{"id":12540,"date":"2008-02-25T00:00:00","date_gmt":"2008-02-24T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12540"},"modified":"2012-05-15T15:31:53","modified_gmt":"2012-05-15T13:31:53","slug":"12540","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/02\/12540\/","title":{"rendered":"Bremer LINKE vertagt die politische Diskussion"},"content":{"rendered":"<p>  Zur Bilanz des 2. Landesparteitags<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>&#8222;Zur inhaltlichen Debatte &#252;ber politische Themen &#8211; die von einigen   Mitgliedern vehement eingefordert wurde &#8211; ist es nicht gekommen&#8220;. So   fassen der Bremer Weser Kurier genauso wie der Website-Bericht der   LINKEN heute den &#8222;ern&#252;chternden&#8220; Ablauf ihres 2. Landesparteitags   zusammen. Die Diskussion &#252;ber ein politisches Arbeitsprogramm, womit der   Gr&#252;ndungsparteitag den Landesvorstand und den gestrigen Parteitag   beauftragt hatte, wurde ebenso wie alle anderen Antr&#228;ge auf den 9. M&#228;rz   vertagt.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Heino Berg, 25.2.08<\/i><\/h4>\n<p>  Die Entscheidung gegen eine Konzentration auf die politischen Inhalte   fiel bereits bei Tagesordnung: Nachdem der Landesvorstand meinen Antrag   auf deren &#196;nderung nicht verschickt hatte, konnte er mit der hauchd&#252;nnen   Mehrheit von 28:27 Delegiertenstimmen durchsetzen, dass die Wahl der   Bundesparteitagsdelegierten vor einer Diskussion dar&#252;ber stattfand, was   diese dort im Mai vertreten sollen.<\/p>\n<p>  Diese systematische Entpolitisierung verl&#228;ngert die F&#252;hrungskrise der   Bremer LINKEN, die es der gegnerischen Presse (sowie Bodo Ramelow) seit   Monaten erlaubt hat, den Landesverband in erster Linie mit privaten   Querelen in Verbindung zu bringen, anstatt &#252;ber politische Initiativen   oder Aktionen berichten zu m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Die anwesenden Delegierten, die selbst ohne eine vorausgehende   inhaltliche Diskussion in den Kreisverb&#228;nden gew&#228;hlt wurden, stimmten   mit dieser knappen Mehrheit noch einmal f&#252;r ihre eigene Entm&#252;ndigung und   bewiesen damit ihre &#8222;Leidensf&#228;higkeit&#8220; (C. Bernhardt).<\/p>\n<h4>  Wegner-Affaire<\/h4>\n<p>  Ein aktueller Grund f&#252;r die Bremer Parteif&#252;hrung, der inhaltlichen   Diskussion &#252;ber die Ziele der neuen Partei auszuweichen, bestand in der   sogenannten &#8222;Wegner-Affaire&#8220;, bei der es um das Verh&#228;ltnis der &#8222;LINKEN&#8220;   zur DDR, zum demokratischen Sozialismus, zur &#220;berf&#252;hrung der   Schl&#252;sselindustrien in Gemeineigentum sowie um die Zusammenarbeit mit   Linken au&#223;erhalb der Partei geht.<\/p>\n<p>  Der Landesvorstand und die (gestern ohnehin abgetauchten)   B&#252;rgerschaftsabgeordneten hatten sich zu diesen Schl&#252;sselfragen linker   Politik mit keinem Wort, geschweige denn mit einer Beschlussvorlage   ge&#228;u&#223;ert. Ein Initiativantrag der &#8222;Antikapitalistischen Linken&#8220; forderte   die Wiederaufnahme von C. Wegner in die nieders&#228;chsische Fraktion, ohne   sich von ihren &#196;u&#223;erungen zur DDR zu distanzieren. Dagegen hatten   SAV-Mitglieder einen Alternativvorschlag formuliert, der in kurzer Zeit   von 35 TeilnehmerInnen des Parteitags unterst&#252;tzt wurde, darunter von   Mitgliedern des Landesvorstands und von den beiden Vertretern der   Linksjugend solid, die sp&#228;ter als Bundesparteitagsdelegierte gew&#228;hlt   wurden. Er lautet:<\/p>\n<p>  &quot;Die Bremer LINKE distanziert sich von den &#196;u&#223;erungen C. Wegners zur   DDR. Der Landesparteitag lehnt es ab, das Ziel des demokratischen   Sozialismus und der &#220;berf&#252;hrung der Schl&#252;sselindustrien mit der DDR und   ihren Unterdr&#252;ckungsapparat gleichzusetzen. Die Bremer LINKE unterst&#252;tzt   auch weiterhin, da&#223; engagierte Gewerkschafter und Linke, die nicht der   Partei angeh&#246;ren, auf unseren Listen kandidieren k&#246;nnen, wenn sie f&#252;r   demokratische und soziale Rechte eintreten.&quot;<\/p>\n<p>  Eine Debatte &#252;ber die (auch in den &#196;nderungsantr&#228;gen gestellte)   Systemfrage hielt die Parteif&#252;hrung f&#252;r unerw&#252;nscht &#8211; obwohl die   stalinistischen Entgleisungen der nieders&#228;chsischen Abgeordneten   demonstriert haben, wie gef&#228;hrlich es gerade f&#252;r eine auch aus SED und   PDS hervorgegangene Partei ist, wenn sie der Diskussion dar&#252;ber VOR der   Nominierung von Mandatstr&#228;gern weiterhin ausweicht.<\/p>\n<h4>  Bodo Ramelow und die Regierungsfrage<\/h4>\n<p>  Das galt auch f&#252;r Frage, wie sich die LINKE zu rotgr&#252;nen   Landesregierungen verhalten sollte, &#252;ber die nach den Wahlen in Hessen   und Hamburg auch in der SPD heftig gestritten wird. Die Parteif&#252;hrung   hatte den Teil des Leitantrags, der die Bremer LINKE mit unserem   Antragstext auf eine konsequente Opposition auch gegen den rotgr&#252;nen   Senat festlegen sollte, als &#8222;zu umstritten&#8220; gestrichen.<\/p>\n<p>  Da der entsprechende &#196;nderungsantrag gestern nicht mehr zur Abstimmung   stand, konnte der &#8222;Gastredner&#8220; Bodo Ramelow ohne das Risiko   irgendwelcher Konsequenzen eine radikale Rede gegen &#8222;jede   Regierungszusammenarbeit mit der SPD in Hessen&#8220; halten und zur   Solidarit&#228;t mit den Streikenden im &#214;ffentlichen Dienst aufrufen. DAF&#220;R   war der Applaus ihm sicher! Nur durch Zwischenrufe konnte man darauf   aufmerksam machen, dass er in Berlin nicht mit den Streikenden, sondern   ihrem Gegner in der rotroten Landesregierung solidarisch ist. <\/p>\n<p>  Auch die Tatsache, dass er in Hessen &#246;ffentlich die dauerhafte   Tolerierung einer rotgr&#252;nen Minderheitsregierung angeboten hat, konnte   erst nach seinem Aufbruch angesprochen werden. Die Doppelz&#252;ngigkeit   linker Reden vor Parteitagen und neoliberaler Politik in Regierungen ist   leider nicht nur in den etablierten Parteien verbreitet. Immerhin warnte   Manfred Sohn aus der neuen LINKEN-Fraktion in Niedersachsen ausdr&#252;cklich   davor, unsere W&#228;hler dadurch zu entt&#228;uschen, dass &#8222;wir genauso werden   wie die anderen &#8220;.<\/p>\n<p>  Nachdem die politischen Inhalte den Gastrednern vorbehalten blieben,   musste der Parteitag zu den erm&#252;denden Satzungsdetails und den   Kandidatenvorstellungen zur&#252;ckkehren, anstatt diese Kandidaten in der   politischen Debatte kennen lernen und mit einem inhaltlichen Mandat   beauftragen zu k&#246;nnen. &#220;berraschungen blieben deshalb aus: Nur die Wahl   der beiden &#8222;solid&#8220;-Vertreter spiegelte die Unzufriedenheit vieler   Delegierter.<\/p>\n<h4>  Rechenschaftsbericht<\/h4>\n<p>  Den Grund f&#252;r diese &#8222;politikfreie&#8220; Parteitagsregie erfuhren die   Delegierten aus dem sp&#228;ter von A. Troost vorgetragenen   Rechenschaftsbericht des Landesvorstands. Dieser konnte erstens als   &#246;ffentliche Aktivit&#228;t nur die Veranstaltungen zum Lokf&#252;hrerstreik und zu   den Krankenhausprivatisierungen vorweisen. Was in beiden F&#228;llen nicht   auf Initiativen des Landesvorstands, sondern von SAV-Mitgliedern   zur&#252;ckging, die der Landesvorstand erst nach monatelanger Verschleppung   und auf Druck von Kreismitgliederversammlungen durchf&#252;hren musste &#8211; ohne   allerdings die dort beschlossenen Aktivit&#228;ten umzusetzen.<\/p>\n<p>  Zweitens vermerkt der Bericht Auseinandersetzungen im Landesvorstand   dar&#252;ber, ob seine Vertreter Landesparteitagsbeschl&#252;sse au&#223;er Kraft   setzen und diese damit zu Showveranstaltungen degradieren d&#252;rfe. T.   Brinkmann und eine knappe Mehrheit im LV hatten den Parteitagsbeschluss   zur F&#246;rderung einer offenen Kommunikation unter den Parteimitgliedern   aufgehoben und zu diesem Zweck sogar die Website &#8222;abschalten&#8220; lassen.   Wenn sich die Parteif&#252;hrung wochenlang mit solchen &#8222;vordemokratischen&#8220;   Anma&#223;ungen ihrer Schatzmeisterin besch&#228;ftigt, anstatt endlich das   umzusetzen, was sie auf Parteitagen selbst beschlossen hat, wird es   niemanden wundern, dass die F&#252;hrung der Bremer LINKEN in der   &#214;ffentlichkeit nicht mit konsequenter Oppositionspolitik, sondern eher   mit internen Querelen in Verbindung gebracht wird.<\/p>\n<p>  Drittens erw&#228;hnt der Bericht den Auftrag des Gr&#252;ndungsparteitages, ein   politisches Arbeitspogramm \/ Leitantrag zur Umsetzung des Wahlprogramms   auszuarbeiten und daf&#252;r eine Arbeitsgruppe zu bilden. Da wir   &#196;nderungsantr&#228;ge zu diesem Arbeitsprogramm eingebracht hatten, die   inzwischen auch von einer Kreismitgliederversammlung sowie von der AG   &#8222;Antikapitalistische Linke&#8220; unterst&#252;tzt werden, wollen A. Troost und T.   Brinkmann das Projekt &#8222;Arbeitsprogramm&#8220; und damit die Kursbestimmung des   Landesverbandes nun vollst&#228;ndig in der Versenkung verschwinden lassen:   Laut Rechenschaftsbericht plant der LV jetzt nur die &#8222;Erarbeitung eines   verbindlichen Programms f&#252;r die n&#228;chste B&#252;rgerschafswahl&#8220;. Damit w&#252;rden   Landesvorstand und Fraktion in den n&#228;chsten 4 Jahren ohne jedes   inhaltliche Mandat der Parteibasis vor sich hin wursteln k&#246;nnen!<\/p>\n<h4>  Konsequenzen f&#252;r den Fortsetzungsparteitag am 9.3.<\/h4>\n<p>  All dies konnte von den Parteitagsdelegierten zwar kritisch kommentiert,   aber nicht korrigiert werden. Ein f&#252;r Landesvorstand und Fraktion   verbindliches Arbeitsprogramm steht ja erst am 9. M&#228;rz zur Diskussion &#8211;   und zwar durch unsere Zusatzantr&#228;ge selbst dann, wenn der Landesvorstand   seinen auf Allgemeinpl&#228;tze beschr&#228;nkten Leitantrag wie angek&#252;ndigt   zur&#252;ckziehen sollte.<\/p>\n<p>  Dabei wird es vor allem darum gehen, ob der Landesverband durch einen   Oppositionsratschlag und eine Kundgebung gemeinsam mit Gewerkschaftern   und sozialen Bewegungen praktische Aktionen gegen den unsozialen   Haushalt des Senats auf den Weg bringt. Die von A. Troost vorgeschlagene   &#8222;Armutskonferenz&#8220; der Partei &#8220;DIE LINKE&#8220;, die nach der bisherigen   Planungen nur die &#252;blichen Vortr&#228;ge zu bereits Bekanntem vorsieht, ist   daf&#252;r ein Baustein, aber kein Ersatz! Die LINKE kann und mu&#223; von der   blo&#223;en Beschreibung der Armut zu ihrer wirklichen Bek&#228;mpfung &#252;bergehen,   in dem sie den Betroffenen die gemeinsame Aktion mit den noch   besch&#228;ftigten KollegInnen und ihren Organisationen erm&#246;glicht. Die   Besch&#228;ftigten im &#214;ffentlichen Dienst haben bereits mit Streikaktionen   begonnen. Ihre Forderungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem   Haushalt, den der rotgr&#252;ne Senat im April &#252;ber die B&#252;hne bringen will.   Deshalb sollte die Solidarit&#228;tsveranstaltung zum Tarifkampf, den ein   Initiativantrag aus Bremerhaven auf dem Landesparteitag vorgeschlagen   hat, nicht nur so schnell wie m&#246;glich umgesetzt, sondern auch mit der   Vorbereitung der Haushaltskundgebung verbunden werden.<\/p>\n<p>  Nach dem unbefriedigenden Ablauf des Parteitages freuten sich Delegierte   und Mitglieder &#252;ber den Einzug der Hamburger LINKEN in die B&#252;rgerschaft.   Von der Begeisterung des Wahltags in Bremen war diesmal nur noch wenig   zu sp&#252;ren. Und das lag sicher nicht nur daran, dass der Wahlerfolg in   Hamburg mit 6,4% geringer als erwartet ausgefallen ist &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Zur Bilanz des 2. 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