das ist nichts neues. Warum k&#246;nnen sich die Neonazis also   weiterhin unter der sch&#252;tzenden Hand von Polizei und Verfassungsschutz   ungest&#246;rt aufbauen? Mehrere Journalisten wurden von den Faschisten   w&#228;hrend der Demonstration bep&#246;belt und angegriffen. Vor der   Demonstration kaperten vermummte Neonazis einen Regionalzug zwischen   Pinneberg und Hamburg. Durch die Lautsprecheranlage gaben sie Parolen   wie &quot;Ab heute transportiert die Deutsche Bahn AG Ausl&#228;nder und Deutsche   getrennt&quot; und f&#252;r Ausl&#228;nder st&#252;nden &quot;G&#252;terwagen zur Verf&#252;gung&quot; zum   besten. Diese Provokation, ein Naziaufmarsch am 1. Mai, mitsamt der   &#220;bergriffe und rassistischen Hetzparolen, w&#228;re ohne die massive   Unterst&#252;tzung der Polizei nicht m&#246;glich gewesen.<\/p>\n<p>  Die Ereignisse haben erneut best&#228;tigt, dass wir uns beim Kampf gegen   Nazis und Rassisten auf den b&#252;rgerlichen Staat und die Medien nicht   verlassen k&#246;nnen. Es ist notwendig sich eigenst&#228;ndig zu organisieren, um   wirkungsvoll Widerstand zu leisten.<\/p>\n<h4>  Wie k&#246;nnen die Faschisten geschlagen werden?<\/h4>\n<p>  Der Protest gegen den Naziaufmarsch war erfolgreich, trotz der   Behinderungen durch Polizei und b&#252;rgerliche Medien. Ein Grund f&#252;r diesen   Erfolg war die Mobilisierung im Stadtteil und den Gewerkschaften. Es   reicht nicht aus im linken Szeneghetto zu mobilisieren. Individuel   Zerst&#246;rungsaktionen durch Kleingruppen ist, wie oben erkl&#228;rt,   kontraproduktiv. Er schreckt im Gegenteil ab. Entscheidend ist, dass es   uns gelingt mit Tausenden Menschen gemeinsam auf die Stra&#223;e gehen und   selbst aktiv werden. Dann k&#246;nnen uns auch alle Wasserwerfer der   Hamburger Polizei nicht davon abbringen die Nazis zu stoppen! Das   bedeutet im Vorfeld die notwendige Kleinarbeit auf sich zu nehmen, im   Stadtteil f&#252;r die eigenen Ideen zu werben. Das bedeutet w&#228;hrend der   Demonstration f&#252;r unorganiserte TeilnehmerInnen Verantwortung zu   &#252;bernehmen. Und gerade auch nach der Demonstration im Stadtteil pr&#228;sent   zu sein. Wir denken, dass dies der einzige Weg ist die Faschisten   dauerhaft zu schlagen.<\/p>\n<p>  Auf der anderen Seite gen&#252;gt es nicht so viele Menschen wie m&#246;glich auf   die Stra&#223;e zu mobilisieren. Ein Bewegung ohne politische Klarheit l&#228;uft   ins Leere. Es reicht nicht zu sagen &#8222;Nazis sind doof&#8220;. Den Parolen der   Nazis m&#252;ssen wir ein eigenes Programm entgegen stellen wie   Arbeitslosigkeit, Armut oder Umweltzerst&#246;rung &#252;berwunden werden k&#246;nnen.   Das ist in einem B&#252;ndnis mit b&#252;rgerlichen Kr&#228;ften, wie der SPD und den   Gr&#252;nen, nicht m&#246;glich. Was f&#252;r ein Programm soll das sein mit Parteien,   die f&#252;r Hartz IV und andere Schweinereien verantwortlich sind? Der   staatliche Rassismus durch Abschiebungen oder Lagerhaft st&#228;rkt die   Faschisten: Die NPD kann sich als konsequenter Vollstrecker dieser   Politik aufspielen. Was soll ein B&#252;ndnis mit Parteien, die f&#252;r diese   rassistische Abschiebemaschinerie mitverantwortlich sind, dem entgegen   stellen? Der staatliche Rassismus ist derzeit f&#252;r MigrantInnen eine   gr&#246;&#223;ere Bedrohung f&#252;r Leib und Leben als die Nazischl&#228;ger auf der   Stra&#223;e. Die schwarzen und gr&#252;nen Polizisten in Kampfmontur, zeigen was   wir von dem neuen schwarz-gr&#252;nen Senat zu erwarten haben. Wir brauchen   ein antifaschistisches B&#252;ndnis in Hamburg und bundesweit, dass sich   nicht auf die b&#252;rgerlichen Parteien und den Staat verl&#228;sst. Die   Erfahrungen haben gezeigt, dass ein B&#252;ndnis, welches &#252;ber &#8222;Bunt statt   braun&#8220; nicht hinausgeht in seiner politischen Klarheit und   Handlungsf&#228;higkeit sehr begrenzt ist. Wir laden jede und jeden ein, die   mit unseren Perspektiven f&#252;r die antifaschistische Bewegung   &#252;bereinstimmen, mit uns gemeinsam den Erfolg vom 1.Mai in Hamburg   fortzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Am 1. Mai gelang es in Hamburg mit einer Gro&#223;demonstration zu<br \/>\n      verhindern, dass eine Demonstration von NPD und freien<br \/>\n      Kameradschaften\/freien Nationalisten ihre angek&#252;ndigte Route durch das<br \/>\n      Zentrum des Arbeiterstadtteils Barmbek durchf&#252;hren konnten. Durch<br \/>\n      wochenlange Mobilisierung im Stadtteil konnten &#252;ber 10.000 Menschen<br \/>\n      gegen den Naziaufmarsch auf die Stra&#223;e gebracht werden. 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