{"id":12464,"date":"2008-01-03T00:00:00","date_gmt":"2008-01-03T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12464"},"modified":"2008-01-03T00:00:00","modified_gmt":"2008-01-03T00:00:00","slug":"12464","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/01\/12464\/","title":{"rendered":"Die Bahn weltweit auf gro&#223;er Einkaufstour"},"content":{"rendered":"<p>  DB-Chef Mehdorn: &#8222;Global Player sein&#8230;&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Mehrere Modelle f&#252;r die Privatisierung der Deutschen Bahn (DB) wurden   bereits abgeschmettert. Gegen allen Widerstand und die ablehnende   Haltung der Mehrheit der Bev&#246;lkerung wird aber seitens Bahn-Vorstand,   Bundesregierung und anderen hartn&#228;ckig am B&#246;rsengang festgehalten. Nun   steht der Entwurf einer &#8222;Holding&#8220;-Bahn auf der Agenda der Gro&#223;en   Koalition. Der Konzern braucht die Privatisierung, argumentieren   DB-Manager, Medien und Politiker unisono. Was aber steckt eigentlich   hinter diesen Bestrebungen?<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Sebastian Foerster, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  &#8222;Der Kunde m&#246;chte eine m&#246;glichst g&#252;nstige Fahrkarte und dazu eine   p&#252;nktliche, eine bequeme Fahrt [&#8230;.]. Dass die DB mittlerweile ein so   genannter Global Player ist, dass wir noch viel mehr k&#246;nnen, spielt f&#252;r   die Bahnkunden dabei keine Rolle&#8220;, erkl&#228;rt Bahn-Chef Mehdorn vollmundig   in der aktuellen Werbebrosch&#252;re DB-Logistik und macht neugierig auf das,   was der globale Akteur Deutsche Bahn sonst noch so zu bieten hat.<\/p>\n<p>  Wir bl&#228;ttern weiter in der Brosch&#252;re und erfahren, dass der   Konzernvorstand k&#252;rzlich erst auf gro&#223;er Einkaufstour auf dem Weltmarkt   gewesen ist &#8211; und einen nicht zu verachtenden Schuldenberg von 20   Milliarden Euro angeh&#228;uft hat. Mit den Logistik-T&#246;chtern Schenker, Bax   und Stinnes hat man sich drei schwere Brocken einverleibt. Aber das ist   noch nicht alles: Laut Sch&#228;tzungen sind weitere internationale   Investitionen in H&#246;he von 60 Milliarden Euro geplant.<\/p>\n<h4>  &#8222;Mitspielen&#8230;&#8220;?<\/h4>\n<p>  &#8222;Die Bahn braucht nun den Zugang zum Kapitalmarkt, um in den Ausbau der   Logistik investieren zu k&#246;nnen. Sie braucht in diesem Wachstumsgesch&#228;ft   auch neue Eigent&#252;mer, die unternehmerisch denken und handeln&#8220; (FAZ vom   11. November 2007).<\/p>\n<p>  Im Klartext: Damit die Bahn auf dem globalen Markt expandieren kann,   bedarf es &#8211; aus Sicht der Herrschenden &#8211; der l&#228;ngst &#252;berf&#228;lligen   umfassenden Privatisierung. Durch den Ausverkauf des letzten gro&#223;en   Staatsunternehmens soll dem Konzern frisches Kapital zugef&#252;hrt werden.   Ziel ist es, aus der DB AG einen f&#252;hrenden Global Player im   Logisitikbereich zu machen. F&#252;r Mehdorn steht der Fahrplan fest: &#8222;Weiter   an der Spitze mitspielen oder gar nicht.&#8220;<\/p>\n<h4>  Das &#8222;Holding-Modell&#8220;<\/h4>\n<p>  Im Kampf um eine globale Vormachtstellung im Transportwesen ringt der   Bahnvorstand mit vielen Hindernissen. Vor allem mit dem Widerstand gegen   die Privatisierung der Bahn. Erschwert wird das Projekt f&#252;r Mehdorn und   Co. da-durch, dass sich auch die B&#252;rgerlichen und ihre Politiker nicht   einig sind. Als beim SPD-Parteitag Mehdorns Pl&#228;ne abgelehnt wurden und   die CDU darauf-hin auch noch das sozialdemokratische   &#8222;Volksaktien-Modell&#8220; kippte, schien das Kartenhaus zusammen zu fallen.   In letzter Not zauberte Finanzminister Peer Steinbr&#252;ck (SPD) in   Absprache mit Mehdorn das neue &#8222;Holding-Modell&#8220;aus dem Hut.<\/p>\n<p>  Anvisiert wird im aktuellen Entwurf die organisatorische Trennung von   Infrastruktur und Verkehrsgesellschaft. Die Schienen bleiben   Staatseigentum und der Betrieb wird privatisiert. 49 Prozent des   Bestands des Nah-, Fern- und G&#252;terverkehrs soll an Aktion&#228;re,   Spekulanten und Heuschrecken versteigert werden.<\/p>\n<h4>  Fressen und gefressen werden<\/h4>\n<p>  Erwartet wird, dass in den n&#228;chsten Jahren nur zwei bis drei Global   Player in Europa &#252;berleben werden. Auch wenn die 1994 noch schuldenfreie   Deutsche Bahn heute mit 20 Milliarden Euro im Minus ist, expandiert sie   stark und f&#228;hrt enorme Gewinne ein. 2006 lagen die Einnahmen bei &#252;ber 30   Milliarden Euro. Der Konzern ist europ&#228;ischer Marktf&#252;hrer, sowohl beim   Land- als auch beim Schieneng&#252;terverkehr. Weltweit ist er die Nummer   zwei bei See- und Nummer drei bei Luftfracht.<\/p>\n<p>  Das aufstrebende Logistikunternehmen DB entfacht einen massiven   Konkurrenzkampf. Um dem deutschen Transportkonzern nicht das Feld zu   &#252;berlassen, wird nun zum Beispiel auch in Frankreich die Privatisierung   der Staatsbahn SNCF vorangetrieben.<\/p>\n<h4>  Neoliberale Umstrukturierungen<\/h4>\n<p>  Vor 20 Jahren, 1987, hat die Europ&#228;ische Union die Liberalisierung des   Transportwesens beschlossen und den Grundstein f&#252;r die weitere   Entwicklung gelegt. Mit der Privatisierung der Eisenbahn in L&#228;ndern wie   Gro&#223;britannien, Schweden und Italien wurden die entsprechenden   Weichenstellungen vorgenommen. 1994 kam dann auch in Deutschland die   geplante Umstrukturierung durch die &#8222;Bahnreform&#8220; ins Rollen. Es wurde   umorganisiert, rationalisiert und ausgegliedert. Tausende Stellen   gestrichen und die L&#246;hne abgesenkt. Die Bundesbahn wurde zur   Aktiengesellschaft.<\/p>\n<p>  Die Bef&#252;rworter des B&#246;rsengangs argumentieren, dass die Steuerzahler   entlastet w&#252;rden. Laut Verkehrsministerium liegt der Wert des im Angebot   stehenden Transport- und Logistikwesens der DB bei 27,5 Milliarden Euro.   Verkauft werden soll der Bestand allerdings nur f&#252;r vier bis 6,5   Milliarden Euro. Massig &#246;ffentliche Gelder w&#252;rden also verschenkt   werden. Und die Erfahrung aus den anderen L&#228;ndern zeigt, dass dort nach   der Privatisierung nochmal der selbe Betrag und meist sogar weitaus   h&#246;here Betr&#228;ge an staatlichen Subventionen in die Bahn gesteckt werden   mussten.<\/p>\n<h4>  Schlechte Zukunftsmusik<\/h4>\n<p>  F&#252;r Bahnbesch&#228;ftigte und Fahrg&#228;ste w&#228;re die Durchsetzung der   Privatisierung fatal. Mit dem Ausverkauf einher ginge ein weiterer Abbau   des Bahnnetzes. Laut internen Pl&#228;nen sollen noch mal bis zu 10.000   Kilometer still gelegt werden. Umwelt und Klima w&#252;rden zunehmend   belastet durch eine Verlagerung des Transports auf andere Bereiche wie   den Luft- oder Kraftverkehr.<\/p>\n<p>  Den Besch&#228;ftigten schl&#228;gt mit dem Ausverkauf ein harter Wind ins   Gesicht. Zu erwarten sind weitere Ausgliederungen, Lohndr&#252;ckereien und   die Streichung von 80.000 Arbeitspl&#228;tzen. Auf welche Verschlechterungen   wir uns in puncto &#8222;g&#252;nstige Fahrkarten, P&#252;nktlichkeit und Komfort&#8220; nach   der Privatisierung einstellen k&#246;nnen, l&#228;sst sich gut am Beispiel England   fest machen. In Meinungsumfragen sprachen sich dort nur wenige Jahre   nach dem Verkauf 70 bis 80 Prozent f&#252;r eine R&#252;ckverstaatlichung aus.   Verantwortlich f&#252;r den Wunsch der Fahrg&#228;ste nach einer staatlichen Bahn   waren die teureren Preise, die h&#228;ufigen Versp&#228;tungen und eine Reihe   t&#246;dlicher Unf&#228;lle seit der Privatisierung 1996. Nach diversen   Verlustjahren und enormen Summen verschwendeter Subventionen sahen sich   die Herrschenden inzwischen gezwungen, Schritte unternommen werden, die   Bahnstruktur wieder in staatliche Hand zu bringen.<\/p>\n<p>  Die Regierung und der Bahnvorstand in Deutschland haben nicht vor,   locker zu lassen. Die Privatisierung wird von ihnen weiter voran   getrieben werden. Von den regierenden Parteien ist die Entscheidung zum   &#8222;Holding-Modell&#8220; bis nach den Landtagswahlen im Fr&#252;hjahr auf Eis gelegt   worden. Zeit also, um den Widerstand gegen den B&#246;rsenwahn weiter zu   st&#228;rken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      DB-Chef Mehdorn: &#8222;Global Player sein&#8230;&#8220;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[20],"tags":[200],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12464"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12464"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12464\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}