{"id":12438,"date":"2007-12-19T00:54:01","date_gmt":"2007-12-19T00:54:01","guid":{"rendered":".\/?p=12438"},"modified":"2007-12-19T00:54:01","modified_gmt":"2007-12-19T00:54:01","slug":"12438","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/12\/12438\/","title":{"rendered":"Chef? Wozu?"},"content":{"rendered":"<p>  Wenn die Besch&#228;ftigten selbst bestimmen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Der Streik der Lokf&#252;hrer zeigt, dass die Kapitalisten nicht auf die   ArbeiterInnen verzichten k&#246;nnen &#8211; legen sie die Arbeit nieder, l&#228;uft   nichts mehr! Wie ist es umgekehrt? Sind die Besch&#228;ftigten auf ihren Chef   angewiesen<\/b>?<\/p>\n<p>  <i>von Lasse Schmied, Kassel<\/i><\/p>\n<p>  Nachdem der Eigent&#252;mer Lone Star in diesem Jahr eine Fahrradfabrik in   Nordhausen (Th&#252;ringen) schlie&#223;en wollte, besetzte die Belegschaft   spontan den Betrieb. Die KollegInnen entwickelten mit dem Strike Bike   ein eigenes Fahrradmodell und organisierten die Produktion in   Eigenregie. In der Geschichte gibt es eine Reihe von Beispielen, in   denen Betriebe besetzt und selbst verwaltet wurden. Ganz neue   M&#246;glichkeiten jenseits der kapitalistischen Organisation wurden   aufgezeigt. Ohne die Bevormundung von abgehobenen Managern, ohne die   Renditezw&#228;nge gegen&#252;ber Gro&#223;aktion&#228;ren entwickeln Belegschaften immer   wieder eine enorme Kreativit&#228;t und Schaffenskraft, die mit der   Bevormundung eines Chefs undenkbar w&#228;ren.<\/p>\n<p>  Eine sozialistische Gesellschaft kennt keine Bosse mehr und schafft den   Raum f&#252;r die Entfaltung der Belegschaften. Wie kann der betriebliche   Alltag in einer solchen Gesellschaft aussehen?<\/p>\n<h4>  Innerbetriebliche Demokratie<\/h4>\n<p>  Im Sozialismus ist der Privatbesitz an Konzernen und Banken aufgehoben.   Damit wird auch die Spaltung der Gesellschaft in Arbeiterklasse und   Kapitalistenklasse beendet. Das bedeutet einen radikalen Umbruch in den   betrieblichen Strukturen. Der private Arbeitgeber wird n&#228;mlich nicht   einfach durch den Staat in Person eines Technokraten oder B&#252;rokraten   ersetzt. Das war der Fall in den stalinistischen L&#228;ndern des Ostblocks.   Die Produktion befindet sich vielmehr in den H&#228;nden der Gesellschaft.   Das hei&#223;t, dass die betrieblichen Abl&#228;ufe nicht von irgendwelchen   Chefetagen diktiert werden. Stattdessen werden sie von der Belegschaft   selber entschieden, auf Betriebsversammlungen und &#252;ber gew&#228;hlte,   jederzeit abw&#228;hlbare VertreterInnen, die keine Privilegien erhalten.   Durch Arbeitzszeitverk&#252;rzungen, die m&#246;glich werden, weil   Massenarbeitslosigkeit, R&#252;stung und Werbung Vergangenheit sind, werden   alle Zeit finden, sich weiter bilden zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Noch wurden in Venezuela unter Hugo Chavez erst wenige Betriebe   verstaatlicht. Zudem haben ArbeiterInnen mehrmals Betriebe nach der   Schlie&#223;ung besetzt und die Produktion wieder in Gang gebracht (sp&#228;ter   erhielten sie dann die Unterst&#252;tzung der Regierung). In diesen so   genannten Unternehmen sozialer Produktion (EPS) ist es ein Prinzip, dass   kein Angestellter besondere materielle Privilegien genie&#223;t. Au&#223;erdem   rotieren in diesen Betrieben die verschiedenen Aufgaben. So wird zum   einen verhindert, dass sich Monotonie und Langeweile breit macht. Zum   anderen bekommt man selber einen &#220;berblick &#252;ber den gesamten   betrieblichen Ablauf, um schlie&#223;lich Entscheidungen f&#252;r den ganzen   Betrieb f&#228;llen zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die Papierfabrik Venepal wurde von Chavez auf Druck der ArbeiterInnen   verstaatlicht. Dort werden die Unternehmensentscheidungen heute auf   regelm&#228;&#223;igen Versammlungen getroffen und der Betrieb wird von einem   gew&#228;hlten Gremium geleitet, das auch abgew&#228;hlt werden kann. Das   passierte Anfang 2006, als bei der &#220;berpr&#252;fung der B&#252;cher durch die   Belegschaft festgestellt wurde, dass gegen das Interesse der   Besch&#228;ftigten versto&#223;en worden war.<\/p>\n<h4>  Gesellschaftliche Planung und betriebliche Umsetzung<\/h4>\n<p>  Im Sozialismus wird die Konkurrenz zwischen den Betrieben &#252;berwunden   sein. Eine Innovation in einem Betrieb wird nicht als Wettbewerbsvorteil   gegen&#252;ber anderen ausgenutzt. Stattdessen bedeutet sie einen Fortschritt   f&#252;r s&#228;mtliche Betriebe und f&#252;r alle in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>  Eine demokratische Kontrolle und Verwaltung der Betriebe muss   eingebettet sein in eine Selbstverwaltung der gesamten Gesellschaft, die   die ganze Wirtschaft demokratisch plant. Planung hei&#223;t nicht, dass man   nicht in der Lage ist, auf spontane Ereignisse zu reagieren. Ein Wandel   von Bed&#252;rfnissen und Notwendigkeiten kann schnell erfasst und die   Produktion (dank Arbeiterkontrolle und -verwaltung) angepasst werden.<\/p>\n<p>  Die Aufstellung und die Erf&#252;llung eines Plans darf nicht b&#252;rokratisch   von oben nach unten betrieben werden. Dass das nicht funktioniert,   konnte man in der DDR und in der Sowjetunion sehen. In einer   sozialistischen Demokratie werden nicht nur im einzelnen Betrieb,   sondern auf allen Ebenen VertreterInnen gew&#228;hlt, die in der Wirtschaft,   bei der Bildung und in anderern Bereichen Leitungsfunktionen &#252;bernehmen.   Dann k&#246;nnen Wirtschaft und Gesellschaft endlich im Interesse von Mensch   und Umwelt gestaltet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wenn die Besch&#228;ftigten selbst bestimmen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[96],"tags":[199],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12438"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12438"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12438\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12438"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12438"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12438"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}