{"id":12488,"date":"2008-01-17T00:00:00","date_gmt":"2008-01-17T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12488"},"modified":"2008-01-17T00:00:00","modified_gmt":"2008-01-17T00:00:00","slug":"12488","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/01\/12488\/","title":{"rendered":"Kenia: Gewalt und Wahlbetrug"},"content":{"rendered":"<p>  W&#228;hrend sich europ&#228;ische TouristInnen an den Str&#228;nden des indischen   Ozeans in der Sonne r&#228;keln tobt in weiten Teilen des Landes ein blutiger   Kampf zwischen den Anh&#228;ngern des Oppositionellen   Pr&#228;sidentschaftskandidaten Raila Odinga auf der einen und den Anh&#228;ngern   Pr&#228;sident Kibakis und Polizei und Milit&#228;r auf der anderen Seite.<\/p>\n<p>  <i>von Jan Rybak, <a href=\"http:\/\/www.slp.at\/index.php\/artikel+M548536b0f81\/\">Sozialistische   LinksPartei, &#246;sterreichische Sektion des Komitees f&#252;r eine   Arbeiterinternationale (CWI)<\/a><\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die kenianischen Pr&#228;sidentschaftswahlen vom 27. Dezember waren der   Ausl&#246;ser f&#252;r die gr&#246;&#223;ten Unruhen die das Land seit dem Sturz des   Diktators Daniel Arap-Moi erlebte.<\/p>\n<h4>  Kibaki: Korruption und entt&#228;uschte Hoffnungen<\/h4>\n<p>  Mwai Kbaki wurde 2002 als Nachfolger des davor 20 Jahre regierenden   Diktators Daniel arap Moi gew&#228;hlt. Anfangs verk&#246;rperte er die Hoffnungen   vieler KenianerInnen auf eine Demokratisierung des Landes, eines   Zur&#252;ckgehens der Korruption und eine Besserung ihrer wirtschaftlichen   Situation. Tats&#228;chlich &#228;nderte sich die Lage der Mehrheit der   KenianerInnen nicht. Der seit sechs Jahren konstant um die f&#252;nf Prozent   liegende Wirtschaftsaufschwung kam nur einer kleinen Elite im Umfeld des   Pr&#228;sidenten und in den Spitzen der Wirtschaft zu Gute. Die Mehrheit der   KenianerInnen lebt immer noch unter der Armutsgrenze. Auch gegen die um   sich greifende Korruption unternahm Kibakis Regierung nichts. Im   Gegenteil. MinisterInnen wirtschafteten einen bedeutenden Teil der   Staatseinnahmen in die eigene Tasche &#8211; der von der Regierung beauftragte   oberste &#8222;Korruptionsbek&#228;mpfer&#8220; musste aus Angst vor seinem Leben nach   England fliehen. &#8222;Die Politik der letzten Regierung war nicht auf eine   Verbesserung des Lebensstandards der breiten Bev&#246;lkerung ausgerichtet,   sondern weiterhin auf eine F&#246;rderung der Wirtschaft, von der nur eine   relativ kleine Oberschicht profitierte.&#8220; So Walter Schicho Professor am   Institut f&#252;r Afrika-Wissenschaften an der Universit&#228;t Wien.<\/p>\n<p>  Dazu kommt die versteckte Intervention der kenianischen Regierung im   somalischen B&#252;rgerkrieg und ihre Unterst&#252;tzung f&#252;r die Invasion der   &#228;thiopischen Truppen.<\/p>\n<h4>  Odinga &#8211; keine echte Alternative<\/h4>\n<p>  Im Wahlkampf versuchte sich Odinga als Mann auf der Seite der &#8222;kleinen   Leute&#8220; zu pr&#228;sentieren. In Wahrheit steht Odinga f&#252;r das selbe System   der Ausbeutung und der Korruption wie sein Konkurrent Kibaki. Odinga   selbst kooperierte jahrelang mit dem Diktator Arap Moi und selbst mit   Pr&#228;sident Kibaki. Das Orange Democratic Mouvement (Orange   Demokratiebewegung &#8211; ODM &#8211; die Partei Odingas) war in der Vergangenheit   in eine Vielzahl von Korruptions- und anderen Skandalen verwickelt. Im   Wahlkampf schreckte Odinga nicht einmal vor offener Hetze gegen die   Kikuyu &#8211; der gr&#246;&#223;ten Ethnie Kenias, der auch Kibaki angeh&#246;rt &#8211; zur&#252;ck.   Eine grundlegende Ver&#228;nderung der Situation ist von ihm nicht zu   erwarten.<\/p>\n<p>  Der offensichtliche Wahlbetrug war offensichtlich &#8211; im Wahldistrikt   Kibakis wurden z.B. 99% Wahlbeteiligung gez&#228;hlt (was eigentlich   unm&#246;glich ist). Selbst der Vorsitzende der Wahlkommission gab zu nicht   zu wissen wer wirklich gewonnen habe. Er wurde so stark von Anh&#228;ngern   Kibakis unter Druck gesetzt worden, das er dessen Sieg einfach   verk&#252;ndete. Die Tatsache, dass den KenianerInnen das Recht genommen   wurde die eigene Regierung zu w&#228;hlen war der Ausl&#246;ser f&#252;r die Proteste   und Unruhen der letzten Zeit.<\/p>\n<h4>  Verheerende Situation in den Slums<\/h4>\n<p>  Die aktuellen Gewaltausbr&#252;che sind in der Tat keine &#8222;ethischen   Konflikte&#8220; wie es die b&#252;rgerlichen Medien darzustellen versuchen. Es   sind soziale Auseinandersetzungen. Die Situation der Mehrheit der   KenianerInnen ist vom t&#228;glichen Kampf um das &#220;berleben gepr&#228;gt. Selbst   wer Arbeit hat lebt meist unter der Armutsgrenze. Millionen leben in den   Slums von Nairobi und Mombasa. Versorgung mit sauberem Trinkwasser gibt   es nicht, Benzin und Heizmaterial (was im Winter in Nairobi ein echtes   Problem sein kann) ist Mangelware. &#214;ffentlicher Verkehr ist kaum   vorhanden und wenn, dann sind die Busse und Stra&#223;en in so schlechtem   Zustand, dass j&#228;hrlich mehrere tausend Menschen t&#246;dlich verungl&#252;cken.   Auch gibt es keine &#246;ffentliche M&#252;llentsorgung. Die Menschen helfen sich   dadurch, dass sie ihren Hausm&#252;ll einfach auf der Stra&#223;e verbrennen, was   regelm&#228;&#223;ig zu schlimmen H&#228;userbr&#228;nden f&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Die Gewaltausbr&#252;che nach der Wahl waren vor allem ein Aufbegehren der   armen Bev&#246;lkerung gegen die Politik der herrschenden Elite. Odinga galt,   zu Unrecht, als Hoffnungstr&#228;ger f&#252;r eine Verbesserung ihrer Situation &#8211;   dass dieser jetzt um seinen Wahlsieg gebracht wurde wollen die meisten   Menschen nicht akzeptieren. Die &#220;bergriffe auf Anh&#228;nger Kibakis, Polizei   und Milit&#228;r dr&#252;cken die ohnm&#228;chtige Wut der Menschen aus, die   Jahrhunderte lang unter unmenschlichen Bedingungen leben mussten und   jetzt um ihre einzige Hoffnung auf Verbesserung betrogen wurden.<\/p>\n<h4>  Auseinandersetzungen<\/h4>\n<p>  Bisher sind &#252;ber 300 Menschen bei den Unruhen ums Leben gekommen. Nach   Angaben der UNO sind 400.000 Menschen auf der Flucht aus den St&#228;dten in   Richtung der ugandischen Grenze. 500.000 br&#228;uchten nach Angaben des   Roten Kreuzes Versorgung mit Lebensmitteln, wasser, Medikamenten, etc.   Polizei, Milit&#228;r und paramilit&#228;rische Truppen ziehen durch die Slums und   verhaften und verpr&#252;geln reihenweise die Anh&#228;nger von Raila Odinga. Die   meisten der &#252;ber 300 Toten waren Opfer von Polizeigewalt. Durch die   Auseinandersetzungen ist in weiten Teilen des Landes die Versorgung mit   Treibstoff und Lebensmitteln zusammengebrochen. Die Menschen die im   Fernsehen als gewaltt&#228;tige Pl&#252;nderer von Gesch&#228;ften gezeigt werden sind   &#252;berwiegend Menschen, die Essen und Trinkwasser f&#252;r das t&#228;gliche   &#220;berleben ihrer Familie &#8222;geraubt&#8220; haben.<\/p>\n<h4>  Wie weiter?<\/h4>\n<p>  Der von der Opposition geplante &#8222;Marsch der Millionen&#8220; &#8211; eine   Protestaktion gegen den Wahlbetrug &#8211; wurde mit Wasserwerfern, Tr&#228;nengas   und auch scharfer Munition von Polizei und Milit&#228;r zur&#252;ck geschlagen. Ob   die Opposition es schaffen wird mit Hilfe von Massenprotesten ein   R&#252;cktritt Kibakis oder zu mindest Neuwahlen zu erreichen steht noch in   Frage. Allerdings erkl&#228;rte sich Kibaki am Abend des 04. J&#228;nner bereits   zu vorsichtigen Gespr&#228;chen &#252;ber teilweise Neuausz&#228;hlungen der Wahlzettel   bereit. Es ist sehr gut m&#246;glich dass es den KenianerInnen m&#246;glich ist   mit Hilfe von friedlichen aber m&#228;chtigen Massenprotesten Kibaki zu   st&#252;rzen und Neuwahlen zu erlangen. Das w&#228;re ein gewaltiger Fortschritt   f&#252;r die kenianischen ArbeiterInnen, Bauern\/B&#228;uerInnen und Armen. Zum   ersten Mal seit des Unabh&#228;ngigkeitskampfes gegen die britischen   Kolonialherren w&#252;rden die einfachen Menschen ihre eigen Macht wieder   erkennen. Wenn auf Grund der Proteste Odinga anstatt von Kibaki an die   Macht kommen w&#252;rde, w&#228;re dieser auf Druck der Massen auch gezwungen ihr   soziales Los zu mindest ein wenig zu verbessern. Und vor allem &#8211; was   noch viel wichtiger ist, die Kenianischen Armen &#8211; und die Menschen in   allen L&#228;ndern &#8211; w&#252;rden sehen dass es m&#246;glich ist mit Massenprotesten   eine verhasste Regierung zu st&#252;rzen. Mit dem gewonnen Selbstvertrauen   k&#246;nnten die kenianischen ArbeiterInnen und Armen an ihre wichtigste   Aufgabe heran gehen. Den Aufbau einer revolution&#228;ren sozialistischen   Massenpartei. Einer Partei, f&#228;hig die ethnischen Grenzen zu &#252;berbr&#252;cken   und die Interessen der kenianischen ArbeiterInnen und Armen gegen jede   Regierung, sei sie nun unter Kibaki oder Odinga, zu verteidigen. Eine   Partei die f&#228;hig ist, die gerade jetzt auf den Stra&#223;en Nairobis   demonstrierte Macht der kenianischen ArbeiterInnen und Armen zu b&#252;ndeln   und damit auch die Wurzel des &#220;bels, die internationalen und   kenianischen Kapitalisten zu st&#252;rzen und ein neues, ein sozialistisches   Kenia aufzubauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      W&#228;hrend sich europ&#228;ische TouristInnen an den Str&#228;nden des indischen<br \/>\n      Ozeans in der Sonne r&#228;keln tobt in weiten Teilen des Landes ein blutiger<br \/>\n      Kampf zwischen den Anh&#228;ngern des Oppositionellen<br \/>\n      Pr&#228;sidentschaftskandidaten Raila Odinga auf der einen und den Anh&#228;ngern<br \/>\n      Pr&#228;sident Kibakis und Polizei und Milit&#228;r auf der anderen Seite.\n    <\/p>\n<p>\n      <i>von Jan Rybak, <a href=\"http:\/\/www.slp.at\/index.php\/artikel+M548536b0f81\/\">Sozialistische<br \/>\n      LinksPartei, &#246;sterreichische Sektion des Komitees f&#252;r eine<br \/>\n      Arbeiterinternationale (CWI)<\/a><\/i>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12488"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12488"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12488\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12488"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12488"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12488"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}