{"id":12451,"date":"2007-12-14T12:00:38","date_gmt":"2007-12-14T11:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12451"},"modified":"2012-07-02T19:39:29","modified_gmt":"2012-07-02T17:39:29","slug":"12451","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/12\/12451\/","title":{"rendered":"Vertrag von Lissabon unterzeichnet: Portugiesen haben nichts zu feiern"},"content":{"rendered":"<p>  Mit salbungsvollen Worten unterzeichneten die Staatschefs der EU-L&#228;nder   am 13. Dezember den EU-Reformvertrag. Portugals Regierung ist besonders   stolz, weil er nach dem Verhandlungsort den Namen &quot;Vertrag von Lissabon&quot;   tr&#228;gt. Die Menschen in Portugal haben andere Sorgen.<\/p>\n<p>  <i>von Augusto Camba, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Deshalb waren schon w&#228;hrend der Verhandlungen, im Oktober, 200.000   Demonstranten in Lissabon zusammengekommen, um gegen die Politik ihrer   Regierung zu protestieren. Es war die gr&#246;&#223;te Kundgebung seit 20 Jahren.   Und Portugal hat nur 10 Millionen Einwohner. Das Motto der Demonstration   lautete &#8222;F&#252;r ein soziales Europa&#8220;. Der Protest richtete sich gegen die   Verschlechterung der Lebensbedingungen der arbeitenden Bev&#246;lkerung und   der Erwerbslosen in Portugal. Die portugiesische Regierung treibt unter   dem sch&#246;nen Namen &quot;Flexiseguranca&quot;, was man am ehesten mit &#8222;Fordern und   F&#246;rdern&#8220; &#252;bersetzen k&#246;nnte, eine &#228;hnliche Sozialabbau-Politik wie in den   letzten Jahren die Regierung in Deutschland.<\/p>\n<h4>  Hintergr&#252;nde<\/h4>\n<p>  Zum besseren Verst&#228;ndnis: In Portugal organisieren sich die   Konservativen in der Partei der &quot;Sozialdemokraten&quot; (PSD). Die   Sozialisten (PS) entsprechen wiederum politisch der   &quot;sozialdemokratischen&quot; SPD in Deutschland.<\/p>\n<p>  2002 gewannen die Konservativen unter F&#252;hrung von Manuel Barroso die   Parlamentswahlen. Als Barroso im Jahr 2004 Pr&#228;sident der Europ&#228;ischen   Kommission wurde, &#252;bergab er das Amt des Ministerpr&#228;sidenten an Santana   Lopes. Doch schon wenige Monate sp&#228;ter mussten, aufgrund der weit   verbreiteten Unzufriedenheit in der Bev&#246;lkerung, das Parlament aufgel&#246;st   und Neuwahlen ausgerufen werden.<\/p>\n<p>  Diese Wahl Anfang 2005 gewannen die Sozialisten. Zum ersten Mal seit der   Revolution von 1974 eroberten sie eine absolute Mehrheit. Doch nutzten   sie diese nicht, um Reformen im Sinne von Verbesserungen durchzuf&#252;hren.   Der sozialistische Premierminister Jos&#233; S&#243;crates verstand die absolute   Mehrheit vielmehr als Freibrief, einen besonders arroganten und   autorit&#228;ren Regierungsstil zu pflegen.<\/p>\n<p>  Dementsprechend war auch der Inhalt seiner Politik. Die j&#228;hrliche   Neuverschuldung betrug bei seinem Amtsantritt 6,5 Prozent des   Bruttosozialproduktes. Es folgten permanente Angriffe auf die   Arbeiterklasse und besonders auf die Staatsbesch&#228;ftigten. S&#243;crates griff   zu den traditionellen Rezepten: die Steuern f&#252;r die breite Masse der   Bev&#246;lkerung erh&#246;hen, staatliche Investitionen senken. Portugal war in   den letzten zwei Jahren von allen 27 L&#228;ndern der EU dasjenige, mit der   geringsten staatlichen Investitionsquote.<\/p>\n<p>  Statt den Abstand zu den wohlhabenderen L&#228;ndern der EU zu verringern,   wuchs die Kluft in den letzten zwei Jahren. Ein F&#252;nftel der Bev&#246;lkerung   lebt unter der Armutsgrenze, der Mindestlohn betr&#228;gt 420 Euro, der   durchschnittliche Lohn liegt bei 700 Euro. Der Unterschied zwischen Arm   und Reich ist in Portugal besonders gro&#223;. Auch die Arbeitslosigkeit   nimmt zu, obwohl S&#243;crates im Wahlkampf 150.000 neue Arbeitspl&#228;tze   versprochen hatte. Viel Geld wurde in den vergangenen Jahre f&#252;r   Gro&#223;projekte verpulvert, wie die Expo 98 und die Ausrichtung der   Fu&#223;balleuropameisterschaft 2004, die vor allem dazu f&#252;hrte, dass   privaten, reichen Fu&#223;ballvereinen der Stadionausbau mit &#246;ffentlichen   Geldern finanziert wurde.<\/p>\n<p>  Die Regierung S&#243;crates ist nicht besonders stabil. Allerdings beherrscht   S&#243;crates die Kunst, seine Politik als Show zu inszenieren. Immer wenn   seine Popularit&#228;t sinkt, k&#252;ndigt er gro&#223;e Investitionen an.<\/p>\n<p>  In der Realit&#228;t gibt es h&#246;chstens kleine Projekte, die aber mit viel   Aufwand medial in Szene gesetzt werden. Man darf davon ausgehen, dass   Sokrates im Wahljahr 2009 mit vollmundigen Wahlversprechen versuchen   wird, eine zweite absolute Mehrheit zu gewinnen. Dass er dieses Ziel   erreicht, ist aber eher unwahrscheinlich, schlie&#223;lich war seine Politik   nicht gerade dazu angetan, sich eine treue W&#228;hlerschaft unter der   Besch&#228;ftigten und Erwerbslosen aufzubauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Mit salbungsvollen Worten unterzeichneten die Staatschefs der EU-L&#228;nder<br \/>\n      am 13. Dezember den EU-Reformvertrag. Portugals Regierung ist besonders<br \/>\n      stolz, weil er nach dem Verhandlungsort den Namen &quot;Vertrag von Lissabon&quot;<br \/>\n      tr&#228;gt. 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