{"id":12563,"date":"2008-03-05T00:00:00","date_gmt":"2008-03-05T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12563"},"modified":"2008-03-05T00:00:00","modified_gmt":"2008-03-05T00:00:00","slug":"12563","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/03\/12563\/","title":{"rendered":"Frankreich: &#8222;Eine Seite in der Geschichte der Arbeiterbewegung wird \r\n      umgeschlagen. Unsere Entscheidung ist historisch&quot;"},"content":{"rendered":"<p>  so Alain Krivin einer der K&#246;pfe der LCR &#252;ber das Projekt einer neuen   Partei in Frankreich. Vom 24. bis 27. Januar fand in Paris der LCR-   Konkre&#223; statt, der die Gr&#252;ndung einer &#8222;neuen antikapitalistischen   Partei&quot; endg&#252;ltig beschlossen hat.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Tinette Schnatterer, <\/i>Montargis bei Paris<\/h4>\n<p>  Ihr ehemaliger Kandidat bei den Pr&#228;sidentschaftswahlen, Olivier   Besancenot, erh&#228;lt in Umfragen regelm&#228;&#223;ig um die 14% und in einer   Umfrage &#228;u&#223;erten 45%, Besancenot solle eine wichtigere Rolle in der   Politik spielen, womit er vor allen anderen Politikern landete. Von   jetzt an sollen in allen Orten Intiativ-Komitees aufgebaut werden, im   Juni sollen sich diese auf nationaler Ebene treffen und Ende des Jahres   ein Gr&#252;ndungskonkress stattfinden. Der Titel der aktuellen Ausgabe der   LCR-Zeitung titelt: &#8222;Eine neue antikapitalistische Partei- das ist   dringend&quot;. Das ist es in der Tat, allerdings ist noch offen was wirklich   aus diesem Projekt werden wird.<\/p>\n<p>  Bereits letzten Sommer hatte die LCR die Gr&#252;ndung einer neuen Partei zum   ersten Mal angek&#252;ndigt. Hintergrund, war ein au&#223;erordentlich gutes   Abschneiden der LCR bei den Pr&#228;sidentschaftswahlen: 4,08% hatten f&#252;r   ihren Kandidaten Besancenot gestimmt, das sind immerhin 1,5 Millionen   W&#228;hlerInnen. Gauche Revolutionnaire (Schwesterorganisation der SAV)   hatte diese Entscheidung begr&#252;&#223;t und in einem Brief an die LCR   mitgeteilt, dass sie sich ab sofort an der Organisierung von ersten   Versammlungen werde. Gauche Revolutionnaire hat schon in den letzten   Jahren immer wieder betont wie dringend notwendig eine neue   Arbeiterpartei in Frankreich ist und betont, dass LCR und LO (die beiden   gro&#223;en trotzkistischen Organisationen) in der Lage gewesen w&#228;ren   Schritte in diese Richtung zu unternehmen. Und, g&#252;nstige Gelegenheiten   gab es einige: die gro&#223;e Streikbewegung 1995 oder die   Pr&#228;sidentschaftswahl 2002, bei der LO und LCR zusammen ca. 10 % der   Stimmen bekommen hatten.<\/p>\n<p>  Auch die Streikbewegung im letzten Herbst w&#228;re ein guter Moment gewesen   eine neue Partei im Kampf aufzubauen und damit einen Schritt aufzuzeigen   wie das Vakuum auf der Linken gef&#252;llt werden kann und wie ein Programm   und eine Kampfstrategie entwickelt werden kann. Leider hatte die LCR &#8211;   F&#252;hrung zu diesem Zeitpunkt erkl&#228;rt, dass man sich nicht in einem   &#8222;Hochgeschwindigkeitszug&quot; befinde und auf ihren Kongress im Januar   vertr&#246;stet. Bis dahin warb sie erst einmal f&#252;r eine Mehrheit f&#252;r dieses   Projekt in den eigenen Reihen (vor dem Konkress gabes 5 verschiedene   Plattformen in der LCR). Diese H&#252;rde ist genommen: 83 % der LCR &#8211;   Delegierten&#160;stimmten f&#252;r eine Resolution zum Aufbau der neuen Partei.   Gauche Revolutionaire und die Socialist Party (englische Sektion des   CWI) waren mit je einem Gast bei dem Kongress anwesend und verteilten   eine Gru&#223;adresse an alle Anwesenden.<\/p>\n<p>  Darin hat Gauche Revolutionnaire ein weiteres Mal erkl&#228;rt welche   Bedingungen erf&#252;llt sein m&#252;ssen, damit aus der neuen Partei tats&#228;chlich   eine k&#228;mpferische Partei f&#252;r Besch&#228;ftigte und Jugendliche wird.   Entscheidend ist dabei, dass die neue Formation eine Arbeiterpartei   wird, die sich auf die Besch&#228;ftigten st&#252;tzt die sich im Kampf gegen   Sarkozy und die Unternehmer befinden. &#8222; Sie muss es erm&#246;glichen, der   Arbeiterklasse eine politische Unabh&#228;ngigkeit zur&#252;ckzugeben und darf   daher keine Allianzen mit den anderen b&#252;rgerlichen Parteien eingehen   oder mit denen die bereit sind den Kapitalismus zu verwalten, sei es in   den Institutionen, in den K&#228;mpfen oder in den Wahlen&quot; so die Gru&#223;adresse.<\/p>\n<h4>  PS steht auf der anderen Seite<\/h4>\n<p>  Die PS (Parti Socialiste) ist mittlerweile eine weitere Partei der   B&#252;rgerlichen und hat alles getan dies immer wieder unter Beweis zu   stellen. W&#228;hrend den Streiks gegen die Anhebung des Rentenalters im   Herbst beeilte sie sich zu versichern sie h&#228;tte das gleiche getan wenn   sie an der Regierung w&#228;re. Einige Mitglieder der PS traten gleich als   Minister in Sarkozys Regierung ein. Die LCR hat immer wieder betont dass   eine neue Partei unabh&#228;ngig von der PS sein m&#252;sse. Darauf muss man sich   allerdings auch verlassen k&#246;nnen. Noch im Protest gegen das CPE   (Ersteinstellungsgesetz) hat die LCR gemeinsame Erkl&#228;rungen mit der PS   unterzeichnet. Sie spricht weiterhin von der &#8222;Regierungslinken&quot; auch   wenn sie sich von dieser abgrenzt. Das ist nicht hilfreich, schlie&#223;lich   entsteht die Notwendigkeit einer neuen Partei genau daraus dass die PS   mittlerweile ganz und gar auf der anderen Seite steht!<\/p>\n<h4>  F&#252;r eine dynamische Gr&#252;ndungskampagne!<\/h4>\n<p>  Die Gr&#252;ndungskampagne muss bereits die Basis f&#252;r eine k&#228;mpferische   Partei legen. &#8222; Daf&#252;r m&#252;ssen Gr&#252;ndungskomitees in allen Orten gegr&#252;ndet   werden die sich regelm&#228;&#223;ig treffen und gemeinsam nach au&#223;en treten. Der   Rhythmus dieser Kampagne muss der Rhythmus der K&#228;mpfe der Besch&#228;ftigten   und Jugendlichen sein&quot;, schreibt Gauche Revolutionnaire weiter im   Gru&#223;wort zum Kongress.<\/p>\n<p>  In Rouen hat Gauche Revolutionnaire ein gemeinsames Treffen mit der LCR   zur Frage der neuen Partei durchgef&#252;hrt an dem 60 Leute teilnahmen und   ein gemeinsames Flugblatt herausgegeben.<\/p>\n<p>  Um eine antikapitalistische Partei zu sein muss diese die Forderungen   aufstellen, die f&#252;r die Besch&#228;ftigten wichtig sind und gleichzeitig die   Frage nach einer Alternative zum Kapitalismus aufwerfen. Gauche   Revolutionnaire hat dies im letzten Wahlkampf vorgemacht in dem sie in   einem Teil von Rouen mit den Forderungen nach einem guten und   kostenlosen &#214;ffentlichen Dienst, Arbeit von der man leben kann und   vern&#252;nftigen Wohnungen f&#252;r Alle angetreten ist.<\/p>\n<h4>  Revolution&#228;re Partei jetzt &#252;berfl&#252;ssig?<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend eine neue Partei offen sein muss f&#252;r Leute die nicht, oder noch   nicht, Sozialisten sind und allen Besch&#228;ftigte die sich jetzt gemeinsam   gegen die neoliberalen Angriffe wehren m&#246;chten ein Angebot machen muss   sich zu organisieren, ist es die Aufgabe von Revolution&#228;ren innerhalb   dieser Partei f&#252;r sozialistische Ideen zu werben. Fr&#252;her oder sp&#228;ter   wird der Erfolg einer solchen Partei auch davon abh&#228;ngen, ob es gelingt   eine Alternative zum Profitwahnsinn und seinen &#8222;Sachzw&#228;ngen&quot; zu   formulieren. Leider hat es die LCR bislang bei seltenen und wagen   Aussagen zum &#8222;Sozialismus des 21. Jahrhunderts&quot; belassen.<\/p>\n<p>  Um einen m&#246;glichst gro&#223;en und inhaltlich klaren Beitrag zu diesem   Wiederaufbau der Arbeiterbewegung leisten zu k&#246;nnen ist Gauche   Revolutionnaire davon &#252;berzeugt dass es notwendig ist die eigene   Organisation (und Mitgliedschaft im CWI!) beizubehalten.<\/p>\n<p>  Die LCR verk&#252;ndete hingegen mehrfach, die eigene Organisation bei   Gr&#252;ndung der neuen Partei aufzul&#246;sen. Olivier Besancenot erkl&#228;rte in   einem Chat der Zeitung Le Monde am 28.1.08: &#8222;Die LCR hatte eine sehr   genaue Vorstellung von seinem revolution&#228;ren Projekt (Permanente   Revolution etc.). Dieses Mal geht es darum in offener Weise alle   diejenigen zu versammeln die handeln wollen und dar&#252;ber nachdenken was   der Sozialismus des 21. Jahrhunderts sein k&#246;nnte&quot;. Dabei darf man nicht   verwechseln dass es nat&#252;rlich wichtig ist eine offene und demokratische   Diskussion &#252;ber solche Fragen innerhalb einer neuen Partei zu f&#252;hren.   Eine Partei die den Anspruch hat eine revolution&#228;re Partei zu sein, hat   nicht die Aufgabe alle Erfahrungen und inhaltliche Klarheit &#252;ber Bord zu   werfen oder so zu tun als ob es diese nicht g&#228;be sondern muss diese in   den Dienst einer breiteren Partei stellen. Auf das Programm der neuen   Partei angesprochen meinte Besancenot gegen&#252;ber der Zeitschrift &#8222;Les   Echos&quot;&#160;: &#171;&#160;F&#252;r die Mitglieder der LCR wird [der Unterschied] nicht wie   Tag und Nacht sein&#160;&#187; aber, beteuerte er &#171;&#160; es wird auch nicht einfach   eine erweiterte LCR&quot;.<\/p>\n<p>  Immer wieder sprach sich Besancenot f&#252;r eine demokratische Partei aus,   in der er nur einer der Sprecher sein werde. Diese Frage ist nicht   nebens&#228;chlich: die Erfahrung der Arbeiterbewegung hat gezeigt, dass   jederzeitige W&#228;hl- und Abw&#228;hlbarkeit genauso wichtig sind wie die   Tatsache, dass alle die innerhalb der Partei oder f&#252;r die Partei in   Parlamenten eine Funktion aus&#252;ben nicht mehr bekommen d&#252;rfen als einen   durchschnittlichen Facharbeiterlohn. Entscheident ist au&#223;erdem, dass das   Programm und die Arbeitsweise der neuen Partei demokratisch von den   AktivistInnen diskutiert werden kann und nicht von der LCR vorgegeben   wird.<\/p>\n<p>  Welches Gewicht die neue Partei spielen wird ist offen. Dies h&#228;ngt zum   einen davon ab was f&#252;r ein Programm sie annimmt und ob sie mit diesem   f&#252;r die k&#228;mpfenden Besch&#228;ftigten und Jugendlichen einen Ausweg aus der   kapitalistischen Misere aufzeigt. Es h&#228;ngt weiter entscheidend davon ab   welche Dynamik der Gr&#252;ndungsprozess bekommt (Komitees an Universit&#228;ten   werden nicht ausreichen!)und davon wie sich der Klassenkampf in den   n&#228;chsten Monaten entwickelt. Auch wenn dieser seit den Streiks im Herbst   etwas abgebremst ist gehen die Proteste aber weiter so wie der Streik im   &#214;ffentlichen Dienst oder der Grosshandelsbesch&#228;ftigten im Januar und es   gibt kein Gef&#252;hl einer grossen Niederlage unter den Kollegen.<\/p>\n<p>  Und die Angriffe gehen weiter: ob Angriff auf die 35h-Woche, Anhabung   des Renteneinstiegsalters auf 41 Jahre, Schulreform, oder Reform der   Arbeitsvertr&#228;ge; keine Bereich bleibt verschont. Geichzeitig ist Sarkozy   bei einem neuen Rekordtief in den Umfragen angekommen.<\/p>\n<p>  Eine neue Partei ist dringend n&#246;tig und ihr Aufbau muss ernsthaft und   mit aller Kraft betrieben werden,&#160;wenn tausende Arbeiter sich   organisieren w&#228;re das ein enormer Schritt nach vorne f&#252;r die Entwicklung   von K&#228;mpfen und f&#252;r den Aufbau einer&#160; politischen Opposition zu Sarkozy.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      so Alain Krivin einer der K&#246;pfe der LCR &#252;ber das Projekt einer neuen<br \/>\n      Partei in Frankreich. Vom 24. bis 27. 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