{"id":12638,"date":"2008-05-03T00:00:00","date_gmt":"2008-05-03T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12638"},"modified":"2008-05-03T00:00:00","modified_gmt":"2008-05-03T00:00:00","slug":"12638","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/05\/12638\/","title":{"rendered":"Erfahrungen in Schweden: Wie k&#246;nnen die Faschisten gestoppt werden?"},"content":{"rendered":"<p>  Ole Hellstr&#246;m von R&#228;ttvisepartiet Socialisterna, der schwedischen   Schwesterorganisation der SAV, &#252;ber die Erfahrungen in Schweden. Mit ihm   sprach Britta Rabe<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Was passierte in Salem?<\/h4>\n<p>  Im Jahr 2000 wurde ein 17-j&#228;hriger Nazi w&#228;hrend einer Schl&#228;gerei   zwischen Jugendlichen get&#246;tet. Die Schl&#228;gerei hatte keinen politischen   Hintergrund. Naziorganisationen nahmen aber die Tatsache, dass der T&#228;ter   kein Schwede war, zum Anlass, einen Aufmarsch zum &#8222;Gedenken&#8220;   durchzuf&#252;hren. 800 Faschisten kamen und konnten die Stadt im Prinzip   &#252;bernehmen. Salem war von Menschen wie leer gefegt.<\/p>\n<p>  In den Folgejahren hat sich dieser Mobilisierungstermin f&#252;r die Nazis zu   einem j&#228;hrlichen H&#246;hepunkt entwickelt; nicht nur in Schweden, sondern in   ganz Skandinavien und auch in Deutschland.<\/p>\n<h4>  Warum konnten die Nazis marschieren?<\/h4>\n<p>  Antifaschisten waren beim ersten Aufmarsch &#252;berrascht worden, weil &#8222;nur&#8220;   mit 150 bis 200 gerechnet worden war. Die Hauptverantwortung liegt aber   bei Politikern und Medien. Diese hatten sich entschieden, den   faschistischen Hintergrund einfach zu verschweigen. Alle Einwohner   bekamen einige Tage vorher einen Brief vom Stadtrat, in dem es hie&#223;,   dass der Marsch hoffentlich ohne St&#246;rungen von statten geht. Dieser   Brief wurde auch in den Schulen vorgelesen. Kein Wort dar&#252;ber, sich von   Rassismus und Faschismus zu distanzieren. In einer Zeitung wurde der   Marsch hinterher als &#8222;w&#252;rdiges Gedenken&#8220; bezeichnet.<\/p>\n<h4>  Was f&#252;r eine Gegenmobilisierung wurde dann organisiert?<\/h4>\n<p>  Nach dem Nazi-Aufmarsch haben wir von R&#228;ttvisepartiet Socialisterna   zusammen mit anderen ein Netzwerk gegen Rassismus gegr&#252;ndet. Ziel war   es, den n&#228;chsten Aufmarsch zu stoppen. Im folgenden Jahr, 2001,   mobilisierten wir gemeinsam nach Salem. Nazis und Gegendemonstranten   hatten jeweils ungef&#228;hr 3.000 Teilnehmer. Die Polizei ging sehr hart   gegen die Gegendemonstration vor, um den angemeldeten Nazi-Aufmarsch zu   erm&#246;glichen. In den Zeitungen hie&#223; es dann, dass Rechts- und   Linksextremisten aus gleichem Schrot und Korn seien.<\/p>\n<p>  Leider hat sich danach im Netzwerk immer mehr die Linie der Autonomen   durchgesetzt. Hauptschwerpunkt war nicht eine Massenmobilisierung,   sondern Sabotageaktionen gegen den Nazi-Aufmarsch, zum Beispiel die   Blockade der S-Bahn. Das hat sich als totaler Reinfall erwiesen.<\/p>\n<p>  Dadurch werden leider nicht die Nazis abgeschreckt, sondern die   Einwohner von Salem. Es gibt bei den Autonomen keine Vorstellung, wie   man den Nazi-Aufmarsch effektiv stoppen kann. Im letzten Jahr zum   Beispiel waren zum ersten Mal mehr Antirassisten als Faschisten in   Salem. Anstatt in einer gemeinsamen Demonstration den Nazis   entgegenzutreten und eine massenhafte Blockade durchzuf&#252;hren,   versteckten sich Autonome im Wald, um die Nazis in Kleinstgruppen   anzugreifen. Innerhalb von vier Stunden hatte die Polizei alle Autonomen   eingesammelt.<\/p>\n<h4>  Was macht R&#228;ttvisepartiet Socialisterna?<\/h4>\n<p>  Wir mobilisieren nach Salem, aber mit eigenem Material. Wir machen klar,   dass wir den Aufmarsch stoppen wollen und erkl&#228;ren, dass man daf&#252;r die   Lokalbev&#246;lkerung gewinnen muss. Wir fordern au&#223;erdem die Gewerkschaften   auf, aktiv zu werden. Als Bei-spiel nennen wir 1991, als wir zu denen   geh&#246;rten, die die Initiative ergriffen hatten, um eine   Nazi-Demonstration in Stockholm zur Statue von K&#246;nig Karl, dem XII. zu   stoppen. Es kamen damals 10.000 Menschen, die den Platz blockierten.<\/p>\n<p>  In unserem Material weisen wir auch auf den staatlichen Rassismus hin,   der den Nazis den Boden bereitet, zum Beispiel die unmenschliche   Abschiebepraxis des schwedischen Staates.<\/p>\n<h4>  Was machen die Gewerkschaften?<\/h4>\n<p>  Die Gewerkschaften tun absolut nichts. Das ist schon erschreckend, wenn   man daran denkt, dass der Gewerkschafter Bj&#246;rn S&#246;derberg 1999 von Nazis   ermordet wurde.<\/p>\n<h4>  Welche Kampagnen f&#252;hrt R&#228;ttvisepartiet Socialisterna durch?<\/h4>\n<p>  Wir haben im letzten Herbst ein neues Handbuch gegen Rassismus   her-ausgegeben. Mit der Jugendkampagne S&#228;nk Rasism, was so viel hei&#223;t,   wie Rassismus versenken, bauen wir Gruppen an Schulen auf.<\/p>\n<p>  In G&#246;teborg wurde im Oktober letzten Jahres ein Mitglied von uns,   Pa-trick Hooghwinkel, bei einem Infotisch im Einkaufszentrum mit einem   Eisenrohr von Nazis brutal niedergeschlagen. Wir reagierten sofort und   hatten die erste Kundgebung schon am n&#228;chsten Tag am selben Platz mit   150 Teilnehmern. In der folgenden Woche mobilisierten wir gemeinsam mit   anderen zu einer weiteren Demonstration. T&#228;glich wurden Besuche in   Schulen und an Arbeitpl&#228;tzen sowie Infotische in den Stadtteilen   durchgef&#252;hrt. RS-Stadtrat von Haninge, Mattias Bernhardsson, debattierte   mit der schwedischen CDU in einem G&#246;teborger Gymnasium &#252;ber Ursprung und   Kampf gegen Rassismus und Faschismus. Durch unsere Aktionen wurde die   Presse aufmerksam, Mitglieder von uns wurden in Zeitungen und im   Fernsehen interviewt. Das Netzwerk gegen Rassismus ist auch weiter in   G&#246;teborg aktiv. Im April wurde zum Beispiel die Abschiebung eines   irakischen Kurden durch eine Blockadeaktion verhindert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ole Hellstr&#246;m von R&#228;ttvisepartiet Socialisterna, der schwedischen<br \/>\n      Schwesterorganisation der SAV, &#252;ber die Erfahrungen in Schweden. 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