{"id":12626,"date":"2008-04-21T01:00:00","date_gmt":"2008-04-21T01:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12626"},"modified":"2012-06-29T14:01:47","modified_gmt":"2012-06-29T12:01:47","slug":"12626","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/04\/12626\/","title":{"rendered":"Dacia, Rum\u00e4nien: H\u00f6chster Lohnabschluss seit 15 Jahren"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem dreiw\u00f6chigen Streik, der von zahlreichen Kundgebungen und Protestaktionen begleitet war, haben die rum\u00e4nischen Dacia-Besch\u00e4ftigten die h\u00f6chste Lohnerh\u00f6hung in Rum\u00e4nien in den letzten f\u00fcnfzehn Jahren erzielt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p><em>von Tinette Schnatterer, Stuttgart<\/em><\/p>\n<p>Alle Dacia-Besch\u00e4ftigten bekommen r\u00fcckwirkend zum 1. Januar 300 Lei (knapp 90 Euro) mehr Lohn und ab September eine weitere Lohnerh\u00f6hung um 60 Lei. Zus\u00e4tzlich bekommt jeder Arbeiter als Gewinnbeteiligung eine Jahrespr\u00e4mie in H\u00f6he seines Bruttolohnes, bzw. mindestens 900 Lei. Nach Aussagen der Gewerkschaft ergibt das eine durchschnittliche Lohnerh\u00f6hung von rund 450 Lei im Monat. Ein gro\u00dfer Erfolg, wenn man bedenkt dass das urspr\u00fcngliche Angebot des Arbeitgebers bei 112 Lei mehr Lohn gelegen hatte! Und, auch wenn die urspr\u00fcnglichen Forderungen der Kollegen, 550 Lei mehr Lohn, eine Gewinnbeteiligung, h\u00f6heres Oster- und Weihnachtsgeld sowie Rabatte beim Kauf von Dacia-Autos nicht ganz erreicht wurden, hat der Streik bereits ermutigende Wirkung auf andere Belegschaften.<\/p>\n<h4>Nach Dacia: ArcelorMittal im Streik<\/h4>\n<p>Am 14. April traten die 14.000 Besch\u00e4ftigten des gr\u00f6\u00dften Werks des Stahlkonzerns ArcelorMittal in Galati in einen unbefristeten Streik f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne. Die Unternehmensleitung hatte eine Lohnerh\u00f6hung von zw\u00f6lf Prozent angeboten, die Gewerkschaft fordert allerdings das Dreifache.<\/p>\n<p>Bei einer Kundgebung am Montag vor dem Werkstor riefen die Streikenden Parolen die Bezug auf den Streik der Daciaarbeiter nahmen. Auch die Besch\u00e4ftigten einer Reifenfabrik in Alexandria die von dem japanischen Konzern Koyo aufgekauft worden war diskutieren bereits Streikma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Genau diesen motivierenden Effekt f\u00fcrchten die Gro\u00dfkonzerne die in Rum\u00e4nien investieren. Die Gesch\u00e4ftsleitung von Dacia hatte die Auswirkungen des Streiks heruntergespielt w\u00e4hrend dieser andauerte, aber nur um jetzt umso lauter dar\u00fcber zu jammern, genau wie \u00fcber die angeblichen Folgen des Abkommens. Insgesamt soll der Streik das Unternehmen mindestens 13 Millionen Euro gekostet haben. 17.000 Fahrzeuge seien in dieser Zeit nicht gefertigt worden, hie\u00df es. Durch die beschlossene Lohnerh\u00f6hung steigen die Kosten f\u00fcr Dacia um 1,6 Millionen Euro im Monat. Allerdings muss man sich um die Profite von Dacia nach wie vor keine Sorgen machen! Dacia konnte die Anzahl der verkauften Autos 2007 um 17,4% im Vergleich zum Vorjahr steigern, in den ersten zwei Monaten 2008 verzeichnete der Konzern eine Verkaufssteigerung von 62%.<\/p>\n<p>Zudem profitiert ausl\u00e4ndisches Kapital in Rum\u00e4nien von den zweit-niedrigsten L\u00f6hnen in der EU und von einer Steuer-Flat-Rate von 16 Prozent. Recht offen dr\u00fcckte die Financial Times am 15.4. die Sorgen der westlichen Konzerne aus: \u201eEin \u00e4hnliches Muster scheint sich in Osteuropa auszubreiten &#8211; mit einem beunruhigenden Unterschied. W\u00e4hrend es ungef\u00e4hr 20 Jahre dauerte bis der Niedriglohnzyklus in Spanien vorbei war, sieht der jetzige so aus, als ob er in Osteuropa nur Jahre anhalten w\u00fcrde. Firmen m\u00fcssen eventuell noch weiter weg suchen um L\u00f6sungen f\u00fcr ihre Kosten zu finden.&#8220;<\/p>\n<p>Die Drohung der Konzernleitung die Produktion in L\u00e4nder zu verlagern, die noch billiger produzieren, hatte die Wut der KollegInnen in den letzten Wochen noch zus\u00e4tzlich angeheizt. Stattdessen forderten sie L\u00f6hne wie beim Mutterkonzern Renault in Frankreich. \u201eMan sagt uns, wir seien Mitglieder Europas, aber im Moment sind es nur die Preise die uns daran erinnern&#8220;, so ein Gewerkschaftssekret\u00e4r.<\/p>\n<h4>&#8222;Ein warmes Essen f\u00fcr die Mitarbeiter&#8220;<\/h4>\n<p>Die Konzernleitung r\u00fchmt sich einiges f\u00fcr die Mitarbeiter zu tun. So g\u00e4be es f\u00fcr jeden eine warme Mahlzeit am Tag. Aber die KollegInnen wollen sich nicht mit Almosen abspeisen lassen. Maria, die seit 25 Jahren in dem Betrieb arbeitet erkl\u00e4rte gegen\u00fcber der franz\u00f6sischen Zeitung Autojournal :&#8220;Es n\u00fctzt gar nichts, uns ein warmes Mittagessen zu geben, wenn wir unseren Kindern kein Abendessen auf den Tisch bringen k\u00f6nnen.&#8220; Gheorge Gheorghu, 40 Jahre alt wohnt noch bei seinen Eltern. &#8222;Ich nehme den Bus zur Arbeit weil der Sprit zu teuer ist&#8220;, erkl\u00e4rt er und meint, &#8222;wir dachten mit dem Sturz des Kommunismus euer Lebensniveau zu erreichen.&#8220;<\/p>\n<p>Allgemein herrscht heute eher das Gef\u00fchl vor mit der Einf\u00fchrung des Kapitalismus vom Regen in die Traufe gekommen zu sein. Umso wichtiger ist die Wirkung des Streiks bei Dacia. Er zeigt nicht nur auf, dass Gegenwehr erfolgreich sein kann, sondern setzte, mit dem Verweis auf die franz\u00f6sischen L\u00f6hne, auch ein wichtiges Zeichen, dass die KollegInnen nicht mehr bereit sind sich international gegeneinander auspielen zu lassen.<\/p>\n<p>Ion Diacomescu, der seit 24 Jahren in der Montage arbeitet und nach Feierabend noch Fenster montiert um seine Familie ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen betont gegen\u00fcber einem Journalisten der Zeitschrift &#8222;Es war wichtig f\u00fcr uns zu h\u00f6ren was ein franz\u00f6sischer Renaultarbeiter verdient. Es darf in Europa keine verschiedenen L\u00f6hne f\u00fcr die gleiche Arbeit geben.&#8220;<\/p>\n<p>Die meisten KollegInnen sind mit dem Ergebnis zufrieden, dies dr\u00fcckt sich auch in den Beitr\u00e4gen in den zahlreichen Internetforen aus die in den letzten Wochen entstaneden und dem Streik gewidmet sind. Gegen\u00fcber der Zeitung Liberation \u00e4u\u00dferte sich der Arbeiter Nicu Oprea: &#8222;Jeden Abend [w\u00e4hrend des Streiks] habe ich mich gefragt wie ich das durchstehen soll und wie meine Rechnungen zahlen. Und dann, ihr habt es gesehen, haben wir gewonnen! Das ist die h\u00f6chste Lohnsteigerung die in den letzten Jahren in Rum\u00e4nien je erreicht wurde.&#8220;<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise w\u00e4re sogar noch mehr drin gewesen wenn der Streik weiter gegangen w\u00e4re. Aber die KollegInnen sehen das jetzt erzielte auch als vorl\u00e4ufiges Ergebnis an. Der zust\u00e4ndige Gewerkschaftssekret\u00e4r hat bereits angek\u00fcndigt, dass Ende des Jahres nochmal verhandelt werden soll. Und die Provokationen der Werksleitung rei\u00dfen nicht ab. Jetzt sollen die KollegInnen in den n\u00e4chsten Wochen mehr arbeiten um die liegengebliebene Arbeit nachzuholen. Im April waren wegen dem orthodoxen Ostern f\u00fcnf freie Tage vorgesehen, die jetzt doch gearbeitet werden sollen. Zudem sollen Kollegen zu Samstags- und Sonntagsschichten rangezogen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nach dem dreiw&#246;chigen Streik, der von zahlreichen Kundgebungen und<br \/>\n      Protestaktionen begleitet war, haben die rum&#228;nischen Dacia-Besch&#228;ftigten<br \/>\n      die h&#246;chste Lohnerh&#246;hung in Rum&#228;nien in den letzten f&#252;nfzehn Jahren<br \/>\n      erzielt.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,43,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12626"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12626"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12626\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12626"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12626"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12626"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}