{"id":12463,"date":"2007-12-30T15:27:26","date_gmt":"2007-12-30T15:27:26","guid":{"rendered":".\/?p=12463"},"modified":"2007-12-30T15:27:26","modified_gmt":"2007-12-30T15:27:26","slug":"12463","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/12\/12463\/","title":{"rendered":"Pakistan nach dem Mord an Bhutto"},"content":{"rendered":"<p>  Nachdem die F&#252;hrerin der Pakistanischen Volkspartei (PPP), Benazir   Bhutto, bei einem Selbstmordanschlag umgebracht wurde, vertiefen sich   die politische Krise und das Chaos im Land. Die Sozialistische Bewegung   Pakistans (Socialist Movement Pakistan, SMP, Sektion des Komitees f&#252;r   eine Arbeiterinternationale) verurteilt die Ermordung von Benazir Bhutto.<\/p>\n<p>  <i>von Khalid Bhatti, Socialist Movement Pakistan, Lahore<\/i><\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Benazir Bhutto, die F&#252;hrerin der Pakistanischen Volkspartei (PPP) wurde   am 27. Dezember durch einen Selbstmordanschlag get&#246;tet, nachdem sie auf   einer &#246;ffentlichen Kundgebung in Rawalpindi gesprochen hatte. Ihr   tragischer Tod hat einmal mehr die instabile Lage im Land zum Ausdruck   gebracht. Die Regierung richtet Schuldvorw&#252;rfe an eine mit Al Qaida   verbundene Gruppierung, die von dem Stammesf&#252;hrer und Warlord Baitullah   Mashud gef&#252;hrt wird.<\/p>\n<p>  Benazir hatte wiederholt ge&#228;u&#223;ert, dass einige Elemente im Staatsapparat   sie umbringen wollen. Am 18. Oktober &#252;berlebte sie einen t&#246;dlichen   Selbstmordanschlag w&#228;hrend ihrer Begr&#252;&#223;ungsdemonstration, dem fast 150   Menschen zum Opfer fielen. Sie stand auf der schwarzen Liste der Al   Qaida und anderer reaktion&#228;rer islamistischer Gruppen. Ein Al   Qaida-Sprecher in Afghanistan hat die Verantwortung f&#252;r den Mord in   Anspruch genommen. Dieser sagte, sie wurde umgebracht aufgrund ihres   B&#252;ndnisses mit &quot;Ungl&#228;ubigen&quot; und weil sie eine amerikanische Agentin   gewesen sei.<\/p>\n<p>  Als sich die Nachricht &#252;ber ihren gewaltsamen Tod durch das Land   ausbreitete, brachen Gewaltt&#228;tigkeiten aus. Benazirs Heimatprvinz Sindh   befindet sich im Griff der Gewalt, da w&#252;tende Randalierer Banken,   Regierungsgeb&#228;ude, Benzin- und Gas-Tankstellen, Bahnh&#246;fe, Z&#252;ge, Busse,   Autos und Gesch&#228;fte in der ganzen Provinz in Brand gesteckt haben.<\/p>\n<p>  &#220;ber 24 Menschen wurden in diesen Gewaltausbr&#252;chen bisher get&#246;tet. Das   ganze Land kam durch Proteste zum Stillstand und die Regierung hat drei   Tage der Staatstrauer ausgerufen. Der Zugverkehr und andere   Transportm&#246;glichkeiten wurden ausgesetzt.<\/p>\n<p>  Die Situation entspricht einem spontanen Generalstreik, den niemand   wirklich organisiert hat und dieser erreicht einen aufstands&#228;hnlichen   Charakter in einigen Gegenden. Viele ArbeiterInnen und arme Menschen,   die keine offenen Unterst&#252;tzerInnen von Bhutto waren, haben ihre Wut auf   das gesamte Regime zum Ausdruck gebracht. Diese k&#246;nnte durch den Aufbau   vereinigter, demokratischer Selbstverteidigungskomitees in eine   pakistanweite Bewegung kanalisiert werden, die in der Lage sein k&#246;nnte   die verhasste Muscharraf-Regierung zu st&#252;rzen.<\/p>\n<h4>  Die USA verliert eine zentrale Unterst&#252;tzerin des &quot;Kriegs gegen den   Terror&quot;<\/h4>\n<p>  Wir k&#246;nnen eine Beteiligung reaktion&#228;rer Teile des Staatsapparates in   diese Ermordung nicht ausschlie&#223;en. Die reaktion&#228;r-fundamentalistischen   und nationalistischen Elemente im Staatsapparat haben enge Verbindungen   zu verschiedenen bewaffneten reaktion&#228;ren, islamistischen Gruppen. Viele   dieser Gruppen wurden durch den Staatsapparat und vor allem durch den   Geheimdienst gegr&#252;ndet und entwickelt. Diese Kr&#228;fte waren nicht   gl&#252;cklich mit der Pro-US-Politik von Benazir und vor allem mit ihrer   deutlichen Opposition gegen islamistische Militanz und Extremismus. Sie   war eine entschiedene Unterst&#252;tzerin des von den USA gef&#252;hrten &quot;Krieges   gegen den Terror&quot; und unterst&#252;tzte milit&#228;risches Vorgehen gegen   militante Gruppen. Es besteht kein Zweifel daran, dass   reaktion&#228;r-extremistische Gruppen hinter ihrer Ermordung stehen.<\/p>\n<p>  Sie ist das vierte Mitglied der Bhutto-Familie, das Opfer eines   politischen Mordes wurde. Ihr Vater und zwei Br&#252;der wurden vom   Staatsapparat umgebracht. Doch trotz der Hinrichtung ihres Vaters und   PPP-Gr&#252;nders Zulfikar Ali Bhutto im Jahr 1979 durch den Milit&#228;rdiktator   General Zia-ul-Haq, versuchte Benazir alles Erdenkliche um einen   Kompromiss mit dem Milit&#228;restablishment zu erreichen.<\/p>\n<p>  Benazir hat eine Politik im Interesse der Massen aufgegeben, um das   Establishment zu bes&#228;nftigen. Doch trotz dieser Tatsache wurde ihr vom   Milit&#228;r und gro&#223;en Teilen der herrschenden Elite in Pakistan niemals   wirklich vertraut.<\/p>\n<h4>  Mobilisiert ArbeiterInnen und die Armen gegen die Reaktion<\/h4>\n<p>  Die Sozialistische Bewegung Pakistan (SMP) verurteilt die Ermordung   Benazir Bhuttos aufs Sch&#228;rfste. Wir lehnen terroristische Aktionen und   die Methoden der reaktion&#228;ren, religi&#246;s-extremistischen Kr&#228;fte ab.   Gleichzeitig hat die SMP immer ihre Opposition zur pro-imperialistischen   und kapitalistischen Politik von Benazir Bhutto und der F&#252;hrung der PPP,   die das bestehende System verteidigten, deutlich gemacht. Selbst zu   ihren radikalsten Zeiten, hat die PPP-F&#252;hrung nur begrenzte Reformen im   Rahmen des verrotteten kapitalistischen und feudalistischen Systems in   Pakistan versprochen, ohne jemals zu erkl&#228;ren, wie diese durchgesetzt   werden sollten. Wenn sie an der Macht waren, haben sie immer in die   eigene Tasche gearbeitet und die demokratischen Rechte und den   Lebensstandard der Arbeiterklasse angegriffen.<\/p>\n<p>  Aber wir verurteilen auch Akte des individuellen und des staatlichen   Terrorismus gegen Einzelpersonen und Gruppen. Die SMP steht f&#252;r   unabh&#228;ngige, politische Massenk&#228;mpfe der Arbeiterklasse, um das   derzeitige verrottete kapitalistische und feudale System zu st&#252;rzen.<\/p>\n<p>  Die SMP ist der festen &#220;berzeugung, dass religi&#246;ser Extremismus nur   durch eine Massenbewegung der Arbeiterklasse und der armen Massen   geschlagen werden kann. Das derzeitige System hat dabei versagt, die   reaktion&#228;ren Kr&#228;fte des religi&#246;sen Extremismus zu schlagen. Die   Arbeiterklasse ist die einzige Kraft in der Gesellschaft, die in der   Lage ist Diktaturen und auch religi&#246;sen Extremismus zu besiegen. Gut   vorbereitete und organisierte politische Massenaktionen und ein   Generalstreik k&#246;nnen die Kr&#228;fte der Reaktion schlagen. Die derzeitige   Welle von Gewaltausbr&#252;chen wird nicht in der Lage sein, das Regime zu   st&#252;rzen und die reaktion&#228;ren Kr&#228;fte zu besiegen. Stattdessen brauchen   die arbeitenden Menschen eine organisierte politische Massenbewegung mit   klaren Zielen und einem Programm, das die allt&#228;glichen Sorgen der   Mehrheit der Bev&#246;lkerung, wie steigende Nahrungsmittelpreise,   Massenarbeitslosigkeit und die weit verbreitete Armut, aufgreift.<\/p>\n<p>  Wir haben erkl&#228;rt, dass die f&#252;r den 8. Januar geplanten Wahlen eine   Farce und in keinster Weise demokratisch sein werden. Wir haben f&#252;r die   Durchf&#252;hrung von Wahlen auf einer v&#246;llig anderen Basis argumentiert &#8211; zu   VertreterInnen f&#252;r eine revolution&#228;re verfassungsgebende Versammlung,   die den Weg zu einer Regierung der ArbeiterInnen und der armen Menschen   einschlagen k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  <i>&#220;bersetzung: Sascha Stanicic<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nachdem die F&#252;hrerin der Pakistanischen Volkspartei (PPP), Benazir<br \/>\n      Bhutto, bei einem Selbstmordanschlag umgebracht wurde, vertiefen sich<br \/>\n      die politische Krise und das Chaos im Land. 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