{"id":12641,"date":"2008-04-28T00:00:00","date_gmt":"2008-04-27T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12641"},"modified":"2012-06-13T17:22:47","modified_gmt":"2012-06-13T15:22:47","slug":"12641","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/04\/12641\/","title":{"rendered":"Italien: Eine Warnung f&#252;r DIE LINKE"},"content":{"rendered":"<p>  Beteiligung an kapitalistischer Regierung f&#252;hrt zum Desaster f&#252;r Linke<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die R&#252;ckkehr Silvio Berlusconis, die St&#228;rkung der   rechtspopulistischen Lega Nord und ein Absturz der Rifondazione   Comunista &#8211; das ist das Ergebnis von zwei Jahren Sozialkahlschlag unter   Romano Prodi mit Beteiligung der Linken.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Linda Sch&#252;tz, Bologna<\/i><\/h4>\n<p>  In den zwei Jahren der Mitte-Links-Regierung von 2006 bis 2008 hat sich   der Lebensstandard der Bev&#246;lkerung sp&#252;rbar verschlechtert. Die L&#246;hne   sanken weiter und geh&#246;ren zu den niedrigsten in Europa. Die Preise   stiegen derart an, dass zwei Drittel der Familien Schwierigkeiten haben,   ihre Lebensmittel und Rechnungen zu bezahlen.<\/p>\n<p>  Immer mehr Leute arbeiten prek&#228;r, oft jahrelang bei derselben Firma mit   einem befristeten Vertrag nach dem anderen. Die von Prodi versprochenen   &#196;nderungen blieben aus. Statt dessen wurden Steuergeschenke f&#252;r die   Unternehmen gemacht und das Renteneintrittsalter heraufgesetzt. Die   Ausgaben f&#252;r Auslandseins&#228;tze in Afghanistan und im Libanon wurden sogar   erh&#246;ht.<\/p>\n<h4>  Berlusconi<\/h4>\n<p>  Berlusconis Volk der Freiheit (zu dem Forza Italia mit der   rechtsextremen Alleanza Nazionale verschmolzen ist) ist keinesfalls   beliebt. Doch sein Hauptgegner war Walter Veltroni von der   Demokratischen Partei (PD). Zur PD schlossen sich im letzten Herbst das   Margherita-B&#252;ndnis, die Linksdemokraten und kleinere Parteien zusammen.   Da Berlusconi und Veltroni das gleiche neoliberale Programm von   K&#252;rzungen der Staatsausgaben und Privatisierungen vertraten, war der   Wahlkampf alles andere als polarisiert. Beide redeten im Wahlkampf sogar   von einer m&#246;glichen Gro&#223;en Koalition.<\/p>\n<p>  Die vorherrschende Stimmung war: es spielt keine Rolle, wer gewinnt.   Folglich ging die Wahlbeteiligung um 3,5 Prozent auf 80,5 Prozent   zur&#252;ck. Den gr&#246;&#223;ten R&#252;ckgang gab es in ehemaligen linken Hochburgen wie   Ligurien (minus 5,4 Prozent).<\/p>\n<p>  In diesen Regionen hat die rechtspopulistische Lega Nord besonders hohe   Gewinne erzielt. Sie wurde aus Protest gegen das politische   Establishment gew&#228;hlt und konnte ihre Stimmen auf acht Prozent beinahe   verdoppeln.<\/p>\n<h4>  Unfreiwillig au&#223;erparlamentarisch<\/h4>\n<p>  Teil der so genannten Mitte-Links-Regierung waren 150 &#8222;kommunistische&#8220;   Vertreter im Abgeordnetenhaus und im Senat. Nach zwei Jahren   Regierungsbeteiligung hat die Arbeiterklasse jedoch gnadenlos mit ihnen   abgerechnet. Es gibt in Italien heute keinen einzigen linken   Parlamentarier mehr, zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>  Die Rifondazione Comunista (RC) bekam 2006 2,5 Millionen Stimmen, die   gemeinsame Liste dieses Jahr nur knapp eine Million, gerade mal drei   Prozent.<\/p>\n<p>  Die RC trat mit der Partei der Italienischen Kommunisten (PDCI), den   Gr&#252;nen und der Demokratischen Linken (SD) auf einer gemeinsamen Liste   namens Sinistra Arcobaleno (Linker Regenbogen) an. Dieses B&#252;ndnis wird   nach dem Wahldebakel nun sicher schnell zerfallen.<\/p>\n<h4>  Degenerierung der RC<\/h4>\n<p>  Nach ihrer Gr&#252;ndung im Jahre 1992 (im Anschluss an die Aufl&#246;sung der   alten KP) war die RC ein Bezugspunkt f&#252;r Zehn-tausende von ArbeiterInnen   und Jugendlichen gewesen und stand, zumindest in Worten, f&#252;r eine   revolution&#228;re Umgestaltung der Gesellschaft. Heute sind die Strukturen   und die Verbindungen zur Arbeiterklasse und den sozialen Bewegungen   extrem geschw&#228;cht.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend der RC-Spitzenkandidat Fausto Bertinotti den Grund f&#252;r die   Niederlage in der versp&#228;teten Gr&#252;ndung des Regenbogens sieht, hat ein   Teil der RC die richtigen Lehren gezogen und will wieder zur&#252;ck auf die   Stra&#223;e. Allerdings hat die RC so sehr an Glaubw&#252;rdigkeit verloren, dass   ein Wiederaufbau schwierig wird. Die Mitglieder sind frustriert und   w&#252;tend &#252;ber das Vorgehen der F&#252;hrung. Controcorrente, eine linke   Str&#246;mung innerhalb der RC, fordert die Absetzung der RC-F&#252;hrung, die   sofortige Einberufung eines Parteitags und plant eine Kampagne f&#252;r eine   Arbeiterpartei.<\/p>\n<h4>  Gegenwehr?<\/h4>\n<p>  Die Staatsverschuldung von &#252;ber 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes   und die beginnende Rezession bedeuten, dass es zu einer Intensivierung   der Angriffe kommen wird. Einerseits ist Italiens herrschende Klasse   froh &#252;ber eine Regierung mit einer Mehrheit im Parlament.<\/p>\n<p>  Andererseits hat Berlusconi meist seine eigenen Interessen verfolgt und   die herrschende Klasse bef&#252;rchtet, dass es zu massiven Bewegungen zum   Beispiel gegen Lohn- und Sozialk&#252;rzungen oder auch gegen Einschr&#228;nkungen   des Rechts auf Abtreibung kommen kann. Solche Bewegungen gegen   Berlusconis Ma&#223;nahmen sind eine M&#246;glichkeit, die Regierung rasch zu   schw&#228;chen (siehe Nicolas Sarkozy, der nach zehn Monaten Amtszeit eine   herbe Niederlage bei den Kommunalwahlen einstecken musste). Mit den   k&#252;nftigen Protesten und Streiks kann die Basis f&#252;r den Aufbau einer   k&#228;mpferischen und antikapitalistischen Arbeiterpartei gelegt werden.   Nach den j&#252;ngsten R&#252;ckschl&#228;gen wird das nat&#252;rlich kein einfacher Prozess   sein.<\/p>\n<p>  Das Beispiel Italien ist eine ernste Warnung f&#252;r DIE LINKE in   Deutschland. Es zeigt, dass Zuspruch, Mitgliederwachstum und Wahlerfolge   nicht zwangsl&#228;ufig von Dauer sind und schnell durch   Regierungsbeteiligungen mit neoliberalen Parteien wie der SPD zerst&#246;rt   werden k&#246;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Beteiligung an kapitalistischer Regierung f&#252;hrt zum Desaster f&#252;r Linke\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[28],"tags":[270,204],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12641"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12641"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12641\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}