{"id":12631,"date":"2008-04-25T01:00:00","date_gmt":"2008-04-24T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12631"},"modified":"2012-07-18T15:55:53","modified_gmt":"2012-07-18T13:55:53","slug":"12631","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/04\/12631\/","title":{"rendered":"Profithunger &#8211; Hungern f&#252;r Profite"},"content":{"rendered":"<p>  &#8222;Hungerrevolten weltweit&#8220;, &#8222;Weltern&#228;hrungskrise&#8220; &#8211; so lauten die   Schlagzeilen nicht nur linker Medien. Woher kommt die Krise und wie kann   sie bek&#228;mpft werden?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i><b>von Michael Schilwa, Berlin<\/b><\/i><\/p>\n<p>  Im Trikont (hergeleitet von &#8218;Drei Kontinente&#8217;, bezeichnet aus   antikolonialer Perspektive Lateinamerika, Asien, Afrika) hungert fast   eine Milliarde Menschen, Hunderten Millionen droht das gleiche Schicksal.<\/p>\n<p>  Hier die von der Jungen Welt in der letzten Woche st&#228;ndig aktualisierte   (aber wahrscheinlich immer noch unvollst&#228;ndige) Liste der L&#228;nder, in   denen die Hungernden mit Streiks, Demonstrationen und Revolten   aufbegehren: Burkina Faso, Elfenbeink&#252;ste, Senegal, Kamerun, Kongo,   Mocambique, Simbabwe, Mauretanien, &#196;gypten, Haiti, Indonesien, Pakistan,   Usbekistan, Peru, El Salvador.<\/p>\n<p>  Weltbank-Chef Zoellick appellierte an EU, USA und Japan 500 Millionen   US-Dollar Sofort-Hilfe zur Verf&#252;gung zu stellen, der Regionalkoordinator   des World Food Programm (WFP) der UN Lodesani spricht von 1,4 Milliarden   US-Dollar zus&#228;tzlichem Finanzbedarf f&#252;r seine Organisation.<\/p>\n<p>  Laut UN-Statistiken stiegen die Nahrungsmittelpreise vom Durchschnitt   der Jahre 1998 bis 2000 (= 100 Prozent) nach einer Phase der Stagnation   Anfang des neuen Jahrtausends 2006 auf 138 Prozent, 2007 auf 190   Prozent. Allein in den Monaten Januar und Februar 2008 schossen die   Preise noch mal um 55 Prozent nach oben, in den ersten drei M&#228;rzwochen   stiegen sie um weitere 20 Prozent. Der Weltmarktpreis f&#252;r Weizen hat   sich in den letzten 3 Jahren vervierfacht, in Thailand hat sich der   Preis f&#252;r eine Tonne Reis binnen einen Monats (!) von 100 auf 536   US-Dollar verteuert.<\/p>\n<h4>  Kapitalismus t&#246;tet<\/h4>\n<p>  Woran liegt diese Preisexplosion f&#252;r Brot, Reis, Milch und anderer   Grundnahrungsmittel? Auch wenn nat&#252;rlich insbesondere in Afrika der   Klimawandel zu Trockenheit n&#246;rdlich des &#196;quators und &#220;berschwemmungen im   S&#252;den f&#252;hrt, reicht dies als Erkl&#228;rung nicht aus. Nach Angaben der FAO   (UN-Organisation f&#252;r Ern&#228;hrung und Landwirtschaft) ist die weltweite   Getreideproduktion 2007 um 5 Prozent gesteigert worden, f&#252;r dieses Jahr   rechnet sie mit einer neuen Rekordernte von &#252;ber 2 Milliarden Tonnen.<\/p>\n<p>  Die WFP-Direktorin Sheeran erkl&#228;rt zu den Gr&#252;nden, es sei das erste Mal   in der Geschichte ihrer Organisation, dass diese um zus&#228;tzliche   Finanzmittel nicht wegen einer Krise bitte, sondern wegen der   &#8222;Markbedingungen&#8220;.<\/p>\n<h4>  Markbedingungen?<\/h4>\n<p>  Das soll hei&#223;en: Es gibt genug Nahrung, nur immer weniger k&#246;nnen sie   noch bezahlen! Je &#228;rmer die Menschen, desto h&#246;her der Anteil des   Haushaltseinkommens, der f&#252;r Nahrung draufgeht (in den &#228;rmsten L&#228;ndern   der Erde 50 bis 80 Prozent). Die L&#246;hne (in den sogenannten   Entwicklungsl&#228;ndern oft &#8222;Hungerl&#246;hne&#8220; im Wortsinn) stagnieren oder   fallen weltweit seit Jahren, trotzdem m&#252;ssen Millionen Menschen mit   Preissteigerungen von 200, 300, ja 400 Prozent klarkommen.<\/p>\n<p>  Vor diesem Hintergrund bekommt man zumindest eine vage Vorstellung   davon, wie alptraumhaft der Kampf um&#8217;s t&#228;gliche nackte &#220;berleben in   einem Land wie Haiti sein muss, in dem 80 Prozent der Bev&#246;lkerung mit   weniger als 2 US-Dollar pro Tag &#8222;leben&#8220; muss.<\/p>\n<h4>  Woher kommt die enorm gestiegene Nachfrage vor allem nach Getreide ?<\/h4>\n<p>  Neben dem Anstieg des &#214;lpreises und damit der Transportkosten ist eine   der Ursachen der stark steigende Fleischkonsum weltweit, insbesondere in   den prosperierenden und bev&#246;lkerungsstarken asiatischen sogenannten   Schwellenl&#228;ndern.<\/p>\n<p>  Rinder fressen Getreide und nutzen Fl&#228;chen, auf denen Getreide angebaut   werden k&#246;nnte. Der Fleischkonsum in Indien ist in den letzten 15 Jahren   um 40 Prozent gestiegen, der in China hat sich seit 1990 verdoppelt und   betr&#228;gt damit bereits ein Drittel des gesamten Weltfleischkonsums.<\/p>\n<p>  Das soll nat&#252;rlich nicht hei&#223;en, dass &#8222;wir&#8220; weiter unbegrenzt Schnitzel   futtern k&#246;nnen, &#8222;die Asiaten&#8220; hingegen lieber beim Reis zu bleiben   haben. Vielmehr zeigt dieses Problem die dringende Notwendigkeit der   weltweiten demokratischen, gerechten und &#246;kologischen Planung und   Verteilung (nicht nur) der Fleischproduktion.<\/p>\n<h4>  Hungern f&#252;r den PS-Wahnsinn ?<\/h4>\n<p>  Was bieten die b&#252;rgerlichen Medien noch an Erkl&#228;rungen? &#8222;Tortilla-Krise&#8220;   &#8211; das klingt gut, weil erst mal &#252;berhaupt nicht nach Kapitalismus,   sondern eher nach &#8222;Sachzwang&#8220;, also Schicksal.<\/p>\n<p>  In der Tat ist der Preis f&#252;r mexikanisches Fladenbrot (die traditionelle   Tortilla) um 400 Prozent gestiegen, haupts&#228;chlich weil ein Drittel der   gesamten us-amerikanischen Mais-Ernte in Biosprit-Tanks landet. Nach   Sch&#228;tzungen k&#246;nnte die Menge Mais, die zur Produktion einer Tankf&#252;llung   Biosprit f&#252;r einen US-Gel&#228;ndewagen ben&#246;tigt wird, eine mexikanische   Familie ein Jahr lang ern&#228;hren.<\/p>\n<p>  Wie also lautet die Antwort des angeblich komplexesten und   intelligentesten Steuerungssystems der Menschheitsgeschichte (des   &#8222;freien Marktes&#8220;) auf die Krise des fossilen Kapitalismus?   Grundnahrungsmittel in Verbrennungsmotoren! Eine Bev&#246;lkerung, die von   solchen Strategen und Experten regiert wird, braucht keine Feinde mehr.<\/p>\n<h4>  Spekulation<\/h4>\n<p>  Ein weiterer Grund f&#252;r die gestiegene Nachfrage nach   Grundnahrungsmitteln hat so offensichtlich mit dem Irrsinn Kapitalismus   zu tun, dass er lieber in den hinteren Seiten von Wirtschaftszeitungen   versteckt wird: Nachdem die Zocker-Internationale der Hedge-Fonds und   Private-Equity&#8211;Firmen den amerikanischen Immobilienmarkt verw&#252;stet hat,   zieht sie auf der Jagd nach H&#246;chstprofiten neuen Wirkungskreisen   entgegen &#8211; zum Beispiel den Rohstoffm&#228;rkten.<\/p>\n<p>  Die Financial Times vom 26.1.08 gibt die neue Richtung vor: Die   Performance von Investitionen in &#8222;agricultural commodities&#8220; (etwa:   strukturierte Agrarprodukte) sei 2008 am besten gegen die Auswirkungen   der drohenden US-Rezession gewappnet. Laut der Zeitschrift Money Week   sind in 2007 142 Milliarden US-Dollar in die Spekulation mit   Nahrungsmitteln geflossen &#8211; 1998 waren es noch 10 Milliarden. Der Chef   von &#8218;Tiberius Asset Management&#8217; in der FAZ: &#8222;Alleine in den ersten drei   Monaten des laufenden Jahres sind 40 Milliarden Dollar in die   Rohstoffm&#228;rkte geflossen (&#8230;), davon rund 30 Milliarden in die M&#228;rkte   f&#252;r Agrarrohstoffe.&#8220;<\/p>\n<p>  Kein Wunder, schlie&#223;lich l&#228;sst sich auch mit Futures und Optionen auf   Sojabohnen oder Schweineh&#228;lften eine Menge Geld verdienen. Nur droht   beim Platzen einer Spekulationsblase auf dem globalen Lebensmittelmarkt   nicht Obdachlosigkeit wie nach der US-Immobilienkrise, sondern   Hungerkrisen weltweit.<\/p>\n<h4>  Neokoloniale Globalisierung<\/h4>\n<p>  Das Grundproblem der gegenw&#228;rtigen &#8222;Weltern&#228;hrungskrise&#8220; sind die   neokolonialen Handelsbeziehungen, der sogenannte &#8222;freie&#8220; Welthandel. Der   Trikont befindet sich gleicherma&#223;en in einem Zangengriff des Nordens.<\/p>\n<p>  Einerseits f&#252;hrt die Exportsubvention von Agrarprodukten aus den   Industriestaaten zu massenhaften Importen der dadurch billigen   Nahrungsmittel in den L&#228;ndern des S&#252;dens. Die folgende   &#8222;Marktbereinigung&#8220; zuungunsten der lokalen Produzenten f&#252;hrt dann   letztlich zu Preisanstiegen der importierten Waren.<\/p>\n<p>  Andererseits haben die diversen &#8222;Strukturanpassungsprogramme&#8220; von   Weltbank und IWF in den betroffenen L&#228;ndern ruin&#246;se Folgen. Der   FAO-Generalsekret&#228;r Diouf erkl&#228;rte gegen&#252;ber Le Monde, &#8222;das Problem sei   kein nat&#252;rliches, sondern ein politisches. In den Industriestaaten   ern&#228;hrten 2 bis 5 Prozent der Bev&#246;lkerung alle anderen, und es k&#246;nne   sogar noch f&#252;r den Export produziert werden.<\/p>\n<p>  In Afrika allerdings werden nur 4 Prozent der landwirtschaftlichen   Fl&#228;che bew&#228;ssert, und das nicht aus Wassermangel, sondern wegen   fehlender Investitionen in Bew&#228;sserung und Infrastruktur.&#8220; Eben solche &#8211;   notwendigerweise staatlichen! &#8211; Infrastrukturinvestitionen sind von den   neoliberalen Entwicklungsstrategen &#252;ber Jahrzehnte verhindert worden.   Das Ergebnis ist die St&#228;rkung agrarindustrieller Sektoren, die Masse der   Kleinbauern wird zu rechtlosen Landarbeitern oder schlie&#223;t sich gleich   dem Treck in die Gro&#223;stadt-Slums an.<\/p>\n<h4>  Widerstand ist m&#246;glich und n&#246;tig &#8211; Das Beispiel &#196;gypten<\/h4>\n<p>  Gegen ein System, dass in weiten Teilen des Trikont au&#223;er Hunger, Slums   und Repression nicht viel zu bieten hat, formiert sich Widerstand.<\/p>\n<p>  Burkina Faso wurde von einem Generalstreik ersch&#252;ttert, in der   Elfenbeink&#252;ste erzwangen Hunderttausende Demonstranten die teilweise   R&#252;cknahme von Lebensmittelpreiserh&#246;hungen, in Haiti musste nach   Massenprotesten der Regierungschef zur&#252;cktreten.<\/p>\n<p>  Steigende Brotpreise waren in der Geschichte schon oft der letzte Funke   f&#252;r Aufst&#228;nde und Revolutionen von der Franz&#246;sischen Revolution 1789 bis   zur Februar-Revolution in Russland 1917. 1977 musste der &#228;gyptische   Pr&#228;sident Sadat nach einer K&#252;rzung der Subventionen f&#252;r   Grundnahrungsmittel kurzfristig aus Kairo fliehen, bis die Armee die   Massenunruhen niedergeschlagen hatte.<\/p>\n<p>  In diesen Tagen wehrt sich die &#228;gyptische Arbeiterklasse erneut, diesmal   gegen die Angriffe des korrupten und neoliberalen Mubarak-Regimes.   W&#228;hrend wir &#252;ber jedes noch so kleine Detail der Proteste gegen den   vorolympischen Fackellauf rund um die Uhr von gef&#252;hlten 100 TV-Sendern   informiert werden, findet die brutale Niederschlagung von Streiks und   Massenprotesten in &#196;gypten quasi unter Ausschluss der Welt&#246;ffentlichkeit   statt. Das ist auch durchaus logisch, schlie&#223;lich steht die herrschende   Klasse &#196;gyptens auf der &quot;richtigen&quot; Seite &#8211; das Mubarak-Regime ist einer   der treuesten Vasallen des US-Imperialismus in Nahost.<\/p>\n<p>  Ein &#8222;Pr&#228;sident auf Lebenszeit&#8220; wie Mubarak verspricht &#8222;Stabilit&#228;t in der   Region&#8220;, da m&#252;ssen die Menschenrechtsexperten der ver&#246;ffentlichten   Meinung auch mal ein Auge zudr&#252;cken d&#252;rfen. Vielleicht erkl&#228;rt sich das   Desinteresse der westlichen Wertegemeinschaft auch dadurch, dass die   Kommunalwahlen vor einigen Tagen nicht so richtig spannend waren. In 70   Prozent aller Wahlkreise gab es nur einen Kandidaten &#8211; von Mubaraks   nationaldemokratischer Partei NDP.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend &#196;gypten 2007 ein Wirtschaftswachstum von 7 Prozent vermeldete,   w&#228;chst gleichzeitig die Armut dramatisch. 40 Prozent aller &#196;gypter leben   unter der Armutsgrenze von 1,25 &#8364; pro Tag. Betroffen sind nicht nur die   Arbeiterklasse, Bauern und Landarbeiter, sondern zunehmend auch die   Mittelschicht, was zu Streiks von &#196;rzten, Uni-Professoren und   Steuerbeamten gef&#252;hrt hat. Das Fass zum &#220;berlaufen brachte die Freigabe   der bis dahin subventionierten Lebensmittelpreise.<\/p>\n<p>  Ausgangspunkt und Zentrum der aktuellen K&#228;mpfe gegen Hungerl&#246;hne und   Preistreiberei war erneut die Textilfabrik in Mahalla Al-Kubra, 150 km   von Kairo entfernt. Sie ist eine der gr&#246;&#223;ten Fabriken im Mittleren Osten   und ihre zirka 27.000 Besch&#228;ftigten bilden eine der militantesten und   politischsten Belegschaften der Region mit einer langen und   erfolgreichen klassenk&#228;mpferischen Tradition. Schon im Herbst 2006   konnte sich die Mahalla- Belegschaft mit Streiks und Betriebsbesetzungen   Lohnerh&#246;hungen und Lebensmittelbezugsscheine erk&#228;mpfen und war damit   Ausgangspunkt f&#252;r landesweite Streiks.<\/p>\n<p>  Im September 2007 kam es erneut zu massiven Arbeitsk&#228;mpfen. Sameh   Naguib, Soziologie-Professor an der American University in Kairo   erkl&#228;rte in der Los Angeles Times vom 27.7.07 besorgt: &#8222;Das ist die   gr&#246;&#223;te und militanteste Streikbewegung seit 1940. Hunderttausende   Arbeiter sind beteiligt&#8230;.&#8220;. F&#252;r den 6. April hatten   Basisgewerkschafter unabh&#228;ngig vom korrupten und regierungstreuen   Gewerkschaftsverband ETUF einen Generalstreik angek&#252;ndigt, der besonders   in Mahalla brutal unterdr&#252;ckt wurde. Die Fabrik wurde von   Sicherheitskr&#228;ften besetzt, es kam zu Massenverhaftungen von Arbeitern.   Die daraufhin folgenden Demonstrationen in der Stadt Mahalla wurden mit   Tr&#228;nengas und scharfer Munition bek&#228;mpft, die Demonstranten wehrten sich   mit Ziegelsteinen. Laut <a href=\"http:\/\/www.labournet.de\">Labour.net<\/a>   sprechen verschiedene Quellen von 2 bis 7 toten Kollegen, Hunderten   Verletzten und 500 bis 700 verhafteten Streikenden und Demonstranten.<\/p>\n<p>  Nach den Zusammenst&#246;ssen k&#252;ndigte die Regierung an, zumindest die   Subventionierung von Brot doch fortzusetzen.<\/p>\n<h4>  Es gibt keinen 3. Weg<\/h4>\n<p>  Sind &#8222;wir&#8220; mit &#8222;unserem&#8220; Lebensstandard nicht mit Schuld am Elend in   L&#228;ndern wie &#196;gypten oder Haiti ?<\/p>\n<p>  In der Aufschwungphase nach dem 2. Weltkrieg waren Armut und Hunger ein   Problem der sogenannten &#8222;3. Welt&#8220;. In der westlichen &#8222;1. Welt&#8220; (USA,   Europa, Japan) gab es Zugest&#228;ndnisse an die Arbeiterklasse und steigende   Reall&#246;hne. In der &#246;stlichen &#8222;2. Welt&#8220; (den deformierten Arbeiterstaaten   der Sowjetunion und der anderen RGW-L&#228;nder) waren jedenfalls Nahrung,   Obdach, Gesundheitsversorgung, Bildung kein Thema. Die Zeiten sind   vorbei.<\/p>\n<p>  Die Trennungslinie verl&#228;uft nicht zwischen Nord und S&#252;d, sondern   zwischen Arm und Reich, zwischen oben und unten weltweit.<\/p>\n<p>  In einem reichen Land wie Deutschland ern&#228;hren sich gesch&#228;tzte 800.000   Menschen in Suppenk&#252;chen, in der Hauptstadt Berlin sind mittlerweile   mehr als die H&#228;lfte aller Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse prek&#228;r. Die Rate   der &#8222;funktionalen Analphabeten&#8220; ( Leute, die so schlecht lesen und   schreiben k&#246;nnen, dass sie nicht in der Lage sind, ein einfaches   Formular auszuf&#252;llen) ist in den USA h&#246;her als in Brasilien. Das &#8222;vom   Marxismus befreite&#8220; Russland hat mit Moskau eine Hauptstadt mit der   h&#246;chsten &#8222;Milliard&#228;rsdichte&#8220; der Welt, gleichzeitig erfrieren im Winter   alte Menschen in ihren Wohnungen.<\/p>\n<p>  In &#8218;Die Krise der Sozialdemokratie (Junius-Brosch&#252;re)&#8217; schrieb Rosa   Luxemburg 1915: &#8222;Friedrich Engels sagt einmal: Die b&#252;rgerliche   Gesellschaft steht vor einem Dilemma, &#220;bergang zum Sozialismus oder   R&#252;ckfall in die Barbarei.&#8220; Diese Worte sind aktuell wie nie &#8211; dass die   Versorgung eines ganzen Kontinents wie Afrika mit bezahlbaren   AIDS-Medikamenten oder die Beantwortung der Frage, ob ein Land wie Haiti   verhungert, nicht der Profitlogik &#252;berlassen werden darf, bestreiten   inzwischen nicht mal mehr Leute wie Norbert Bl&#252;m oder Heiner Geissler.<\/p>\n<p>  Aufgabe revolution&#228;rer Marxisten ist es, geduldig und beharrlich der   Erkenntnis Bahn zu brechen, dass der entfesselte Kapitalismus nicht   reformierbar ist und es keinen &#8222;3.Weg&#8220; zwischen Kapitalismus und   Sozialismus gibt. Die &#8222;Weltern&#228;hrungskrise&#8220; zeigt: Der Sturz des   Kapitalismus weltweit ist zur &#220;berlebensfrage der Menschheit geworden.<\/p>\n<\/p>\n<h5>  Forderungen der SAV<\/h5>\n<p>  <i><b>Klimawandel stoppen: Umstellung der Energieversorgung auf   erneuerbare Energien wie Sonnen- und Windenergie sowie Energiesparen <\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i><b>Nein zur heutigen Biosprit-Politik <\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i><b>Schluss mit den EU-Agrarexport-Subventionen (2006: 50 Milliarden   Euro), die in Europa nicht den Kleinbauern, sondern haupts&#228;chlich   Agrarindustriellen zu Gute kommen und im Trikont die lokalen Produzenten   ruinieren <\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i><b>&#8222;Agrarwende&#8220; hei&#223;t: Schluss mit der Liberalisierungs- und   Privatisierungspolitik von IWF und Weltbank <\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i><b>Die globale Hungerkrise ist weltmarktgemacht &#8211; die Verursacher   sollen zahlen. Schluss mit der Umsatzsteuerfreiheit f&#252;r   Spekulationsgesch&#228;fte und B&#246;rsenwetten. Der Tagesumsatz (!) an den   internationalen Devisenm&#228;rkten zum Beispiel betr&#228;gt 1,2 Billionen   Dollar. Nur ein Prozent Umsatzsteuer br&#228;chte zw&#246;lf Milliarden Dollar   zus&#228;tzliche Steuereinnahmen weltweit &#8211; also t&#228;glich das Zehnfache   dessen, was die UN aktuell an Hungersoforthilfe fordert <\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i><b>Vergesellschaftung der Nahrungs- und D&#252;ngemittel-Multis, den   Nestles und Monsantos dieser Welt <\/b><\/i><\/p>\n<p>  <i><b>Die globale Hungerkrise zeigt: Der Sturz des Kapitalismus weltweit   und der Aufbau einer demokratischen Planwirtschaft ist zur   &#220;berlebensfrage der Menschheit geworden<\/b><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8222;Hungerrevolten weltweit&#8220;, &#8222;Weltern&#228;hrungskrise&#8220; &#8211; so lauten die<br \/>\n      Schlagzeilen nicht nur linker Medien. 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