{"id":12557,"date":"2008-02-28T12:18:48","date_gmt":"2008-02-28T12:18:48","guid":{"rendered":".\/?p=12557"},"modified":"2008-02-28T12:18:48","modified_gmt":"2008-02-28T12:18:48","slug":"12557","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/02\/12557\/","title":{"rendered":"Zur Nachahmung empfohlen"},"content":{"rendered":"<p>  Eltern in M&#252;nchen solidarisieren sich mit streikenden Erzieherinnen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  In M&#252;nchen haben Eltern begonnen sich hinter die streikenden   Erzieherinnen zu stellen. Sie haben einen Elternbrief verteilt und am   25. Februar 2008 kurzfristig einen ersten Elternabend organisiert, an   dem acht Eltern teilnahmen. Als erster Schritt wurde beschlossen, einen   Protestbrief an Oberb&#252;rgermeister Ude zu schicken. Ab dem ersten   Streiktag will man k&#252;nftig die Bezahlung des Essensgelds verweigern. Die   Eltern wollen nicht, dass Erzieherinnen Notgruppen aufrechterhalten   m&#252;ssen. Stattdessen soll eine alternative Kinderbetreuung organisiert   werden, die der Stadt mit 10 Euro pro Stunde und Betreuungsperson in   Rechnung gestellt werden soll. Au&#223;erdem wollen die Eltern das B&#252;ro von   OB Ude besuchen und ihn auffordern die Position von ver.di und GEW zu   unterst&#252;tzen. Es wird von ihm gefordert den Personalreferenten der Stadt   M&#252;nchen Thomas B&#246;hle ( Verhandlungsf&#252;hrer der kommunalen   Arbeitgeberverb&#228;nde) sofort zu entlassen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Elternbrief<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p>  Liebe Eltern,<\/p>\n<p>  die Einrichtung unserer Kinder wird am 21.2. 08 bestreikt.<\/p>\n<p>  Das bringt f&#252;r uns Eltern gro&#223;e Problem mit sich. Doch dieser Streik ist   notwendig. Es geht dabei auch um die berufliche Zukunft unsere Kinder.<\/p>\n<p>  Bund und Kommunen wollen die Arbeitszeit der 2,1 Millionen Arbeiter und   Angestellten unbezahlt auf 40 Stunden erh&#246;hen. Damit wird der   Stundenlohn einer Erzieherin um 4% abgesenkt und gleichzeitig mehr als   80.000 Arbeitspl&#228;tze im &#246;ffentlichen Dienst vernichtet.<\/p>\n<p>  Was Bundesinnenminister Sch&#228;uble medienwirksam als 5%-Angebot verkauft,   ist in Wirklichkeit eine weitere Absenkung des Lohnes, wenn man davon   ausgeht, dass 1% f&#252;r eine Leistungspr&#228;mie reserviert werden soll, die   nicht allen zugute kommt. Die &#252;brig gebliebenen 4% verteilen sich auf   zwei Jahre: 2,5% ab 1.2.08, 1% ab 1.10.08 und 0,5% ab 1.3.09. Das hei&#223;t   die durchschnittliche j&#228;hrliche Erh&#246;hung liegt weit unter der j&#228;hrlichen   Inflationsrate. Rechnet man die unbezahlte Verl&#228;ngerung der Arbeitszeit   dagegen, ergibt sich unterm Strich ein dickes Minus.<\/p>\n<p>  Die ErzieherInnen haben in den letzten Jahren durch drei Nullrunden und   die Einf&#252;hrung eines neuen Tarifvertrags seit 2004 einen Reallohnverlust   von etwa 23% hinnehmen m&#252;ssen. Der aktuelle Tariflohn einer   Berufsanf&#228;ngerin liegt bei 1.764 Euro brutto und in der Endstufe bei   2.285 Euro. &#220;ber die Lebensarbeitszeit gerechnet verliert eine   verheiratete Erzieherin mit zwei Kindern durch den neuen Tarifvertrag   238.000 Euro gegen&#252;ber dem alten BAT.<\/p>\n<p>  Die Forderung von ver.di und GEW (8% mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro   und die R&#252;ckkehr zum System der fr&#252;heren Aufstiege und Zulagen) ist   daher absolut notwendig und muss voll durchgesetzt werden.<\/p>\n<p>  Von Erzieherinnen wird heute erwartet, dass sie Sprachdefizite und   Wahrnehmungsst&#246;rungen der Kinder erkennen und beheben. Sie sollen   naturwissenschaftliches und mathematisches Verst&#228;ndnis wecken, den   Kindern eine gesunde Lebensweise nahe bringen, sie f&#252;r Bewegung   begeistern und sie zu sozialen und doch durchsetzungsf&#228;higen   Pers&#246;nlichkeiten erziehen. Bei viel zu wenig Personal sollen sie sich   individuell um jedes Kind k&#252;mmern. Auch k&#246;rperlich ist die Arbeit einer   Erzieherin nicht zu untersch&#228;tzen. H&#228;ufiges B&#252;cken, Hochheben und Tragen   von Babys und Kleinkindern machen den R&#252;cken kaputt. Erzieherinnen sind   einem L&#228;rmpegel ausgesetzt, der in der Industrie Geh&#246;rschutz und eine   L&#228;rmzulage zur Folge h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Wir wollen ein verl&#228;ssliche und gute Betreuung unserer Kinder. Das f&#228;ngt   mit guten Arbeitsbedingungen f&#252;r ErzieherInnen und ausreichend Personal   in der Kinderbetreuung an.<\/p>\n<p>  Doch auch das Gehalt muss stimmen. Es darf nicht sein, dass eine   Erzieherin gezwungen ist nach ihrem harten Alltag in der Kita einen   Zweitjob anzunehmen, damit sie finanziell &#252;ber die Runden kommt.<\/p>\n<p>  L&#228;ngere Arbeitszeiten f&#252;hren zu Abbau von Arbeitspl&#228;tzen, unsere Kinder   sollen sp&#228;ter aber auch eine Ausbildungsstelle und einen Arbeitsplatz   bekommen. Mit jedem Arbeitsplatz, der durch Arbeitszeitverl&#228;ngerung   vernichtet wird, verliert eines unserer Kinder eine berufliche   Perspektive.<\/p>\n<p>  Die Verantwortung f&#252;r den Streik und die dadurch bedingte Schlie&#223;ung von   Kitas tragen nicht unsere Erzieherinnen und nicht ver.di\/GEW, sondern   die Arbeitgeber. Sie provozieren diesen Streik.<\/p>\n<p>  Wir sollten uns im gemeinsamen Interesse von Eltern, Kindern und   Erzieherinnen voll mit dem Streik im &#246;ffentlichen Dienst solidarisieren.   Wir d&#252;rfen nicht zulassen, dass Eltern Druck aus&#252;ben auf streikende   Erzieherinnen.<\/p>\n<p>  Wir Eltern sollten gemeinsam mit den Erzieherinnen &#252;berlegen, wie wir   diesen Streik gemeinsam durchstehen k&#246;nnen. Wir sollten aber auch   &#252;berlegen, wie wir den Politikern im Rathaus Druck machen k&#246;nnen und   ihnen unmissverst&#228;ndlich deutlich machen, dass wir sie verantwortlich   machen f&#252;r diesen Streik. Wir k&#246;nnten z.B. mit unseren Kindern   Protestaktionen im Rathaus machen, Protestbriefe schicken, usw. In   Stuttgart haben 2006 in einem neun Wochen langen Streik t&#228;glich 900 bis   1.000 Erzieherinnen gestreikt. Sie hatten dabei die solidarische   Unterst&#252;tzung des gr&#246;&#223;ten Teils der Eltern. Obwohl auch M&#252;llabfuhr und   andere Bereiche streikten, war es so, dass die Verwaltungsspitze w&#228;hrend   des Streiks am meisten genervt war von Eltern, die den B&#252;rgermeistern   st&#228;ndig in den Ohren lagen.<\/p>\n<p>  Wir schlagen deshalb f&#252;r den 25. Februar 2008 einen Elternabend vor, um   &#252;ber den Streik und unser Vorgehen zu diskutieren.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>Max Brym, Martina Warsa, Oliver Stey <\/i>    <\/p>\n<\/p>\n<p>  V.i.S.d.P.: Oliver Stey, Max-Stadt-Str.5, 80689 M&#252;nchen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Eltern in M&#252;nchen solidarisieren sich mit streikenden Erzieherinnen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[15,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12557"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12557"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12557\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12557"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12557"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12557"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}