{"id":12446,"date":"2007-12-03T12:57:06","date_gmt":"2007-12-03T11:57:06","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12446"},"modified":"2012-05-15T15:35:18","modified_gmt":"2012-05-15T13:35:18","slug":"12446","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/12\/12446\/","title":{"rendered":"Ein Schlaglicht auf die Krise der Bremer LINKEN"},"content":{"rendered":"<p>  Nur 15 von ca. 80 Mitgliedern des Kreisverbandes waren auf der KMV Links   der Weser anwesend, davon mit C. Barth und M. Lassowski zwei   LaVo-Mitglieder, die nicht zum Kreisverband geh&#246;ren. Trotzdem war sie   symptomatisch f&#252;r den Zustand des Landesverbandes.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Heino Berg, Bremen <\/i>    <\/p>\n<p>  Wenn sich 80% der Mitglieder nicht einmal an den sehr selten   stattfindenden KMVs beteiligen, ist bereits das ein deutlicher Hinweis   auf die schwere Krise, die den Landesverband schon wenige Monate nach   der Gr&#252;ndung und nach dem Einzug in die B&#252;rgerschaft erfasst hat. In der   &#214;ffentlichkeit f&#228;llt die LINKE nicht durch oppositionelle Initiativen   f&#252;r die Interessen der B&#252;rger und gegen den rotgr&#252;nen Senat auf, sondern   durch personelle Querelen, die nach der Auseinandersetzung um den   Fraktionsvorsitz nun in der Trennung der Fraktion von ihren beiden   Gesch&#228;ftsf&#252;hrern Steglich und Spehr ihren vorl&#228;ufigen H&#246;hepunkt gefunden   haben.<\/p>\n<p>  <b>K&#252;ndigung der beiden Fraktionsgesch&#228;ftsf&#252;hrer<\/b><\/p>\n<p>  Nach kurzen Berichten von Jost Beilken und Peter Erlanson wurden diese   von der b&#252;rgerlichen Presse vor den Wahlen in Hessen und Hamburg   gen&#252;sslich ausgeschlachteten Vorg&#228;nge in der Kreismitgliederversammlung   diskutiert, obwohl sie eigentlich nicht auf der Tagesordnung standen.   Auf scharfe Kritik stie&#223; besonders der Umstand, dass die Mitglieder &#252;ber   diese Vorg&#228;nge und ihre Gr&#252;nde durch Fraktion und Landesvorstand mit   keiner einzigen Stellungnahme unterrichtet wurden. Diese skandal&#246;se   Informationspolitik, welche den Meinungsaustausch &#252;ber die strittigen   Fragen der Strategie gegen&#252;ber dem Senat, &#252;ber die Haushaltspolitik,   &#252;ber den Lokf&#252;hrerstreik, &#252;ber die Privatisierung von Krankenh&#228;usern   oder die Einschr&#228;nkung von B&#252;rgerrechten nahezu vollst&#228;ndig unterbunden   hat und die nur durch massiven Druck der Opposition beim Lokf&#252;hrerstreik   und jetzt bei den Krankenh&#228;usern durchbrochen werden konnte, macht aus   der Partei eine Ger&#252;chtek&#252;che, die ihre Anziehungskraft f&#252;r engagierte   Linke und Gewerkschafter schon jetzt schwer besch&#228;digt hat.<\/p>\n<p>  Anstatt die Meinungsverschiedenheiten &#252;ber die Aufgaben der LINKEN beim   Namen zu nennen und in der offenen Diskussion zu kl&#228;ren, wurden sie seit   der Strategiedebatte &#252;ber das Spehr-Papier unter den Teppich gekehrt und   werden nun als unverdaute, angeblich unpolitische Personalquerelen   wieder hervorgew&#252;rgt. Auch die Berichte von Erlanson und Beilken trugen   wenig zur Kl&#228;rung der politischen Hintergr&#252;nde bei. Nur der vorsichtige   Hinweis von Jost Beilken darauf, dass sich die hauptamtlichen   Angestellten nicht an ausdr&#252;cklichen Vorgaben der gew&#228;hlten Abgeordneten   gehalten und in der Orientierung auf das unter den Sparvorgaben noch   &#132;machbare&#147; kleinere &#220;bel verselbst&#228;ndigt h&#228;tten, lie&#223; ahnen, dass hier   der bereits beim Kampf um die Fraktionsf&#252;hrung und den Umgang mit den   Mitgliederdaten aufgebrochene fundamentale Gegensatz zwischen dem eher   basisdemokratischen und regierungskritischen Politikverst&#228;ndnis der   westlichen Landesverb&#228;nde einerseits und dem b&#252;rokratischen   (Regierungs)apparat der fr&#252;heren PDS zum Ausdruck kommt, ohne offen als   solcher thematisiert zu werden. Erst als im Punkt Verschiedenes doch   noch der Antrag zum Berliner Polizeigesetz und damit die Frage der   Glaubw&#252;rdigkeit linker Politik behandelt wurde, prallten diese   Gegens&#228;tze offen aufeinander&#133;<\/p>\n<p>  <b>Krankenhausinitiative<\/b><\/p>\n<p>  Vorher wurde noch das Hauptthema des Abends diskutiert, zu dem die   SAV-Mitglieder im Kreisverband bereits vor Wochen inhaltliche Vorschl&#228;ge   eingebracht hatten, die aber weder im Kreis- noch im Landesverband an   die Mitglieder weitergeleitet worden waren: Die Zukunft der Bremer   Krankenh&#228;user. Unmittelbar vor der Senatsentscheidung &#252;ber den   Masterplan zum Abbau von mehr als 1000 Arbeitspl&#228;tzen und &#252;ber den   Ausstieg aus der &#246;ffentlichen Krankenhausfinanzierung durch das   PPP-Modell hat der Landesverband auf Initiative von AKL und SAV und nach   dem Beschluss der Kreismitgliederversammlung Mitte\/Ost nun doch noch zu   einer &#246;ffentlichen Veranstaltung &#252;ber dieses Thema aufgerufen. Nach den   Berichten von Peter Erlanson &#252;ber den Stand der Verhandlungen und von   mir &#252;ber die gestrige, &#246;ffentliche Betriebsratssitzung mit B&#246;hrnsen   bestand in der KMV schnell Einigkeit dar&#252;ber, dass die LINKE durch die   Veranstaltung am 13.12. dazu beitragen kann, die bisherige Spaltung der   Krankenh&#228;user und ihrer Betriebsr&#228;te zu &#252;berwinden. Das und die   Solidarit&#228;t der Bev&#246;lkerung w&#228;ren aber &#228;hnlich wie beim GDL-Streik nur   erreichbar, wenn die LINKE nicht nur gegen private Finanzierungsmodelle,   sondern vor allem gegen den geplanten Arbeitsplatz und Bettenabbau im   &#246;ffentlichen Gesundheitswesen vorgehe. Ein Treffen zur Vorbereitung   dieser Veranstaltung findet heute, 19 Uhr im Neust&#228;dter Abgeordnetenb&#252;ro   von Peter Erlanson statt.<\/p>\n<p>  <b>Glaubw&#252;rdigkeitsprobleme<\/b><\/p>\n<p>  Nach der Wahl der L&#228;nderratsvertreter des Kreisverbandes (die ohne   Gegenkandidaten abgewickelt wurde) kam es unter &#132;Verschiedenes&#147; zu einem   frontalen Zusammenprall zwischen Landesvorstand und Opposition in der   Frage, ob der Bremer Landesverband die Zustimmung der Berliner LINKEN   zum antidemokratischen Polizeigesetz &#246;ffentlich oder nur hinter den   Kulissen zwischen den Landesvorst&#228;nden kritisieren sollten. Dabei ging   es nicht nur um B&#252;rgerrechte, sondern angesichts der anderen   &#132;Schweinereien&#147; der linken Regierungsvertreter grunds&#228;tzlich um die   Glaubw&#252;rdigkeit von linker Politik. W&#228;hrend die LaVo-Mitglieder Barth   und Brinkmann Mutma&#223;ungen &#252;ber eventuelle Fortschritte in diesem Gesetz   anstellten, war sich die Mehrheit der Versammlung &#252;ber die Kritik daran   einig. Allerdings wollte der KV- und AKL-Sprecher Wilfried Schartenberg   nun die Forderung nach einer &#246;ffentlichen Distanzierung der LINKEN   gestrichen sehen, weil dies angeblich dem Ruf der LINKEn schaden w&#252;rde.   Die SAV-Mitglieder wandten ein, dass nicht die &#246;ffentliche Kritik,   sondern die Zustimmung zu dem Gesetz um des Machterhaltes willen dem   Kampf der LINKEN f&#252;r demokratische und soziale Forderungen nicht nur in   Berlin, sondern auch in Bremen oder bei den bevorstehenden Wahlk&#228;mpfen   schweren Schaden zuf&#252;gen w&#252;rde. Der Bremer Landesverband k&#246;nne daf&#252;r in   Mithaftung genommen werden, wenn er nicht einmal die eigenen   Parteimitglieder, geschweige denn unsere W&#228;hler und die &#214;ffentlichkeit   &#252;ber seine (kritische) Haltung informieren w&#252;rde. Der Antrag auf   Streichung der &#246;ffentlichen Kritik wurde zum Schluss der Versammlung mit   6 Stimmen (darunter Peter Erlanson) gegen 4 abgelehnt. Die   Landessprecherin Conny Barth k&#252;ndigt an, dass der Landesvorstand &#252;ber   eine Ver&#246;ffentlichung dieses Antrags befinden m&#252;sse, was noch einmal   unterstrich, mit welchen Mitteln die Parteif&#252;hrung eine offene Debatte   &#252;ber die Grundfragen linker Politik zu verhindern versucht und erkl&#228;rt,   warum der Landesverband schon kurz nach seiner Gr&#252;ndung in eine   derartige Krise geraten ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Dokumentiert: KMV-Beschluss zum Berliner Polizeigesetz<\/b><\/p>\n<p>  Der unten stehende Initiativantrag zur Glaubw&#252;rdigkeit linker   Forderungen gegen die Einschr&#228;nkung von B&#252;rgerrechten wurde auf der   Kreismitgliederversammlung Links der Weser am 27.11. angenommen. Der von   den Landesvorstandsmitgliedern Conny Barth und Toni Brinkmann sowie von   den Kreisvorstandsmitgliedern Lucie Horn und Wilfried Schartenberg   unterst&#252;tzte &#196;nderungsantrag, den vorletzten Absatz durch den letzten zu   *ersetzen*, wurde nach einer sehr engagierten Debatte mit knapper   Mehrheit abgelehnt. Der Landesvorstand ist aufgefordert, diesen Antrag   umgehend an alle Mitglieder zu verschicken und auf der Website zu   ver&#246;ffentlichen.<\/p>\n<p>  &quot;1. Die Kreismitgliederversammlung verurteilt die Zustimmung der LINKEN   im Berliner Abgeordnetenhaus zum Polizeigesetz (ASOG) und zur   verst&#228;rkten Video&#252;berwachung, die auch in Bremen geplant und auf den   Protest der Linksjugend &quot;solid&quot; gesto&#223;en ist.<\/p>\n<p>  2. Die KMV unterst&#252;tzt die Erkl&#228;rung des Landesvorstands der LINKEN in   NRW<\/p>\n<p>  &quot;Mit der Verteidigung von B&#252;rger\/innen- und Freiheitsrechten steht und   f&#228;llt die Glaubw&#252;rdigkeit der Partei als B&#252;rgerrechtspartei insgesamt.   Deshalb d&#252;rfen wir keine weitere Einschr&#228;nkung der B&#252;rger\/innenrechte   durch Schritte zur Ausdehnung der &#220;berwachung und Kontrolle der   B&#252;rgerinnen und B&#252;rger und einer weiteren Einschr&#228;nkung der gesetzlich   gesch&#252;tzten Privatsph&#228;re mittragen.&quot; <\/p>\n<p>  3. Die KMV erwartet vom Landesvorstand der Bremer LINKEN, in Zukunft die   Glaubw&#252;rdigkeit der Verteidigung von B&#252;rgerrechten auch durch eine   &#246;ffentliche Kritik an der Haltung der Berliner LINKEN deutlich zu machen   und missbilligt seine Entscheidung, die kritische Stellungnahme des   NRW-Landesvorstands weder auf der Website zu ver&#246;ffentlichen, noch die   Mitglieder des Landesverbandes dar&#252;ber zu unterrichten.<\/p>\n<p>  4. Der Landesvorstand wird aufgefordert, zum Thema &quot;Verteidigung der   B&#252;rgerrechte&quot; eine &#246;ffentliche Diskussionsveranstaltung vorzubereiten.<\/p>\n<p>  <i>Antragsteller: <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Heino Berg, Nihat Boyraz und 3 weitere Anwesende<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nur 15 von ca. 80 Mitgliedern des Kreisverbandes waren auf der KMV Links<br \/>\n      der Weser anwesend, davon mit C. Barth und M. Lassowski zwei<br \/>\n      LaVo-Mitglieder, die nicht zum Kreisverband geh&#246;ren. Trotzdem war sie<br \/>\n      symptomatisch f&#252;r den Zustand des Landesverbandes.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12446"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12446"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12446\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}