{"id":12437,"date":"2007-12-17T00:51:26","date_gmt":"2007-12-17T00:51:26","guid":{"rendered":".\/?p=12437"},"modified":"2007-12-17T00:51:26","modified_gmt":"2007-12-17T00:51:26","slug":"12437","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/12\/12437\/","title":{"rendered":"Der braune Aufmarsch"},"content":{"rendered":"<p>  Gr&#252;nde f&#252;r den Aufstieg der Nazis und wie sie gestoppt werden k&#246;nnen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Anfang November ritzten Neonazis im s&#228;chsischen Mittweida einer   17-J&#228;hrigen ein Hakenkreuz in die Haut. Sie war einem sechs Jahre alten   Kind einer Sp&#228;taussiedlerfamilie zur Hilfe ge-eilt, das von den Nazis   herumgschubst wurde. In Leverkusen pr&#252;gelten Mitte November Neonazis mit   sandgef&#252;llten Glasflaschen auf Jugendliche ein, die vorher an einer   Antifa-Demo teilgenommen hatten. Eine 24-J&#228;hrige musste mit schweren   Gesichtverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Ingmar Meinecke, Leipzig<\/i><\/p>\n<p>  Die Bedrohung durch die Nazis und ihre Erfolge werden leider von der   Arbeiterbewegung und der Linken noch immer nicht ernst genug genommen.   Gleichzeitig w&#228;re es falsch zu glauben, die Faschisten w&#252;rden   automatisch immer st&#228;rker werden. Im vergangenen Sommer gab es zwar eine   Vielzahl von Nazi-Aufm&#228;rschen. Aber gleichzeitig gab es eine Reihe   gro&#223;er Demonstrationen und Blockaden gegen die Nazis in Ost und West.   Und innerhalb der Nazis gibt es Streit und Schwierigkeiten, die eigenen   Anh&#228;nger zu mobilisieren. Der Nazikader Christian Worch sagte k&#252;rzlich   seine seit zig Jahren stattfindenden Aufm&#228;rsche in Leipzig ab.<\/p>\n<h4>  Wie stark sind die Nazis?<\/h4>\n<p>  Die zentrale Rolle spielt die NPD. Sie schloss mit der DVU 2005 einen   Pakt &#252;ber den Antritt zu Wahlen. Parallel dazu begann sie verst&#228;rkt, mit   den Kameradschaften zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p>  Einen bedeutenden Erfolg auf Wahlebene erzielte sie bei der Landtagswahl   in Sachsen 2004. Sie erreichte 9,2 Prozent. An dieses Ergebnis kn&#252;pfte   sie 2006 mit der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an, bei der die   NPD 7,3 Prozent errang. In anderen Bundesl&#228;ndern blieb sie weit unter   diesen Werten, konnte aber &#252;berall zulegen: in Rheinland-Pfalz von 0,5   auf 1,2 Prozent, in Berlin von 0,9 auf 2,6 Prozent. Nach Angaben des   Verfassungsschutzes konnte die NPD von 3.500 Mitgliedern 1996 &#252;ber 5.300   im Jahr 2004 auf schlie&#223;lich 7.000 im Jahr 2006 wachsen.<\/p>\n<p>  Zentral f&#252;r die NPD ist die Zusammenarbeit mit den freien   Kameradschaften und insgesamt der Nazi-Szene au&#223;erhalb der Partei. Diese   sichern ihre Veranstaltungen, organisieren Jugendliche, terrorisieren   MigrantInnen, GewerkschafterInnen und Linke. Mehrere Landesverb&#228;nde,   insbeson-dere im Osten, haben mittlerweile F&#252;hrungskr&#228;fte, die genau   diesem Hintergrund entstammen. Auch in den Bundesvorstand wurden   Vertreter der Kameradschaften integriert.<\/p>\n<h4>  Auseinandersetzung zwischen NPD und &#8222;freier&#8220; Nazi-Szene<\/h4>\n<p>  Doch das Verh&#228;ltnis NPD und &#8222;freie&#8220; Nazi-Szene funktioniert durchaus   nicht reibungslos. Die NPD versucht den Spagat zwischen Seri&#246;sit&#228;t und   aktivistischer Militanz. F&#252;r die breite &#214;ffentlichkeit will sie nicht   den B&#252;rgerschreck geben, sondern das Bild des netten Politikers von   nebenan transportieren. Das l&#228;sst sich nicht immer mit den von den   Kameradschaften geforderten Aufm&#228;rschen und militantem Vorgehen   vereinbaren.<\/p>\n<p>  Aktuell ist im Sommer eine heftige Debatte entbrannt zwischen den so   genannten Autonomen Nationalisten und der NPD. Erstere kopieren in   wesentlichen Punkten die autonome Antifa: Sie marschieren in schwarzen   Bl&#246;cken auf, vermummen sich, liefern sich Scharm&#252;tzel mit der Polizei.   Doch auch inhaltlich geben sich die Autonomen Nationalisten radikaler.   Sie betonen stark das Ziel des &#8222;Nationalsozialismus&#8220; gegen&#252;ber der   jetzigen b&#252;rgerlichen Demokratie. Diesen Sommer gab der   NPD-Bundesvorstand schlie&#223;lich die Erkl&#228;rung &#8222;Unsere Fahnen sind schwarz   &#8211; unsere Bl&#246;cke nicht!&#8220; ab. In ihr verurteilt er die Autonomen   Nationalisten klar: &#8222;Vertreter des &#8216;Schwarzen Blocks&#8217; sind f&#252;r die   breite Masse unseres Volkes keine Sympathietr&#228;ger und k&#246;nnen auch nicht   glaubhaft mit ihrem Aussehen und Verhalten eine neue Ordnung vertreten,   die deutsche Werte einfordert.&#8220;<\/p>\n<p>  Erhitzte Debatten folgten, in denen der NPD vorgeworfen wurde, die   alleinige Oberherrschaft anzustreben und schon an das System angepasst   zu sein. Die NPD musste etwas zur&#252;ckrudern, da sie in weiten Teilen des   Landes ohne die freie Nazi-Szene nicht mobilisierungsf&#228;hig ist. So   lie&#223;en die &#8222;Autonomen&#8220;-Nazis die NPD bei einem lange vorbereiteten   Aufmarsch am 22. September in D&#252;ren im Regen stehen. Nur 150 Faschisten   waren da, was als Desaster gewertet wurde.<\/p>\n<p>  Der Konflikt wird weiter andauern. &#8222;Deutsche Werte&#8220; vertragen sich nicht   unbedingt mit dem Willen, in andere Jugendkulturen hineinzukommen. Denn   auch die Jungen Nationaldemokraten (JN &#8211; die Jugendorganisation der NPD)   wollen nicht auf Skinheads und Klone der Hitler-Jugend beschr&#228;nkt   bleiben und versuchen so einfach mal den Song &#8222;Her mit dem sch&#246;nen   Leben&#8220; der K&#246;lner HipHop-Band Microphone Mafia f&#252;r sich zu verwerten,   was die Band nat&#252;rlich untersagte.<\/p>\n<h4>  Aufbauhebel Jugendarbeit<\/h4>\n<p>  Die Jugendarbeit ist zentral f&#252;r die Rechtsextremen. Sie haben zwar   Anh&#228;nger in allen Altersgruppen, doch unter Jugendlichen ist das   Potenzial hoch. In Sachsen gewann die NPD 2004 21 Prozent der Erst- und   Jungw&#228;hler. In Mecklenburg-Vorpommern waren es 2006 dann 17 Prozent in   dieser Kategorie. Doch auch im Saarland stimmten 14 Prozent der   m&#228;nnlichen Jungw&#228;hler f&#252;r die NPD.<\/p>\n<p>  Die Nazis gehen in ihrer Jugendarbeit an mehreren Fronten vor. Ein   wichtiger Pfeiler ist die rechtsextreme Musik. Kenner der Szene sch&#228;tzen   die Anzahl der verkauften CDs der Gruppe Landser auf 100.000, obwohl   deren Musik auf dem Index steht. Doch der Verkauf l&#228;uft &#252;ber   Jugendclubs, Schulh&#246;fe und Tr&#246;delm&#228;rkte, vom Internet ganz zu schweigen.   Die NPD konnte 2006 zum Pressefest der Deutschen Stimme, dem   Zentralorgan der NPD, 7.000 Leute in Dresden versammeln. Dieses   &#8222;Pressefest&#8220; war de facto ein gro&#223;es rechtsextremes Konzert. Allerdings   sorgte die kommerzielle Durchf&#252;hrung daf&#252;r, dass zum Sachsentag der JN   2007 nur 600 Leute kamen. Erfolge sind also auch da nicht sicher.<\/p>\n<p>  Neben der recht bekannt gewordenen Schulhof-CD gibt die JN erstmal nur   in Sachsen seit neuestem eine Sch&#252;lerzeitschrift heraus. Ihr Name ist   Perplex mit der Unterzeile &#8222;jung, frech, deutsch&#8220;. Im Editorial wird   erstmal Stimmung gegen die Lehrer und Lehrerinnen gemacht: &#8222;Diese   Sch&#252;lerzeitung ist der Schrecken aller linken Spie&#223;er, die dich   unterrichten.&#8220; Das Bl&#228;ttchen will den Eindruck erwecken, dass   Aufbegehren und Nationalismus ein und dasselbe sind. Die JN fungiert als   Scharnier zwischen der NPD und den freien Kameradschaften. Allerdings   ist innerhalb der Nazis umstritten, ob man die JN tats&#228;chlich braucht.<\/p>\n<p>  Die Nazis versuchen auch in diversen Vereinen Fu&#223; zu fassen. Mehrere   Fu&#223;ballvereine haben definitiv ein Problem mit Teilen ihrer Fans, die   als Rechte versuchen das Bild dieser Vereine zu bestimmen. Das betrifft   Dynamo Dresden, Lok Leipzig, aber auch kleinere Vereine. Auch in   Westdeutschland versuchen die Nazis mit unterschiedlichem Erfolg in den   Fanclubs Fu&#223; zu fassen. Bei VfB L&#252;beck gr&#252;ndete der NPD-Kreisvorsitzende   gleich einen eigenen Fanclub, die L&#252;bsche Jugend.<\/p>\n<h4>  Nazi-Gewalt nimmt zu<\/h4>\n<p>  In der letzten Zeit setzen Nazis wieder zunehmend Gewalt gegen alle ein,   die ihnen nicht in den Kram passen. Aus dem gesamten Land gibt es   Berichte &#252;ber eingeschlagene Fenster in B&#252;ros der LINKEN oder &#252;ber   Drohungen gegen&#252;ber linken Aktiven (in Kassel zum Beispiel mit toten   Ratten im Briefkasten) und &#220;berf&#228;llen auf MigrantInnen,   AntifaschistInnen und sogar Schauspieler in Halberstadt.<\/p>\n<p>  Die s&#228;chsischen Beratungsprojekte f&#252;r Opfer rechter Gewalt registrierten   im ersten Halbjahr 2007 139 rechtsextreme Angriffe, w&#228;hrend es im ersten   Halbjahr 2006 noch 81 waren. V&#246;llig zu Recht weisen die Projekte darauf   hin, dass die Dunkelziffer hoch sein d&#252;rfte. Polizei und Justiz   bestreiten oft einen rechtsextremen Hintergrund.<\/p>\n<h4>  Nazis und ihre Verankerung<\/h4>\n<p>  Offenbar sind die Nazis selbstbewusster geworden und agieren in einigen   Gebieten mittlerweile sehr offen. Dazu z&#228;hlt dann auch die direkte   Einsch&#252;chterung des politischen Gegners. Sind sie auch nicht in der   Lage, das Konzept der &#8222;national befreiten Zone&#8220; in gr&#246;&#223;erem Umfang und   erst Recht nicht in gr&#246;&#223;eren St&#228;dten umzusetzen, so haben sie doch in   Gebieten wie der S&#228;chsischen Schweiz eine Art rechte Normalit&#228;t   geschaffen. Dar&#252;ber hinaus wird versucht, in Gro&#223;st&#228;dten St&#252;tzpunkte zu   schaffen, wie mit der Ansiedlung von rechten Klamottenl&#228;den (zum   Beispiel den Thor-Steinar-Gesch&#228;ften in Magdeburg, Berlin, Leipzig und   Dresden).<\/p>\n<p>  Seit einiger Zeit versuchen die Nazis sich &#252;ber die soziale Frage zu   profilieren. Die NPD klagt scheinbar das System an und hat die   Globalisierung als ihren Hauptgegner ausgemacht. In ihrer Welt ist das   internationale Finanzkapital der b&#246;se Wolf, der die armen deutschen   Schafe rei&#223;t. Forderungen an die deutsche Wirtschaft enden in dem   folgenlosen Satz, dass die Wirtschaft dem Volke zu dienen habe. Die NPD   bekennt sich nach wie vor zum freien Unternehmertum. Im Endeffekt wollen   sie nat&#252;rlich keinen wirklichen Protest und Widerstand organisieren.   Schlie&#223;lich besteht ihre historische Rolle darin, die Arbeiterbewegung   im Allgemeinen und die Linke im Besonderen zu schw&#228;chen und   einzusch&#252;chtern (und auszuradieren, falls die Nazis nochmal die   M&#246;glichkeit dazu bekommen sollten). Die Faschisten sind trotz ihrer   antikapitalistisch gef&#228;rbten Rhetorik in letzter Instanz brutale   Fu&#223;truppen f&#252;r das Kapital.<\/p>\n<p>  Bei sozialen Themen klauen Nazis von den Linken. So schreiben NPD und JN   in Halle ein Flugblatt mit der &#220;berschrift &#8222;Unsere Stadt ist keine Ware&#8220;   gegen die Privatisierung st&#228;dtischer Wohnungen. Der attac-Slogan ist   unschwer zu erkennen. Der Aktionsvorschlag ist allerdings Null: man   werde &#8222;nicht tatenlos zusehen&#8220; und &#8222;den Bonzen auf die F&#252;&#223;e treten&#8220;. NPD   und Nazis haben zwar versucht, sich den Montagsdemonstrationen gegen   Hartz IV anzuschlie&#223;en, in Kommunalparlamenten beteiligt die NPD sich   aber an der Umsetzung der Hartz-Gesetze.<\/p>\n<p>  Untersucht man die Unterst&#252;tzung bei den Wahlen, so errang die NPD in   Mecklenburg-Vorpommern klar &#252;berdurchschnittliche 17 Prozent der Stimmen   bei den Arbeitslosen. Aber auch bei den Selbstst&#228;ndigen erreichte sie   zehn Prozent.<\/p>\n<h4>  Nazis &#8211; ein Ostproblem?<\/h4>\n<p>  Zwar verbuchen die Nazis momentan ihre Erfolge vor allem im Osten. Doch   vermehrte Aktivit&#228;ten der Nazis gibt es auch im Westen. Nach einer   Umfrage von Forsa k&#246;nnte sich jeder achte Deutsche vorstellen, eine   rechtsextreme Partei zu w&#228;hlen. Die Unterschiede zwischen Ost und West   seien dabei marginal. Schon dies ist ein Hinweis darauf, dass wohl kaum   das Aufwachsen in der DDR den Rechtsextremismus hervorgerufen haben   kann. Doch soll die DDR als Grund f&#252;r den Rechtsextremismus immer wieder   herhalten, so durch die &#8222;T&#246;pfchenthese&#8220; des Kriminologen Christian   Pfeiffer. Er meinte, es sei in der DDR &#252;blich gewesen, 13 Monate alte   Babys auf den Topf zu zwingen, was mit anderen Gruppenzw&#228;ngen in Krippe   und Kindergarten zu einer &#8222;Ich-Schw&#228;che&#8220; gef&#252;hrt habe. Dies w&#252;rde die   h&#246;here Gewaltbereitschaft im Osten erkl&#228;ren. Diese These erkl&#228;rt aber   nicht, warum die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen unter 18 Jahren am   h&#246;chsten ist, die doch alle nach der Wende aufwuchsen.<\/p>\n<p>  Diese und andere &#8222;Erkenntnisse&#8220; sollen davon ablenken, dass   Massenarbeitslosigkeit, Verarmung und Perspektivlosigkeit die   Erscheinungsformen des Kapitalismus sind. Weil die Lage in   Ostdeutschland dramatischer ist, sind auch Wut und Frustration gr&#246;&#223;er.   Das ist ein wesentlicher Grund daf&#252;r, dass die Nazis im Osten gr&#246;&#223;ere   Erfolge als im Westen erzielen.<\/p>\n<h4>  Rechtsruck von SPD und Gr&#252;nen<\/h4>\n<p>  Das hei&#223;t aber nicht, dass die Deutschen in der Krise automatisch nach   rechts r&#252;cken, wie oft behauptet wird. Die Nazis k&#246;nnen aus der sozialen   Krise nur profitieren, solange sie als einzige Kraft erscheinen, die der   Wut Ausdruck verleiht. Ihr Aufstieg war nur m&#246;glich, weil SPD und Gr&#252;ne   unter ihrem linken Mantel die gro&#223;e Sozialabbau-Axt hervorholten und   einen Kahlschlag durchf&#252;hrten, der in der Nachkriegsgeschichte ohne   Beispiel ist. Obendrein erzeugte und bef&#246;rderte insbesondere die SPD   auch noch rassistische Vorurteile, indem sie 1994 mit der Union das   Ayslrecht faktisch abschaffte und seitdem mit ihr darum wetteifert, wer   am H&#228;rtesten gegen &#8222;kriminelle Ausl&#228;nder&#8220; vorgeht.<\/p>\n<p>  Der Aufstieg der Nazis, gerade im Osten, ist neben Rot-Gr&#252;n auch dem   Versagen der PDS-Spitze zu &#8222;danken&#8220;. Sie galt als die Opposition im   Osten. Doch sobald sie in Landesregierungen eintrat, wurde der   Sozialismus in Sonntagsreden verbannt. Der realpolitische Alltag bestand   in Berlin unter anderem im Austritt aus dem Tarifvertrag f&#252;r den   &#214;ffentlichen Dienst. In Dresden stimmte die Mehrheit der PDS-Fraktion im   Stadtrat f&#252;r die Privatisierung der st&#228;dtischen Wohnungen. Es ist daher   kein Wunder, dass die Stimmung gegen das Establishment und &#8222;die da oben&#8220;   zum Teil von Rechts eingefangen wurde.<\/p>\n<h4>  Neue Situation<\/h4>\n<p>  Inzwischen ist aber eine neue Situation entstanden, erst mit der   Gr&#252;ndung der WASG, dann mit der Bildung der Linkspartei. Soziale Themen   werden jetzt erstmals seit Jahren wieder bundesweit erkennbar von Links   aufgegriffen. Mit der Partei DIE LINKE gibt es insbesondere auf   Wahlebene wieder eine relevante linke Opposition. Ohne diese Entwicklung   h&#228;tte die NPD zweifellos bei den kommenden Wahlen neue gro&#223;e Erfolge   feiern k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Allerdings gibt es in der LINKEN ma&#223;gebliche Kr&#228;fte, die in die falsche   Richtung gehen. Die DGB-Spitze wird von F&#252;hrungskr&#228;ften der Partei   hofiert, statt sie wegen ihrer Verzichtspolitik anzugreifen. Die   Mehrheit der Parteif&#252;hrung ist vor allem auf eine Regierungsbeteiligung   mit der SPD aus. Gleichzeitig hat die Linkspartei keine Antwort auf die   Krise des Kapitalismus. In der Weltwirtschaft bahnt sich eine neue   Rezession an. Eine Regierungsbeteiligung w&#252;rde eine Mitbeteiligung an   K&#252;rzungen zu Lasten der Masse der Bev&#246;lkerung bedeuten. Die Entt&#228;uschung   &#252;ber die LINKE k&#246;nnte dann den Nazis noch wesentlich mehr Auftrieb geben.<\/p>\n<h4>  Antifaschismus organisatorisch und inhaltlich fit machen<\/h4>\n<p>  Im Kampf gegen Rechts muss jeder aktiv werden. Es gibt viele   AntifaschistInnen, die den Nazis entschiedenen und mutigen Widerstand   entgegensetzen. Besonders viel Respekt verdient die Arbeit von Gruppen   direkt in der &#8222;H&#246;hle des L&#246;wen&#8220;. Welche Gefahren diese AktivistInnen   eingehen, zeigte ein &#220;berfall auf das B&#252;ro des Netzwerks f&#252;r   Demokratische Kultur e.V. diesen Sommer in Wurzen. Ein Antifaschist   wurde von den Nazis gew&#252;rgt, ehe er fl&#252;chten konnte. Gerade in   l&#228;ndlichen Regionen sind neben MigrantInnen auch AntifaschistInnen immer   wieder Ziel von Nazi-&#220;berf&#228;llen.<\/p>\n<p>  Um Nazi-Aktivit&#228;ten zu stoppen und Aufm&#228;rsche oder Veranstaltungen zu   verhindern, sind Massenmobilisierungen n&#246;tig. Es ist h&#246;chste Zeit, dass   das in den Gewerkschaften und in der gesamten Linken begriffen wird. Die   Gewerkschaften k&#246;nnten, bei entsprechender politischer Vorbereitung,   ihre Mitglieder massenhaft gegen Naziaufm&#228;rsche mobilisieren, statt   symbolische Proteste zusammen mit ein paar Pfarrern und Honoratoren   (oder gar noch mit den Verantwortlichen f&#252;r Lohn- und Sozialk&#252;rzungen)   auf Marktpl&#228;tzen zu veranstalten, w&#228;hrend der braune Mob nebenan durch   die Stra&#223;en marschiert.<\/p>\n<p>  Um den Nazis den Boden zu entziehen, m&#252;ssen die Gewerkschaften die   Interessen der Arbeitenden und der Erwerbslosen konsequent verteidigen.   Die Mitglieder sind dazu bereit, die F&#252;hrung in Gestalt der Herren   Sommer, Bsirske, Hansen und Huber tut aber eher das Gegenteil. Wenn der   Widerstand gegen Betriebsschlie&#223;ungen, Lohn- und Sozialraub ausbleibt,   k&#246;nnen Frust und rassistische Stimmungen in der arbeitenden und   erwerbslosen Bev&#246;lkerung zunehmen. Darum ist der gemeinsame Kampf von   deutschen und nichtdeutschen Besch&#228;ftigten, Arbeitslosen und   Jugendlichen zentral. Wenn k&#228;mpferische Belegschaften sich zur Wehr   setzen, wird deutlich, dass die Lohnabh&#228;ngigen egal welcher Hautfarbe   die gleichen Interessen haben. So kann der Spaltungspolitik von   Rassisten und Faschisten der Boden entzogen werden. Angesichts der   heutigen F&#252;hrung der DGB-Gewerkschaften sind Initiativen von unten und   der Aufbau einer innergewerkschaftlichen Opposition n&#246;tig.<\/p>\n<p>  Um die Nazis erfolgreich zur&#252;ckzudr&#228;ngen, ist nicht nur die Organisation   von Protest und Gegenwehr, sondern auch eine inhaltliche Antwort auf die   angebliche &#8222;Alternative&#8220; der Nazis von N&#246;ten. Antifaschismus darf sich   nicht auf Mobilisierungen gegen Nazis beschr&#228;nken. Er muss den Kampf   gegen sie mit dem gegen Verelendung, Entlassungen und Privatisierung   verbinden.<\/p>\n<p>  Eine Linke, die eine politische Alternative zum Sozialabbau aufzeigt,   kann die Nazis zur&#252;ckdr&#228;ngen.<\/p>\n<p>  Linke m&#252;ssen die Feigheit der Nazis entlarven, die immer lieber nach   unten treten, als sich wirklich mit den M&#228;chtigen anzulegen. Um diesen   Kampf dauerhaft und engagiert zu f&#252;hren, ist ein Programm zur   &#220;berwindung des Kapitalismus n&#246;tig.<\/p>\n<p>  Im Osten stehen die meisten dem Kapitalismus ablehnend gegen&#252;ber, wie   alle Umfragen belegen. Um so wichtiger, eine wirkliche   antikapitalistische Perspektive zu diskutieren und zu pr&#228;sentieren. Aus   Sicht der SAV muss das eine sozialistische sein. Auch deshalb ist eine   Auseinandersetzung mit der DDR und der fr&#252;heren Sowjetunion n&#246;tig, die   n&#228;mlich keine sozialistischen sondern stalinistische L&#228;nder waren.<\/p>\n<p>  Darum m&#252;ssen wir innerhalb und au&#223;erhalb der LINKEN f&#252;r die   Notwendigkeit einer Partei eintreten, die konsequent f&#252;r die Interessen   von ArbeiterInnen, Erwerbslosen, Jugendlichen und RentnerInnen k&#228;mpft   und eine sozialistische Alternative zur Sackgasse des Kapitalismus   aufzeigt. Nichts f&#252;rchten die Krawatten- und die Schl&#228;ger-Nazis mehr.<\/p>\n<p>  <i>Ingmar Meinecke ist Mitglied im SAV-Bundesvorstand <\/i><\/p>\n<\/p>\n<h3>  <i>Rechte Zahlen <\/i><\/h3>\n<p>  <i>Es ist schwierig, die Entwicklung der Nazi-Szene in Zahlen zu fassen.   Die Statistik des Verfassungsschutzes ist nat&#252;rlich ein unsicheres,   politisch motiviertes Zahlenwerk. Manche Entwicklungen lassen sich auch   nicht in Zahlen fassen, 8.500 Mitglieder der DVU haben nicht die   Bedeutung wie 7.000 Mitglieder der NPD. Dennoch geben die Zahlen aus den   Berichten des Verfassungsschutzes einen gewissen Anhaltspunkt. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#220;ber die Jahre 2004, 2005, 2006 hat demnach die Zahl   rechtsextremistischer Straftaten zugenommen. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Bei der Anzahl der Rechtsextremisten gibt es unterschiedliche   Entwicklungen. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Als Neonazis werden eingestuft (aus den Verfassungschutzberichten   2004 bis 2006): <\/i><\/p>\n<p>  <i>2004: 3.800, 2005: 4.100, 2006: 4.200 <\/i><\/p>\n<p>  <i>Unter dem Begriff &#8222;Politisch motivierte Kriminalit&#228;t &#8211; rechts&#8220; werden   aufgef&#252;hrt: <\/i><\/p>\n<p>  <i>2004: 12.553 Taten, 2005: 15.914 Taten, 2006: 18.142 Taten <\/i><\/p>\n<p>  <i>Zahl gewaltbereiter Rechtsextremisten: <\/i><\/p>\n<p>  <i>2004: 10.000, 2005: 10.400, 2006: 10.400 <\/i><\/p>\n<p>  <i>Die Zahl der als rechtsextrem eingestuften Personen insgesamt   (Mitglieder von Parteien, Organisationen und Unorganisierte): <\/i><\/p>\n<p>  <i>2004: 40.700, 2005: 39.000, 2006: 38.6000 <\/i><\/p>\n<p>  <i>DVU und Republikaner haben in den Jahren 2004 bis 2006 Mitglieder   verloren (DVU von 11.000 auf 8.500, REPs von 7.500 auf 6.000). Die NPD   legte im selben Zeitraum zu, von 5.300 auf 7.000 Mitglieder.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gr&#252;nde f&#252;r den Aufstieg der Nazis und wie sie gestoppt werden k&#246;nnen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[199],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12437"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12437"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12437\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12437"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12437"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12437"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}