{"id":12426,"date":"2007-12-02T00:34:52","date_gmt":"2007-12-02T00:34:52","guid":{"rendered":".\/?p=12426"},"modified":"2007-12-02T00:34:52","modified_gmt":"2007-12-02T00:34:52","slug":"12426","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/12\/12426\/","title":{"rendered":"Lokf&#252;hrer als Blockadebrecher"},"content":{"rendered":"<p>  Arbeitskampf der GDL ermutigt andere Besch&#228;ftigte und setzt   Gewerkschaftsspitzen unter Druck<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Zu Redaktionsschluss der Solidarit&#228;t war unklar, wie weitgehend sich die   Gewerkschaft Deutscher Lokomotivf&#252;hrer (GDL) in ihrem Kampf f&#252;r   Lohnerh&#246;hungen und einen separaten Tarifvertrag f&#252;r das Fahrpersonal der   Bahn durchsetzen wird. Doch schon jetzt steht fest: Die Aktionen der GDL   haben die hiesige Gewerkschaftslandschaft m&#228;chtig durcheinandergewirbelt   &#8211; und das nicht zum Schlechten.<\/p>\n<p>  <i>von Daniel Behruzi, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Jahrelang hatten die b&#252;rokratisierten DGB-Organisationen den   R&#252;ckw&#228;rtsgang eingelegt: Lohn- und Gehaltsk&#252;rzungen, Verl&#228;ngerung der   Arbeitszeiten, Privatisierungen und Jobabbau in allen Branchen gingen   ohne ernsthaften Widerstand durch. Mehr noch: Die Spitzen von IG Metall   und ver.di ergriffen selbst die Initiative f&#252;r eine grundlegende   Neugestaltung des Tarifsystems. Diese &#8222;Jahrhundertreformen&#8220; &#8211; bei der IG   Metall Entgeltrahmen-Abkommen (ERA) und bei ver.di Tarifvertrag f&#252;r den   &#214;ffentlichen Dienst (TV&#214;D) genannt &#8211; bescherten den Besch&#228;ftigten   massive Einkommenseinbu&#223;en. Auch sind betriebliche Abweichungen vom   Fl&#228;chentarif &#8211; selbstverst&#228;ndlich im Sinne der &#8222;Wettbewerbsf&#228;higkeit des   Standorts&#8220; &#8211; zur Normalit&#228;t geworden. Von der Tatsache, dass es die   Gewerkschaftsf&#252;hrung in Tarifrunden seit Jahren nicht schafft, die   Reall&#246;hne auch nur zu halten, ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>  In dieser Situation ist es nicht verwunderlich, dass eine   Besch&#228;ftigtengruppe wie die der Lokf&#252;hrer, die sich in einer besonders   durchsetzungsf&#228;higen Lage w&#228;hnt, eigene Wege geht. Die Ursache eines   solchen Alleingangs liegt in erster Linie in der Politik der DGB-Spitzen.<\/p>\n<p>  Seit der Verk&#252;ndung der Agenda 2010 im Jahr 2003 hat es mehrere F&#228;lle   gegeben, in denen Besch&#228;ftigte die Verzichtspolitik nicht mehr kampflos   hingenommen haben und die Blockade der Gewerkschaftsapparate &#252;berwinden   wollten: angefangen mit der Initiative f&#252;r die bundesweite Demonstration   gegen Sozialabbau am 1. November 2003 &#252;ber den Opel-Streik in Bochum   2004 bis hin zum Ausstand bei Bosch-Siemens in Berlin 2006. Der   Lokf&#252;hrer-Streik reiht sich darin ein. Es sind diese und andere K&#228;mpfe,   in denen sich eine neue Generation von AktivistInnen herausbildet. Eine   notwendige Voraussetzung, um Ver&#228;nderungen in den Gewerkschaften   bewirken zu k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Ermutigung<\/h4>\n<p>  Der Kampf der Lokf&#252;hrer, die mit der Verweigerung ihrer Arbeitskraft   einen Gro&#223;konzern wie die Deutsche Bahn AG herausfordern, ist eine   Ermutigung f&#252;r alle anderen Besch&#228;ftigten und Gewerkschafter. Das zeigt   sich schon in der Tatsache, dass trotz der zum Teil heftigen Medienhetze   gegen die Streikenden diese weiterhin die gro&#223;e Mehrheit der Bev&#246;lkerung   hinter sich haben. &#8222;Endlich setzt sich mal jemand konsequent zur Wehr&#8220;,   denken viele. Und die Arbeitsniederlegungen des Fahrpersonals haben   gezeigt: Es sind die arbeitenden Menschen, nicht die Aktion&#228;re,   Politiker oder Manager, die alles am Laufen halten. &#8222;Alle R&#228;der stehen   still, wenn dein starker Arm es will.&#8220; Wie richtig dieser selbstbewusste   Leitspruch der Gewerkschaftsbewegung ist, wird erstmals wieder sichtbar.<\/p>\n<p>  Bei den Arbeitsk&#228;mpfen in den vergangenen Jahren wurden wichtige   Erfahrungen gemacht. Der zehnt&#228;gige Streik der Opel-Arbeiter setzte ein   Zeichen der Eigeninitiative und Kampfbereitschaft. Im wochenlangen   Tarifkampf des &#214;ffentlichen Dienstes im letzten Jahr wurde deutlich,   dass auch Erzieherinnen, Krankenpfleger und andere Besch&#228;ftigtengruppen,   die oft nie zuvor die Arbeit niedergelegt hatten, zu Erzwingungsstreiks   mobilisierbar sind. Gleiches gilt f&#252;r die Angestellten von Banken und   Versicherungen, bei der Telekom sowie aktuell im Einzelhandel, wo sich   bislang 100.000 Verk&#228;uferInnen an Streikaktionen beteiligt haben. Die   Fahrradwerker im Th&#252;ringischen Nordhausen trauten sich zuletzt sogar,   ihren Betrieb zu besetzen und die Produktion vor&#252;bergehend in Eigenregie   fortzuf&#252;hren.<\/p>\n<h4>  ver.di-Spitze unter Druck<\/h4>\n<p>  Doch bei all diesen Auseinandersetzungen ging es darum,   Verschlechterungen abzuwehren. Der Lokf&#252;hrerstreik hingegen ist endlich   wieder ein offensiv gef&#252;hrter Kampf um mehr Geld und bessere   Arbeitsbedingungen. Das f&#228;rbt ab. Zum Beispiel auf den &#214;ffentlichen   Dienst, dessen Besch&#228;ftigte ebenfalls die Nase voll haben vom st&#228;ndigen   Verzicht. Nach drei Jahren ohne jegliche dauerhaft wirksame   Lohnerh&#246;hung, nach empfindlichen Einbu&#223;en wegen des TV&#214;D und steigender   Arbeitshetze wollen auch sie endlich wieder mehr Geld im Portemonnaie.   Das zeigen die Beschl&#252;sse diverser Gliederungen zur Tarifrunde: Die   tarifpolitische Konferenz des ver.di-Landesbezirks Baden-W&#252;rttemberg   stellte eine Forderung von 9,4 Prozent und mindestens 214 Euro auf. In   Hessen waren es gar zehn Prozent und mindestens 350 Euro. Es ist also   reichlich Druck im Kessel &#8211; und das hat auch etwas mit dem Kampf der GDL   zu tun. Dieser hat den Burgfrieden zwischen Kapital und Arbeit   zerbrochen und andere Besch&#228;ftigte ermutigt, ebenfalls ihren Anteil an   den von ihnen selbst geschaffenen Werten einzufordern.<\/p>\n<p>  Direkt unter Druck steht die ver.di-Spitze im Nahverkehr. Bei den   M&#252;nchner Verkehrsbetrieben wechselten mehrere hundert Fahrer aus Wut   &#252;ber den neuen Tarifvertrag TV-N, der ihnen deutliche Einkommensverluste   beschert, von ver.di zur GDL. Auch in Berlin sorgt der TV-N, durch den   die L&#246;hne der Neueingestellten auf bis zu 30 Prozent unter das bisherige   Tarifniveau der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) abgesenkt wurden,   weiterhin f&#252;r Unmut. Ein Teil des Betriebsrats und der Besch&#228;ftigten bei   der BVG-Tochter Berlin Transport GmbH (BT) trat bereits zur GDL &#252;ber &#8211;   was ver.di-Chef Frank Bsirske h&#246;chstpers&#246;nlich zur Intervention   veranlasste. Und auf einmal geben sich die Gewerkschaftsfunktion&#228;re auch   hier radikal. Zw&#246;lf Prozent und mindestens 250 Euro mehr soll in der   anstehenden Lohnrunde herausspringen.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaften ver&#228;ndern<\/h4>\n<p>  Es ist wichtig, dass die GDL alle Bahn-Besch&#228;ftigten im Blick hat. Allen   wurde f&#252;r k&#252;nftige Renditen m&#246;glicher Aktion&#228;re Verzicht abverlangt.   Darum gilt es, die anderen KollegInnen f&#252;r den Kampf der GDL zu   gewinnen. Schlie&#223;lich k&#246;nnten bei einem Durchbruch der GDL auch   Tarifvertr&#228;ge von Transnet und GDBA nach oben korrigiert werden. Zudem   muss jeder Form von Bahn-Privatisierung eine Abfuhr erteilt werden.<\/p>\n<p>  Auf alle F&#228;lle hat die bisherige Entschlossenheit der GDL die   Gewerkschaftsspitzen zu k&#228;mpferischem Auftreten gezwungen. Das trifft   selbst auf Transnet zu, die f&#252;r ihren Kuschelkurs mit dem Bahn-Vorstand   und ihr Eintreten f&#252;r die Privatisierung des Unternehmens ber&#252;chtigt   ist. Auf einmal sieht sich auch deren Chef Norbert Hansen zur Forderung   nach einer &#8222;deutlichen zweistelligen Einkommenserh&#246;hung&#8220; gen&#246;tigt.   Gewerkschafter &#8211; egal ob in der GDL, in Transnet oder bei ver.di   organisiert &#8211; sollten gemeinsam daf&#252;r k&#228;mpfen, dass es nicht bei diesen   verbalen Bekenntnissen bleibt. Das erfordert Initiativen von unten,   innergewerkschaftliche Opposition und programmatische sowie personelle   Alternativen.<\/p>\n<\/p>\n<h3>  SAV unterst&#252;tzt die Lokf&#252;hrer &#8211; Unterst&#252;tzt die SAV!<\/h3>\n<p>  In Berlin haben SAV, Eisenbahner und andere linke Gewerkschafter   gemeinsam mehrere Protestaktionen gegen den Bahn-Vorstand auf die Beine   gestellt: Kundgebungen vor dem Bahn-Tower und vor dem   Bundesverkehrsministerium, eine Demonstration von 200 Beteiligten und   ein Auftritt vor dem DGB-Haus. Regelm&#228;&#223;ig geh&#246;rten Lucy Redler und   andere SAV-Mitglieder zu den RednerInnen. Zur Spontandemo der   S-Bahn-Fahrer kam Carsten Becker, SAV-Mitglied und ver.di-Betriebsrat   bei der Charite.<\/p>\n<p>  In K&#246;ln und Berlin engagieren sich SAV-Mitglieder am Aufbau von   Solidarit&#228;tskomitees. In Stuttgart und Aachen geh&#246;rte die SAV zu den   Mitinitiatoren von Solidarit&#228;ts-Kundgebungen (in Stuttgart redete Ursel   Beck, SAV, als Sprecherin des Ortsvereins der LINKEN Bad Cannstatt, in   Aachen sprach Marc Treude, SAV, Ratsmitglied f&#252;r DIE LINKE). Der Druck   von SAVlern und anderen Parteilinken sowie die ungebrochene Sympathie in   der Bev&#246;lkerung f&#252;r die Lokf&#252;hrer waren wichtig, um die &#8211; &#228;u&#223;erst sp&#228;te   &#8211; Solidarit&#228;tbekundung des Parteivorstands der LINKEN zu erreichen.<\/p>\n<p>  <i>Lucy Redler hat mit Winfried Wolf, Rolf Becker und anderen die   website www.bahnstreik-soli.de eingerichtet.<\/i><\/p>\n<p>  &#8211; Um unsere Arbeit zu finanzieren, ist die SAV immer wieder auf Spenden   angewiesen. Darum appellieren wir an alle, die die SAV st&#228;rken wollen,   sich an unserem Jahresendappell &#8211; bei dem wir ein Ziel von 7.500 Euro   haben &#8211; zu beteiligen.<\/p>\n<p>  &#8211; Spenden an die SAV, Kto.-Nr. 2500 59 430, Postbank Essen (BLZ 360 100   43). Verwendungszweck: Winterspende 2007<\/p>\n<p>  &#8211; Derzeit f&#252;hren wir eine Kampagne, 250 neue AbonenntInnen der   Solidarit&#228;t zu gewinnen. Das w&#252;rde es uns erm&#246;glichen, die Kosten der   Zeitung vollst&#228;ndig zu decken.<\/p>\n<p>  &#8211; Keine Nummer mehr verpassen! Abonniere die Solidarit&#228;t!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Arbeitskampf der GDL ermutigt andere Besch&#228;ftigte und setzt<br \/>\n      Gewerkschaftsspitzen unter Druck\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,17,20],"tags":[199],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12426"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12426"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12426\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}