{"id":12505,"date":"2008-02-04T00:00:00","date_gmt":"2008-02-04T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12505"},"modified":"2008-02-04T00:00:00","modified_gmt":"2008-02-04T00:00:00","slug":"12505","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/02\/12505\/","title":{"rendered":"Teile und Herrsche in Kenia"},"content":{"rendered":"<p>  Wahlf&#228;lschung l&#246;st Massenproteste im ostafrikanischen Land aus<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Wenige Tage nach den Parlaments-und Pr&#228;sidentschaftswahlen in Kenia   vom 27. Dezember erkl&#228;rte sich der bisherige Pr&#228;sident Mwai Kibaki zum   knappen Sieger der Wahl, w&#228;hrend die Opposition um   Pr&#228;sidentschaftskandidat Raila Odinga und sein B&#252;ndnis ODM (Orange   Demokratie-Bewegung) ebenso wie die EU-Wahlbeobachter die Wahlen als   gef&#228;lscht ansahen. Die Opposition rief zu Protesten auf, Unruhen brachen   in vielen Teilen des Landes aus. Bisher wurden mehr als tausend Menschen   &#8211; viele auch durch die Polizei &#8211; get&#246;tet, mehrere hunderttausend   Menschen sind auf der Flucht.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Benjamin Giffhorn, Bremen<\/i><\/h4>\n<p>  &#8222;Ich bin f&#252;r Raila, ich bin eine Luo&#8220;, erz&#228;hlte mir Anne. Die Luo sind   eine von &#252;ber 40 ethnischen Gruppen im 35-Millionen-Einwohner-Land   Kenia. Auch Raila ist ein Luo, w&#228;hrend Kibaki ein Kikuyu ist (mit knapp   25 Prozent die gr&#246;&#223;te ethnische Gruppe).<\/p>\n<h4>  Bittere Armut<\/h4>\n<p>  Der Kinderhort, in dem Anne arbeitet, liegt in einem der gr&#246;&#223;ten Slums   der Hauptstadt Nairobi. Zu Hunderttausenden leben die Menschen hier in   einfachen Bretter- und Wellblechverschl&#228;gen, auf engstem Raum, oft ohne   Strom, Wasser und Toiletten. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, viele Kinder   gehen nicht zur Schule. Rund 20 Kleinkinder betreut Anne mit ihrer   Kollegin Clara auf zehn Quadratmetern, ein Teil der Kinder ist   HIV-infiziert, ein anderer Teil sind Waisen, alle sind hilfebed&#252;rftig.   Es ist eines der vielen Selbsthilfeprojekte hier, die aber oft kaum das   N&#246;tigste, wie Nahrung und Medikamente, aufbringen k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Ursachen der Massenunruhen<\/h4>\n<p>  Anne erz&#228;hlte mir, dass die Kikuyu verantwortlich seien f&#252;r das Elend,   da sie den Reichtum im Land unter sich aufteilen w&#252;rden. Folglich m&#252;sse   Raila anstelle von Kibaki Pr&#228;sident werden, damit sich etwas &#228;ndere.<\/p>\n<p>  B&#252;rgerliche Medien sprechen nun h&#228;ufig von Stammes- oder ethnischen   Konflikten, um die Unruhen zu erkl&#228;ren. Es spricht aber mehreres daf&#252;r,   dass die Unruhen nicht ausschlie&#223;lich ethnischen Charakter haben,   sondern vor allem ein Ausdruck der Wut auf die sehr hohe soziale   Ungleichheit und das Massenelend unter Kibaki sind:<\/p>\n<p>  Erstens wurde entgegen seinen Versprechen seit seiner Amts&#252;bernahme 2002   eine durch und durch neoliberale Politik betrieben. Zweitens wird die   Verteilung des Reichtums und der Arbeitspl&#228;tze zwar auch durch die   ethnische Zugeh&#246;rigkeit bestimmt, allerdings ist deswegen die   kapitalistisch erzeugte Ungleichheit und Armut auch innerhalb der   m&#228;chtigsten Gruppe, den Kikuyu, nicht aufgehoben. Drittens erfasst die   in Kenia allgemein herrschende Korruption alle ethnischen Gruppen.<\/p>\n<h4>  Rolle des Imperialismus<\/h4>\n<p>  Die imperialistischen M&#228;chte, vor allem die ehemalige Kolonialmacht   Gro&#223;britannien und die USA, welche Kenia als wirtschaftliche und   milit&#228;rstrategische Basis im unruhigen Ostafrika nutzen, haben weiter   entscheidenden Einfluss in Kenia. Auf Druck von Internationalem   W&#228;hrungsfonds und Weltbank ist das Land zum gr&#246;&#223;ten Blumenexporteur der   Welt geworden, w&#228;hrend im Nordosten Kenias immer wieder Hungersn&#246;te   drohen. Im Verbund mit der kapitalistischen Elite des Landes setzen sie   auf ethnische Spannungen, um eine Solidarisierung der unterdr&#252;ckten und   verarmten Bev&#246;lkerungsmehrheit zu verhindern.<\/p>\n<p>  Gegenw&#228;rtig bem&#252;hen sie sich, den Konflikt innerhalb der Elite Kenias zu   schlichten und die repressive neoliberale Ordnung aufrechtzuerhalten.   Darum streben sie ein Abkommen zwischen Kibaki und Odinga an.<\/p>\n<p>  2003 gab es eine Welle betrieblicher K&#228;mpfe. Das zeigt, dass die Wut in   Kenia auch zum Widerstand gegen die herrschende Klasse werden kann und   nicht in ethnisch aufgehetzte Massaker m&#252;nden muss.<\/p>\n<h4>  <i>Benjamin Giffhorn ist in den letzten Monaten in Kenia gewesen<\/i><\/h4>\n<h4>  <i>&#8211; Weg mit Kibaki <\/i>    <\/h4>\n<h4>  <i>&#8211; Kein Vertrauen in die heute im Parlament vertretenen Parteien, die   alle prokapitalistisch sind <\/i>    <\/h4>\n<p>  <i><b>&#8211; Aufbau von demokratisch organisierten   Selbstverteidigungskomitees durch die arbeitende Bev&#246;lkerung, um sich   vor der Staatsgewalt und ethnischen &#220;bergriffen zu sch&#252;tzen<\/b> <\/i>    <\/p>\n<h4>  <i>&#8211; F&#252;r k&#228;mpferische und demokratische Gewerkschaften <\/i>    <\/h4>\n<h4>  <i>&#8211; F&#252;r die Schaffung einer multi-ethnischen Arbeiterpartei mit   sozialistischem Programm <\/i>    <\/h4>\n<h4>  <i>&#8211; Nein zu IWF und Weltbank <\/i>    <\/h4>\n<h4>  <i>&#8211; &#220;berf&#252;hrung der Konzerne in &#246;ffentliches Eigentum unter   demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch die arbeitende Bev&#246;lkerung <\/i>    <\/h4>\n<h4>  <i>&#8211; F&#252;r ein sozialistisches Kenia als Teil einer sozialistischen   F&#246;deration in Afrik<\/i>a<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wahlf&#228;lschung l&#246;st Massenproteste im ostafrikanischen Land aus\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[201],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12505"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12505"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12505\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12505"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12505"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12505"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}