{"id":12581,"date":"2008-03-25T13:00:00","date_gmt":"2008-03-25T13:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12581"},"modified":"2008-03-25T13:00:00","modified_gmt":"2008-03-25T13:00:00","slug":"12581","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/03\/12581\/","title":{"rendered":"IG Metall: Handstreich bei Daimler Mettingen"},"content":{"rendered":"<p>  Konflikt am Standort Untert&#252;rkheim eskaliert erneut. Nach Abbruch der   Delegiertenwahl im Werksteil Mettingen &#252;bernimmt Stuttgarter IG Metall   rebellische Belegschaft<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i><b>von Daniel Behruzi, zuerst ver&#246;ffentlicht in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2008\/03-25\/009.php\">jungen   Welt, 25.3.08<\/a><\/b><\/i><\/p>\n<p>  Zeitweilig sah es so aus, als w&#252;rden sich die konkurrierenden   IG-Metall-Fraktionen im Daimler-Werk Untert&#252;rkheim einander ann&#228;hern.   Diesen Eindruck erweckten zumindest Gespr&#228;che zwischen der   Betriebsratsmehrheit und der Oppositionsgruppe &#187;alternative&#171;, die mit   zehn Sitzen die zweitgr&#246;&#223;te Gruppe im Betriebsrat stellt, sowie die   gemeinsame Kandidatur zur Aufsichtsratswahl (jW berichtete). Doch jetzt   eskalierte die Mehrheitsfraktion den Konflikt erneut, indem sie die Wahl   zur IG-Metall-Delegiertenversammlung im Werksteil Mettingen abbrechen   lie&#223;.<\/p>\n<p>  Wenn die mehr als 100 Delegierten der IG Metall in der Verwaltungsstelle   Esslingen Anfang April zusammenkommen, wird die gr&#246;&#223;te Belegschaft nicht   vertreten sein: die des Autobauers Daimler aus Mettingen. Der Standort   geh&#246;rt zum Werk in Stuttgart-Untert&#252;rkheim, liegt selbst allerdings im   Einzugsbereich von Esslingen und entsendet &#252;blicherweise 32 Delegierte   in die &#246;rtliche Versammlung. Doch nicht so dieses Mal. Denn noch w&#228;hrend   der laufenden Delegiertenwahl &#8211; rund zwei Drittel der etwa 4500   Gewerkschaftsmitglieder hatten bereits abgestimmt &#8211;war diese in der   letzten M&#228;rzwoche von der Betriebsratsmehrheit abgebrochen worden. Die   Begr&#252;ndung: Die &#187;alternative&#171;, deren Aktivisten allesamt Mitglieder der   IG Metall sind, habe einen Wahlaufruf f&#252;r ihre Kandidaten auf der   Gewerkschaftsliste verteilt. Diese &#187;fraktionierende Wahlempfehlung f&#252;r   die Kandidaten der alternative und massive Wahlbeeinflussung war der   Ausl&#246;ser f&#252;r das Abbrechen der Wahl&#171;, hei&#223;t es im Scheibenwischer, der   Betriebszeitung der IG-Metall-Mehrheitsfraktion.<\/p>\n<p>  F&#252;r &#187;ganz und gar inakzeptabel und ungerechtfertigt&#171; h&#228;lt   &#187;alternative&#171;-Betriebsrat Tom Adler den Abbruch des Urnengangs. &#187;Einer   Wahlempfehlung kann der W&#228;hler folgen, wenn er sie f&#252;r richtig h&#228;lt &#8211;   oder eben nicht. Das als &#8250;Manipulation&#8249; zu bezeichnen ist absurd&#171;, so   Adler gegen&#252;ber junge Welt. Die &#187;alternative&#171;, die bei der   Betriebsratswahl im Jahr 2006 im Werksteil Mettingen die meisten Stimmen   erhielt, sei weder am Wahlvorstand noch an der Listenaufstellung   beteiligt worden. Die Kandidatenreihenfolge habe sich nicht, wie bisher   immer, nach dem Alphabet gerichtet, sondern &#187;nach v&#246;llig intransparenten   politischen Krite&#173;rien, die den Metallern im Betrieb nicht mitgeteilt   wurden&#171;. &#187;Trotz unserer offen ge&#228;u&#223;erten Kritik an dem Verfahren hat die   Mehrheitsfraktion das einfach durchgezogen und die Reihenfolge der   Kandidaten offen als Wahlempfehlung der   IG-Metall-Vertrauensk&#246;rperleitung bezeichnet&#171;, kritisierte Adler. Den   Oppositionellen nun vorzuwerfen, sie h&#228;tten sich mit ihrem Flugblatt   &#187;&#246;ffentlich gegen eine Entscheidung der Vertrauensk&#246;rperleitung   positioniert&#171;, wie es Uwe Meinhardt, 2. Bevollm&#228;chtigter der Stuttgarter   IG Metall, in einer jW vorliegenden Mail tut, sei vor diesem Hintergrund   nicht nachvollziehbar.<\/p>\n<p>  In Gefolge des Wahlabbruchs haben die Ortsvorst&#228;nde der IG Metall in   Esslingen und Stuttgart beschlossen, den Daimler-Standort Mettingen in   die gr&#246;&#223;ere Stuttgarter Verwaltungsstelle zu transferieren. Da&#223; ein   entsprechender Antrag beim Gewerkschaftsvorstand vorliegt, best&#228;tigte   dessen Sprecherin Ingrid Gier auf jW-Nachfrage. &#187;Beide   Verwaltungsstellen haben sich auf dieses Vorgehen verst&#228;ndigt.&#171; Es sei   Teil &#187;eines Prozesses, der schon l&#228;nger l&#228;uft&#171;. Im Gegensatz zu dieser   Aussage aus der Frankfurter Zentrale behaupteteten die Stuttgarter   IG-Metall-Bevollm&#228;chtigten nach jW-Informationen gegen&#252;ber Mitgliedern   des Stuttgarter Ortsvorstands und des &#246;rtlichen   Vertrauensleuteausschusses, da&#223; sie kein Interesse an der &#220;berf&#252;hrung   der Mettinger nach Stuttgart gehabt h&#228;tten. Eben dies bezweifeln die in   der &#187;alternative&#171; zusammengeschlossenen linken Aktivisten. &#187;Die   handstreichartige &#220;berf&#252;hrung der Mettinger Daimler-Kollegen in die   Zust&#228;ndigkeit der IG Metall Stuttgart erf&#252;llt der Betriebsratsspitze des   Untert&#252;rkheimer Daimler-Werks eine schon seit mehr als zehn Jahren   gestellte Forderung&#171;, hei&#223;t es in einer Stellungnahme der Gruppe. &#187;Diese   macchiavellistische Machtpolitik offenbart das rein instrumentelle   Verh&#228;ltnis zur Gewerkschaftsbasis, deren demokratische Rechte mit F&#252;&#223;en   getreten werden, wenn es opportun erscheint&#171;, kommentierte Adler.   Offensichtlich hoffe man, die &#187;Mettinger Rebellen&#171; w&#252;rden in der   gr&#246;&#223;eren Stuttgarter Versammlung ein geringeres Gewicht haben.<\/p>\n<p>  Das Vorgehen der IG-Metall-Spitze hat &#8211; sollte es vom Vorstand   abgesegnet werden &#8211; aber noch eine weitere Folge: Die Mettinger   Delegierten, deren Wahl erst im Herbst wiederholt werden soll, werden   bei der konstituierenden Sitzung Anfang April nicht dabei sein und   k&#246;nnten somit nicht f&#252;r Gremien kandidieren. &#187;4500 Gewerkschaftern wird   damit schlicht das aktive und passive Wahlrecht f&#252;r die laufenden   Organisationswahlen aberkannt&#171;, kritisierte Adler. Mit einer   demokratischen Organisationskultur sei ein solch &#187;putschistisches   Vorgehen&#171; nicht vereinbar. Weder die betroffenen Verwaltungsstellen noch   die baden-w&#252;rttembergische Bezirksleitung oder der Vorstand der IG   Metall wollten sich gegen&#252;ber jW zu den Vorw&#252;rfen &#228;u&#223;ern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Konflikt am Standort Untert&#252;rkheim eskaliert erneut. 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