{"id":12494,"date":"2008-01-23T00:00:00","date_gmt":"2008-01-23T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12494"},"modified":"2008-01-23T00:00:00","modified_gmt":"2008-01-23T00:00:00","slug":"12494","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/01\/12494\/","title":{"rendered":"Afrika: Proteste gegen EPA-Abkommen mit der EU"},"content":{"rendered":"<p>  Am 7. und 8. Januar fanden in vielen afrikanischen L&#228;ndern Proteste und   Demonstrationen gegen das geplante Wirtschaftspartnerschaftsabkommen EPA   (Economic Partnership Agreements) statt. In Dakar demonstrierten 50.000   Menschen, in Ougadougou gingen einige tausende auf die Strasse, in   Mauretanien und Bamako fanden gro&#223;e Sozialforen statt.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Tinette Schnatterer<\/i><\/h4>\n<p>  Insgesamt protestierten Menschen in 20 betroffenen Staaten gegen das   Abkommen, das eine weitere Stufe der neoliberalen Liberalisierung   bedeutet.<\/p>\n<p>  Nach dem Willen der EU h&#228;tte das EPA-Abkommen bereits bis zum 31.12.07   verabschiedet werden sollen. Wegen dem wachsenden Protest der   betroffenen Staaten konnte diese Frist allerdings nicht eingehalten   werden. Bisher haben erst einzelne Staaten das Abkommen unterzeichnet.<\/p>\n<p>  Die EPA-Verhandlungen laufen sei 2002 im Rahmen der Cotonou-   Verhandlungen, auf Grundlage der Regeln der WTO   (Welthandelsorganisation). Betroffen sind 77 L&#228;nder in Afrika, der   Karibik und dem Pazifik. Bei Nichtunterzeichnung hat die EU bereits mit   schwerwiegenden Sanktionen gedroht. Das EPA soll damit den seit den 70er   Jahren bestehenden sogenannten Pr&#228;ferenzhandel ersetzen durch den die   L&#228;nder (gr&#246;&#223;tenteils ehemalige Kolonien) kleinere Exportvorteile   geschaffen wurden.<\/p>\n<h4>  EPA = Verarmungsprogramm<\/h4>\n<p>  Die Auswirkungen des EPA f&#252;r die afrikanischen L&#228;nder sind verheerend,   da sie die heimischen Produktionen weiter den Profitinteressen   westlicher Konzerne ausliefern w&#252;rden. So w&#252;rde das Verbot von   Exportrestriktionen dazu f&#252;hren, da&#223; die ohnehin kaum vorhandenen Quoten   f&#252;r Rohstoffe die im Land bleiben m&#252;ssen aufgehoben werden m&#252;ssen. Die   Landwirtschaft, in der in vielen der betroffenen Gebieten die Mehrheit   der Bev&#246;lkerung arbeitet (z.B. Burkina Faso 80 %, Mali 70%), ist doppelt   betroffen. Nach dem EPA-Abkommen d&#252;rfen weder Steuern auf Importe   erhoben werden noch die eigene Landwirtschaft subventioniert werden. Das   f&#252;hrt dazu, dass die afrikanischen M&#228;rkte weiter mit Billiggem&#252;se,   Eiern, Fleisch,&#8230; aus dem europ&#228;ischen Ausland &#252;berschwemmt werden. <\/p>\n<p>  Bereits in den letzten Jahren haben diese viele heimische Produkte   verdr&#228;ngt. So ist es in Mali, einem Land in dem an fast jeder   Stra&#223;enecke ein Kuh steht, fast unm&#246;glich geworden Milch zu kaufen.   Stattdessen gibt es nun billigeres Milchpulver von Nestle. Kaffee aus   dem nahe gelegene C&#244;te d&quot;Ivoire wird h&#246;chstens in Touristencafes   getrunken, die Bev&#246;lkerung selbst trinkt Nestcafe. In Ghana nahm der   Import von Tomatenpaste zwischen 2002 und 2004 von 26000 auf 40000   Tonnen zu.<\/p>\n<p>  Durch diese Entwicklung wird nicht nicht nur die Lebensmittelversorgung   der Bev&#246;lkerung weiter von EU-Konzernen abh&#228;ngig werden, es wird auch   die Existenzgrundlage vieler Bauern zerst&#246;ren. Aus diesem Grund erkl&#228;rte   Aminata Traor&#233;, Sprecherin des Forums f&#252;r ein anderes Mali, auf einer   Pressekonferenz in Bamako: &quot;Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem EPA   und der Immigration. Indem es die Arbeitspl&#228;tze vieler junger Menschen   vernichtet, werden neue Immigrationsgr&#252;nde geschaffen.&quot; <\/p>\n<p>  Auch der Staat verliert durch den Wegfall der Steuereinnahmen auf   Importe eine seiner wichtigsten Einnahmequellen. Unter Druck geraten,   sicherte die EU den Staaten nun zu, diese Ausf&#228;lle zu ersetzen. Aber   erstens glaubt niemand daran, dass sie dies auf Dauer tun wird und   zweitens w&#228;re dies nichts anderes als ein direktes Geschenk an die   europ&#228;ischen Gro&#223;konzerne, die keine Einf&#252;hrz&#246;lle mehr zahlen m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Auch die Dienstleistungen und das, was vom &#246;ffentlichen Dienst noch   &#252;brig ist, soll vollends f&#252;r europ&#228;ische Konzerne ge&#246;ffnet werden. Dabei   wurde in den letzten Jahren, unter dem Druck der   Strukturanpassungsprogramme, schon fast alles privatisiert das in irgend   einer Form Profit verspricht. In Bamako bleibt seit der Privatisierung   der M&#252;llabfuhr der M&#252;ll h&#228;ufig liegen und muss von Stadtteilinitiativen   wieder per Eselskarren eingesammelt werden.<\/p>\n<h4>  Wachsende Konkurrenz um den afrikanischen Markt<\/h4>\n<p>  Hinter den EPA-Verhandlungen steht die wachsende Konkurrenz um den   afrikanischen Markt. Vor allem China hat in den letzten Jahren eine   wichtige Rolle im Handel mit Afrika eingenommen. Im Zuge der Anfang   Januar stattfindenen Afrikareise des chinesischen Au&#223;enministers Yang   Jiechi gab China bekannt, der chinesische Handel mit Afrika sei alleine   im letzten Jahr um &#252;ber 30% auf 50 Mia. Euro gestiegen ist. Mit 41   Staaten hat China mittlerweile ein Meistbeg&#252;nstigtenabkommen   abgeschlossen, mit S&#252;dafrika verhandelt es zur Zeit sogar ein   Freihandelsabkommen. Die EU versucht deshalb ihren Einflu&#223; in Afrika zu   sichern.<\/p>\n<p>  Aber die europ&#228;ischen L&#228;nder konkurrieren untereinander um   Handelsanteile. So erkl&#228;rte das Bundesministerium f&#252;r Wirtschaftliche   Zusammenarbeit (BMZ) bei einem gemeinsamen Konkress mit der   Handelskammer:<\/p>\n<p>  &quot;Das Engagement der deutschen Wirtschaft angesichts der vielf&#228;ltigen   sich bietenden Marktchancen in Afrika sollte noch weitaus st&#228;rker sein&quot;   (weltonline 16.1.08)<\/p>\n<h4>  Gewerkschaften und Arbeitgeber gemeinsam?<\/h4>\n<p>  Das geplante EPA-Abkommen geht jetzt so weit, dass selbst neoliberale   Politiker wie der senegalesische Pr&#228;sident Wade dagegen protestieren.   Demonstrativ verlie&#223; er das Treffen in Lissabon im Dezember und   ver&#246;ffentlichte einen offenen Brief gegen das Abkommen, der auch vom   s&#252;dafrikanischen Pr&#228;sidenten unterzeichnet wurde. Neben dem Protest von   Gewerkschaften und Bauernverb&#228;nden exisitiert auch eine   Unterschriftensammlung namhafter afrikanischer Unternehmer. Die   senegalesische Regierung lie&#223; kostenlose T-Shirts gegen das Abkommen   verteilen und viele Regierungsmitglieder nahmen an der Demonstration am   7.1. teil. W&#228;hrend Regierung und Unternehmer emp&#246;rt sind, dass nur die   Interessen von EU-Konzernen verfolgt werden und nicht die von   senegalesischen Unternehmern und Angst haben um die Staatsfinanzen, sind   es die Besch&#228;ftigten und Bauern die bereits seit Jahren unter der   neoliberalen Politik von der eigenen Regierung auf der einen Seite und   der EU auf der anderen, leiden. Aus diesem Grund war f&#252;r den 9.1.08 auch   ein Generalstreik gegen steigende Lebenshaltungskosten im Senegal   vorgesehen, der wegen der EPA-Demonstration von der Gewerkschaft   abgesagt wurde. Sie hat der Regierung ein Spielraum bis M&#228;rz f&#252;r neue   Verhandlungen gelassen. Zu denken, die Regierung k&#246;nne ein verl&#228;sslicher   Partner im Kampf gegen das Abkommen werden ist allerdings ein Fehler.   Stattdessen h&#228;tte der Generalstreik genutzt werden m&#252;ssen um den Druck   auf beide, Regierung und EU, zu erh&#246;hen. Ein Beispiel f&#252;r die   neoliberale Politik der Regierung sind die Universit&#228;ten: die   Studierenden im Senegal haben im letzten Jahr monatelang gegen   Platzmangel an den Universit&#228;ten und gegen eine geplante Unireform   gestreikt, die ihnen unter anderem Studiengeb&#252;hren bescheren soll.<\/p>\n<h4>  Afrikanischer Markt als Gegengewicht?<\/h4>\n<p>  Viele Gegner der EPA-Verhandlungen setzen Hoffnungen in die Schaffung   eines afrikanischen Marktes als Gegengewicht zu EU, USA und China, der   die Entwicklung einer eigenst&#228;ndigen Wirtschaft und eine Steigerung des   Lebensstandarts bewirken soll.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich ist es widersinnig wenn afrikanisches Obst nach Europa   exportiert wird obwohl ein lokaler Markt vorhanden w&#228;re. Nat&#252;rlich   m&#252;ssen alle Versuche, den afrikanischen Kontinent weiter im Interesse   europ&#228;ischer Profitinteressen auszubeuten, bek&#228;mpft werden. Die Rolle   und Bedeutung des derzeitigen Protestes ist in diesem Zusammenhang nicht   zu untersch&#228;tzen. Allerdings ist es eine Illusion zu glauben ein solcher   solidarischer, afrikanischer Markt k&#246;nnte kreiert werden. Die starken   Wirtschaftsm&#228;chte EU, USA und China werden niemals zulassen, dass sich   ihr wirtschaftlicher Hinterhof in eine starke Konkurenz verwandelt. Das   haben sie aktuell mit ihren Drohungen gegen die Nichtunterzeichner   deutlich gemacht, in der Vergangenheit haben sie aber auch immer wieder   bewiesen, dass sie nicht davor zur&#252;ckschrecken Konflikte und Kriege zu   sch&#252;ren wenn dies ihren Interessen entspricht. Aber auch die Motivation   der afrikanischen L&#228;nder ist nicht ein harmonischer afrikanischer Markt.   S&#252;dafrika zum Beispiel, das mit dem Senegal den offiziellen Protest   anf&#252;hrt, hat sich eine Rolle als lokaler Imperialist aufgebaut. In   L&#228;ndern wie Namibia werden fast nur Produkte &quot;made in SA&quot; verkauft und   diesen Markt m&#246;chte es verst&#228;ndlicherweise nicht an Europa abtreten.<\/p>\n<p>  Ein Teil der Bewegung gegen das EPA-Abkommen hat deshalb bereits die   Schlussfolgerung gezogen, dass sie sich andere B&#252;ndnispartner suchen   muss. Bei einer Konferenz in Bamako betonten Sprecher verschiedener   Bauernorganisationen und Gewerkschaften, dass auch in Europa Proteste   gegen neoliberale Politik stattfinden und erw&#228;hnten konkret die Proteste   gegen Angriffe auf die Rente in verschiedenen europ&#228;ischen L&#228;ndern.   Aminata Traore, Sprecherin des Forums f&#252;r ein anderes Mali, verglich das   EPA-Abkommen mit dem undemokratischen Versuch eine EU-Verfassung   einzuf&#252;hren und sagte &quot; Wir brauchen eine Koalition mit anderen Kr&#228;ften   im Norden, die wissen dass dieses Wirtschaftssystem eine Sackgasse ist.&quot;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Am 7. und 8. Januar fanden in vielen afrikanischen L&#228;ndern Proteste und<br \/>\n      Demonstrationen gegen das geplante Wirtschaftspartnerschaftsabkommen EPA<br \/>\n      (Economic Partnership Agreements) statt. 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