{"id":12436,"date":"2007-12-11T00:49:50","date_gmt":"2007-12-10T23:49:50","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12436"},"modified":"2012-05-15T15:35:00","modified_gmt":"2012-05-15T13:35:00","slug":"12436","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/12\/12436\/","title":{"rendered":"DIE LINKE und die Solidarit&#228;t mit dem Lokf&#252;hrerstreik: Verpasste Chance"},"content":{"rendered":"<p>  Der Streik von einigen Tausend GDL-Mitgliedern hat die Republik   polarisiert wie lange kein Arbeitskampf. Welche Rolle hat DIE LINKE   dabei gespielt?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Heino Berg, Bremen<\/i><\/p>\n<p>  Die enorme &#246;ffentliche Wirkung des Streiks hat vor allem zwei Gr&#252;nde:   Erstens k&#228;mpfen die Lokf&#252;hrer gegen einen Bahnvorstand, der &#246;ffentliches   Eigentum zu einem Spottpreis an private Investoren verscherbeln will.   Zweitens wollen die Lokf&#252;hrer die Lohnverzichtspolitik durchbrechen, die   den ArbeitnehmerInnen seit Jahren nicht nur von Regierung und Kapital,   sondern auch von der F&#252;hrung der eigenen Gewerkschaften verordnet worden   ist.<\/p>\n<h4>  Monatelanges Abwarten<\/h4>\n<p>  Die Unterst&#252;tzung, auf die der Lokf&#252;hrerstreik spontan in der   Bev&#246;lkerung gesto&#223;en ist, spiegelt die Umfragemehrheiten gegen die   Gro&#223;en Koalition und gegen die Hartz- und Rentengesetze. Und weist damit   auf die gro&#223;en M&#246;glichkeiten der einzigen Partei hin, die sich im   Bundestag gegen diese Gesetze ausgesprochen hat. DIE LINKE hatte seit   Sommer die Chance und damit auch die politische Verpflichtung, die   Solidarit&#228;t der Bev&#246;lkerung f&#252;r den Lokf&#252;hrerstreik nicht mit Worten,   sondern auch mit praktischen Aktionen zum Ausdruck zu bringen, um so auf   einen Durchbruch gegen die allgemeine Privatisierungs- und Lohnraubwelle   hinzuwirken.<\/p>\n<p>  Tatsache ist jedoch, dass die Bundesf&#252;hrung der LINKEN diese Gelegenheit   bisher verpasst hat. Seit der Urabstimmung f&#252;r den Streik sind Monate   vergangen, ohne dass Oskar Lafontaine oder Gregor Gysi zu den   Streikenden gegangen und dort aufgetreten sind, wie das noch beim   letzten Streik von ver.di oder beim Kampf der Belegschaften von AEG in   N&#252;rnberg oder Bosch-Siemens-Hausger&#228;te in Berlin der Fall war. Was   damals den KollegInnen Mut gemacht hatte und in der Bev&#246;lkerung als   Antwort auf die Profitgier der Konzerne Hoffnungen ausgel&#246;st hatte,   blieb beim Kampf der Lokf&#252;hrer bisher aus. Stattdessen aus R&#252;cksicht auf   die sozialdemokratischen Gewerkschaftsf&#252;hrer lange Zeit betretenes   Schweigen oder sogar &#8211; wie bei den Vorstandsmitgliedern Ulrike Zerhau   oder Bodo Ramelow &#8211; indirekte Unterst&#252;tzung f&#252;r die Streikbrecherrolle   der Transnet-F&#252;hrung.<\/p>\n<h4>  Druck auf die Parteispitze<\/h4>\n<p>  Diese Position stie&#223; besonders in den westlichen Landesverb&#228;nden der   LINKEN auf massiven Widerstand &#8211; was unterstreicht, dass sie sich dort   unter dem Einfluss der fr&#252;heren WASG von Berlin und Ostdeutschland   unterscheiden. Die Landesverb&#228;nde von Bremen und Nordrhein-Westfalen   waren die ersten, die sich &#8211; nicht zuletzt durch Initiativen von   Mitgliedern der SAV und der Antikapitalistischen Linken &#8211; f&#252;r eine   uneingeschr&#228;nkte Solidarit&#228;t mit dem GDL-Streik ausgesprochen und daraus   praktische Konsequenzen durch Veranstaltungen und   Unterschriftensammlungen gezogen hatten. Andere Gliederungen folgten,   vor allem im Jugend- und Studentenbereich sowie in Hessen und Hamburg,   wo Wahlk&#228;mpfe stattfinden.<\/p>\n<p>  Unter diesem Druck musste im November sogar der Bundesvorstand der   LINKEN nachgeben und zumindest formal ein Bekenntnis zur Solidarit&#228;t mit   dem Streik ablegen. Auch wenn sich das nicht auf die Forderung der   Streikenden nach einem eigenst&#228;ndigen Tarifvertrag erstreckte, ist der   Beschluss ein Erfolg f&#252;r die Streikenden und f&#252;r die antikapitalistische   Opposition innerhalb und au&#223;erhalb der Partei DIE LINKE.<\/p>\n<h4>  Erkl&#228;rungen sind Silber&#8230;<\/h4>\n<p>  Klar ist aber auch, dass es nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben darf.   Daraus m&#252;ssen endlich praktische Konsequenzen gezogen werden, gemeinsam   mit den GDL-KollegInnen und allen Gewerkschaftern, die durch die   Unterst&#252;tzung des Streiks eine Wende in der Lohnpolitik herbeif&#252;hren   wollen.<\/p>\n<p>  DIE LINKE mit ihren &#252;ber 60.000 Mitgliedern sollte &#8211; solange die   Lokf&#252;hrer ihren Kampf fortsetzen &#8211; mit Massenflugbl&#228;ttern, Plakaten,   Unterschriftensammlungen und &#246;ffentlichen Auftritten f&#252;r das   Fahrpersonal der Bahn eintreten. Wir brauchen gemeinsame Aktionen und   Diskussionen mit den VertreterInnen anderer Gewerkschaften &#8211; um eine   bundesweite Solidarit&#228;tskampagne aufzubauen. DIE LINKE sollte ihren   Einfluss geltend machen und Initiativen zur Ausweitung der   Unterst&#252;tzung, m&#246;glicherweise &#252;ber Aktionstage eine bundesweite   Demonstration und Streikma&#223;nahmen f&#252;r die Lokf&#252;hrer und gegen die   Bahn-Privatisierung, ergreifen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der Streik von einigen Tausend GDL-Mitgliedern hat die Republik<br \/>\n      polarisiert wie lange kein Arbeitskampf. 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