{"id":12448,"date":"2007-12-06T15:31:55","date_gmt":"2007-12-06T15:31:55","guid":{"rendered":".\/?p=12448"},"modified":"2007-12-06T15:31:55","modified_gmt":"2007-12-06T15:31:55","slug":"12448","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/12\/12448\/","title":{"rendered":"1. Runde geht an die Lokf&#252;hrer &#8211; 2. Runde jetzt vorbereiten"},"content":{"rendered":"<p>  Die Lokf&#252;hrer und ihre Gewerkschaft GDL haben in der monatelangen   Tarifauseinandersetzung f&#252;r h&#246;here L&#246;hne und k&#252;rzere Arbeitszeiten einen   ersten wichtigen Erfolg erzielt. Das Zugest&#228;ndnis eines eigenst&#228;ndigen   Tarifvertrags, der der GDL die M&#246;glichkeit gibt f&#252;r alle Lokf&#252;hrerInnen   L&#246;hne und Arbeitszeiten zu verhandeln, ist die notwendige Voraussetzung   f&#252;r einen Kampf zur vollen Durchsetzung der Forderungen von einem   Mindestgrundlohn von 2.500 Euro und einer Arbeitszeitverk&#252;rzung um eine   Stunde auf vierzig Stunden pro Woche.<\/p>\n<p align=\"center\">  <a href=\"http:\/\/www.bahnstreik-soli.de\/\"><small>[Soliwebsite zum Kampf   der Lokf&#252;hrer]<\/small><\/a><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher<\/i><\/p>\n<p>  Dieser Erfolg konnte nur erzielt werden, weil die Lokf&#252;hrerInnen in   mehreren Streiks den Druck auf die Arbeitgeberseite kontinuierlich   erh&#246;ht haben und dem Druck der Bosse, der anderen Gewerkschaftsf&#252;hrer   und der Regierungsparteien nicht nachgegeben haben.<\/p>\n<p>  Entscheidend waren dabei der 62-st&#252;ndige Steik im G&#252;terverkehr und der   48-st&#252;ndige Vollstreik. Dabei entstanden auch Initiativen von unten, zum   Beispiel organisierten KollegInnen in Berlin &#246;ffentlichkeitswirkame   Protestaktionen w&#228;hrend des Streiks. Damit geht nach nervenzehrenden   Monaten der Tarifauseinandersetzung die erste Runde an die GDL. Jetzt   kommt es darauf an, die zweite Runde vorzubereiten und sicher zu   stellen, dass die maximale Kampfkraft der Kolleginnen und Kollegen   mobilisiert werden kann, um die Forderungen, um die es eigentlich in   diesem Kampf geht, auch durchzusetzen. Dabei gilt es auch die Lehren aus   der Auseinandersetzung der letzten Monate zu ziehen.<\/p>\n<p>  Dieser Erfolg der Lokf&#252;hrerInnen sendet eine wichtige Botschaft in die   Gewerkschaftsbewegung und an alle Lohnabh&#228;ngigen: k&#228;mpfen lohnt sich!   Gewerkschaften sind nicht dazu da, Verzicht zu organisieren, sondern f&#252;r   die Interessen ihrer Mitglieder zu k&#228;mpfen<\/p>\n<p>  In einigen Medien gab es Spekulationen, ob es tats&#228;chlich zu einer   Einigung im Sinne eines eigenst&#228;ndigen Tarifvertrags gekommen ist und es   wurde spekuliert, dass sich wiederholen k&#246;nnte, was nach den   Schlichtungsgespr&#228;chen mit Heiner Gei&#223;ler und Kurt Biedenkopf geschah,   dass die Einigung sich als schnell platzende Luftblase entpuppt. Bisher   ist folgendes bekannt: Im Rahmen eines Manteltarifvertrages f&#252;r alle   Bahnbesch&#228;ftigten soll es Einzeltarifvertr&#228;ge f&#252;r sechs   Besch&#228;ftigtengruppen, eine davon die der Lokf&#252;hrerInnen, geben. Der   Manteltarif soll 80% regeln, der Rest soll in Einzeltarifvertr&#228;gen   vereinbart werden. Bestandteil des Einzeltarifvertrags sollen die   Entgelte und die Arbeitszeiten sein. Im Dezember wird es eine   Einmalzahlung von 800 Euro geben, als Kompensation f&#252;r die nicht   ausgezahlten Erh&#246;hungen aus dem Transnet\/GDBA Abschluss.<\/p>\n<p>  Weitere Details, was mit dem eigenst&#228;ndigen Tarifvertrag verhandelt   werden kann, sollen noch bis Mitte Dezember gekl&#228;rt werden. Sollte es   sich dabei herausstellen, dass es sich wieder um eine Mogelpackung   handelt und Mehdorn einmal mehr versucht die GDL und die &#214;ffentlichkeit   an der Nase herum zu f&#252;hren, kann die Antwort der GDL nur eine sein:   keine weiteren Verhandlungen und unbefristeter Streik.<\/p>\n<p>  Eines ist klar: der Arbeitskampf ist nicht beendet, sondern geht in die   n&#228;chste Runde. Jetzt geht es darum, tats&#228;chlich materielle   Verbesserungen f&#252;r die Lokf&#252;hrerInnen herauszuholen<\/p>\n<p>  Ein maximaler Erfolg wird nur m&#246;glich sein, wenn die maximale Kampfkraft   mobilisiert wird. Mehdorn und Suckale haben oft genug bewiesen, dass   ihnen die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bahnbesch&#228;ftigten am   Allerwertetsten vorbei gehen. Darauf zu hoffen, dass sie in   Verhandlungen den berechtigten Forderungen der GDL nachgeben, kommt dem   Warten auf den Weihnachtsmann gleich. Deshalb sollte die GDL ab sofort   ihre Mitgliedschaft auf eine Wiederaufnahme des Streiks w&#228;hrend der   n&#228;chsten Verhandlungsrunde vorbereiten. Besteht w&#228;hrend Verhandlungen   eine Friedenspflicht? Nein. Dies hat Manfred Schell Ende November auf   einer Pressekonferenz auf Nachfrage best&#228;tigt. Es gibt keinen Grund, an   einer selbst auferlegten Friedenspflicht festzuhalten. Der Druck von   Arbeitsniederlegungen w&#252;rde die GDL-Verhandlungskommission in eine   st&#228;rkere Position bringen und den Druck auf den Bahn-Vorstand massiv   erh&#246;hen.<\/p>\n<p>  Wie sollten die n&#228;chsten Streiks aussehen? Es gab nicht wenige   Kolleginnen und Kollegen, die mit der &#8222;Stop and Go&#8220;-Taktik des   GDL-Vorstands nicht einverstanden waren und in der Unterbrechung der   Streiks und der Wiederaufnahme von Verhandlungen ein unn&#246;tiges   Entgegenkommen gegen&#252;ber dem Arbeitgeber sahen. Die SAV hat diese   Sichtweise geteilt. Diese Taktik hat die Auseinandersetzung in die L&#228;nge   gezogen und es erschwert, die gro&#223;e Sympathie in der Bev&#246;lkerung   aufrecht zu erhalten und praktische Unterst&#252;tzung von   GewerkschaftsaktivistInnen aus anderen Bereichen zu steigern und dadurch   den Druck auf Mehdorn und Co zu erh&#246;hen. Au&#223;erdem ist es auch nicht   m&#246;glich die Streikbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen, die unter   erheblichem Druck stehen, ein- und ausknipsen, wie einen Lichtschalter.   Bei jeder Wiederaufnahme der Arbeit werden die KollegInnen dem Druck der   Vorgesetzten ausgesetzt, geht Dynamik verloren und bedarf es einer neuen   Anstrengung zur n&#228;chsten Mobilisierung. Deshalb sollte die GDL einen   unbefristeten Streik vorbereiten f&#252;r den Fall, dass ihre berechtigten   Forderungen nicht akzeptiert werden. Das letzte Angebot von acht Prozent   Lohnerh&#246;hung bei einer 41-Stunden-Woche ist nicht einmal als   Verhandlungsgrundlage akzeptabel.<\/p>\n<p>  Um einen maximalen Effekt zu erzielen bedarf es der aktiven Beteiligung   m&#246;glichst vieler KollegInnen. Mitglieder werden sich aber nur dann   &#252;berzeugt und aktiv einbringen, wenn sie &#252;ber den Stand der Dinge   kontinuierlich informiert werden, sich austauschen k&#246;nnen und sicher   sind, dass alle Entscheidungen demokratisch von der Mitgliedschaft   gef&#228;llt werden. Besonders in den letzten zwei Wochen f&#252;hlten sich viele   KollegInnen nicht ausreichend informiert &#252;ber den Verhandlungsstand.   Schritte, um den Arbeitskampf zum Erfolg zu bringen und die in   Mitgliederversammlungen auf allen Ebenen beschlossen werden k&#246;nnten,   sind:<\/p>\n<p>  <i>&#8211; w&#246;chentliche Ortsgruppenversammlungen sp&#228;testens ab Januar, die die   Mitglieder &#252;ber den Stand der Diskussionen im Vorstand und der   Tarifkommission und bei den Verhandlungen informieren.<\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; W&#228;hrend eines Streiks: t&#228;gliche Streikversammlungen zur   Informierung der Streikenden und Wahl von Streikkomitees zur   Koordination und Organisierung von &#246;ffentlichkeitswirksamen Aktionen und   Streikposten. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; Organisierung einer bundesweiten Konferenz Mitte Januar von   Hauptvorstand, Tarifkommission und jeweils einem in den   Ortsgruppenversammlungen zu w&#228;hlenden Delegierten zur Vorbereitung von   Kampfma&#223;nahmen zur vollen Durchsetzung der Forderungen <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; Keine Zustimmung zu einem Verhandlungsergebnis und keine   Streikunterbrechung ohne ausf&#252;hrliche Diskussion in   Mitgliederversammlungen und anschlie&#223;ender Urabstimmung<\/i><\/p>\n<p>  Von entscheidender Bedeutung f&#252;r einen tats&#228;chlichen Sieg der   Lokf&#252;hrerInnen wird auch sein, ob die Sympathie unter anderen   Bahnbesch&#228;ftigten und in der Bev&#246;lkerung aufrecht erhalten und in   praktische Solidarit&#228;t verwandelt werden kann. Um dies zu erreichen,   sollte die GDL praktische Schritte zu gemeinsamen Aktionen mit anderen   Gewerkschaften und sozialen Bewegungen ergreifen: vor allem gegen die   Bahnprivatisierung, aber auch f&#252;r Lohnerh&#246;hungen f&#252;r andere Teile der   Bahnbelegschaft und der Lohnabh&#228;ngigen insgesamt.<\/p>\n<p>  Viele Kolleginnen und Kollegen besch&#228;ftigt auch das Schicksal der   Zugbegleiter und des Gastronomiepersonals, die in der Einigung auf einen   eigenst&#228;ndigen Tarifvertrag nicht vorgesehen sind. Diese KollegInnen   haben im Streik eine wichtige Rolle gespielt und d&#252;rfen nicht einfach   vergessen werden. Die GDL-F&#252;hrung hat die Verantwortung, einen Weg   aufzuzeigen, wie auch f&#252;r diese Besch&#228;ftigten Lohnerh&#246;hungen und eine   Arbeitszeitverk&#252;rzung durchgesetzt werden k&#246;nnen, die ihrer besonderen   Belastung entsprechen. Die SAV ist davon &#252;berzeugt, dass die   urspr&#252;nglichen Forderungen nach einem eigenst&#228;ndigen Tarifvertrag und   den entsprechenden Lohnerh&#246;hungen bzw. der Verk&#252;rzung der Arbeitszeit   f&#252;r das gesamte Fahrpersonal in einem konsequenten Streik durchgesetzt   werden kann.<\/p>\n<p>  Zweifellos wird das Bahn-Management versuchen, die erlittene Schlappe in   den Verhandlungen mit der GDL wieder auszugleichen. Auch deshalb muss   sicher gestellt werden, dass der Manteltarifvertrag, den die GDL   gemeinsam mit den beiden anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA   verhandeln wird, keine Verschlechterungen f&#252;r die Belegschaft vorsehen   wird. Die GDL sollte die Auseinandersetzung um den Manteltarifvertrag   nutzen, um allen KollegInnen und allen Gewerkschaften bei der Bahn einen   gemeinsamen Kampf vorzuschlagen. Denn auch, wenn Transnet Chef Hansen   das jetzt ablehnt, gilt weiterhin die Klausel, die im Vertrag, den   Transnet und GDBA mit der Bahn abgeschlossen haben. Die lautet: erreicht   die GDL mehr als die in diesem Tarifvertrag abgeschlossenen 4,5% &#8211; und   das ist mittlerweile ziemlich sicher &#8211; k&#246;nnen letztere den Kampf f&#252;r   h&#246;here Lohnerh&#246;hungen wieder aufnehmen. Das w&#228;re ein Weg, um die Einheit   der Bahn-Besch&#228;ftigten im Kampf zu erreichen, Verbesserungen f&#252;r alle   durchzusetzen und Mehdorns Privatisierungspl&#228;nen den Todessto&#223; zu   versetzen.<\/p>\n<p>  Die SAV hat in den letzten Monaten an der Seite der k&#228;mpfenden   Lokf&#252;hrerInnen gestanden, sie praktisch unterst&#252;tzt, Solidarit&#228;t   organisiert und in einigen St&#228;dten gemeinsame Aktionen durchgef&#252;hrt. Wie   werden auch weiterhin alle unsere M&#246;glichkeiten nutzen, um einen Beitrag   dazu zu leisten, dass die GDL einen Sieg erzielen wird. Denn ein Sieg   der GDL wird ein Zeichen f&#252;r die gesamte Arbeiterklasse setzen: Verzicht   muss nicht sein, Kampf kann erfolgreich sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Lokf&#252;hrer und ihre Gewerkschaft GDL haben in der monatelangen<br \/>\n      Tarifauseinandersetzung f&#252;r h&#246;here L&#246;hne und k&#252;rzere Arbeitszeiten einen<br \/>\n      ersten wichtigen Erfolg erzielt. 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