{"id":12492,"date":"2008-01-19T00:00:00","date_gmt":"2008-01-19T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12492"},"modified":"2008-01-19T00:00:00","modified_gmt":"2008-01-19T00:00:00","slug":"12492","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/01\/12492\/","title":{"rendered":"Nokia will gehen? Das Werk bleibt!"},"content":{"rendered":"<p>  <i><b>&#8211; Arbeitspl&#228;tze verteidigen <\/b><\/i>    <\/p>\n<p>  <i><b>&#8211; Jetzt streiken <\/b><\/i>    <\/p>\n<p>  <i><b>&#8211; Jobkiller enteignen<\/b><\/i><\/p>\n<p align=\"center\">  <small>[<a href=\"\/media\/m\/20080118225217NokiaFlugblatt.pdf\">Text   als Flugblatt der SAV<\/a>]<\/small><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Wieder einmal sollen tausende Menschen einfach auf die Stra&#223;e gesetzt   werden: 2.300 Besch&#228;ftigten im Nokia Werk Bochum und 2.000 Besch&#228;ftigten   von Leihfirmen und Zulieferbetrieben droht der Verlust ihrer   Arbeitspl&#228;tze bis Mitte diesen Jahres. Wieder einmal steht Besch&#228;ftigten   eines Gro&#223;konzerns bevor, aus &#8222;Kostengr&#252;nden&#8220; auf die Stra&#223;e gesetzt zu   werden &#8211; wobei der Konzern f&#252;r das letzte Quartal eine Gewinnsteigerung   von 85 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro gemeldet hat.<\/p>\n<p>  Dabei spielt es keine Rolle, ob das Unternehmen aus Finnland, den USA   oder Deutschland stammt. Weltweit spielen die Konzerne im gegenseitigen   Konkurrenzkampf das gleiche Spiel: es geht um die Maximierung der   Profite, nicht um den Erhalt von Arbeitspl&#228;tzen oder soziale   Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse. Noch im Jahr 2006 waren die 3.000   Besch&#228;ftigten von BenQ betroffen. Einige der jetzigen Nokia   MitarbeiterInnen kommen sogar von BenQ und sind somit zum zweiten Mal   innerhalb von kurzer Zeit mit einer pl&#246;tzlichen &#8222;betriebsbedingten&#8220;   K&#252;ndigung konfrontiert. Und das, nachdem sie in der Weihnachtszeit noch   Sonderschichten arbeiten mussten. Das ist Kapitalismus: Besch&#228;ftigte   werden bis zum letzten ausgepresst, bis sie nicht mehr gebraucht werden.   Dann landen sie auf der Stra&#223;e.<\/p>\n<h4>  Arbeitskampf sofort beginnen<\/h4>\n<p>  Weder moralische Appelle an das Nokia-Management noch ein demonstrativer   Boykott von Nokia Handys, wie ihn jetzt einige Politiker aus   wahltaktischen und populistischen Gr&#252;nden empfehlen, werden die   Arbeitspl&#228;tze sichern. Nur die Besch&#228;ftigten selbst, mit solidarischer   Unterst&#252;tzung anderer Belegschaften, k&#246;nnen mit einem entschlossenen   Kampf, unter Einbeziehung von Streik bis hin zur Werksbesetzung den   Erhalt ihrer Ar&#173;beits&#173;pl&#228;t&#173;ze erreichen.<\/p>\n<p>  Notwendig ist, dass die IG Metall schnellstens zum Streik aufruft. Dass   Streik m&#246;glich ist, zeigen die Beispiele AEG N&#252;rnberg und Bosch Siemens   Hausger&#228;te (BSH) Berlin. Es darf nicht abgewartet werden. Sollte die IG   Metall das ablehnen oder z&#246;gern, kann der Betriebsrat, wie es bei   Bosch-Siemens-Hausger&#228;te (BSH) in Berlin drei Wochen lang gemacht wurde,   sofort eine andauernde Informationsveranstaltungen f&#252;r die Besch&#228;ftigten   durchf&#252;hren, und so die Produktion lahmlegen. Bei Opel Bochum wurde eine   solche Veranstaltung von den KollegInnen von unten durchgesetzt, indem   sie gemeinsam zum Betriebsrat gingen. Dar&#252;ber k&#246;nnen KollegInnen von   Opel Bochum berichten. In jedem Fall ist notwendig, dass die KollegInnen   in t&#228;glichen Versammlungen gemeinsam diskutieren, wie der Kampf   organisiert werden kann und wie es weitergehen soll.<\/p>\n<h4>  Verzicht erh&#228;lt keine Arbeitspl&#228;tze<\/h4>\n<p>  Es muss darum gehen, jeden einzelnen Arbeitsplatz zu erhalten. Dabei   darf sich die Belegschaft und die IG Metall aber nicht auf die   schwarz-gelbe Landesregierung, die Bundesregierung beziehungsweise die   Politiker von CDU wie SPD verlassen. Auf ihre geheuchelte Emp&#246;rung kann   man nichts geben. Diese Parteien helfen den Gro&#223;konzernen durch ihre   Politik, die Spirale von L&#246;hnen und Arbeitsbedingungen immer weiter nach   unten zu drehen.<\/p>\n<p>  NRW-Ministerpr&#228;sident R&#252;ttgers (CDU) hat bereits deutlich gemacht, auf   welche Weise er die Arbeitspl&#228;tze sichern will, indem er erkl&#228;rte, &#8222;Ziel   sei es, der Gesch&#228;ftsleitung Ver&#228;nderungen f&#252;r das Werk in Bochum   vorzuschlagen, um das Niveau der Herstellungskosten auf auf das in   Ungarn &#252;bliche Ma&#223; zu senken&#8220; (ZDF heute, 17.01.08). Das Konzept des   Verzichts f&#252;r Arbeitsplatzerhalt ist in den letzten Jahren mehrfach   gescheitert. Die IG Metall hatte bei BenQ die unbezahlte   Arbeitzeitverl&#228;ngerung auf 40 Stunden akzeptiert und die Besch&#228;ftigten   wurden trotzdem zwei Jahre sp&#228;ter auf die Stra&#223;e gesetzt. Die Liste von   Beispielen ist lang, die belegt, das Verzicht keine Arbeitspl&#228;tze   sichert. Die geplanten Gespr&#228;che von Vertretern der Bundes- und   Landesregierung mit der Nokia-Konzernleitung unter Einbeziehung der   Besch&#228;ftigtenvertreterInnen werden genau dies zum Thema machen. Damit   soll ein weiteres Exempel geschaffen werden, dass die Besch&#228;ftigten nur   durch Verzicht ihre Arbeitspl&#228;tze vor der drohenden Verlagerung sch&#252;tzen   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  IG Metall und Betriebsrat m&#252;ssen solchen Pl&#228;nen eine klare Absage   erteilen. Auch die Rufe von IG-Metall-Chef Huber nach &#8222;sch&#228;rferen   gesetzlichen Barrieren f&#252;r Unternehmen, die ihre Produktion ins Ausland   verlagern wollen&#8220; (IG Metall Bayern online 18.01.08), f&#252;hrt nicht   weiter. Notwendig ist, jetzt den Arbeitskampf f&#252;r den Erhalt des Werkes   sofort zu starten.<\/p>\n<h4>  Solidart&#228;t<\/h4>\n<p>  In der Region haben sich schnell Proteste geregt. Gerade die Erfahrungen   der Besch&#228;ftigten von Opel Bochum gegen die drohende Schlie&#223;ung im Jahr   2004 und ihr siebent&#228;giger wilder Streik haben ihre Spuren hinterlassen.   So haben auch KollegInnen von Opel bereits ihre Solidarit&#228;t erkl&#228;rt. Von   der Schlie&#223;ung des Nokia Werkes, nach Opel dem zweitgr&#246;&#223;ten   Industrieunternehmen in Bochum, w&#228;re die ganze Stadt betroffen. Das   Potential f&#252;r eine breite Protestbewegung in der Stadt und der Region   ist also da.<\/p>\n<p>  Schnell haben sich laut der Ersten Bevollm&#228;chtigten der IG Metall Busse   aus R&#252;sselsheim und Wolfsburg f&#252;r die Demonstration am Dienstag, 22.   Januar angek&#252;ndigt. Es gab bereits mehrere Solidarit&#228;tsschreiben, so   auch von FESTO Esslingen, die erkl&#228;rten: &#8222;F&#252;r den damaligen Opelstreik   konnten wir 1000 Euro unter Kollegen sammeln und in die Solidarit&#228;skasse   &#252;berweisen. An dieses Beispiel gilt es anzukn&#252;pfen, unsere Solidarit&#228;t   ist Euch sicher!&#8220; Das sind gute Voraussetzungen, um eine bundesweite   Kampagne gegen die Schlie&#223;ungspl&#228;ne aufzubauen. Ein notwendiger Teil des   Kampfes ist auch, internationale Kontakte mit Nokia-Besch&#228;ftigten, auch   in Rum&#228;nien und Ungarn, zu kn&#252;pfen, um sich zusammen gegen die Spirale   nach unten zu wehren, anstatt sich gegeneinander ausspielen zu lassen.<\/p>\n<h4>  Arbeitsplatzvernichter enteignen<\/h4>\n<p>  F&#252;r Banken wie die IKB und die Sachsen LB wurden Milliarden an   staatlichen Geldern mobilisiert, nur weil jene sich &#8222;heuschreckenartig&#8220;   an den US Immobilienm&#228;rkten verzockt hatten und in die Verlustzone   gerieten. Das zeigt: Wenn die Profite der Eigent&#252;mer und Gro&#223;aktion&#228;re   gef&#228;hrdet sind, spielt Geld keine Rolle. Millionen an Subventionen sind   auch an Nokia gegangen, um ihnen zu helfen, Profite zu machen.   Stattdessen sollten die Steuergelder f&#252;r die Interessen von   Besch&#228;ftigten und der Mehrheit der Bev&#246;lkerung genutzt werden.<\/p>\n<p>  Zentral ist, schon jetzt die Frage aufzuwerfen, wie die Arbeitspl&#228;tze   tats&#228;chlich und ohne massive Lohnk&#252;rzungen und Verschlechterung der   Arbeitsbedingungen erhalten bleiben k&#246;nnen. Die Partei DIE LINKE in NRW   argumentiert zurecht f&#252;r eine Vergesellschaftung des Werks, &#8222;um   ausreichend Arbeitspl&#228;tze in der Region zu erhalten&#8220;. Sie fordern dies   auch unter Verweis auf die Landesverfassung von NRW, nach der das   Allgemeinwohl vor dem Privateigentum kommt.<\/p>\n<p>  Im Kampf um den Erhalt des Werkes muss die Forderung nach &#220;berf&#252;hrung in   Gemeineigentum aufgeworfen werden. Dazu m&#252;ssten die Besch&#228;ftigten dazu   &#252;bergehen, den Betrieb zu besetzen um die Produktion unter   demokratischer Kontrolle und Verwaltung weiterzuf&#252;hren. Der Nokia   Konzern muss durch die Landesregierung zur Zahlung der an ihn vergebenen   Subventionen und dar&#252;ber hinaus zu Schadensersatz verpflichtet werden.   Diese Gelder k&#246;nnten dann zur Weiterf&#252;hrung der Produktion verwendet   werden.<\/p>\n<h4>  Re-Verstaatlichung der Telekommunikation<\/h4>\n<p>  Seit der Privatisierung und Liberalisierung der gesamten   Telekommunikation gibt es nur schlechte Nachrichten f&#252;r Besch&#228;ftigte wie   Nutzer. Arbeitsplatzabbau gibt es nicht nur bei Nokia &#8211; Motorola hat   2007 den Standort in Flensburg aufgegeben und von 3000 blieben 200   Stellen. Die Telekom hat in den letzten zehn Jahren &#252;ber 100.000   Arbeitspl&#228;tze vernichtet und es geht weiter. Im Sommer 2007 wurde dort   eines der brutalsten K&#252;rzungsprogramme &#252;berhaupt durchgezogen &#8211; mit   zusammengerechnet bis zu 25% Lohnverlusten f&#252;r die Besch&#228;ftigten. Die   Folgen dieser neoliberalen Politik f&#252;r die Kunden: endlose   Warteschleifen, ein un&#252;bersehbarer Tarifdschungel, steigende Wartezeiten   bei Anschl&#252;ssen und Reparaturen. Der Bereich Telekommunikation muss im   Interesse der arbeitenden Bev&#246;lkerung gef&#252;hrt werden und geh&#246;rt als   ganzes r&#252;ck-verstaatlicht. Allerdings muss statt einer verkrusteten   B&#252;rokratie die Kontrolle und Verwaltung bei demokratisch gew&#228;hlten   Belegschaftskommittees und gew&#228;hlten VertreterInnen der arbeitenden   Bev&#246;lkerung liegen.<\/p>\n<p>  Der Kampf gegen die Nokia-Bosse wie auch die restlichen Gro&#223;konzerne   muss international, gemeinsam mit den KollegInnen in anderen L&#228;ndern,   gef&#252;hrt werden: gegen Lohndumping, gegen Arbeitsplatzabbau, gegen die   &#8222;Standortlogik&#8220; und f&#252;r die &#220;berf&#252;hrung von arbeitsplatzvernichtenden   Konzernen in Gemeineigentum. Nur so kann die Abw&#228;rtsspirale durch die   sogenannte Globalisierung gestoppt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <i><b>&#8211; Arbeitspl&#228;tze verteidigen<br \/>\n<\/b><\/i>    <\/p>\n<p>\n      <i><b>&#8211; Jetzt streiken<br \/>\n<\/b><\/i>    <\/p>\n<p>\n      <i><b>&#8211; Jobkiller enteignen<\/b><\/i>\n    <\/p>\n<p align=\"center\">\n      <small>[<a href=\"\/media\/m\/20080118225217NokiaFlugblatt.pdf\">Text<br \/>\n      als Flugblatt der SAV<\/a>]<\/small>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12492"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12492"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12492\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}