{"id":12639,"date":"2008-05-04T01:00:00","date_gmt":"2008-05-04T01:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12639"},"modified":"2008-05-04T01:00:00","modified_gmt":"2008-05-04T01:00:00","slug":"12639","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/05\/12639\/","title":{"rendered":"Abitur nach zw&#246;lf Schuljahren: &#8222;Nur der Untergang&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Seit 2001 wurde auch in allen westdeutschen Bundesl&#228;ndern mit Ausnahme   von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein das verk&#252;rzte Abitur   eingef&#252;hrt. Die beiden letzten Bundesl&#228;nder wollen zum n&#228;chsten   Schuljahr folgen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Georg K&#252;mmel, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Das Hauptargument f&#252;r das achtj&#228;hrige Gymnasium (G8) lautet, die   Hochschulabsolventen in Deutschland seien im internationalen Vergleich   zu alt. Das Studium zieht sich bei den meisten Studierenden aber gerade   deshalb in die L&#228;nge, weil sie sich nicht allein auf das Lernen   konzentrieren k&#246;nnen, sondern nebenbei jobben m&#252;ssen. Laut   Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2007 arbeiten   63 Prozent der Studierenden neben ihrem Studium, im Durchschnitt neun   Stunden pro Woche. W&#252;rde man den Studierenden diese Belastung abnehmen,   k&#246;nnten sie ihren Aufenthalt an der Hochschule also um ein F&#252;nftel bis   ein Viertel verk&#252;rzen. Doch das Gegenteil ist der Fall, Studiengeb&#252;hren   und sinkende Bezahlung in den Nebenjobs zwingen zu noch mehr Arbeit   neben dem Studium.<\/p>\n<h4>  K&#252;rzungspolitik<\/h4>\n<p>  Bei Einf&#252;hrung der Schulzeitverk&#252;rzung beteuerten die Bildungspolitiker,   dies sei keine Sparma&#223;nahme, schlie&#223;lich bliebe die Gesamtstundenzahl   bis zum Abitur gleich. Doch jetzt gibt es Forderungen und auch bereits   erste Beschl&#252;sse, die Stundenzahl zu k&#252;rzen. Die Kultusministerkonferenz   hat im M&#228;rz 2008 beschlossen, den Schulen &#8222;gr&#246;&#223;ere Flexibilit&#228;t&#8220; bei der   Gesamtstundenzahl zu gestatten, etwa durch Anrechnung von Projektarbeit.<\/p>\n<p>  Auch bei den Lehrinhalten sollte urspr&#252;nglich nicht gespart werden.   Jetzt hei&#223;t das &#8222;Entr&#252;mpelung der Lehrpl&#228;ne&#8220;. Wie das konkret aussieht,   kann man auf der Homepage des Schulministeriums NRW nachlesen: dort wird   unter dem Begriff &#8222;Verschlankung&#8220; eine ganze Seite &#8222;Reduzierungen&#8220; der   Lehrinhalte vorgegeben. F&#252;r den Bereich Geschichte wurde unter anderem   beschlossen: &#8222;Wegfall eines eigenst&#228;ndigen Themas &#8216;Friedenssicherung&#8217;&#8220;   und &#8222;Reduzierung des Themas &#8216;Weimarer Republik&#8217; auf deren Untergang&#8220;.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich fragt man sich, ob vielleicht Spa&#223; am Untergang das Motiv   der Bildungspolitiker f&#252;r die Schulzeitverk&#252;rzung war. Grotesk war   n&#228;mlich auch die Art der Einf&#252;hrung nach dem Motto: Erst bauen, dann   planen. Erst wurde das G8 per Dekret eingef&#252;hrt, nun werden nachtr&#228;glich   die Lehrpl&#228;ne ge&#228;ndert und danach gibt es (vielleicht) ge&#228;nderte   Schulb&#252;cher. In den n&#228;chsten Jahren werden jeweils zwei Jahrg&#228;nge pro   Bundesland gleichzeitig das Abitur machen. Das Angebot an Lehrstellen   und Studienpl&#228;tzen wird sich aber nicht verdoppeln.<\/p>\n<h4>  Ihre Interessen und unsere<\/h4>\n<p>  Was sind die wahren Gr&#252;nde f&#252;r die Schulzeitverk&#252;rzung? Erstens: An der   Bildung soll gespart werden. Zweitens: Die Wirtschaft will tats&#228;chlich   die Bildungsdauer verk&#252;rzt sehen. Denn je mehr Lebensjahre jemand bis   zum Hochschulabschluss und zur ersten Anstellung braucht, desto mehr   Geld will und muss er anschlie&#223;end verdienen, damit sich ein Studium   insgesamt lohnt. Ziel der privaten Wirtschaft ist aber, die Geh&#228;lter f&#252;r   Akademiker auf breiter Front und dauerhaft zu dr&#252;cken. Statt   Nachbesserungen beim G8 m&#252;ssen wir fordern: R&#252;cknahme der   Schulzeitverk&#252;rzung, Weg mit den Studiengeb&#252;hren, Elternunabh&#228;ngige   Grundsicherung f&#252;r Sch&#252;lerInnen und Studierende ab 16 Jahre von 500 Euro   plus Warmmiete.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Seit 2001 wurde auch in allen westdeutschen Bundesl&#228;ndern mit Ausnahme<br \/>\n      von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein das verk&#252;rzte Abitur<br \/>\n      eingef&#252;hrt. 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