{"id":12625,"date":"2008-04-20T00:00:00","date_gmt":"2008-04-19T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12625"},"modified":"2012-05-15T15:29:31","modified_gmt":"2012-05-15T13:29:31","slug":"12625","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/04\/12625\/","title":{"rendered":"&#8222;Sachsensumpf&#8220; und Bankenpleite &#8211; Milbradt geht"},"content":{"rendered":"<p>  Nach 2188 Tagen voller Debakel und Skandalen hat der amtierende   Ministerpr&#228;sident von Sachsen, Georg Milbradt, seinen R&#252;cktritt   angek&#252;ndigt. &#8222;Die Linke&#8220; auf Regierungskurs.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>&#8222;Milbradt geht &#8211; Tillich kommt&#8220; titelten die &#8222;Dresdner Neuesten   Nachrichten&#8220; vom Dienstag, dem 15. April. &#8222;Milbradt geht &#8211; Sachsen atmet   auf&#8220; setzte die &#8222;Berliner Zeitung&#8220; auf ihr Titelblatt. Doch an Aufatmen   ist nicht zu denken. Nach einer Emnid-Umfrage vom M&#228;rz diesen Jahres   rechnen &#8222;72 Prozent der Befragten mit deutlich sp&#252;rbaren Folgen f&#252;r   Sachsen durch das Landesbank-Debakel&#8220;, schreibt &#8222;SZ-online&#8220;.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Steve K&#252;hne, Dresden<\/i><\/p>\n<p>  Seit gut acht Monaten versucht Georg Milbradt nun bereits seinen Kopf   aus der Schlinge zu ziehen, doch der Druck auf ihn wuchs. Nicht nur die   Opposition, auch der Koalitionspartner, die SPD, und schlie&#223;lich sogar   der Landesverband der eigenen Partei, hielten ihn f&#252;r nicht mehr   tragbar. Selbst die Bundeskanzlerin Angela Merkel soll auf den noch   amtierenden Ministerpr&#228;sidenten eingewirkt haben. Aus Kreisen der   Bundes-CDU wurde zwar Gespr&#228;che einger&#228;umt, direkte Einflussnahme jedoch   bestritten. &#8222;Wie ein waschechtes Dementi klingt das nicht&#8220;, hie&#223; es denn   auch in der &#8222;Welt&#8220; vom Dienstag, den 15.04.<\/p>\n<h4>  Erzwungener R&#252;cktritt<\/h4>\n<p>  Nach den letzten Monaten der Regierungszeit Georg Milbradts ist jeder   und jedem klar weshalb er aus dem Amt scheidet. Dennoch versucht man   sich im s&#228;chsischen Landesverband der CDU in allerlei   Reparaturstrategien. &#8222;Wenn es Georg Milbradt gewollt h&#228;tte, w&#228;re er f&#252;r   die CDU auch Spitzenkandidat geworden&#8220;, meint Michael Kretschmer,   s&#228;chsischer CDU-Generalsekret&#228;r, im Interview mit den &#8222;DNN&#8220;. &#8222;Er hat   sich anders entschieden und seine Nachfolge ordentlich geregelt&#8220;, hei&#223;t   es weiter. Kretschmer h&#228;lt den R&#252;cktritt gar f&#252;r einen &#8222;w&#252;rdigen   Abschluss eines langen und erfolgreichen politischen Lebens&#8220;, etwas was   &#8222;nur wenige Spitzenpolitiker schaffen.&#8220; Falls Kretschmer, wie   angek&#252;ndigt nun sein Amt ebenfalls zur Verf&#252;gung stellt und nicht wieder   gew&#228;hlt werden sollte, kann er sich sicherlich sehr erfolgreich als   Komiker probieren!<\/p>\n<p>  Dabei ist der wirkliche Hergang ein offenes Geheimnis. Selbst die   &#8222;Dresdner Neuesten Nachrichten&#8220; erkl&#228;rten am 16.04., Milbradt sei erst   nach einer vierst&#252;ndigen Beratung in seinem Privathaus zur Aufgabe aller   seiner &#196;mter bereit gewesen. &#8222;Es ginge nicht gut mit dir&#8220;, sei dem   amtierenden Ministerpr&#228;sidenten mehrfach mit Blick auf die   Kommunalwahlen 2008 bzw. 2009 und den Landtagswahlen im September des   n&#228;chsten Jahres gesagt worden.<\/p>\n<p>  Schlie&#223;lich hat die CDU mehr als ein Problem: In Th&#252;ringen droht der   Verlust der absoluten Mehrheit, in Sachsen stehen 2009 nach dem Debakel   der Wahl 2004, weitere Stimmenverluste ins Haus. Dies w&#252;rde auch   bundespolitische Folgen nach sich ziehen.<\/p>\n<p>  Da gab es nur noch eine L&#246;sung: Milbradt musste vom Ruder. Und er ging   bzw. &#8222;wurde gegangen&#8220;!<\/p>\n<h4>  Hintergrund des Abtritts<\/h4>\n<p>  Mit Georg Milbradt verl&#228;sst ein Mann die politische B&#252;hne, an den sich   die s&#228;chsische und die Bundes-CDU vor allem als gro&#223;en Spezialisten f&#252;r   Niederlagen erinnern wird. Als er 2002 Kurt Biedenkopf als   Ministerpr&#228;sident im Amt beerbte, galt er vielen in der eigenen Partei   als &#8222;K&#246;nigsm&#246;rder&#8220;. Bei der Landtagswahl 2004 fuhr er f&#252;r die CDU einen   historischen Rekordverlust von 16 Prozentpunkten ein und schloss mit der   SPD die &#8222;Gro&#223;e Verlierer-Koalition&#8220; Zum zweiten Mal hintereinander   gelang es den s&#228;chsischen Sozialdemokraten nicht, wenigstens ein   zweistelliges Ergebnis zu erzielen. Mit 9,8 Prozent liegt sie nur knapp   vor der NPD!<\/p>\n<p>  Die Wahl zum Ministerpr&#228;sidenten geriet f&#252;r Milbradt zum Spie&#223;rutenlauf.   Mitglieder der eigenen Fraktion verweigerten ihm die Gefolgschaft und   stimmten f&#252;r den Gegenkandidaten von der NPD. Seither leistete sich die   &#8222;Chaoskoalition&#8220; wie Marcel Braumann, Pressesprecher der s&#228;chsischen   Landtagsfraktion von &#8222;Die Linke&#8220;, die Regierung gegen&#252;ber   &#8222;sozialismus.info&#8220; nannte, einen Skandal nach dem anderen:   &#8222;Flutgeldaff&#228;re&#8220;, &#8222;Sachsensumpf&#8220; &#8211; womit die Aff&#228;re um Verbindungen   s&#228;chsischer Politiker mit dem organisierten Verbrechen gemeint ist &#8211; ,   Waldschl&#246;sschenbr&#252;cke und schlie&#223;lich Milbradts Genickbruch, der Skandal   um die s&#228;chsische Landesbank. Keiner dieser Vorf&#228;lle ist bis heute   wirklich aufgekl&#228;rt!<\/p>\n<p>  Milbradt selbst hatte seinerzeit die Idee zur Gr&#252;ndung einer eigenen   s&#228;chsischen Bank, deren Aufbau er in den 90er Jahre auf den Weg brachte.   SachsenLB hie&#223; das Lieblingskind des damaligen Finanzministers Georg   Milbradt. Schon zu dieser Zeit sprachen viele von Gr&#246;&#223;enwahn, aber alle   spielten dieses Spiel mit, jeder hielt die Klappe, in der Hoffnung auf   satte Gewinne aus hochriskanten Spekulationsgesch&#228;ften und einem   m&#246;glichst gro&#223;en St&#252;ck vom Kuchen. Der verh&#228;ngnisvolle Schritt erfolgte   mit der Gr&#252;ndung des irischen Tochterunternehmens &#8222;SachsenLB Europe&#8220;,   die auf dem US-amerikanischen Kapitalmarkt mitmischte. Gesch&#228;fte mit   hoher Renditen winkten ebenso wie die Risiken gro&#223;er Verluste.<\/p>\n<p>  &#8222;Alle h&#228;tten mir auf die Schulter geklopft und mich gelobt, wenn es   geklappt h&#228;tte. Aber jetzt will keiner mehr etwas davon wissen&#8220;, soll   Milbradt laut &#8222;Berliner Zeitung&#8220; vom 15.04. gegen&#252;ber JournalistInnen   ge&#228;u&#223;ert haben. Nur leider klappte es eben nicht! Der Anfang vom Ende   kam mit der Krise auf dem US-Immobilienmarkt.<\/p>\n<p>  Die SachsenLB hatte getrickst so gut es ging und ein v&#246;llig   un&#252;bersichtliches Netz von Gesellschaften und Gesch&#228;ften ins Leben   gerufen, dem im Angesicht der US-Immobilein- und Finanzmarktkrise   niemand mehr Herr werden konnte. &#8222;Mittels Zweckgesellschaften, die   au&#223;erbilanziell gef&#252;hrt wurden drehte die SachsenLB ein   milliardenschweres Rad. Allein der sogenannte Conduit `Ormond Quay` war   mit 17 Mrd. Euro im Wertpapiergesch&#228;ften aktiv. Im Zuge der Finanzkrise   verloren die Papiere rapide an Wert. Die SachsenLB konnte die   eingegangene Liquidit&#228;tsgarantie f&#252;r diesen Fonds nicht leisten&#8220;,   beschreibt das &#8222;Handelsblatt&#8220; vom 15.04. eines der Gesch&#228;fte der   SachsenLB.<\/p>\n<p>  Noch am 10. August 2007 bestritt die SachsenLB in irgendeiner Weise von   den Turbulenzen am US-Hypothekenmarkt betroffen zu sein &#8211; wenn Banken   derartige Versicherungen abgeben sollte man immer misstrauisch sein.   Noch im selben Monat, am 26. August, muss die SachsenLB, wegen eben   dieser Turbulenzen kurz vor der Pleite stehend, in einem Notverkauf an   die LBBW, die Landesbank Baden-W&#252;rttemberg, ver&#228;u&#223;ert werden. Der   Finanzminister Horst Metz (CDU) muss seinen Hut nehmen &#8211; ein   Bauernopfer, wie es so unsch&#246;n hei&#223;t, das den Ministerpr&#228;sidenten noch   mal aufatmen l&#228;sst, ihn aber nicht mehr retten kann.<\/p>\n<p>  Am 13. Dezember wird der Deal mit der LBBW perfekt, doch vorher sichert   sich diese noch ab: Das Land Sachsen soll B&#252;rgschaften in H&#246;he von 2,75   Mrd. Euro &#252;bernehmen. Verluste, die die SachsenLB einf&#228;hrt, m&#252;ssen bis   zu dieser Summe von den s&#228;chsischen SteuerzahlerInnen, von den   lohnabh&#228;ngig Besch&#228;ftigten, getragen werden. Selbst, wenn nicht der   ganze Betrag f&#228;llig werden w&#252;rde &#8211; der s&#228;chsische Haushalt w&#252;rde   gesprengt.<\/p>\n<p>  Am Wochenende vom 12.\/13.April wurde nun bekannt, dass Sachsen in jedem   Fall mit 1,2 Mrd. Euro f&#252;r die Verluste der SachsenLB haften muss. Das   alte Spiel: Gewinne werden privatisiert, Verluste werden   vergesellschaftet, die Arbeiterklasse zahlt f&#252;r die riskanten   Spekulationsgesch&#228;fte der Herrschenden.<\/p>\n<p>  Georg Milbradt hat sich alle M&#252;he gegeben, diese Binsenweisheit zu   best&#228;tigen. Am 7.April musste die Staatskanzlei bekannt geben, dass auch   er sich an den Spekulationsgesch&#228;ften &#8222;seiner&#8220; Bank beteiligt hat. Nicht   weniger als 360 000 Euro investierten der Landesvater und seine Gattin.   Besonders pikant daran ist, dass selbst der gut verdienende   Ministerpr&#228;sident so viel Geld nicht auf einen Schlag parat hatte und er   sich daher von der SachsenLB mit zwei Krediten in einer Gesamth&#246;he von   172 000 Euro aushelfen lassen musste.<\/p>\n<p>  Trotz der Fast-Pleite der SachsenLB ist jedoch das Geld des Ehepaares   Milbradt sicher, daf&#252;r haften ja die s&#228;chsischen Untertanen!<\/p>\n<h4>  Finanziell abgesichert<\/h4>\n<p>  Tats&#228;chlich war Milbradt f&#252;r die CDU von dem Moment an nicht mehr   tragbar, als seine Privatgesch&#228;fte mit der SachsenLB ans Licht kamen.   Ihm wird der pers&#246;nliche Abschiedsschmerz etwas vers&#252;&#223;t. Zun&#228;chst wird   er ein &#220;bergangsgeld von satten 66 500 Euro erhalten und hiernach 8600   Euro Ruhegeld. Und ach ja, seine Gewinne aus den Gesch&#228;ften mit der   SachsenLB sind ja auch noch gesichert &#8211; da reitet man gern eine Bank in   die Pleite.<\/p>\n<p>  Anders sieht es bei denen aus, die von der Bankenpleite betroffen sein   werden. Die lohnabh&#228;ngig Besch&#228;ftigten gerade im &#246;ffentlichen Dienst   werden schon sehr bald durch Stellenabbau und Lohnverlust zur Kasse   gebeten werden. Erinnerungen an Berlin werden wach. Dort w&#228;lzt eine   &#8222;rot-rote&#8220; Regierung die Folgen der von CDU und SPD organisierten   Bankenkrise brutal auf die lohnabh&#228;ngig Besch&#228;ftigten und die Armen   dieser Stadt ab.<\/p>\n<p>  &#8222;Im schlechtesten Fall etwa f&#252;nf Milliarden Euro&#8220;, mit diesen Worten des   s&#228;chsischen Landtagsabgeordneten Karl Nolle (SPD) im Interview mit der   &#8222;Jungen Welt&#8220; vom 16.04. werden die Dimensionen der auf die s&#228;chsische   Bev&#246;lkerung zukommenden Kosten des Bankenskandals beziffert. Zwar sei   noch unklar, ob &#8222;jetzt, mittelfristig, oder sp&#228;ter&#8220; zu zahlen sei, aber   eines ist klar: Nicht die Verursacher der Pleite m&#252;ssen zahlen. Die   handvoll Manager, Unternehmer und Politiker, die an diesem Skandal   verdient haben, sind fein raus.<\/p>\n<h4>  Keiner will`s gewesen sein<\/h4>\n<p>  Wie &#252;blich ist an diesem Debakel wieder niemand schuld! Der   CDU-Abgeordnete Heinz Eggert eilt Georg Milbradt zu Hilfe. &#8222;Es wurde   nirgendwo eine schuldhafte Verstrickung Milbradts in die Dinge um die   SachsenLB nachgewiesen&#8220;, zitieren ihn die &#8222;DNN&#8220; vom 15.April. Der   designierte Ministerpr&#228;sident Tillich erh&#228;lt Sch&#252;tzenhilfe von der   Ausgabe des &#8222;Handelsblattes&#8220; vom 15.April, die festh&#228;lt, man k&#246;nne den   &#8222;erst seit September amtierenden Finanzminister [&#8230;] schwerlich   verantwortlich machen&#8220; f&#252;r die Geschehnisse um die Landesbank &#8211; was   l&#228;cherlich ist, bedenkt man, dass Tillich seit 1999 Mitglied der   s&#228;chsischen Landesregierung ist.<\/p>\n<p>  Nolle verstieg sich in der &#8222;Jungen Welt&#8220; gar zu der Aussage: &#8222;Bei   manchem Zeugen im Untersuchungsausschuss habe ich mich richtig gefreut,   da&#223; er sich wenigstens noch an den Namen der Bank erinnern konnte.&#8220; Ob   sich seine Worte auch auf die chronisch unschuldige SPD beziehen, lie&#223;   er offen.<\/p>\n<p>  Der Ex-Wirtschaftsstaatssekret&#228;r Christoph Habermann (SPD), Mitglied des   Verwaltungsrates der SachsenLB von 2004 bis 2007, erkl&#228;rte am 14.04. vor   dem Untersuchungsausschuss des s&#228;chsischen Landtages, er sei &#252;ber die   Gesch&#228;fte der SachsenLB Europe unzureichend informiert gewesen. Sein   Leid teilen nach seinen Aussagen auch andere Mitglieder des   Verwaltungsrates.<\/p>\n<p>  Dass man wissen konnte, wenn man wissen wollte, dass man sich &#252;ber die   Risiken im Klaren sein musste, wenn man nicht nur die m&#246;glichen Renditen   und das eigene Portemonnaie im Blick gehabt h&#228;tte, ist offenkundig. Die   Wirtschaftspr&#252;fungsgesellschaft KPMG warnte schon 2004 vor den Gefahren   der Gesch&#228;fte der SachsenLB Europe, doch niemand griff ein. Immerhin   sollten 2007\/08 satte Gewinne erwirtschaftet worden sein und die von der   KMPG aufgezeigten Risiken waren Teil des Plans.<\/p>\n<h4>  Erinnerung an Milbradts Amtszeit &#8211; eine Klassenfrage<\/h4>\n<p>  Gro&#223;es Lob erhielt Milbradt f&#252;r seine Arbeit, wie sollte es auch anders   sein, von Vertretern der Wirtschaftsverb&#228;nde. Sein Sparkurs hatte ihnen   nicht wenig Gewinne gebracht: F&#252;r die Kommunen ist kein Geld da, Schulen   werden geschlossen, oder verfallen, aber, wenn der ADAC den Bau einer   Br&#252;cke in Dresden verlangt, &#252;ber die keine Stra&#223;enbahn und kein Bus   fahren werden, dann spendiert die Landesregierung, dank Herrn Milbradt   auch mal schnell 90 Millionen Euro. Die von Milbradt verfolgte   &#8222;Leuchtturm-Strategie&#8220;, einige wenige wirtschaftliche Projekte in   bestimmten Regionen zu f&#246;rdern und woanders Brachen zu hinterlassen   wurde in den letzten Tages seit der Ank&#252;ndigung seins R&#252;cktrittes immer   wieder gelobt. Dabei kann das nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass diese   Taktik nichts anderes zeigte, als das der Kapitalismus nicht in der Lage   ist Regionen fl&#228;chendeckend aufzubauen.<\/p>\n<p>  Was f&#252;r die Herren und Damen in den Chefetagen gut ist, kann f&#252;r die   Arbeiterklasse nur schlecht sein. Sachsen ist in Ostdeutschland die   Region mit der geringsten Kaufkraft &#8211; dies sagt etwas &#252;ber die Einkommen   und die soziale Lage der lohnabh&#228;ngig besch&#228;ftigten aus. Die Tarife f&#252;r   LehrerInnen wurden auf 77 Prozent abgesenkt &#8211; wobei Milbradt sich auf   die Hilfe der GEW -B&#252;rokratie verlassen konnte, die den Kampf um 100   Prozent schnell absagte. Sachsen hat im Schnitt den niedrigsten   Tariflohn im gesamten Bundesgebiet. Friseure erhalten hier, tariflich   vereinbart, 3,60 Euro die Stunde. Viele lohnabh&#228;ngig Besch&#228;ftigte   arbeiten abseits aller Tarife. F&#252;r die Kapitalisten sind dies   tats&#228;chlich gute Bedingungen.<\/p>\n<p>  Milbradt, Freund einer vollkommenen Liberalisierung des Arbeitsmarktes,   den Herren im Nadelstreifendress verpflichtet, ist entschiedener Gegner   eines Mindestlohns, denn der w&#252;rde Niedriglohnbesch&#228;ftigten helfen und   die Profite seiner G&#246;nner in Gefahr bringen. Selbst die l&#228;cherliche   Rentenerh&#246;hung lehnte Milbradt ab.<\/p>\n<p>  Klar, dass Leuten wie Hartmut Paul, Pr&#228;sident der Industrie- und   Handelskammer in Dresden, der Abschied von Milbradt schwer f&#228;llt und   ebenso klar, dass vorsichtshalber schon jetzt den &#8222;DNN&#8220; vom 15.04.   verr&#228;t, wie er sich die Politik nach Milbradt vorstellt: &#8222;Ich erwarte   keine &#196;nderungen an diesem Kurs.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Frage wer sich wie an die Politik der s&#228;chsischen Landesregierung   unter Milbradt erinnert ist eine Klassenfrage. Der Lehrer vor der   &#252;berf&#252;llten Klasse, die Friseurin, die ihre Rechnungen nicht bezahlen   kann sind keine Nutznie&#223;er der Milbradtschen &#8222;Leuchtturmpolitik&#8220;,   Hartmut Paul schon.<\/p>\n<h4>  Weiter so? Weiter so!<\/h4>\n<p>  Wie verh&#228;lt sich nun der kleine Koalitionspartner? Was tut die SPD? Im   Grunde gar nichts! Karl Nolle, der so manchen Skandal der CDU ans   Tageslicht brachte, sieht sich mit Milbradts Abtritt am Ziel seiner   Tr&#228;ume. &#8222;Es besteht die Chance, da&#223; wir mit diesen Erfahrungen und mit   einem neuen Ministerpr&#228;sidenten zur notwendigen partnerschaftlichen   Zusammenarbeit mit der Union finden werden. Wir haben die Koalition   nicht infrage gestellt, aber zunehmend die Person des   Ministerpr&#228;sidenten. Das Problem zu l&#246;sen, war Aufgabe der CDU, nicht   unsere&#8220;, verk&#252;ndet er in der &#8222;Jungen Welt&#8220;. Dirk Panter, s&#228;chsischer   SPD-Generalsekret&#228;r, sieht die SPD als stabilen Faktor in der Koalition,   Thomas Jurk, s&#228;chsischer Wirtschaftsminister und Chef der SPD-Sachsen,   zollt in den &#8222;DNN&#8220; dem Noch-Ministerpr&#228;sidenten f&#252;r seine Entscheidung   &#8222;Respekt&#8220;.<\/p>\n<p>  Selbst die von der &#8222;Linken&#8220; und der FDP immer wieder lautstark   geforderte Landtagsaufl&#246;sung, die Neuwahlen erm&#246;glichen soll, wird von   der SPD abgelehnt. Warum sie dies tut, obwohl die letzte von der Partei   &#8222;Die Linke&#8220; in Auftrag gegebene Umfrage die SPD in Sachsen bei 16, nicht   bei 9,8 Prozent sieht, ist ziemlich augenf&#228;llig. Die FDP steht in den   Startl&#246;chern, um mit der CDU zusammen die Regierung zu bilden. Die   gelben 7 und die schwarzen 40 Prozent w&#228;ren mehr als die 23 Prozent der   Partei &#8222;Die Linke&#8220;, die 16 Prozent der SPD und die 5 Prozent der   &#8222;Gr&#252;nen&#8220;. Die NPD liegt nach der Umfrage bei 4 Prozent.<\/p>\n<p>  Dass die &#8222;Gr&#252;nen&#8220; eventuell drau&#223;en bleiben, l&#228;sst auch ihr Interesse an   Neuwahlen gegen Null tendieren.<\/p>\n<p>  Immerhin w&#252;rde eine neue Koalition, und 55 Prozent der Sachsen wollen   einen Wechsel, stets auf die SPD angewiesen bleiben. Somit w&#228;re   mindestens immer eine Partei in der Regierung, die ihren Teil zur   jetzigen Situation beigetragen hat. Daran will auch &#8222;die Linke&#8220; nichts   &#228;ndern. Die will in die Regierung, denn &#8222;das liegt in der Natur der   Sache&#8220;, wie der Pressesprecher der Linksfraktion im s&#228;chsischen Landtag   gegen&#252;ber &#8222;sozialismus.info&#8220; festhielt. Man kann sich also sicher sein,   dass die Reihe von Skandalen auch nach der n&#228;chsten Wahl, sei sie nun   schon 2008, oder &#8211; was wahrscheinlicher ist &#8211; erst turnusm&#228;&#223;ig 2009,   nicht abrei&#223;en wird.<\/p>\n<h4>  &#8222;Die Linke&#8220; und die Regierung<\/h4>\n<p>  Noch etwas anderes wird sicher nicht abrei&#223;en: die Sparorgien einer   s&#228;chsischen Landesregierung, in welcher Konstellation auch immer sie   entstehen wird. Andr&#233; Hahn, Vorsitzender der Fraktion &#8222;Die Linke&#8220; im   s&#228;chsischen Landtag erkl&#228;rte j&#252;ngst auf einer Diskussionsrunde seiner   Partei in Dresden, man m&#252;sse in die Regierung und dort als st&#228;rkste   Kraft auch den Ministerpr&#228;sidenten stellen, denn in Zeiten wie diesen   wolle er dar&#252;ber entscheiden, wo gespart wird und die Antwort auf diese   Frage nicht der CDU &#252;berlassen. Auch hier l&#228;sst wieder das Beispiel   Berlin gr&#252;&#223;en. Dort macht &#8222;Die Linke&#8220; vor, wie sie spart.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich besteht die M&#246;glichkeit, dass &#8222;Die Linke&#8220; ab 2009 in Sachsen   den Ministerpr&#228;sidenten stellen wird. In Umfragen liegt sie hier zurzeit   bei 23 Prozent und damit deutlich vor der SPD. Die Frage ist allerdings   berechtigt, was das ver&#228;ndern w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Wenn &#8222;Die Linke&#8220; es nicht versteht, sich mit dem Kapital anzulegen, das   Geld, was fehlt bei denen zu holen die es haben, bei Ackermann, Hartmut   Paul und Co., wird ihre Regierungsbilanz nicht wesentlich besser   aussehen, als die des Berliner Landesverbandes. Verarmung w&#252;rde dann   noch mehr als bisher zum Programm. In den Augen der s&#228;chsischen   Bev&#246;lkerung w&#252;rde sich &#8222;Die Linke&#8220; dann entzaubern und, was noch viel   schlimmer ist, die Gefahr besteht, dass die momentane Offenheit f&#252;r   sozialistische Ideen in breiten Kreisen der lohnabh&#228;ngig Besch&#228;ftigten   verloren gehen w&#252;rde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nach 2188 Tagen voller Debakel und Skandalen hat der amtierende<br \/>\n      Ministerpr&#228;sident von Sachsen, Georg Milbradt, seinen R&#252;cktritt<br \/>\n      angek&#252;ndigt. &#8222;Die Linke&#8220; auf Regierungskurs.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12625"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12625"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12625\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12625"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12625"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12625"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}