{"id":12646,"date":"2008-05-18T00:00:00","date_gmt":"2008-05-18T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12646"},"modified":"2012-06-13T11:26:06","modified_gmt":"2012-06-13T09:26:06","slug":"12646","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/05\/12646\/","title":{"rendered":"Die Krise der Weltwirtschaft und ihre Folgen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anfang April tagte das Europ\u00e4ische B\u00fcro des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale (CWI) mit VertreterInnen aus elf L\u00e4ndern. Das Internationale Sekretariat des CWI hatte zu dieser Tagung ein Thesenpapier zu den Konsequenzen der Weltwirtschaftskrise f\u00fcr die Arbeiterklasse erstellt, das wir hier leicht gek\u00fcrzt dokumentieren. <\/strong><\/p>\n<p>Die aktuelle Weltlage ist gepr\u00e4gt vom schlimmsten \u00f6konomischen Szenario f\u00fcr den Kapitalismus seit der Gro\u00dfen Depression der 1930er Jahre. Diese Situation hat im Gegenzug die bereits geschw\u00e4chte Position der dominanten Weltmacht, des US-Imperialismus, noch weiter untergraben. Zusammen mit den negativen Folgen des Irak-Kriegs hat dies die Grundlage f\u00fcr politische Ersch\u00fctterungen und grundlegende Ver\u00e4nderungen der geopolitischen Lage in der kommenden Zeitspanne geschaffen.<\/p>\n<p>Das CWI hat die aktuelle \u00f6konomische Situation in ihren wesentlichen Z\u00fcgen vorhergesagt. Wir haben die Entwicklung des globalen Kapitalismus in der j\u00fcngsten Vergangenheit analysiert und auf die Unausweichlichkeit einer Krise hingewiesen, die zuerst den Finanzsektor treffen und gro\u00dfe Auswirkungen auf die so genannte Realwirtschaft haben w\u00fcrde. Dieselben Faktoren, die den \u00f6konomischen Aufschwung angekurbelt haben \u2013 die kapitalistische Globalisierung und das Wachstum des Welthandels \u2013 haben sich jetzt in ihr Gegenteil verkehrt, indem sie zu einer internationalen Ausbreitung der Krise f\u00fchren. Aufgrund des ungeplanten Charakters des Kapitalismus kann niemand \u2013 nicht einmal die weitsichtigsten Marxisten \u2013 den genauen zeitlichen Ablauf oder die Tiefe von Krisen vorhersagen.<\/p>\n<p>Die Rezession in den USA \u2013 und es ist tats\u00e4chlich eine Rezession \u2013 hat diese Prognose bereits best\u00e4tigt. Wir waren sogar noch vorsichtig bei der Einsch\u00e4tzung des Charakters dieser Rezession. Ganz anders aber die Sprecher und fr\u00fcheren Idole des globalen Kapitalismus. Warren Buffett, der reichste Mann der Welt, erkl\u00e4rt gerade heraus, dass sich die USA bereits in der Rezession befinden.<\/p>\n<p>Die \u00f6konomischen Indikatoren der USA haben nicht nur im Finanzsektor, sondern auch in der Produktion einen Absturz erlebt. Bundesstaaten, die ein F\u00fcnftel der US-Wirtschaft ausmachen, stecken in der Rezession und diese k\u00f6nnte nach Aussage des b\u00fcrgerlichen \u00d6konomen Nouriel Roubini, leicht in eine Depression m\u00fcnden. Die Sch\u00e4tzungen der Kosten der Subprime-Krise in Kombination mit den sich anbahnenden Finanzspritzen zur Rettung der Monoliner (Anleiheversicherer), und den Verlusten bei Autokrediten, kommerziellen Krediten, Kreditkarten usw. k\u00f6nnten seiner Meinung nach zwischen ein und drei Billionen US-Dollar betragen.<\/p>\n<p>Am 5. Februar schrieb er:<\/p>\n<p>\u201eUm die Risiken zu verstehen, denen das Finanzsystem heute ausgesetzt ist, stelle ich den \u201aAlptraum\u2019 oder das \u201aKatastrophenszenario\u2019 vor, das der US-Notenbank und den Finanzbeamten jetzt Sorgen bereitet. Es besteht eine steigende und signifikante Wahrscheinlichkeit, dass solch ein Szenario \u2013 so extrem es auch sein mag \u2013 auftritt. Es beschreibt also nicht ein Ereignis von geringer Wahrscheinlichkeit, sondern ein Ergebnis, das sehr wohl m\u00f6glich ist. (&#8230;)<\/p>\n<p>Beginnen wir mit der Rezession, die jetzt die US-Wirtschaft ergriffen hat. Nehmen wir an \u2013 was wahrscheinlich ist \u2013 dass diese Rezession, die schon im Dezember 2007 begonnen hat, schlimmer sein wird als die milden Rezessionen von 1990 bis 1991 und 2001, die acht Monate dauerten. Die Rezession von 2008 wird aus mehreren Gr\u00fcnden schwerwiegender sein: Erstens haben wir die gr\u00f6\u00dfte Immobilienkrise in der Geschichte der USA und es ist wahrscheinlich, dass die H\u00e4userpreise schlie\u00dflich um zwanzig bis drei\u00dfig Prozent fallen; zweitens wird die anhaltende Kreditkrise aufgrund einer Kreditblase, die \u00fcber die Hypotheken hinausging, und r\u00fccksichtsloser finanzieller Innovationen und Verbriefungen zu einer ernsthaften Kreditklemme f\u00fchren; drittens haben die US-amerikanischen Haushalte, deren Konsum mehr als 70 Prozent des BIP ausmacht, jahrelang weit \u00fcber ihre Verh\u00e4ltnisse gelebt und jetzt einen riesigen Schuldenberg angeh\u00e4uft, sowohl aus Hypotheken als auch anderweitig; jetzt, wo die H\u00e4userpreise fallen und eine schwere Kreditklemme aufkommt, wird die Verringerung des privaten Konsums ernst und von langer Dauer sein. Nehmen wir also an, dass die Rezession 2008 mindestens vier Quartale dauern wird und m\u00f6glicherweise bis zu sechs Quartale. Was werden die Konsequenzen sein? (&#8230;)<\/p>\n<p>Dies ist die schlimmste Immobilienflaute in der Geschichte der USA und es gibt keinen Hinweis, dass die Talsohle auf absehbare Zeit erreicht wird. An diesem Punkt ist klar, dass die US-Immobilienpreise zwanzig bis drei\u00dfig Prozent unter ihren H\u00f6chststand fallen werden; Das w\u00fcrde zwischen vier und sechs Billionen US-Dollar an Privatverm\u00f6gen vernichten. W\u00e4hrend der Zusammenbruch des Subprime-Markts wahrscheinlich ungef\u00e4hr 2,2 Millionen Zwangsvollstreckungen ausl\u00f6sen wird, w\u00fcrde ein 30-prozentiger Fall der Immobilienwerte bedeuten, dass \u00fcber zehn Millionen Haushalte ein negatives Eigenkapital auf ihren H\u00e4usern und einen gro\u00dfen Anreiz h\u00e4tten, \u201ajingle mail\u2019 zu benutzen (das hei\u00dft, die Haust\u00fcrschl\u00fcssel in einen Briefumschlag zu stecken und an ihre Hypothekenbank zu schicken). Dar\u00fcber hinaus werden fr\u00fcher oder sp\u00e4ter einige sehr gro\u00dfe Bauunternehmen bankrott gehen und sich den Dutzenden von kleineren Firmen anschlie\u00dfen, die bereits bankrott sind, was zu einem erneuten freien Fall der Aktienkurse von Bauunternehmen f\u00fchren wird, die sich irrationalerweise in den letzten Wochen trotz der versch\u00e4rften Immobilienkrise erholt haben.\u201c<\/p>\n<p>Dem folgte am 29. Februar folgende Aussage:<\/p>\n<p>\u201eDies sind enorme Betr\u00e4ge, die s\u00e4mtliches Kapital des US-amerikanischen Bankensystems ausl\u00f6schen und zu einer systemischen Bankenkrise f\u00fchren w\u00fcrden. Im schlimmsten Fall, wenn die Verluste bei den Hypotheken eine Billion US-Dollar (oder im Extremfall zwei Billionen US-Dollar) betragen, statt 300 Milliarden US-Dollar wie in der bisherigen Sch\u00e4tzung, und wenn zu diesen Krediten die zus\u00e4tzlichen Kreditverluste der Konsumkredite, des kommerziellen Grundst\u00fcckshandels, der fremdfinanzierten Kredite, usw. in H\u00f6he von weiteren 700 Milliarden US-Dollar hinzukomen, werden sich die Gesamtverluste f\u00fcr das Finanzsystem auf mindestens 1,7 Billiarden US-Dollar (eine Billiarde US-Dollar plus 700 Milliarden US-Dollar) und bis zu 2,7 Billiarden US-Dollar (2 Billiarden US-Dollar plus 700 Milliarden US-Dollar) addieren. 1,7 Billiarden US-Dollar ergeben maximale Kosten f\u00fcr Finanzspritzen an Unternehmen in H\u00f6he von ungef\u00e4hr zw\u00f6lf Prozent des BIP (nicht sieben Prozent), w\u00e4hrend 2,7 Billionen US-Dollar Kosten in H\u00f6he von ungef\u00e4hr 19 Prozent des BIP ergeben. (&#8230;)<\/p>\n<p>Nun sind 12 Prozent des BIP nicht aus der Portokasse zu finanzieren und 19 Prozent des BIP sind definitiv eine niederschmetternde Summe (zehn mal mehr als die Kosten der Sparkassenkrise f\u00fcr die \u00f6ffentlichen Finanzen). Nat\u00fcrlich werden Teile der Verluste von den Aktion\u00e4ren der Banken und Finanzinstitutionen getragen werden; aber eine saubere und faire Rettung des Finanzsystems mit Haushaltsmitteln \u2013 das die Kosten f\u00fcr die \u00f6ffentlichen Finanzen reduziert \u2013 w\u00fcrde bedeuten, zuerst alle Aktion\u00e4re aus diesen Institutionen zu entfernen (da deren Kapital\/Eigenkapital durch solche Verluste vollst\u00e4ndig vernichtet wird) und eine formale Verstaatlichung eines gro\u00dfen Teils des Banken- und Finanzsystems durchzuf\u00fchren. Und in solch einem Szenario muss man wieder die Frage stellen: Was bringt eine m\u00f6glichen Verstaatlichung eines gro\u00dfen Teils des Finanzsystems des am h\u00f6chsten entwickelten kapitalistischen Landes der Welt alles mit sich?\u201c<\/p>\n<p>Genau! Die Angst vor solch einer Situation hat die US-Notenbank dazu bewegt, in den letzten sechs Monaten gemeinsam mit anderen Zentralbanken in drei F\u00e4llen zu intervenieren. F\u00fcr den neuesten Fall wirdt eine Kreditlinie in H\u00f6he von 436 Milliarden US-Dollar vorgeschlagen, ein verzweifelter Versuch, die Blockade des Kreditsystems \u2013 der Arterien des modernen Finanzkapitalismus \u2013 aufzubrechen, die, in Marx\u2019 Worten, droht, das ganze System zu blockieren. Was Europa und den Rest der Welt angeht befinden wir uns erst am Anfang dieser Krise (Die USA befinden sich jetzt im 18. Monat der Subprime-Krise). Das ist ein \u00f6konomischer Tsunami und wie das Naturph\u00e4nomen im Jahr 2004, das eine gewisse Zeit brauchte, um \u00fcber den Indischen Ozean nach Sri Lanka und Indien zu gelangen, gibt es eine gro\u00dfe Zeitverz\u00f6gerung zwischen den USA und dem Rest der Welt. Der Verz\u00f6gerungseffekt ist nat\u00fcrlich nicht in Stunden zu messen wie beim physischen Tsunami, sondern in Monaten (und, in manchen Gegenden, m\u00f6glicherweise ein Jahr), bis die vollen Auswirkungen im Rest der Welt sp\u00fcrbar werden.<\/p>\n<p>Roubinis \u201aKatastrophenszenario\u2019 wird von Personen wie Martin Wolf von der Financial Times in Frage gestellt. Dennoch brachte selbst er das realistische Szenario einer \u201akleinen Depression\u2019 vor. Roubini antwortete auf seine Zweifel:<\/p>\n<p>\u201eMan pflegte zu sagen, &#8222;eine Million hier, eine Million da und bald ist die Rede von echtem Geld\u2019. In diesem Fall m\u00fcssen wir den Spruch korrigieren, so dass es hei\u00dft: \u201aEine Billiarde hier, eine Billiarde da und bald ist die Rede von atemberaubenden Geldsummen und massiven Kosten f\u00fcr staatliche Finanzspritzen&#8220;. Martin Wolf sagt, dass Kosten f\u00fcr den Fiskus in H\u00f6he von sieben Prozent des BIP bescheiden und finanziell tragbar seien. Aber die obige Analyse legt nahe, dass die Kosten f\u00fcr die Rettung eines Bank- und Finanzsystems, das in einer systemischen Krise steckt, mindestens zw\u00f6lf Prozent des BIP und bis zu 19 Prozent des BIP betragen w\u00fcrde. Selbst ein reiches Land wie die USA kann 19 Prozent des BIP (oder 2,7 Billiarden US-Dollar zus\u00e4tzlicher \u00f6ffentlicher Schulden) nicht aus der Portokasse bezahlen, noch ist das eine \u201afiskalische Bagatelle\u2019. Und jeden US-amerikanischen Haushalt auf Dauer mit weiteren 30.000 US-Dollar Schulden zu belasten, ist auch keine kleine Last. Und alles stimmt auch dann noch, wenn man von den \u00fcbrigen zehn Billiarden US-Dollar zus\u00e4tzlichen Verlusten im Nettowert des amerikanischen Privatsektors absieht (fallende Werte von Wohngrundst\u00fccken und kommerziell genutzten Grundst\u00fccken und des Aktienmarkts), die eine schwere Rezession und Finanzkrise mit sich bringen w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Der Zusammenbruch von Bear Stearns, der US-Investment-Bank, unterstreicht zus\u00e4tzlich das Ausma\u00df der Krise. Wie die Bank of England bei Northern Rock, hat die US-Notenbank diese, die f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte US-amerikanische Investmentbank, faktisch verstaatlicht. Wolf bem\u00fcht sich zu sagen, dass die Rettung des Finanzsystems nicht dasselbe ist wie der &#8222;crony capitalism&#8220; (kapitalistische G\u00fcnstlingswirtschaft), der in der Asiatischen Finanzkrise 1997 in den Schwellenl\u00e4ndern auftrat. Roubini antwortet: \u201eDies ist tats\u00e4chlich \u201acrony capitalism\u2019 der schlimmsten Sorte, und so schlimm wie der, der die \u00d6konomien der Schwellenl\u00e4nder befallen hatte und zu deren schweren Finanzkrisen in der letzten Dekade gef\u00fchrt hat.\u201c<\/p>\n<p>Die blo\u00dfe Tatsache, dass zwischen den ernsthafteren b\u00fcrgerlichen \u00d6konomen ein \u00f6ffentlicher Streit \u2013 auch wenn er \u201afreundlich\u2019 ist \u2013 \u00fcber die Aussichten ihres Systems stattfinden kann, ist ein Ma\u00dfstab daf\u00fcr, wie schwer diese Krise wahrscheinlich sein wird. Es gibt keine Kontroverse dar\u00fcber, ob eine Rezession stattfinden wird, sondern nur \u00fcber ihre Tiefe und Dauer. Jedoch wird diese Krise wahrscheinlich nicht von kurzer Dauer sein, sondern im Gegenteil l\u00e4nger anhalten, tiefer sein und wahrscheinlich schlimmere Folgen haben, als alle vorherigen Rezessionen seit dem Zweiten Weltkrieg. Selbst wenn der \u00f6konomische Abschwung nur halb so gro\u00df ist, wie Roubinis Sch\u00e4tzung besagt, wird er dennoch schwerwiegend genug sein, um gro\u00dfe soziale und politische Ersch\u00fctterungen zu verursachen.<\/p>\n<h4>Lektionen von Japan<\/h4>\n<p>Unser Vergleich zwischen der japanischen Wirtschaft in den 1990er Jahren und den USA heute wird von den b\u00fcrgerlichen Wirtschaftskommentatoren nun oft gezogen. Japan war zw\u00f6lf Jahre lang in einer Deflationsfalle und schaffte es nur in der Zeit direkt vor dem Beginn der Krise, teilweise aus dem Morast zu kriechen. Die japanische Bourgeoisie griff auf eine Reihe von Ma\u00dfnahmen quasi-keynesianischen Charakters zur\u00fcck \u2013 dies ging so weit, dass an einem Punkt die so genannte \u201aHelikopter-Theorie\u2019 in Umlauf gebracht wurde: das Berieseln der Bev\u00f6lkerung mit Yen aus dem Himmel \u2013 alles ohne Erfolg. Dennoch war Japan in einer wesentlich vorteilhafteren Situation, als die USA heute, da es auf angeh\u00e4ufte R\u00fccklagen zur\u00fcckgreifen konnte, um die Effekte der \u00f6konomischen Not abzufedern, auch wenn sie nicht ausreichten, um aus dem finanziellen Bermuda-Dreieck auszubrechen, in dem das Land gefangen war. Die USA haben keine solchen Vorteile, sie sind bis \u00fcber beide Ohren verschuldet; Sie sind ein massiver Schuldner gegen\u00fcber dem Rest der Welt. Dar\u00fcber hinaus hat der ausl\u00e4ndische Kapitalismus, insbesondere der asiatische Kapitalismus unter der F\u00fchrung von China und Japan, die US-Wirtschaft bereits gest\u00fctzt, indem er seine riesigen Reserven genutzt hat, um die g\u00e4hnenden L\u00f6cher des US-Defizits zu stopfen.<\/p>\n<p>Auch wenn sie diesen Rettungsanker willkommen hei\u00dft, hat die US-Bourgeoisie gleichzeitig Kapital aus China und dem Nahen Osten davon abgehalten, gro\u00dfe Brocken der zusammenbrechenden US-Industrie zu schlucken, zum Beispiel bei dem Versuch, ein Veto gegen den Kauf von amerikanischen H\u00e4fen durch Dubai einzulegen. Da sie sich jetzt noch mehr auf ausl\u00e4ndisches Kapital st\u00fctzen m\u00fcssen, haben die USA gezwungenerma\u00dfen die Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr die \u00dcbernahme US-amerikanischen Verm\u00f6gens durch \u201aAusl\u00e4nder\u2019 gelockert. Dies schlie\u00dft auch die Staatsfonds von China und dem Nahen Osten ein, wobei letztere durch gewaltige Reserven an Petrodollars versorgt werden. Dies jedoch unterstreicht nur die kolossale \u00f6konomische Schw\u00e4che des US-Imperialismus und die daraus resultierenden Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus werden sich abzeichnende Ereignisse wahrscheinlich die Position der USA weiter untergraben. Genau wie bei einem Boom ein \u00f6konomischer Faktor auf andere wirkt verst\u00e4rkend wirkt, haben negative Faktoren den entgegengesetzten Effekt, einen Abschwung, eine Rezession oder eine Krise in derselben Weise zu verst\u00e4rken. Die Subprime-Krise hat eine Bankenkrise verursacht, die wiederum zu einer Kreditklemme \u2013 mitsamt einer Krise bei den Interbank-Krediten \u2013 und jetzt zu einem \u201aKreditkollaps\u2019 gef\u00fchrt hat . So formulierte es der fr\u00fchere Chef\u00f6konom des IWF, Kenneth Rogoff. Dieser Kollaps hat wiederum mit anderen Sektionen des Finanzsektors interagiert, was jetzt zu Reaktionen in der Realwirtschaft der USA f\u00fchrt, die sich in n\u00e4chster Zeit verst\u00e4rken werden.<\/p>\n<p>Auch geo-politische Faktoren haben diese Situation gef\u00f6rdert, vor allem die Katastrophe im Irak. Die formale Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung von Kosova k\u00f6nnte auch eine Erneuerung des ethnischen B\u00fcrgerkriegs auf dem Balkan ausl\u00f6sen. Die Neo-Konservativen haben vor der Invasion des Irak eine grobe Berechnung angestellt und geschlussfolgert, dass das Land \u00fcber unerschlossene \u00d6lreserven im Wert von mindestens zw\u00f6lf Billiarden US-Dollar verf\u00fcge. Selbst wenn der Krieg \u201aim Extremfall\u2019 eine Billiarde Dollar kosten w\u00fcrde, w\u00e4re er diesen Preis wert. Sie kalkulierten, dass billiges irakisches \u00d6l ein Wiederaufleben der Weltwirtschaft befruchten und gleichzeitig den USA und ihren Verb\u00fcndeten erlauben w\u00fcrde, die Macht der OPEC zu brechen, indem es den \u00d6lpreis auf zehn oder gar sechs US-Dollar pro Barrel senken w\u00fcrde. Hugo Ch\u00e1vez w\u00fcrde gest\u00fcrzt werden, mit dem zus\u00e4tzlichen Bonus, dass die Mullahs im Iran auch ins Gras bei\u00dfen w\u00fcrden. Allerdings, um den schottischen Poeten Robbie Burns zu zitieren, \u201eThe best laid plans of mice and men have gone astray\u201d (Die am besten ausgearbeiteten Pl\u00e4ne von M\u00e4usen und Menschen sind fehlgeschlagen.) Als dieses Dokument verfasst wurde, hatten die \u00d6lpreise ein Rekordhoch von 100 US-Dollar pro Barrel erreicht. Es hat auch eine Flucht zum Gold gegeben, das jetzt historische Werte um 1.000 US-Dollar pro Unze erreicht hat, als sichere Wertanlage, wie Marx argumentiert hat. Der Anstieg der \u00d6lpreise verst\u00e4rkt die Probleme des weltweiten Kapitalismus. Jeder Rezession seit 1945 ging ein Anstieg des \u00d6lpreises voran.<\/p>\n<h4>Irak<\/h4>\n<p>Auch wenn Bush und sein Statthalter Petraeus von einem \u201aErfolg\u2019 sprechen, hat die Truppenaufstockung im Irak ihre Ziele nicht erreicht. Die Zahl amerikanischer Opfer, die in letzter Zeit wieder angestiegen ist, ging zun\u00e4chst vor allem deswegen zur\u00fcck, weil die USA sunnitische Milizen, die zuvor Al-Qaida unterst\u00fctzt und gest\u00e4rkt hatten, finanziert haben, damit sie ihren fr\u00fcheren Verb\u00fcndeten in den R\u00fccken fallen. Irak ist aber gespaltener denn je, sowohl sunnitische als auch schiitische Milizen sind untereinander und mit den US-Besatzern bis aufs Blut verfeindet. Wenn die US-amerikanischen Kr\u00e4fte zum Abzug gezwungen werden, und sei es nur zu den geplanten regionalen Milit\u00e4rbasen, k\u00f6nnten sich die grundlegenden ethnischen Spaltungen und Spannungen erneut in einem sunnitisch-schiitischen B\u00fcrgerkrieg entladen. Selbst wenn der Irak nicht komplett zerbricht, k\u00f6nnte er enden wie der Libanon; ein Flickenteppich von sich heftig bek\u00e4mpfenden ethnischen Einflusssph\u00e4ren und Enklaven. Die Kurden waren die einzige Gruppe der irakischen Bev\u00f6lkerung, die die US-Invasion uneingeschr\u00e4nkt unterst\u00fctzt hat. Wir haben damals gewarnt, dass die USA die Kurden verraten werden, wenn ihre existenziellen Interessen auf dem Spiel stehen. Dies zeigte die Invasion der T\u00fcrkei in Kurdistan, die vom Bush-Regime toleriert wurde, nachdem dieses die PKK als \u201aterroristische Organisation\u2019 verurteilt hatte.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei ist letztendlich eine wichtigere St\u00fctze der USA in der Region als die kurdische Gebietsk\u00f6rperschaft im Nordirak. Erdogans Partei, die Partei f\u00fcr Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) hat versucht, sich als eine islamische Version der deutschen Christdemokraten zu pr\u00e4sentieren: Sie geben sich der Religion verbunden, aber \u201ademokratisch\u2019. Sie hat in letzter Zeit wachsende Unterst\u00fctzung bei der kurdischen Minderheit in der T\u00fcrkei gewonnen, aber diese wurde durch die Invasion nachhaltig untergraben. Der Konflikt mit den Kurden innerhalb der T\u00fcrkei wird sich jetzt wahrscheinlich verst\u00e4rken und k\u00f6nnte sich auf benachbarte Staaten mit einem gr\u00f6\u00dferen kurdischen Bev\u00f6lkerungsanteil ausbreiten, wie Syrien, Iran und den Nordirak selbst.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sind die bereits katastrophalen Kosten der Milit\u00e4rinvasion und ihrer Folgen im Irak f\u00fcr die USA exponentiell gestiegen, wie der fr\u00fchere Chef\u00f6konom der Weltbank, Joseph Stiglitz, festgestellt hat. Er hat in einem k\u00fcrzlich erschienenen Buch stichhaltig argumentiert, dass die endg\u00fcltigen Kosten eher drei Billiarden US-Dollar betragen werden, zwei- oder dreimal mehr als selbst in den Berechnungen f\u00fcr das \u201adoomsday Szenario\u2019 zum Zeitpunkt der Invasion angenommen. Zehn Tage im Irak kosten die USA mehr als die gesamte j\u00e4hrliche Hilfe der USA an Afrika! Angesichts der zugrundeliegenden \u00f6konomischen Schw\u00e4che der US-Wirtschaft, stellt sich das Dilemma, wie die aufgebl\u00e4hten Milit\u00e4rausgaben aufgebracht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es hat Vergleiche gegeben zwischen den USA und dem r\u00f6mischen Imperium. In Anlehnung an Fidel Castro und Hugo Ch\u00e1vez nennen viele in der neokolonialen Welt die USA schlicht das \u201aEmpire\u2019. Wie wir wissen, waren selbst b\u00fcrgerliche Kommentatoren, vor allem die Neo-Konservativen, mit diesem Vergleich zufrieden, da es zun\u00e4chst eine Fortsetzung ungehinderter milit\u00e4rischer Macht implizierte, die es den USA erlauben w\u00fcrde, dem Rest der Welt ihren Willen aufzuzwingen. Das war die vorherrschende Meinung, als die USA in der Folge des 11. September unaufhaltbar schienen, zun\u00e4chst in Afghanistan und dann in der als \u201ashock and awe\u2019 (Angst und Schrecken) bezeichneten Anfangsphase der Irak-Invasion. Allerdings brachte der Krieg die inter-imperialistischen Rivalit\u00e4ten zum Vorschein, die in der voran gegangenen Periode geschwelt haben. Wir sollten uns daran erinnern, dass der US-Imperialismus es geschafft hat, seine Verb\u00fcndeten \u2013 vor allem Japan, Deutschland und Saudi-Arabien \u2013 dazu zu bringen, f\u00fcr den ersten Golfkrieg Anfang der 1990er Jahre zu bezahlen. In einer v\u00f6llig anderen Situation in der heutigen Welt, in der die H\u00e4lfte der europ\u00e4ischen Regierungen und die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Bev\u00f6lkerung auf dem Kontinent gegen die Bush-Clique und ihren Krieg sind, waren die USA nicht in der Lage, den anderen die Rechnung aufzudr\u00fccken. Die folgenden massiven Kosten f\u00fcr die US-\u00d6konomie waren zweifellos, wie Stiglitz dargelegt hat, ein weiterer Faktor bei der Verschlimmerung der \u00f6konomischen Probleme der USA und damit auch des weltweiten Kapitalismus.<\/p>\n<h4>Iran<\/h4>\n<p>Aber je tiefer die USA in den Sumpf des Irak-Kriegs gezogen wurden, desto abenteuerlustiger wurden Bush und seine Clique. Es ist nicht ausgeschlossen, dass eine Bombardierung des Iran stattfindet, noch bevor dieses niedergehende Regime von der B\u00fchne der Geschichte verschwindet. Die Sanktionen, die \u00fcber den Iran verh\u00e4ngt wurden, nachdem dieser sich geweigert hatte, sein Atomprogramm aufzugeben, haben die iranischen Hardliner hinter Ahmadinedschad gest\u00e4rkt. Dies unterstrichen die iranischen \u201aWahlen\u2019, bei denen die kompromisslosen fundamentalistischen Kr\u00e4fte hinter dem geistlichen Oberhaupt Khamenei und Ahmadinedschad trotz der hohen Arbeitslosigkeit und anhaltenden Armut gest\u00e4rkt wurden.<\/p>\n<p>Eine Warnung vor den Konsequenzen einer Bombardierung des Iran war der R\u00fccktritt des Admirals William Fallon, Kommandeur der US-Kr\u00e4fte in Irak und Afghanistan. Dies ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass die gro\u00dfe Mehrheit der US-Milit\u00e4rf\u00fchrung wei\u00df, dass die USA nicht zwei gr\u00f6\u00dfere Kriege gleichzeitig f\u00fchren k\u00f6nnen. Die Bombardierung des Iran w\u00fcrde, sehr vorsichtig ausgedr\u00fcckt, zu einer Versch\u00e4rfung des Chaos im Nahen Osten f\u00fchren. Der Iran w\u00fcrde wesentlich konsequenter im Irak intervenieren, was zum vollst\u00e4ndigen Zerbrechen der fragilen \u201aEinheit\u2019 des Landes in drei getrennte Einheiten f\u00fchren w\u00fcrde. Au\u00dferdem w\u00fcrde dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer verst\u00e4rkten Konfrontation zwischen Israel und der Hisbollah f\u00fchren, was angeheizt durch die verschlechterte Situation der Pal\u00e4stinenser und der Blockade von Annapolis zu einem neuen Krieg im Nahen Osten f\u00fchren k\u00f6nnte. Dies w\u00fcrde wiederum die Pl\u00e4ne der USA bedrohen, Milit\u00e4rbasen in der Region als St\u00fctzpunkte zu behalten, um die \u00d6lressourcen des Nahen Ostens und die Regime, die ihre Interessen vertreten, zu verteidigen. Diese sind immer noch lebenswichtig, um die US- und Weltwirtschaft in Gang zu halten.<\/p>\n<h4>US-Imperialismus<\/h4>\n<p>Gleichzeitig wird der US-Imperialismus als zentrale milit\u00e4rische und immer noch st\u00e4rkste verbleibende \u00f6konomische Kraft gezwungen sein, sich von der unilateralen Politik der Bush-\u00c4ra abzuwenden, egal wer die Pr\u00e4sidentschaftswahlen im November gewinnt. Die unipolare Welt der Neokonservativen ist verschwunden, um durch eine st\u00e4rker \u201akonsensuale\u2019, \u201amultipolare\u2019 Politik ersetzt zu werden, die wahrscheinlich vom k\u00fcnftigen Pr\u00e4sidenten angestrebt werden wird. Der Kandidat der Republikaner McCain ist in internationalen Fragen ein Falke \u2013 er erkl\u00e4rt, er w\u00fcrde noch hundert Jahre im Irak bleiben \u2013 und angeblich innenpolitisch \u201aliberal\u2019. Es ist unwahrscheinlich, dass er gewinnt, angesichts der \u00f6konomischen Katastrophe, die jetzt in den K\u00f6pfen der amerikanischen Bev\u00f6lkerung fest mit dem Bush-Regime verkn\u00fcpft ist.<\/p>\n<p>78 Prozent der Bev\u00f6lkerung glauben, dass die USA sich \u201eauf dem Holzweg befinden\u201c. Wie die Tories nach Thatcher tragen die Republikaner das Kain-Mal wegen Bushs Desaster. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass die Demokraten sowohl die innenpolitische als auch die au\u00dfenpolitische Unordnung erben werden, die er hinterlassen hat. Ihre Au\u00dfenpolitik wird durch die R\u00fcckschl\u00e4ge gepr\u00e4gt sein, die der US-Imperialismus in den letzten acht Jahren erlitten hat. Sie haben als st\u00e4rkste milit\u00e4rische und \u00f6konomische Macht keine andere Wahl als weiterhin weltweit einzugreifen, aber sie werden dies von einer geschw\u00e4chten Position aus tun. Der so genannte \u201awohlwollende, liberale Imperialismus\u2019 wird die neue Doktrin werden. Die USA k\u00f6nnen immer noch mit Rom verglichen werden \u2013 nicht in seinem Aufstieg, der \u201aHeldenperiode\u2019, sondern in der Phase der Stagnation und Desintegration des Imperiums. Rom konnte seine Position milit\u00e4risch Jahrhunderte lang halten, obwohl die \u00f6konomische Basis immer morscher wurde, als die Sklaverei sich als \u00fcberholtes \u00f6konomisches Konzept entpuppte. Die Gesellschaft stagnierte und l\u00f6ste sich sogar teilweise unter dem Druck der barbarischen Horden auf. Die Gesellschaft konnte sich nur durch die Abschaffung der offenen Sklaverei und ihre Ersetzung durch b\u00e4uerliche Arbeit weiter entwickeln, wenn auch mit dem milit\u00e4rischen Apparat und der Ausbeutung des Feudalismus. Rom konnte nicht gerettet werden, weil es keine Klasse gab, die in der Lage gewesen w\u00e4re, einen Weg nach vorne aufzuzeigen. Das r\u00f6mische \u201aProletariat\u2019 lebte auf Kosten der Gesellschaft, anders als die moderne Arbeiterklasse, die die Grundlage f\u00fcr den \u00f6konomischen Aufstieg und die Fortdauer des Kapitalismus war. Sie beh\u00e4lt ihre historische Rolle, trotz der verdorbenen F\u00fchrung an der Spitze ihrer Organisationen, vor allem der Gewerkschaften.<\/p>\n<p>Die USA, das \u201aneue Rom\u2019, werden Einfluss und Macht mit den aufsteigenden Kr\u00e4ften teilen m\u00fcssen, die implizit ihre Vorherrschaft angreifen, vor allem in Asien und dort speziell China. Wir haben diese Frage oft kommentiert, aber die vertr\u00e4umten Prognosen der b\u00fcrgerlichen Kommentatoren, die von der chinesischen Elite geteilt werden, dass ein \u201afriedlicher Aufstieg Chinas\u2019 m\u00f6glich ist, sind unrealistisch. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der britische Imperialismus durch das aufsteigende Deutschland herausgefordert, das \u00f6konomisch um die Jahrhundertwende aufgeholt hatte. Der harte Wettbewerb um M\u00e4rkte, Rohstoffe, Einfluss, etc. m\u00fcndete in der Konfrontation des Ersten Weltkriegs. Diesem folgte ein anf\u00e4nglicher Konflikt zwischen der ehemals dominanten Kraft Gro\u00dfbritannien, und dem neuen Giganten, den USA. Trotzki nahm eine Zeit lang an, dass sogar ein Krieg zwischen den USA und Gro\u00dfbritannien ausbrechen k\u00f6nnte. Aufgrund der Ver\u00e4nderung der Situation in den 1920er und 1930er Jahren, vor allem wegen der Bedrohung durch den Fortschritt Russlands und dem neuen Hunger Deutschlands, seine alte Position zur\u00fcckzugewinnen, trat dies nicht ein. Ein neuer Weltkrieg ist in der jetzigen \u00c4ra ausgeschlossen \u2013 aufgrund des nuklearen Gleichgewichts des Schreckens. Aber es stehen Zusammenst\u00f6\u00dfe an aufgrund von zweitrangigen Fragen, die au\u00dfer Kontrolle zu geraten drohen, wie zum Beispiel die Taiwan-Frage.<\/p>\n<h4>China<\/h4>\n<p>China ist eine viel gr\u00f6\u00dfere \u201astrategische Gefahr\u2019 f\u00fcr die USA, als Japan es in den 1980er Jahren je war. Wir haben nicht nur das Aufkeimen seiner \u00f6konomischen Macht gesehen, sondern auch der Milit\u00e4rausgaben und des \u00f6konomischen Know-hows. Diese ist den USA zum jetzigen Zeitpunkt noch immer weit unterlegen, aber in die Zukunft projiziert wird die momentane Wachstumsrate China in eine Kollision mit den USA treiben. Allerdings werden dieselben Faktoren, die f\u00fcr Chinas Erfolg verantwortlich sind \u2013 das Wachstum der Industrie, und damit auch der Arbeiterklasse \u2013 in Widerspruch zu dieser Perspektive geraten. Die Idee, dass China gemeinsam mit anderen \u2013 den so genannten BRICs (Brasilien, Russland, Indien und China, A.d.\u00dc.)\u2013 dem Weltkapitalismus einen Rettungsanker werfen k\u00f6nnte, wird nicht weiter als ernste Option gesehen. Vor gerade einmal sechs Monaten wurde diese Vorstellung noch von b\u00fcrgerlichen Kommentatoren vertreten, w\u00e4hrend wir sie zur\u00fcckgewiesen haben.<\/p>\n<p>Der starke R\u00fcckgang des Konsums in den USA wird sich auf China dramatisch auswirken. Dar\u00fcber hinaus wird ein R\u00fcckgang des Imports naturgem\u00e4\u00df zu einer Verlangsamung der chinesischen Wachstumsrate f\u00fchren, und die Flaute wird nicht durch den chinesischen Binnenkonsum ausgeglichen werden. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnte sogar China selbst ein Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Vertiefung der \u00f6konomischen Krise des weltweiten Kapitalismus sein, der die Abw\u00e4rtsspirale verst\u00e4rkt, die wiederum auf China zur\u00fcckwirken w\u00fcrde. Die Konsumentenbasis Chinas ist zu gering, um die Effekte des Abschwungs der Weltwirtschaft auf das Land abzufedern. Die Situation, der die USA, die Welt und auch die internationale Arbeiterbewegung gegen\u00fcber stehen, ist nicht nur eine Krise, sondern eine ganze Kette von Krisen, die sich in die Zukunft ausbreiten. Die unmittelbare Ursache von Aufst\u00e4nden in China, die angesichts der bestehenden gro\u00dfen sozialen Spannungen in einer Revolution in China m\u00fcnden w\u00fcrden, wird vielleicht nicht in einer Abschw\u00e4chung des Wachstums, sondern in der Inflation bestehen. Diese ist in j\u00fcngster Zeit erheblich gestiegen. Ein Ausl\u00f6ser k\u00f6nnten auch die Folgen einer Naturkatastrophe sein, oder, wie die j\u00fcngsten Erfahrungen gezeigt haben, von einer Kombination aus einer Naturkatastrophe, wie dem harten Winter, und dem Zusammenbruch des Transportsystems am chinesischen Neujahr.<\/p>\n<p>Die Frage der globalen Umwelt und die Gefahr der Klimaerw\u00e4rmung sind auch wichtige Faktoren, die bei der Betrachtung der entsetzlichen Situation, die dem globalen Kapitalismus bevorsteht, ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen. Die Konsequenzen der Klimaerw\u00e4rmung und des Klimawandels werden Hungersn\u00f6te, D\u00fcrren und Bodenerosion hervorrufen, die Millionen Menschen bedrohen und weitere Migration und Konflikte um nat\u00fcrliche Ressourcen ausl\u00f6sen werden. Selbst Teile der Bourgeoisie erkennen die Gefahr, die diese potenzielle Katastrophe bedeutet. Allerdings wird es ohne geplante Produktion nicht m\u00f6glich sein, dieses Problem zu l\u00f6sen, das immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung und Dringlichkeit hat.<\/p>\n<p>Unter den zuk\u00fcnftig betroffenen L\u00e4ndern sind nicht zuletzt die USA selbst, die dies anfangs vielleicht sogar mehr als den Rest der Welt betreffen wird. Naomi Klein hat erl\u00e4utert, dass die \u201eKlasse zur\u00fcck ist\u201c. 48 Prozent der Bev\u00f6lkerung erkl\u00e4ren jetzt, dass sie gegen die \u201aHabenden\u2019 sind, die auf Kosten der \u201aHabenichtse\u2019 leben. Das bedeutet eine Verdopplung der Menschen, die dieses Gef\u00fchl haben, in einem Zeitraum von 25 Jahren. Das Aufkommen von \u201ajingle mail\u2019 (H\u00e4user werden von ihren Besitzern verlassen und die Schl\u00fcssel per Post verschickt), wobei m\u00f6glicherweise zwei bis drei Millionen Familien ihre H\u00e4user verloren haben, hat die Idee der \u201aEigent\u00fcmerdemokratie\u2019 wie sie von Thatcher und US-amerikanischen b\u00fcrgerlichen Politikern wie Reagan vertreten wurde, ersch\u00fcttert. Das war eine moderne Form des \u201atied cottage\u2019 Konzepts, das die englische Bourgeoisie bei ihrem Aufstieg im 19. Jahrhundert propagiert hat. Durch \u201aFirmenwohnungen\u2019 und L\u00e4den sollte eine Bindung der Arbeiterklasse an die Kapitalisten und ihr System erreicht werden. Monopolpreise und die Vertreibung von Streikenden aus den Firmenwohnungen haben diese Ideen vernichtet, als die Arbeiterklasse um ihre Unabh\u00e4ngigkeit als Klasse gek\u00e4mpft hat.<\/p>\n<p><a title=\"zweiter Teil\" href=\"\/?p=16847\">weiter zum zweiten Teil<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang April tagte das Europ\u00e4ische B\u00fcro des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale (CWI) mit VertreterInnen aus elf L\u00e4ndern. Das Internationale Sekretariat des CWI hatte zu dieser Tagung ein Thesenpapier zu den Konsequenzen der Weltwirtschaftskrise f\u00fcr die Arbeiterklasse erstellt, das wir hier leicht gek\u00fcrzt dokumentieren.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[103,125],"tags":[254],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12646"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12646\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}