{"id":12460,"date":"2008-01-02T00:52:03","date_gmt":"2008-01-02T00:52:03","guid":{"rendered":".\/?p=12460"},"modified":"2008-01-02T00:52:03","modified_gmt":"2008-01-02T00:52:03","slug":"12460","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/01\/12460\/","title":{"rendered":"Daimler: Jagd auf Kranke"},"content":{"rendered":"<p>  Gespr&#228;ch mit Mustafa Efe von der oppositionellen Betriebszeitung   Alternative im Werk Berlin-Marienfelde und   IG-Metall-Betriebsratsmitglied*. Die Fragen stellte Johannes Burczyk<i>.<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h5>  Wie geht euer Betrieb gegen kranke Kollegen vor?<\/h5>\n<p>  Schon seit einigen Jahren stellt die Daimler AG die unterschiedlichen   Werke in Konkurrenz zueinander. Welcher Standort hat die geringsten   Personalkosten? An welchem deutschen Standort sind die   Krankenkennziffern am G&#252;nstigsten? Und so weiter. Nun sollen die Werke   untereinander darum wetteifern, welcher Standort die niedrigsten   Krankenst&#228;nde hat, dem &#8222;Sieger&#8220; winkt eine Belohnung. Diese Konkurrenz   wird &#8211; um die Profite noch weiter zu steigern &#8211; verst&#228;rkt auf dem R&#252;cken   der Kollegen ausgetragen. Anstatt die krank machenden Arbeitsbedingungen   zu verbessern, werden in der Montage die Taktzeiten sogar noch verk&#252;rzt.<\/p>\n<p>  Wenn diese Bedingungen einen Kollegen krank machen, muss er sich zuerst   bei seinem Vorgesetzten melden. Dieser droht dann mit einem   Personalgespr&#228;ch. Immer &#246;fter werden Kollegen aufgefordert, Urlaubs-   oder Gleittage zu nehmen und sich nicht krankschreiben zu lassen. Bei   l&#228;ngeren Krankheiten bekommen die Kollegen Post nach Hause, in der das   Unternehmen eine &#8222;Zukunftsprognose&#8220; fordert, denn man m&#252;sse ja   Verst&#228;ndnis daf&#252;r haben, dass &#8222;ein Unternehmen wie die Daimler-AG sich   Arbeitsunf&#228;higkeiten, [&#8230;] und Belastungen durch zu leistende   Entgeldfortzahlungen in diesem Ausma&#223; nicht leisten&#8220; k&#246;nne.<\/p>\n<p>  Die Gefahr einer krankheitsbedingten K&#252;ndigung zwingt viele zur&#252;ck ins   Werk, die im Bett besser aufgehoben w&#228;ren.<\/p>\n<h5>  Dadurch wird der offizielle Krankenstand letztlich gesch&#246;nt. Die   Statistik sieht besser aus, aber ges&#252;nder sind die Menschen ja nicht.<\/h5>\n<p>  Diese Situation ist ja nicht nur bei uns so. In ganz Deutschland sinken   seit Jahren die offiziellen Krankenst&#228;nde. Sind die Arbeitsbedingungen   neuerdings so toll? Gerade in den &#8222;boomenden&#8220; Bereichen wie Leih- und   Zeitarbeit? Nein, dahinter steckt die Angst der Besch&#228;ftigten um ihre   Arbeitspl&#228;tze. Es ist doch kein Zufall, dass das Daimler-Werk   Ludwigsfelde in Brandenburg den niedrigsten Krankenstand hat. Der Druck   auf die Kollegen in diesen wirtschaftlich schwachen Regionen ist   besonders stark.<\/p>\n<p>  Die Kapitalisten dr&#252;cken die Krankenstatistiken auch, um zu verhindern,   dass es eine breite gesellschaftliche Debatte &#252;ber die Ursachen gibt.   Dass es letztlich dieses kapitalistische System ist, welches mehr und   mehr Menschen krank macht.<\/p>\n<h5>  Trifft dieses harte Vorgehen des Konzerns nur einzelne Kollegen, die   Langzeitkranken etwa, oder ist das ein systematischer Umgang mit allen?<\/h5>\n<p>  Der Betriebsrat in Marienfelde stimmte mehrheitlich einer Vereinbarung   mit dem Unternehmen zu, die genau dieses Vorgehen systematisiert. Die   Meldung beim Vorgesetzten, das F&#252;hren von Krankenr&#252;ckkehr-Gespr&#228;chen,   das Erstellen einer Zukunftsprognose et cetera. Das trifft alle.<\/p>\n<p>  Diese Vereinbarung sollte schnellstens gek&#252;ndigt werden, dann g&#228;be es   keine gesetzliche Grundlage f&#252;r die Krankenr&#252;ckkehr-Gespr&#228;che mehr. Dass   dieser Betriebsrat das von sich aus macht, ist allerdings sehr   unwahrscheinlich. Die Mehrheit der Mitglieder macht eine Politik des   Co-Managements.<\/p>\n<p>  Notwendig ist, dass die Kollegen selber aktiv werden und auch gen&#252;gend   Druck auf den Betriebsrat aus&#252;ben, dass dieser die Vereinbarung k&#252;ndigt.   Die regelm&#228;&#223;ige Herausgabe der Alternative, die auch von SAV-Mitgliedern   unterst&#252;tzt wird, ist ein wichtiger Schritt, um die Besch&#228;ftigten zu   informieren und ihre Selbstaktivit&#228;t zu f&#246;rdern.<\/p>\n<p>  <i>* Angabe zur Funktion dient nur der Kenntlichmachung der Person<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gespr&#228;ch mit Mustafa Efe von der oppositionellen Betriebszeitung<br \/>\n      Alternative im Werk Berlin-Marienfelde und<br \/>\n      IG-Metall-Betriebsratsmitglied*. 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