{"id":12533,"date":"2008-02-22T00:00:00","date_gmt":"2008-02-21T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12533"},"modified":"2012-05-15T15:32:15","modified_gmt":"2012-05-15T13:32:15","slug":"12533","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/02\/12533\/","title":{"rendered":"LINKE: Welche Schlussfolgerungen aus den stalinistischen &#196;u&#223;erungen von       Christel Wegner?"},"content":{"rendered":"<p>  Die Ansichten der nieders&#228;chsischen Landtagsabgeordneten Christel Wegner   &#252;ber die DDR stehen im grassen Gegensatz zu grundlegenden Zielen von   SozialistInnen. Das spricht jedoch keineswegs dagegen, KandidatInnen   aufzustellen, die nicht der Partei DIE LINKE angeh&#246;ren. Es spricht nur   daf&#252;r, eine offene Diskussion &#252;ber sozialistische Demokratie zu f&#252;hren, <i>bevor<\/i>   KandidatInnen zu Wahlen aufgestellt werden.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Heino Berg, Bremen<\/i><\/h4>\n<p>  Die &#196;u&#223;erungen von Christel Wegner (bisher Fraktion DIE LINKE, jetzt   fraktionslos) zur Mauer und zu fr&#252;heren Machthabern der DDR, zum   Beispiel zu Margot Honecker, schaden nicht nur der Partei DIE LINKE,   sondern allen Bestrebungen zur &#220;berwindung der kapitalistischen   Gesellschaftsordnung.<\/p>\n<p>  Diese nachtr&#228;glichen Verbeugungen vor dem Stalinismus sind gerade f&#252;r   SozialistInnen, die die sozialistische Demokratie gegen die Diktatur von   Kapitalisten und B&#252;rokraten verwirklichen wollen, vollkommen   indiskutabel und eindeutig zur&#252;ckzuweisen.<\/p>\n<p>  Wegner hat sich mittlerweile von ihrer &#196;u&#223;erung zur Staatssicherheit   distanziert. Andere Aussagen hat sie nicht zur&#252;ckgenommen, zum Beispiel:   &#8222;Der Bau der Mauer war in jedem Fall eine Ma&#223;nahme, um zu verhindern,   dass weiterhin Westdeutsche in die DDR konnten.&#8220; Oder: &#8222;In der DDR gab   es auch Wahlen, und da haben sich 98 Prozent der Menschen beteiligt!&#8220;<\/p>\n<p>  Wegner bleibt mit ihren Bekenntnissen der unr&#252;hmlichen Rolle treu, die   die Anh&#228;nger des Stalinismus (in der DKP ebenso wie in der SED) bereits   vor der Wende gespielt hatten: Sie diskreditiert die Ziele des   Sozialismus. Damit hilft sie denjenigen Kr&#228;ften innerhalb und au&#223;erhalb   der Partei DIE LINKE, die mit dem Hinweis auf die unbestreitbaren   Verbrechen der stalinistischen B&#252;rokratie den Kapitalismus als   &quot;kleineres &#220;bel&quot; erhalten und die LINKE durch Regierungszusammenarbeit   in das bestehenden System integrieren wollen.<\/p>\n<p>  Damit spielen Wegner und andere Neostalinisten gerade in einer   Situation, wo das Kapital und seine Manager das bestehende System in   eine tiefe &#8222;Legitimationskrise&#8220; gef&#252;hrt und sozialistische Alternativen   in der Bev&#246;lkerung popul&#228;rer gemacht haben, den Neoliberalen in die   H&#228;nde.<\/p>\n<p>  Die Parteispitze der LINKEN will nun die Situation nutzen, um die Partei   auf die bestehende Gesellschaftsordnung festzulegen und jede Alternative   zur Herrschaft der Konzerne mit der Diktatur einer B&#252;rokratie wie in der   DDR gleich zu setzen: &quot;Es gibt f&#252;r uns keinen Weg zur&#252;ck zur DDR. Es   gibt f&#252;r uns keinen Weg zur Verstaatlichung der Produktionsmittel&#171;, so   Gysi laut Pressemeldungen vom vom 15.2.08.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem sollen offene Listen unterbunden werden.So k&#252;ndigte Bodo   Ramelow an, der Parteivorstand werde den Landesverb&#228;nden beim n&#228;chsten   Bundesparteitag empfehlen, keine sogenannten Crossover-Kandidaturen mehr   zuzulassen. Damit soll der Fall Wegner genutzt werden, um linken   Wahlb&#252;ndnissen und KandidatInnen von &#8222;au&#223;en&#8220; eine Absage zu erteilen.<\/p>\n<p>  Die Tatsache, dass Wegner von der Partei &quot;DIE LINKE&quot; f&#252;r den   nieders&#228;chsischen Landtag nominiert wurde, obwohl ihre Ansichten &#252;ber   die DDR und deren Unterdr&#252;ckungsapparate im Widerspruch zu grundlegenden   Zielen von SozialistInnen stehen, spricht jedoch keineswegs gegen linke   Wahlb&#252;ndnisse oder die Aufstellung von Kandidaten, die nicht der Partei   angeh&#246;ren, sondern nur dagegen, sie ohne eine offene Diskussion &#252;ber   diese programmatischen Ziele und &#252;ber die Systemfrage in die Parlamente   zu entsenden.<\/p>\n<p>  Wie sich erneut gezeigt hat, ist es sinnlos und gef&#228;hrlich f&#252;r die   LINKE, wenn sie einer Debatte &#252;ber die traditionellen Ziele der   Arbeiterbewegung und dar&#252;ber, woran ihre Verwirklichung in der j&#252;ngeren   Vergangenheit gescheitert ist, ausweicht. Jeder Versuch, die strittigen   Kernfragen der Linken &#252;ber eine demokratisch kontrollierte   Vergesellschaftung der Schl&#252;sselindustrien auszuklammern (wie es z.B.   der Landesvorstand der Bremer LINKEN mit seinem nichtssagenden   Leitantrag f&#252;r den kommenden Landesparteitag durchsetzen will), wird nur   die Glaubw&#252;rdigkeit linker Systemopposition besch&#228;digen und sp&#228;testens   durch Nachfragen der gegnerischen Presse auf die gesamte Partei   zur&#252;ckfallen.<\/p>\n<p>  Die Konsequenz aus den Vorg&#228;ngen in den Parlamentsfraktionen von   Niedersachsen und Bremen kann nicht in betretenem Schweigen oder gar in   pauschalen Ausgrenzungen bestehen, die sich in Zukunft auch gegen   trotzkistische Gegner und andere Antikapitalisten richten wird. Nur die   offene Diskussion &#252;ber die programmatischen Ziele in Verbindung mit   einer schonungslosen Bilanz dessen, was der Stalinismus in der   Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung aus sozialistischer Sicht   angerichtet hat, wird einen Weg nach vorn weisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Ansichten der nieders&#228;chsischen Landtagsabgeordneten Christel Wegner<br \/>\n      &#252;ber die DDR stehen im grassen Gegensatz zu grundlegenden Zielen von<br \/>\n      SozialistInnen. Das spricht jedoch keineswegs dagegen, KandidatInnen<br \/>\n      aufzustellen, die nicht der Partei DIE LINKE angeh&#246;ren. 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